Spektakulärer Fund in Vilnius: Königliche Insignien aus dem 16. Jahrhundert nach 90 Jahren wiederentdeckt
Vilnius, 13. Juli 2026
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Kurzfassung
In der Kathedrale von Vilnius sind königliche Insignien aus dem 16. Jahrhundert entdeckt worden, die 1939 zum Schutz vor dem Zweiten Weltkrieg versteckt worden waren. Die Grabbeigaben von König Alexander Jagiellon sowie der Königinnen Elisabeth von Habsburg und Barbara Radziwiłł sind nun in der Ausstellung „Hidden Within" im Museum des kirchlichen Erbes zu sehen.
Fast 90 Jahre nach ihrer Verbergung zu Beginn des Zweiten Weltkriegs sind in der Krypta der Kathedrale von Vilnius königliche Insignien aus dem 16. Jahrhundert wiederentdeckt worden, die seit Jahrzehnten als verschollen galten.
Der Fund hinter der zugemauerten Nische
Die Relikte waren Ende 2024 hinter einer zugemauerten Treppennische im für Führungen zugänglichen Bereich einer Krypta gefunden worden, wie litauische Fachleute mithilfe endoskopischer Kameras bestätigten. In Zeitungen aus dem Jahr 1939 eingewickelt, lagen die Insignien dort zusammen mit persönlichem Schmuck der Herrscher, darunter goldene Ringe mit seltenen Edelsteinen. Die Kunsthistorikerin Giedre Mickunaite, die den Fund betreut, sprach von einem Ergebnis von unschätzbarem Wert.
„Die wiederentdeckten Artefakte sind von unschätzbarem Wert", sagte die Kunsthistorikerin Giedre Mickunaite der Deutschen Presse-Agentur in Vilnius. Mickunaite ist die Kuratorin der neu eröffneten Ausstellung „Hidden Within" im Museum des kirchlichen Erbes, in der die kostbaren Relikte bis zum 30. Jänner 2027 der Öffentlichkeit präsentiert werden.
Königliche Grablege unter dem Vilniusser Dom
Zu den Hauptexponaten zählen Grabkronen und Insignien von König Alexander Jagiellon (1461–1506) und den beiden Königinnen Elisabeth von Habsburg (1526–1545) und Barbara Radziwiłł (1522–1551), deren Gruften sich in den Gewölben unter der Kathedrale befinden. Auch Gegenstände aus dem Umfeld von Sigismund II. August, dem letzten König der Jagiellonen-Dynastie, sind Teil des Fundes.
Die Insignien waren 1939 versteckt worden, um sie vor Zerstörung und Plünderung im Zweiten Weltkrieg zu schützen. Jahrzehntelang galten die ursprünglich 1931 nach einem Hochwasser in den unterirdischen Grabkammern entdeckten und danach ausgestellten Relikte als verschollen.
„Ich bin bestimmt 5.000 Mal an diesem Versteck vorbeigegangen"
Alina Pavasaryte von der Museumsverwaltung zeigte sich bei einem Rundgang durch die Krypten beeindruckt davon, wie gut das Versteck über all die Jahre gehalten hatte. „Sie waren wirklich gut versteckt. Aber ich hätte dort nicht einmal angehalten und gesucht, weil sich nichts in diesem Korridor befand", sagte Pavasaryte.
Pavasaryte ergänzte, sie arbeite seit über zehn Jahren in den Katakomben der Kathedrale und sei in dieser Zeit unzählige Male an dem Versteck vorbeigegangen. „Ich arbeite hier schon lange, seit über zehn Jahren. Und ich bin bestimmt 5.000 Mal an diesem Versteck vorbeigegangen", sagte die Mitarbeiterin der Museumsverwaltung.
Der Fund wirft ein neues Licht auf die Geschichte des Vilniusser Doms und seiner Funktion als königliche Grablege. Die litauische Hauptstadt war im 16. Jahrhundert eines der politischen Zentren des östlichen Mitteleuropas, und die hier bestatteten Herrscherfamilien prägten die Geschichte eines Staates, der sich zwischen den Machtblöcken Osteuropas behauptete.
Vom Hochwasser 1931 zur Verbergung 1939
Die Grabkammern der Kathedrale, in denen Alexander Jagiellon und seine königlichen Nachfolger bestattet wurden, waren 1931 nach einem schweren Hochwasser erstmals systematisch untersucht worden. Damals waren die Relikte geborgen und in der Folge in den kirchlichen Sammlungen ausgestellt worden, bis sie 1939 erneut in Sicherheit gebracht wurden.
Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und der darauffolgenden sowjetischen Besetzung Litauens geriet das Wissen um den genauen Ort des Verstecks in Vergessenheit. Jahrzehntelang galten die kostbaren Stücke als verloren – bis litauische Restauratoren und Archäologen bei routinemäßigen Untersuchungen im Jahr 2024 mit moderner Technik fündig wurden.
Dass das Versteck ausgerechnet in einem Bereich lag, der für Führungen zugänglich ist, sorgt im Nachhinein für Erstaunen. Alina Pavasaryte betonte, dass die Treppennische in den vergangenen Jahrzehnten von zahlreichen Besucherinnen und Besuchern passiert worden sei, ohne dass jemand den Hohlraum hinter der Mauer bemerkt habe.
Endoskopische Kameras und konservatorische Arbeit
Die endoskopischen Kameras, mit denen das Versteck schließlich aufgespürt wurde, sind ein gängiges Werkzeug in der modernen Bauforschung und Denkmalpflege. Sie erlauben es, enge Hohlräume zu untersuchen, ohne Mauerwerk öffnen zu müssen – ein Vorgehen, das sich in historischen Bauten besonders anbietet.
Für die Ausstellung „Hidden Within" wurden die Fundstücke in den vergangenen Monaten konservatorisch aufbereitet und dokumentiert. Die Zeitungen aus dem Jahr 1939, in die die Insignien eingewickelt waren, gelten dabei als historische Quellen ersten Ranges, weil sie Rückschlüsse auf die Umstände der Verbergung erlauben.
Mickunaite sieht in dem Fund eine Bestätigung für die Bedeutung geduldiger Grundlagenforschung. Die Kunsthistorikerin wies darauf hin, dass die Geschichte der in Vilnius bestatteten Herrscher noch immer nicht vollständig erforscht sei und dass weitere Untersuchungen in den Katakomben der Kathedrale geplant seien.
Ausstellung „Hidden Within" bis Jänner 2027
Die Ausstellung „Hidden Within" ist Teil eines größeren Projekts des Museums des kirchlichen Erbes, das die Geschichte des Vilniusser Doms und seiner Grabstätten einem breiten Publikum näherbringen soll. Neben den Insignien werden auch weitere Objekte aus den königlichen Gruften gezeigt, darunter liturgische Geräte und persönliche Gebrauchsgegenstände der Herrscher.
Der Fund reiht sich in eine Reihe spektakulärer Entdeckungen ein, die in den vergangenen Jahren in osteuropäischen Sakralbauten gemacht wurden. Erst 2023 waren in einer polnischen Kirche mittelalterliche Reliquiare entdeckt worden, die während des Zweiten Weltkriegs versteckt worden waren.
Litauen betrachtet den Fund als kulturellen Meilenstein. Das litauische Kulturministerium kündigte an, die Forschungen in der Kathedrale von Vilnius in den kommenden Jahren mit zusätzlichen Mitteln zu fördern. Die Ergebnisse sollen in eine überarbeitete Dauerausstellung zur Geschichte des Großfürstentums Litauen einfließen.
Für Besucherinnen und Besucher ist die Ausstellung „Hidden Within" noch bis zum 30. Jänner 2027 geöffnet. Anschließend sollen die Insignien nach Angaben des Museums dauerhaft in den historischen Räumen der Kathedrale präsentiert werden – dort, wo sie vor fast hundert Jahren in Sicherheit gebracht worden waren.
Fragen & Antworten
Wer war Alexander Jagiellon?
Alexander Jagiellon (1461–1506) war ein König aus dem Geschlecht der Jagiellonen, der in der Kathedrale von Vilnius bestattet ist. Zu den in den Gewölben gefundenen Relikten gehören Grabkrone und Insignien, die ihm zugeschrieben werden.
Warum galten die Insignien als verschollen?
Die Insignien waren 1939 zum Schutz vor Zerstörung und Plünderung im Zweiten Weltkrieg in einer zugemauerten Treppennische der Kathedrale versteckt worden. Danach geriet der genaue Ort des Verstecks in Vergessenheit.
Wo sind die wiederentdeckten Stücke heute zu sehen?
Die Relikte werden in der Ausstellung „Hidden Within" im Museum des kirchlichen Erbes in Vilnius gezeigt, die bis zum 30. Jänner 2027 für die Öffentlichkeit zugänglich ist.
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