Pogacar erobert im Pyrenäen-Krimi das Gelbe Trikot zurück
Gavarnie-Gèdre, 09. Juli 2026
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Kurzfassung
Tadej Pogacar hat die sechste Etappe der Tour de France in den Pyrenäen mit einer 42-Kilometer-Solofahrt gewonnen und das Gelbe Trikot vom gestürzten Norweger Torstein Træen übernommen. Der vierfache Toursieger liegt im Gesamtklassement nun 2:42 Minuten vor Jonas Vingegaard, der die Etappe mit 2:38 Minuten Rückstand als Zweiter beendete.
Gavarnie-Gèdre, 09. Juli 2026
Der slowenische Radprofi Tadej Pogačar hat am Donnerstag die sechste Etappe der 113. Tour de France von Pau nach Gavarnie-Gèdre im Solo gewonnen und das Gelbe Trikot vom gestürzten Norweger Torstein Træen übernommen.
Die 186 Kilometer lange Etappe mit insgesamt 4.100 Höhenmetern war die erste schwere Bergankunft der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt und führte über fünf kategorisierte Anstiege. Den entscheidenden Ausschnitt setzte das UAE-Team bereits am Col du Tourmalet, dem ersten hors catégorie-Berg der Tour. Etwa fünf Kilometer vor dem Gipfel verschärfte Isaac del Toro das Tempo, nur Pogačar konnte ihm folgen, die übrigen Favoriten um Vingegaard, Evenepoel, Lipowitz und Seixas verloren den Anschluss.
Entscheidung am Tourmalet
Wenige Meter nachdem del Toros Arbeit getan war, zog der slowenische UAE-Kapitän alleine davon und baute seinen Vorsprung auf den verbliebenen 40 Kilometern über die Abfahrt und den Schlussanstieg kontinuierlich aus. Am Ziel wies Pogačar 2:38 Minuten Vorsprung auf den zweitplatzierten Vingegaard auf, del Toro rettete als Dritter den Podestplatz für UAE Team Emirates. Remco Evenepoel kam mit 2:57 Minuten Rückstand ins Ziel, Florian Lipowitz belegte den sechsten Etappenrang.
Mit seinem Etappensieg verbuchte Pogačar seinen 23. Tagessieg bei einer Tour de France und nach Angaben der Veranstalter den 123. Profisieg seiner Karriere. In der Gesamtwertung führt er nun mit 2:42 Minuten vor dem zweimaligen Toursieger Jonas Vingegaard, der das Gelbe Trikot 2023 ebenfalls getragen hatte. Der dritte Rang geht mit 3:27 Minuten Rückstand an del Toro, Evenepoel folgt mit 3:30 Minuten auf Platz vier.
Træen verliert das Gelbe Trieb
Das Gelbe Trikot hatte am Morgen der Norweger Torstein Træen getragen, der es seit zwei Tagen als überraschender Spitzenreiter gehalten hatte. Træen verlor bereits rund zehn Kilometer vor dem Tourmalet den Kontakt zur Spitzengruppe und stürzte anschließend in der Abfahrt, als er mit einem Teamkollegen kollidierte. Nach kurzer ärztlicher Behandlung konnte der 30-Jährige das Rennen unter starken Schmerzen fortsetzen, fiel aber auf Platz 38 mit über 28 Minuten Rückstand weit zurück.
Nach dem Sturz sprach Pogačar dem Norweger sein Bedauern aus. Der Sturz von Træen sei bedauerlich, sagte der Slowene und wünschte ihm, die Tour ohne weitere Verletzungen fortsetzen zu können. Florian Lipowitz, der einzige deutsche Starter unter den Spitzenfahrern, bezeichnete die Leistung des Tagessiegers im ARD-Interview als kaum zu parieren: Bei der Performance kann man nicht viel machen. Ich denke, wir müssen jetzt um Platz drei fahren.
Pogačars Selbstbewusstsein
Pogačar selbst sprach von einem der schönsten Siege seiner Karriere. Es ist ein unglaublicher Sieg und ein meiner schönsten. Das ist sicher, sagte er im Ziel. Auf die Frage nach der Taktik antwortete er: Es ging mir nicht um Sekunden in den Gedanken. Ich wollte einfach voll durchfahren. Am Tourmalet habe er Rückblenden auf eine frühere Handfraktur gehabt, die er dort erlitten hatte, ohne dass ihn das gebremst habe.
Die Pace-Vorgabe seines Teams sei perfekt gewesen, sagte der österreichische UAE-Helfer Felix Großschartner, der den Kapitän auf den letzten Kilometern führte. Wir haben gewusst, dass es eine sehr wichtige Etappe ist, dass es so perfekt läuft, ist natürlich ein Traum, so der Österreicher, der zugleich warnte: Es ist noch ein langer Weg bis nach Paris.
Bergwertung und Helferrolle
Mit seinen 25 Bergpunkten aus den Pyrenäen-Anstiegen eroberte Pogačar zusätzlich das gepunktete Trikot des besten Bergfahrers zurück, das zwischenzeitlich Træen gehalten hatte. Auf die Frage nach der Leistungssteigerung verwies Pogačar auf seine Teamkollegen: Die Mannschaft habe auf den unteren Kilometern des Tourmalet großartig gearbeitet und ihm so ermöglicht, sich auf seinen eigenen Angriff zu konzentrieren.
Die Etappe hatte bereits am Col d'Aspin Fahrt aufgenommen, an dem der Australier Ben O'Connor zunächst die Spitze übernahm. Die Favoritengruppe lag zu diesem Zeitpunkt rund eine Minute zurück, der Ausreißversuch endete 4,8 Kilometer vor dem Ziel. Im Anstieg zum Tourmalet kontrollierte UAE Team Emirates das Tempo, fünf Helfer standen am Fuß des Berges bereit, ehe del Toro die Vorentscheidung herbeiführte.
Hinter den Medaillenrängen entschied der Franzose Lenny Martinez die Bergwertung am Col d'Aspin mit zehn Punkten vor Valentin Paret-Peintre für sich. Die durchschnittliche Geschwindigkeit des Hauptfeldes vor den kategorisierten Anstiegen lag bei rund 48 km/h, am höchsten Punkt des Tages auf 2.115 Metern über dem Meer betrug Vingegaards Defizit bereits eine halbe Minute gegenüber dem späteren Sieger.
Klassement nach sechs Etappen
In der Gesamtwertung liegen nach der sechsten von 21 Etappen hinter Pogačar, Vingegaard und del Toro der Belgier Remco Evenepoel (3:30 Min.) und der Spanier Juan Ayuso (3:55 Min.). Die deutsche Hoffnung Florian Lipowitz kletterte vom elften auf den siebten Rang und liegt 4:00 Minuten hinter dem Slowenen. Mit Paul Seixas (Frankreich, +3:55), Lenny Martinez (Frankreich, +4:21) und Mattias Skjelmose (Dänemark, +4:57) folgen weitere Fahrer im Klassement.
Statistisch bemerkenswert war die Gangart auf dem Tourmalet: Pogačar bewältigte den 17,1 Kilometer langen Aufstieg mit durchschnittlich 7,3 Prozent Steigung in 43 Minuten und 12 Sekunden und verbesserte den bisherigen Rekord aus dem Jahr 2023 um rund 2:20 Minuten. Damals hatten er und Vingegaard den Berg in 45:32 Minuten bewältigt. Am Gipfel lag nur Vingegaard halbwegs in Reichweite, mit 30 Sekunden Rückstand klassierte der Däne sich als Zweiter der Bergwertung.
Die kommende siebte Etappe führt am Freitag über 175 Kilometer von Hagetmau nach Bordeaux und ist mit nur 850 Höhenmetern flach, sodass Sprintankünfte erwartet werden. Für den Tag werden Temperaturen bis zu 40 Grad vorausgesagt. Nach insgesamt 3321,2 Kilometern und zwei Ruhetagen am 13. und 20. Juli endet die Tour traditionell am Champs-Élysées. Unter den Zuschauern an der Bergankunft war auch der französische Staatspräsident Emmanuel Macron, der Teile der Etappe gemeinsam mit Tour-Direktor Christian Prudhomme verfolgte.
Ausblick auf die nächsten Etappen
Mit Blick auf das Gesamtklassement bleiben nach den ersten sechs Etappen noch 15 Teilstücke zu absolvieren, darunter ein 26,1 Kilometer langes Einzelzeitfahren von Évian-les-Bains nach Thonon-les-Bains am 21. Juli. Cian Ujdebroeks musste die Rundfahrt krankheitsbedingt aufgeben. Der bisherige Verlauf gilt nach Einschätzung von Beobachtern als außerordentlich offen, da weder Vingegaard noch Evenepoel den Anschluss an Pogačar halten konnten und auch das deutsche Red-Bull-Duo Evenepoel/Lipowitz auf den Pyrenäen-Anstiegen entscheidend Terrain verlor.
Die Tour, deren erste Etappen in Barcelona begonnen hatten, feierte in Gavarnie-Gèdre zugleich eine Premiere: Noch nie zuvor war eine Etappe der Frankreich-Rundfahrt in dem Ort im Departement Hautes-Pyrénées zu Ende gegangen. Mit Pogačars Solofahrt setzte der vierfache Toursieger (2020, 2021, 2024 und 2025) ein deutliches Signal an die Konkurrenz, dass sein fünfter Gesamtsieg in greifbarer Nähe rücken könnte.
Fragen & Antworten
Wer ist Tadej Pogačar?
Tadej Pogačar ist ein 27-jähriger Radprofi aus Slowenien, der als Kapitän für UAE Team Emirates fährt. Er hat die Tour de France bereits 2020, 2021, 2024 und 2025 gewonnen und gilt als einer der dominierenden Fahrer im aktuellen Peloton.
Warum verlor Torstein Træen das Gelbe Trikot?
Der norwegische Spitzenreiter Torstein Træen trug das Gelbe Trikot seit zwei Tagen, verlor auf der sechsten Etappe den Kontakt zur Spitzengruppe und stürzte anschließend in der Abfahrt vom Col du Tourmalet nach einer Kollision mit einem Teamkollegen, wodurch er das Trikot an Pogačar abgeben musste.
Wie ist der Stand im Gesamtklassement?
Nach sechs von 21 Etappen führt Pogačar mit 2:42 Minuten Vorsprung vor dem Dänen Jonas Vingegaard, Dritter ist Isaac del Toro mit 3:27 Minuten Rückstand, Vierter Remco Evenepoel mit 3:30 Minuten. Der Deutsche Florian Lipowitz belegt Rang sieben mit 4:00 Minuten Rückstand.
Tour de France 2026: Pogacar holt Gelbes Trikot in Gavarnie | nachrichten360