Karlsruhe/Berlin, 20 Juli 2026
Elektroautos sind in Deutschland zwischen 2020 und 2025 real um rund 18 Prozent günstiger geworden, während die Listenpreise von Verbrennern real um zwei Prozent stiegen – das geht aus einer gemeinsamen Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) und des International Council on Clean Transportation (ICCT) hervor.
Für die Untersuchung mit dem Titel „Price and market trends of battery electric and internal combustion engine vehicles in Germany, 2020 to 2025“ werteten die Forschenden mehr als 100.000 Einzeldaten aus einer ADAC-Datenbank aus. Sie verglichen dabei nicht einfach Durchschnittspreise aller Elektro- mit allen Verbrennerfahrzeugen, sondern betrachteten gleiche oder vergleichbare Modelle über die Zeit. „Man würde also Kirschen mit Äpfeln vergleichen. Um das zu verhindern, haben wir versucht, gleiche oder vergleichbare Fahrzeuge über die Zeit zu betrachten“, erklärte Patrick Plötz, Professor am Fraunhofer ISI und Mitautor der Studie.
Im Ergebnis zeigt sich, dass Elektrofahrzeuge real etwa 18 Prozent günstiger wurden, obwohl die nominalen Durchschnittspreise auf den ersten Blick gestiegen sind. Zeitgleich verteuerten sich Verbrenner real um zwei Prozent. „Elektrofahrzeuge in Deutschland sind zwischen 2020 und 2025 real um rund 18 Prozent günstiger geworden“, heißt es in der Studie. Peter Mock, Geschäftsführer des ICCT in Europa, ordnete die Entwicklung so ein: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich der Markt für Elektroautos in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt hat. Die Fahrzeuge bieten heute im Durchschnitt größere Reichweiten und mehr Motorleistung, während die realen Preise vergleichbarer Modelle gesunken sind.“
Preisunterschied zwischen E-Auto und Verbrenner
Neben dem Preisverfall hat sich auch das Angebot verändert: Die Zahl der verfügbaren Elektromodelle auf dem deutschen Markt hat sich zwischen 2020 und 2025 mehr als vervierfacht. Die Studie umfasst sechs Segmente von Klein- bis Luxuswagen. Zugleich bieten aktuelle E-Autos im Schnitt mehr Reichweite und Motorleistung als ältere Modelle. Die Forschenden weisen allerdings darauf hin, dass sie Listenpreise und nicht tatsächliche Transaktionspreise verglichen, da Letztere nicht in der nötigen Breite verfügbar seien – Verzerrungen seien aber unwahrscheinlich.
Als Treiber der Preisentwicklung nennt Plötz vor allem die gesunkenen Batteriepreise. „Die gesunkenen Batteriepreise sind noch nicht vollständig weitergegeben worden. Außerdem sollten auch steigende Stückzahlen und der Druck auf die Hersteller durch CO2-Grenzwerte helfen“, sagte er. Wenn die Hersteller die niedrigeren Batteriekosten vollständiger an die Kundinnen und Kunden weitergäben, dürfte der Preisvorteil von Elektroautos noch deutlicher ausfallen. „Bei den Gesamtkosten pro Kilometer wären sie dann klar günstiger“, so Plötz.
Was die Preise weiter drücken könnte
Eine Hochrechnung der aktuellen Trends legt nahe, dass Elektroautos in Europa bis etwa 2030 ungefähr gleich viel kosten wie vergleichbare Verbrenner. „Rechne man die aktuelle Entwicklung weiter, dürften bis etwa 2030 Elektroautos in Europa gleich viel kosten wie vergleichbare Verbrenner“, erklärte Plötz. Erfahrungen aus anderen Märkten zeigten, dass bei Preisgleichstand E-Autos einen Marktanteil von rund 50 Prozent erreichen könnten.
Der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer liefert ergänzende Daten zu Rabatten auf wichtige Elektromodelle und beobachtet insgesamt einen steigenden Trend bei den Preisnachlässen. Seine Beobachtungen decken sich damit mit dem Befund der Fraunhofer-Studie, dass die Preisschere zwischen E-Auto und Verbrenner kleiner wird. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet das: Beim Kauf eines neuen Wagens fällt die Wahl zwischen Benzin, Diesel oder Strom zunehmend weniger wegen des reinen Anschaffungspreises.
Methodik der Studie
Die vollständige Pressemitteilung mit weiteren Ergebnissen zu Verkaufspreisen, Batteriepreisen sowie Modellverfügbarkeit ist laut ICCT verfügbar. Autoren der Studie sind Patrick Plötz und Steffen Link vom Fraunhofer ISI sowie Kyle Morrison, Uwe Tietge, Eyal Li und Peter Mock vom ICCT. Die Ergebnisse wurden der Deutschen Presse-Agentur vor der Veröffentlichung zur Verfügung gestellt.
Pressekontakt für die Studie ist Sophie Ehmsen (ICCT), Communications Specialist. Die Forschenden wollen mit der Studie eine belastbare Datengrundlage für die Debatte um die Elektromobilität in Deutschland liefern und zeigen, dass sich die Wettbewerbsfähigkeit von E-Autos in den vergangenen Jahren spürbar verbessert hat.
Ausblick auf die kommenden Jahre
Für die kommenden Jahre erwarten die Autoren weitere Preissenkungen, sollten die Hersteller den Druck durch CO2-Grenzwerte und steigende Produktionszahlen an die Kunden weitergeben. Damit könnte der Hochlauf der Elektromobilität in Deutschland zusätzlichen Schwung bekommen.
