Guadalajara, 26 Juni 2026

Führungsspieler der uruguayischen Fußball-Nationalmannschaft haben vor dem entscheidenden WM-Gruppenspiel gegen Spanien in Guadalajara einen Aufstand gegen Trainer Marcelo Bielsa angezettelt und ihn wegen zu harten Trainings, erschöpfter Profis und einer zu riskanten Spielweise kritisiert.

Wie die Zeitungen „El Espectador" und ESPN übereinstimmend berichten, haben Fede Valverde von Real Madrid, Rodrigo Betancur von Tottenham Hotspur und Manuel Ugarte von Manchester United den argentinischen Starcoach vor der Partie um ein Gespräch gebeten. In dem Treffen beklagten sie demnach das hohe Trainingspensum, die Überlastung der Profis und den riskanten Stil, mit dem Bielsa die Mannschaft auf das Duell mit den Spaniern einstellt. Die Begegnung wird am Samstag um 2.00 Uhr (ARD und Magenta TV) angepfiffen.

Konflikt zwischen Stars und Trainer

Der Konflikt ist nicht neu. Bereits 2024 war es nach dem Halbfinal-Aus Uruguays bei der Copa América zum ersten großen Bruch mit dem 70-Jährigen gekommen. Damals trat Stürmerstar Luis Suárez aus der Nationalmannschaft zurück und warf Bielsa vor, eine „toxische Atmosphäre" innerhalb des Teams und des Betreuerstabs geschaffen zu haben. Der Streit schwelte seitdem weiter und scheint sich nun vor dem wichtigsten Gruppenspiel zuzuspitzen.

Belastete Stimmung nach Unentschieden

Sportliche Vorzeichen sind ebenfalls angespannt. Der Weltmeister von 1930 und 1950 war zum Auftakt gegen Saudi-Arabien nicht über ein 1:1 hinausgekommen und hatte sich auch gegen Kap Verde mit einem 2:2 begnügen müssen. Mit Blick auf diese Ergebnisse fürchten die Führungsspieler offenbar, dass Bielsas Methode Mannschaft und Kader an die Belastungsgrenze bringt, ohne sportlich den gewünschten Ertrag zu liefern.

Bielsa genießt in der Branche einen ambivalenten Ruf. Von Kollegen und Fans früherer Vereine wird er teils hymnisch verehrt – nicht zuletzt wegen seiner klaren fußballerischen Handschrift. Der Präsident seines Ex-Clubs Olympique Marseille allerdings bezeichnete Bielsas Spielweise einst als „kollektiven Selbstmord". Diese Spannweite zwischen Verehrung und Kritik spiegelt sich nun auch in der Nationalmannschaft wider.

Hoher Einsatz für beide Seiten

Uruguay braucht am Samstag gegen die bereits gut platzierten Spanier einen Sieg, um sicher in das Sechzehntelfinale einzuziehen. Die Spanier führen die Gruppe H nach einem 4:0 gegen Saudi-Arabien und einem 0:0 gegen Kap Verde an, Uruguay liegt nach den beiden Unentschieden bereits unter Druck. Der Ausgang des Spiels könnte auch über Bielsas Zukunft entscheiden – zumal die Kritik der Spieler sich nach Informationen der Medien nicht nur auf das Training, sondern auch auf seine Kommunikation bezieht.

Die Führungsspieler sollen dem Trainer zudem vorgehalten haben, ihn bereits zum zweiten Mal in seiner 2023 begonnenen Amtszeit stürzen zu wollen. Damit steht für Bielsa mehr als nur ein einzelnes Spiel auf dem Spiel. Die Vereine der Kritiker – Real Madrid, Tottenham Hotspur und Manchester United – haben ebenso ein Interesse daran, dass ihre Leistungsträger die Weltmeisterschaft ohne Verletzung überstehen.

Die spanische Mannschaft trifft das alles nur am Rande. Trainer Luis de la Fuente betonte vor dem Duell, dass die Leistungsdichte bei dieser WM enorm sei und die fußballerischen Unterschiede auf nationaler Ebene deutlich geringer geworden seien. „Das ist mir besonders aufgefallen: Diese enorme Ausgeglichenheit, die man derzeit sieht", sagte der Weltmeister von 1990. Spanien kann mit einem Remis Gruppenerster bleiben, Uruguay braucht hingegen einen Sieg.

Mögliche Folgen bei einem Bruch

Sollte es tatsächlich zu einem vorzeitigen Bruch kommen, stünde Uruguays Verband vor der schwierigen Frage, wer inmitten eines laufenden WM-Turniers die Mannschaft übernehmen könnte. Bielsa hatte den Posten 2023 übernommen und galt als Wunschkandidat. Sein bisheriger Co-Trainer wäre die naheliegende Übergangslösung, doch die kurze Vorbereitungszeit und der ohnehin angespannte Kader machen jede Veränderung riskant.

Die Spieler selbst haben sich bislang nicht öffentlich geäußert. In den Berichten ist ausschließlich von einem internen Treffen die Rede, in dem die Kritik direkt an Bielsa gerichtet wurde. Ob es bereits eine Antwort oder ein Eingeständnis des Trainers gab, ist unklar. Auch Bielsa selbst hat sich zu den Vorwürfen nicht geäußert.

Offene Fragen vor dem Anpfiff

Klar ist, dass die sportliche Bühne den Konflikt zusätzlich verschärft. Uruguay war als Mitfavorit auf den Gruppensieg in das Turnier gestartet, liegt nun aber hinter den eigenen Erwartungen. Eine Niederlage gegen Spanien würde das vorzeitige Aus bedeuten – und zugleich die Kritik der Spieler nachträglich bestätigen. Ein Sieg könnte hingegen den Druck aus dem Kessel nehmen und Bielsa zumindest vorübergehend stabilisieren.

Für die Öffentlichkeit bleibt vorerst nur die Diskrepanz zwischen zwei Lesarten: Auf der einen Seite der visionäre Trainer, der den südamerikanischen Fußball geprägt hat, auf der anderen Seite ein Coach, der nach Darstellung seiner wichtigsten Spieler das Team an die Belastungsgrenze und darüber hinaus führt.

Das WM-Gruppenspiel zwischen Uruguay und Spanien wird in der Nacht zu Samstag um 2.00 Uhr angepfiffen. Sollte die Mannschaft die Kritik mit in die Partie tragen, wäre es eine Premiere bei diesem Turnier – ein offener Spieleraufstand unmittelbar vor einem K.o.-relevanten Spiel.