Vingegaard und Visma gewinnen Auftakt der 113. Tour de France in Barcelona
Barcelona, 04. Juli 2026
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Kurzfassung
Das Team Visma–Lease a Bike hat am Samstag das Mannschaftszeitfahren zum Auftakt der 113. Tour de France in Barcelona gewonnen. Jonas Vingegaard eroberte damit das erste Gelbe Trikot und liegt im Gesamtklassement acht Sekunden vor Filippo Ganna.
Das Team Visma–Lease a Bike mit Jonas Vingegaard hat am Samstag das Mannschaftszeitfahren beim Grand Départ der 113. Tour de France in Barcelona gewonnen und damit den ersten Etappensieg der Rundfahrt eingefahren.
Der Auftakt der Frankreich-Rundfahrt stand erstmals seit 1971 wieder als Mannschaftszeitfahren auf dem Programm. Über 19,6 Kilometer führte der Kurs durch Barcelona, vorbei an der Basilika Sagrada Família und mit zwei kurzen Anstiegen vor dem Ziel. Insgesamt 23 Teams traten mit je acht Fahrern an, doch nur die Zeit des schnellsten Fahrers jeder Equipe zählte für das Etappenergebnis – eine neue, nicht unumstrittene Regelung.
Streckenprofil und neuer Modus
Visma–Lease a Bike setzte die Bestzeit mit 21:47 Minuten und verwies Filippo Ganna vom Team Netcompany Ineos mit acht Sekunden Rückstand auf Rang zwei. Ganna hatte zuvor als Solist mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 53,6 km/h zwischenzeitlich eine neue Bestmarke gesetzt. Doch Vingegaard unterbot diese mit 53,7 km/h im Schnitt und war damit der einzige Fahrer, der Gannas Zeit unterbieten konnte.
Weil Jonas Vingegaard als Erster seines Teams über die Ziellinie fuhr, schlüpfte der Däne ins «Maillot jaune». Es ist sein erstes Gelbes Trikot seit 2023, als er seine zweite Tour de France gewann. Der 29-Jährige strebt nun seinen dritten Gesamtsieg an, wie er nach der Etappe deutlich machte. „Es ist das größte Rennen der Welt. Es ist ein toller Sieg für uns. Ich habe sieben Teamkollegen, die sich heute für mich geopfert haben. Ich trage zwar das Gelbe Trikot, aber sie haben auch die Etappe gewonnen und ich möchte meinen Teamkollegen und meinem Team dafür danken“, sagte Vingegaard im Ziel.
Das Duell der Rivalen
Der slowenische Topfavorit Tadej Pogacar kam mit seinem UAE-Team als Dritter ins Ziel und hatte einen Rückstand von 12 Sekunden auf den Sieger. Damit feierte Vingegaard den ersten Punktsieg im lang erwarteten Duell der beiden Rivalen. Im Gesamtklassement liegt Vingegaard mit einer Zeit von 21:47 Minuten vor Ganna (8 Sekunden zurück) und Pogacar (12 Sekunden zurück). Seit 2021 gingen die Plätze eins und zwei der Gesamtwertung jeweils an Pogacar und Vingegaard.
Pogacar, viermaliger Gesamtsieger der Tour und Vorjahressieger, will mit dem diesjährigen Rennen seinen Hattrick und seinen insgesamt fünften Triumph perfekt machen. Im Ziel sprach er von rund elf Sekunden Rückstand auf den Dänen. Beim Schlussanstieg zum Olympiastadion in Barcelona hatte Pogacar noch einmal zur Attacke angesetzt, doch der Rückstand ließ sich nicht mehr entscheidend verkürzen.
Hinter den Spitzenteams klassierten sich Lidl-Trek mit dem Spanier Juan Ayuso als Vierter (16 Sekunden Rückstand) und Red Bull–Bora–hansgrohe mit der Doppelspitze Remco Evenepoel und Florian Lipowitz auf Rang fünf (19 Sekunden Rückstand). Evenepoel, Zeitfahr-Weltmeister und -Olympiasieger, setzte sich im Schlussanstieg von seinem deutschen Teamkollegen Lipowitz ab. Der Belgier büßte letztlich mehr als 18 Sekunden auf Vingegaard ein.
Lipowitz verliert im Schlussanstieg
Florian Lipowitz musste das Tempo seines Kapitäns etwa 2,2 Kilometer vor dem Ziel mitgehen lassen und verlor dadurch deutlich an Boden. Für den Deutschen bedeutete dies einen Rückstand von 35 Sekunden auf den Sieger – am Ende reichte es im Gesamtklassement nur zu Rang acht. Isaac del Toro aus Mexiko belegt Platz sechs (26 Sekunden zurück), Tobias Foss aus Norwegen liegt auf Rang neun (38 Sekunden zurück).
Eine bemerkenswerte Leistung zeigte der 19-jährige Paul Seixas, der seine erste Tour de France bestreitet. Der Franzose, Teamkollege von Felix Gall bei Decathlon–AG2R La Mondiale, fuhr als Zehnter ins Ziel und lag 39 Sekunden hinter Vingegaard. Gall selbst schont sich in diesem Jahr und verzichtet auf die Tour, um sich auf ein anderes Rennen in Frankreich zu konzentrieren. Felix Großschartner, der als einer der wichtigsten Helfer Pogacars bei UAE fungierte, rollte mit einem Rückstand von 2:54 Minuten aus.
Verlauf: Flach, dann zwei Steigungen
Das Rennen begann zunächst flach: Die ersten rund 16 Kilometer verliefen überwiegend gerade und eben, vorbei am Olympia-Hafen und an Antoni Gaudis Sagrada Família. Die Spitzenmannschaften erreichten am vorletzten Messpunkt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 59 km/h. Doch auf den letzten 3,5 Kilometern warteten zwei längere Anstiege, die einige Teams an ihre Grenzen brachten. Der finale 800-Meter-Anstieg zum Olympiastadion auf Montjuïc wies im Schnitt sieben Prozent Steigung auf.
Niklas Märkl vom niederländischen Team Picnic PostNL beschrieb den Rest des Rennes nach seiner Aufgabe als „Horror“, da die Fahrer 15 Kilometer lang mit Laktat gesättigt fahren mussten. Zuvor hatte sein Team einen Plan verfolgt, auf den ersten fünf Kilometern zu attackieren, um sich das erste Grüne Trikot zu sichern. Egan Bernal schließlich gewann das Grüne Trikot, nachdem sein Team Ineos die erste Zwischenwertung nach 5,1 Kilometern angeführt hatte.
Ausblick auf die zweite Etappe
Insgesamt umfasst die 113. Tour de France 21 Etappen, 3.321,2 Kilometer und 54.450 Höhenmeter. Nach der ersten Etappe in Barcelona führt Vingegaard das Gesamtklassement an. Am Sonntag steht die zweite Etappe auf dem Programm: 168,5 Kilometer führt der Weg von Tarragona nach Barcelona, überwiegend flach, aber mit einer Bergwertung der zweiten Kategorie nach Begues sowie dem Schlussanstieg zum Castell de Montjuïc, der mit Steigungen bis zu 13 Prozent gleich dreimal zu bewältigen ist.
Weitere Stationen der Rundfahrt sind unter anderem ein 26,1 Kilometer langes Einzelzeitfahren am 21. Juli 2026 zwischen Evian-les-Bains und Thonon-les-Bains sowie die traditionsreiche Schlussetappe am 26. Juli 2026 über 133 Kilometer von Thoiry auf die Champs-Élysées in Paris. Die Tour ist nach 1992 und 2023 der dritte Grand Départ in Spanien.
Insgesamt nahmen 23 Mannschaften am Mannschaftszeitfahren teil, darunter mit Jan Ullrichs Nachfolger Niklas Märkl von Picnic PostNL und dem Österreicher Felix Großschartner von UAE auch deutschsprachige Fahrer. Tudor Pro Cycling Team mit Marco Haller landete auf Rang 17 mit einem Rückstand von 1:14 Minuten; der Schweizer Yannis Voisard überquerte als Erster des Schweizer Tudor-Teams die Ziellinie am Olympiastadion.
Visma beendet Durststrecke
Mit Blick auf die Gesamtwertung ordnete Vingegaard den Auftakt als „Traumstart“ ein. Obwohl er das Gelbe Trikot trägt, betonte der Däne immer wieder die Leistung seiner Helfer. „Meine Teamkollegen haben heute unglaubliche Arbeit geleistet. Sie waren so stark, dass ich kaum etwas tun musste. Sie haben mich bis ins Ziel gebracht, damit ich den Etappensieg und das Gelbe Trikot holen konnte“, sagte er. Der erste Etappensieg beendete zugleich eine lange sieglose Serie des Visma-Teams bei der Tour de France.
Bereits am Sonntag dürfte das Duell zwischen Vingegaard und Pogacar in die nächste Runde gehen. Die zweite Etappe ist zwar überwiegend flach, doch der dreimal zu befahrende Anstieg zum Castell de Montjuïc mit bis zu 13 Prozent Steigung sowie der finale 600-Meter-Aufstieg zum Olympiastadion bieten Pogacar als Angreifer eine erste Chance, den Rückstand von 12 Sekunden zu verkürzen – und vielleicht schon am zweiten Tag das Gelbe Trikot zu übernehmen.
Fragen & Antworten
Wer hat die erste Etappe der Tour de France 2026 gewonnen?
Das Team Visma–Lease a Bike hat das Mannschaftszeitfahren in Barcelona gewonnen; Jonas Vingegaard fuhr als Erster seines Teams über die Ziellinie und holte sich das Gelbe Trikot.
Wie groß ist der Rückstand von Tadej Pogacar nach der Auftaktetappe?
Pogacar kam mit seinem UAE-Team als Dritter ins Ziel und hat im Gesamtklassement 12 Sekunden Rückstand auf Vingegaard.
Wie geht die Tour de France am Sonntag weiter?
Am Sonntag startet die zweite Etappe in Tarragona und endet nach 168,5 Kilometern in Barcelona, mit dem dreifach zu befahrenden Anstieg zum Castell de Montjuïc als zentrale Herausforderung.
Tour de France 2026: Vingegaard holt Gelbes Trikot nach | nachrichten360