Pogačar erobert Pyrenäen-Etappe und Gelbes Trikot zurück
Les Angles, 6. Juli 2026
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Kurzfassung
Tadej Pogačar hat die erste Pyrenäen-Etappe der 113. Tour de France gewonnen und das Gelbe Trikot von Jonas Vingegaard übernommen. Der 27-jährige Slowene entschied den 195,9 Kilometer langen Abschnitt von Granollers nach Les Angles im Sprint einer Spitzengruppe für sich.
Tadej Pogačar hat die dritte Etappe der 113. Tour de France von Granollers in Spanien nach Les Angles in Frankreich gewonnen und damit das Gelbe Trikot des Gesamtführenden von Jonas Vingegaard übernommen.
Sprint-Entscheidung am Schlussanstieg
Die 195,9 Kilometer lange Etappe, die das Peloton am dritten Renntag erstmals auf französischen Boden führte, endete mit einem Sprint einer kleinen Spitzengruppe am Berg in Les Angles. Auf den letzten 200 Metern des 1,7 Kilometer langen Schlussanstiegs setzte Pogačar die entscheidende Attacke und ließ seine Konkurrenten stehen.
Im Ziel hatte der 27-jährige Slowene zwei Sekunden Vorsprung auf den Dänen Jonas Vingegaard, der damit das Gelbe Trikot abgeben musste. Den dritten Platz belegte der Ecuadorianer Richard Carapaz vom Team EF Education, ebenfalls zwei Sekunden zurück. Der Franzose Paul Seixas vom Team Decathlon–AG2R La Mondiale, der als Shootingstar der Rundfahrt gilt, kam zeitgleich mit Vingegaard auf Rang vier.
Pogačar, der für UAE Team Emirates fährt, sicherte sich mit dem Etappensieg zugleich die Gesamtführung. Allerdings beträgt sein Vorsprung auf Vingegaard weniger als eine Sekunde, da beide in der Gesamtwertung nominell die gleiche Zeit von 8:46:55 Stunden aufweisen. Das Gelbe Trikot wird erst durch die bessere Platzauswertung der Etappen an Pogačar vergeben.
Gesamtstand auf der Kippe
„Ich hatte im Finish ein bisschen Extrapower. Schön, wenn die Tour so startet“, sagte Pogačar im Ziel. Zudem dankte er seinem Teamkollegen Isaac del Toro aus Mexiko, der den finalen Angriff vorbereitet hatte: „Wegen Isaac hatte ich heute etwas extra Power. Er hat heute mehr als hundert Prozent gegeben, das ganze Team eigentlich.“ Der 22. Tour-Etappensieg seiner Karriere unterstreicht seine Ausnahmestellung: Nur vier Fahrer in der Geschichte haben mehr Etappenerfolge bei der Frankreich-Rundfahrt.
Die Etappe war durch ein extremes Höhenprofil mit 3.850 Höhenmetern und hohe Temperaturen geprägt, die schon früh im Rennen für große Abstände im Hauptfeld sorgten. Eine Ausreißergruppe bestimmte lange das Geschehen, ehe der letzte verbliebene Ausreißer Alex Baudin rund zwölf Kilometer vor dem Ziel gestellt wurde. Am Fuß des Schlussanstiegs nach Les Angles lagen die Top-Favoriten Pogačar, Vingegaard, Seixas und Remco Evenepoel noch zusammen, bevor der UAE-Kapitän seine entscheidende Attacke setzte.
Hinter den beiden Führenden belegt der Belgier Remco Evenepoel vom Team Red Bull-Bora-hansgrohe mit 23 Sekunden Rückstand den dritten Platz in der Gesamtwertung. Auf Rang vier folgt Isaac del Toro mit 24 Sekunden, Juan Ayuso aus Spanien ist mit 27 Sekunden Fünfter. Seixas liegt als Sechster 48 Sekunden zurück, der Deutsche Florian Lipowitz belegt mit 53 Sekunden den siebten Gesamtrang und fuhr auch im Etappenklassement auf Platz sieben.
„Es war ein super harter Tag, der Start war super schnell. Und ich habe auch ein bisschen mit der Hitze zu kämpfen gehabt. Aber das Team hat einen super Job gemacht mit Eis und Wasser“, sagte Lipowitz im ARD-Interview. Sein Teammanager Ralph Denk sprach von einem „richtigen Ekeltempo im Feld“, zeigte sich aber zufrieden mit dem Abschneiden seiner Fahrer bei den heißen Bedingungen im Mittelgebirge.
Waldbrand überschattet die Etappe
Die Etappe fand unter dem Eindruck eines Waldbrands statt, der rund 70 Kilometer von Les Angles entfernt in einem abgelegenen Bergmassiv wütete und bereits etwa 4.600 Hektar Fläche vernichtete. Ein Feuerwehrmann und ein Anwohner wurden nach Angaben des Berichts ernsthaft verletzt, rund 10.000 Menschen mussten evakuiert werden. Wegen des durch Wind, Hitze und ungewöhnlich trockene Luft angefachten Feuers riefen Veranstalter und Behörden die Fans auf, den letzten Streckenabschnitt in Frankreich zu meiden.
„Wegen eines Waldbrandes in der Region hatten die Veranstalter und die Behörden Fans aufgerufen, nicht an den letzten Teil der Strecke in Frankreich zu kommen“, hieß es in der Erklärung. „Die Feuerwehr und andere Einsatzkräfte sollten sich ganz auf die Brandbekämpfung konzentrieren können.“ Tour-Direktor Christian Prudhomme hatte am Vortag an die Öffentlichkeit appelliert: „Wir bitten die Öffentlichkeit, sich weder in der Nähe der Rennstrecke noch am Zielort aufzuhalten.“ Verstöße gegen das Zuschauerverbot konnten mit einer Geldbuße geahndet werden.
Trotz des Aufrufs fanden sich zahlreiche Zuschauer vor allem an den letzten beiden Anstiegen ein, eine Ausgangssperre für Anwohner wurde nicht verhängt. Die übliche Werbekarawane des Tour-Trosses fiel auf der Etappe aus. Der vierfache Toursieger Pogačar, der als Titelverteidiger in die Rundfahrt gegangen war, übernahm mit dem Etappensieg erstmals die Gesamtführung in dieser 113. Auflage.
„Dank der Zeitgutschrift übernimmt der Titelverteidiger damit auch erstmals die Gesamtführung“, kommentierte die Nachrichtenagentur dpa den Wechsel an der Spitze. Auch in der Platzauswertung liegt Pogačar mit den Rängen eins, zwei und drei knapp vor Vingegaard, der die Ränge eins, zwei und vier aufweist. „Aber dank der Bonifikationen setzte sich Pogacar denkbar knapp vor den Dänen“, heißt es weiter.
Höhenprofil und Hitze als Faktoren
Bereits am Vortag hatte Pogačar für Aufsehen gesorgt, als er seinem mexikanischen Edelhelfer Isaac del Toro den Etappensieg in einem kürzeren Bergaufsprint überließ. Am Montag kehrte der 27-Jährige nun selbst in die Erfolgsspur zurück und fuhr den ersten seiner angestrebten Etappensiege bei dieser Tour ein. Der slowenische Ausnahmefahrer, in der Berichterstattung als „Superstar“ und mit „unglaublicher Stärke“ beschrieben, untermauerte damit früh seine Ambitionen auf den fünften Gesamtsieg.
„In der Mitte des Rennens haben wir uns dazu entschieden, dass der Etappensieg möglich ist“, erklärte Pogačar die Rennstrategie. „Ich bin sehr glücklich, dass wir die Tour so gestartet haben.“ Sein Teamkollege Felix Großschartner aus Oberösterreich leistete als Helfer wertvolle Arbeit am Schlussanstieg und trug unter anderem dazu bei, dass die Ausreißer rechtzeitig eingeholt wurden.
Auf den Etappenplätzen folgten hinter Pogačar, Vingegaard und Carapaz die Fahrer Tobias Johannessen aus Norwegen, Lennert van Eetvelt aus Belgien, Florian Lipowitz, Remco Evenepoel, Isaac del Toro und Juan Ayuso – alle mit vier Sekunden Rückstand. Bei den österreichischen Fahrern landete Großschartner mit 5:02 Minuten Rückstand auf Rang 49, Marco Haller kam mit 38:12 Minuten Rückstand auf Platz 180.
Ausblick auf die vierte Etappe
Die Organisatoren warnten angesichts der anhaltenden Waldbrandgefahr auch für die kommenden Etappen. Die vierte Etappe führt am Dienstag über 182 Kilometer von Carcassonne nach Foix und wartet mit vier Bergwertungen auf, darunter der Col de Montségur der zweiten Kategorie. Es werden Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius erwartet, was die Hitzeschlacht für die Fahrer weiter verschärfen dürfte.
„Auf der vierten Etappe könnte es zwischen Carcassonne und Foix eine Chance für Ausreißer oder robuste Sprinter geben“, hieß es in der Vorschau. Auch am Dienstag wartet bei Temperaturen bis zu 40 Grad Celsius eine Hitzeschlacht. Die hohen Temperaturen und die anhaltende Trockenheit sorgen zugleich dafür, dass die Waldbrandgefahr entlang der Strecke erhöht bleibt.
Nach zwei Tagen in Barcelona, wo die 113. Tour am 4. Juli mit einem 19,6 Kilometer langen Einzelzeitfahren begonnen hatte, war das Peloton am Montag in Richtung Pyrenäen gefahren. Insgesamt umfasst die Frankreich-Rundfahrt 21 Etappen und endet am 26. Juli auf den Champs-Élysées in Paris. Für die Fahrer stehen damit noch 18 Teilstücke aus, bis der Sieger in der Hauptstadt feststeht.
Fragen & Antworten
Welche Auswirkungen hatte der Waldbrand auf die dritte Etappe?
Wegen eines Waldbrands in einem rund 70 Kilometer entfernten Bergmassiv riefen Veranstalter und Behörden die Fans auf, den letzten Streckenabschnitt in Frankreich zu meiden. Ein Feuerwehrmann und ein Anwohner wurden ernsthaft verletzt, etwa 10.000 Menschen wurden evakuiert und rund 4.600 Hektar Fläche verbrannten.
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