Im MetLife Stadium in East Rutherford bestreiten Spanien und Argentinien am Sonntag um 21:00 Uhr MESZ das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 2026, das erste Endspiel der Geschichte zwischen dem amtierenden Weltmeister und dem regierenden Europameister.
Spanien als Favorit mit Rekordserie
Spanien erreichte das Endspiel durch einen 2:0-Halbfinalsieg über Frankreich und gilt als Favorit. Die Mannschaft von Trainer Luis de la Fuente ist seit mehr als drei Jahren in Pflichtspielen ungeschlagen, hat 47 von 48 Partien unter dem 65-Jährigen gewonnen und bei dieser Weltmeisterschaft erst ein einziges Gegentor kassiert. Torhüter Unai Simón stellte mit 649 Minuten ohne Gegentreffer einen WM-Rekord auf. Das einzige Gegentor im Turnier kassierte Spanien beim 2:1-Viertelfinalsieg gegen Belgien.
Argentinien kämpft sich mit der Erfahrung eines dreimaligen Weltmeisters ins Finale. Die "Albiceleste" um Lionel Messi gewann die Copa América 2021 und 2024 sowie die WM vor zwei Jahren unter Trainer Lionel Scaloni. Im Halbfinale drehte Argentinien gegen England einen 0:1-Rückstand noch durch Tore in der 85. und 92. Minute zum 2:1-Sieg. Auch in der Gruppenphase gegen Ägypten lag Argentinien zurück und gewann noch. Gegen Kap Verde und die Schweiz war in der K.o.-Runde Verlängerung nötig.
Messi vor möglicherweise letztem großen Finale
Lionel Messi ist mit acht Turniertoren gemeinsam mit Kylian Mbappé bester Torschütze des Wettbewerbs und führt mit 21 Treffern die ewige WM-Torschützenliste an. Der 39-Jährige, der zwei Jahrzehnte beim FC Barcelona spielte und dort zehn spanische Meistertitel holte, bestreitet möglicherweise sein letztes großes Finale. Messi sagte: "Ich kenne die Spieler. Ich habe gegen sie gespielt, einige kommen vom FC Barcelona, dem Club, den ich liebe." Er rechne mit einem ausgeglichenen Spiel: "Ich kann mir vorstellen, dass es ein ausgeglichenes Spiel wird."
Auf der anderen Seite steht mit Lamine Yamal ein 19-jähriger Shootingstar, der bereits in jungen Jahren die spanische Offensive prägt. Kapitän und Taktgeber im Mittelfeld ist Rodri. Spanien steht erst zum zweiten Mal in einem WM-Endspiel; der bisher einzige Titel wurde 2010 in Südafrika gewonnen. Argentinien kann mit einem Sieg als erstes Land seit Brasilien 1962 den WM-Titel erfolgreich verteidigen – nur Italien (1934, 1938) und Brasilien (1958, 1962) gelang dies zuvor.
Zwei Trainer mit gemeinsamer Vergangenheit
Die Trainer kennen sich seit Jahren. 2017 war De la Fuente, damals U19-Trainer, bei einem Lehrgang des spanischen Verbandes in Las Rozas bei Madrid als Tutor für den damaligen 39-jährigen Scaloni tätig. Scaloni sagte über seinen Kollegen: "Er hat es sich verdient, er ist ein super Typ" und "Luis war eine große Hilfe für alle, die damals bei dem Kurs dabei waren." Über die Spielweise fügte er hinzu: "alles, was sein Team zeigt, wollen wir auch von unserer Mannschaft sehen." Beide stammen aus Rosario, Scaloni hat spanische Wurzeln und ist mit einer Spanierin verheiratet.
Geleitet wird das Finale vom Slowenen Slavko Vincic, der seit 2010 FIFA-Schiedsrichter ist und sein zweites WM-Turnier bestreitet. Als Videoassistent wurde der deutsche Bastian Dankert nominiert, der damit seine dritte WM als VAR und seine zwölfte VAR-Partie absolviert. Das MetLife Stadium, Heimstätte der NFL-Teams New York Giants und New York Jets, bietet 82.500 Zuschauern Platz, wurde 2010 eröffnet und kostete rund 1,4 Milliarden Euro. East Rutherford war bereits Austragungsort von fünf Gruppenspielen, einer Achtelfinal- und einer Sechzehntelfinalpartie; das Finale ist die achte WM-Begegnung dort.
Schiedsrichter, Stadion und prominente Gäste
Die Eintrittskarten waren ursprünglich in vier Preiskategorien zwischen 800 und 11.000 US-Dollar erhältlich. Auf dem FIFA-Zweitmarkt sind die Preise inzwischen auf rund 32.970 US-Dollar gestiegen, einzelne Tickets werden für Millionenbeträge gehandelt. Zum Vergleich: Die teuerste Finalkarte bei der WM 2022 in Katar kostete 1.600 US-Dollar. US-Präsident Donald Trump, der sechs Wochen lang in keinem WM-Stadion gesehen wurde, wird das Finale besuchen und gemeinsam mit FIFA-Präsident Gianni Infantino dem siegreichen Kapitän den Pokal überreichen. Trump sagte zu den Ticketpreisen: "Ich würde das nicht bezahlen, um ehrlich zu sein."
Der argentinische Präsident Javier Milei wird dem Finale aus Aberglaube fernbleiben und das Spiel aus der Casa Rosada in Buenos Aires verfolgen. Er sagte, er werde seinen Glücksbringer-Ritus, WM-Spiele von der Präsidentenresidenz aus zu schauen, "unter keinen Umständen" brechen. Spaniens König Felipe VI wird im Stadion erwartet. Die deutsche Nationalmannschaft war bereits früh aus dem Turnier ausgeschieden; unter anderem verlor Deutschland in East Rutherford gegen Ecuador.
Das Finale ist die letzte von 104 Partien des Turniers, das in den USA, Mexiko und Kanada ausgetragen wird. Übertragen wird die Begegnung in Österreich live auf ORF 1. In 15 bisherigen Aufeinandertreffen führt Spanien mit sieben Siegen gegen sechs argentinische Erfolge und zwei Unentschieden. Das letzte Duell war ein Freundschaftsspiel 2018 in Madrid, das Spanien 6:1 gewann. Bei einer WM trafen beide Mannschaften zuletzt 1966 in der Gruppenphase in England aufeinander, als Argentinien 2:1 siegte.
