Spahn wird Vater durch Leihmutter in den USA – Unionsfraktionschef unter Druck
Berlin, 17 Juli 2026
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Kurzfassung
Jens Spahn, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, ist mit seinem Ehemann Daniel Funke durch eine Leihmutter in den USA Vater eines Sohnes geworden. Während die CDU Leihmutterschaft in Deutschland strikt ablehnt, werfen Grüne, Linke und Teile der eigenen Partei dem Politiker Doppelmoral vor. Bundeskanzler Friedrich Merz gratulierte, der CDU-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern forderte den Rücktritt.
Berlin, 17 Juli 2026
Jens Spahn, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, ist mit seinem Ehemann Daniel Funke durch eine Leihmutter in den USA Vater eines Sohnes namens Georg geworden, wie er am Mittwoch bekannt gab.
Persönliche Freude und politisches Echo
Am Mittwoch gab der 46-Jährige bekannt, dass er und sein Ehemann, Daniel Funke, Eltern geworden sind. „Mein Mann ist Papa geworden, und ich mit ihm. Georg ist unser ganzes Glück“, erklärte Spahn in einer Stellungnahme. Die Geburt wurde zuvor über einen Instagram-Beitrag angekündigt, in dem die Väter das Gefühl als kaum in Worte fassbar beschrieben: „Dieses Gefühl lässt sich kaum in Worte fassen.“
Nach Angaben aus Spahns Umfeld erfolgte die Entscheidung für eine Leihmutter in den USA aufgrund der dortigen rechtlichen Rahmenbedingungen. Spahn leite aus seinem Privatleben keine politischen Forderungen ab und strebe keine Änderung des deutschen Rechts an, hieß es weiter. In Kalifornien ist Leihmutterschaft für gleichgeschlechtliche Paare rechtlich zulässig und unproblematisch.
In Deutschland ist Leihmutterschaft nach dem Embryonenschutzgesetz verboten. Ärzte und Vermittler, die bei einer Leihmutterschaft mitwirken, können sich strafbar machen. Es ist allerdings nicht illegal, ein im Ausland durch eine Leihmutter geborenes Kind in Deutschland aufzuziehen. Die CDU hatte auf einem Bundesparteitag im Februar 2026 in Stuttgart einen Beschluss gefasst, der das Verbot der Leihmutterschaft – einschließlich altruistischer Modelle – ausdrücklich bekräftigt.
CDU-Beschluss aus Stuttgart
Der Stuttgarter Beschluss formuliert: „Angesichts ethischer, rechtlicher und praktischer Bedenken gegenüber Leihmutterschaft bekräftigt die CDU Deutschlands ihre Forderung, Leihmutterschaft – auch in altruistischen Modellen – in Deutschland weiterhin zu verbieten, um Missbrauch, Ausbeutung und gesundheitliche Risiken zu verhindern.“ Zudem solle verhindert werden, dass kommerzielle oder neutrale Modelle Leihmutterschaft zu einem Geschäftsmodell machten: „Leihmutterschaft bleibt damit uneingeschränkt verboten.“
Die Reaktionen aus Politik und Gesellschaft fielen kontrovers aus. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erklärte, Spahn habe ihn am Freitag, dem 10. Juli, über die bevorstehende Elternschaft informiert und gratuliert. Die CSU-Fraktion sprach Spahn ebenfalls Glückwünsche aus. Daniel Funke räumte in einer Stellungnahme ein: „Uns ist bewusst, dass beim Thema Leihmutterschaft oft Unsicherheit herrscht und auch manches Vorurteil besteht.“
Kritik aus den eigenen Reihen
Kritik kam unter anderem aus den Reihen der eigenen Partei. Daniel Peters, Vorsitzender des CDU-Landesverbands Mecklenburg-Vorpommern, forderte in der Bild-Zeitung den Rücktritt Spahns: „Jens Spahn ist als Vorsitzender der Unionsfraktion nicht mehr tragbar und muss zurücktreten.“ Hubert Hüppe, Bundesvorsitzender der Senioren-Union, sagte dem Focus-Magazin: „Die Leihmutterschaft ist zu Recht in Deutschland verboten. Es ist nicht gut, wenn sich Politiker mit Macht und Geld darüber hinwegsetzen.“ Auch Marion Rosin, Landesvorsitzende der Frauen-Union in Thüringen, äußerte sich in ähnlicher Weise.
Aus den Oppositionsfraktionen wurde der Vorwurf der Doppelmoral laut. Felix Banaszak, Grünen-Chef, sagte im Welt TV, Spahn habe Gesprächsbereitschaft signalisiert, solle nun aber Rede und Antwort stehen. „Ich glaube, das muss er jetzt auch tun“, so Banaszak. Er verwies darauf, dass es besser sei, „wenn man im Einklang mit dem lebt, was man in sein eigenes Programm schreibt und auch politisch von anderen erwartet“. Die ethische Frage um Leihmutterschaft sei „nicht trivial“.
Vorwürfe der Opposition
Janosch Dahmen, gesundheitspolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, sprach von einem Problem politischer Glaubwürdigkeit: „Wer Regeln politisch propagiert, sollte nachvollziehbar erklären, warum sie für ihn selbst offenbar nicht gelten sollen.“ Kathrin Gebel, frauenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, sagte: „Politische Maßstäbe sollten auch dann gelten, wenn das eigene Leben betroffen ist.“ Politiker von Grünen, FDP und Linken warfen Spahn vor, privat einen Weg zu nutzen, den seine Partei in Deutschland ausdrücklich ablehne.
Spahn hatte sich bereits in der Vergangenheit kritisch zu Leihmutterschaft geäußert. In einem GQ-Interview aus dem Jahr 2015 sagte er: „Als schwuler Mann und Christ kann ich mich persönlich nur sehr schwer mit der Idee eines gemieteten Mutterbauchs anfreunden.“ Auf die Frage, ob er akzeptieren könne, nicht auf natürlichem Weg Vater zu werden, antwortete er: „Zu akzeptieren, dass ich nicht auf natürlichem Weg Vater werde, verlangt ein großes Maß an Demut. Ob ich das aufbringen kann, weiß ich nicht.“
Spahns frühere Positionen
Im Jahr 2020, als die FDP eine Debatte zur Liberalisierung der Leihmutterschaft anstoßen wollte, hatte Spahn als damaliger Bundesgesundheitsminister dies abgelehnt und argumentiert, Leihmutterschaft könne „besondere Schwierigkeiten bei der Selbstfindung des Kindes“ verursachen. Spahn und Funke kennen sich seit 2010 und haben 2017 geheiratet.
Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die unterschiedliche Regulierung von Leihmutterschaft weltweit. In den USA ist Leihmutterschaft nicht verboten, wobei die rechtliche Lage von Bundesstaat zu Bundesstaat variiert. In Kalifornien etwa müssen Leihmütter finanziell unabhängig sein, eigene Kinder haben und in stabilen familiären Verhältnissen leben. Die Kosten in den USA liegen laut Berichten zwischen 100.000 und 200.000 US-Dollar.
Internationaler Vergleich
In der Ukraine, wo Leihmutterschaft seit 2004 familienrechtlich erlaubt ist, betragen die Kosten bis zu 70.000 Euro. Vor der russischen Vollinvasion gingen Schätzungen von mindestens 1.500 Geburten pro Jahr aus. Die Wunscheltern müssen verheiratet sein und medizinische Gründe nachweisen, etwa eine Gebärmutterfehlbildung oder mindestens vier fehlgeschlagene IVF-Versuche. Die Leihmutter hat nach ukrainischem Recht keinen Anspruch auf Mutterschaft; das Kind ist offiziell das Kind der Wunscheltern.
In Italien ist Leihmutterschaft seit 2004 verboten, im Oktober 2024 wurde sie unter dem Prinzip der Universaljurisdiktion auch dann zur Straftat, wenn sie im Ausland durchgeführt wird. Italienische Paare müssen mit Geldbußen zwischen 600.000 und einer Million Euro sowie Gefängnisstrafen zwischen zwei Monaten und drei Jahren rechnen. Etwa zehn Prozent der Paare, die ins Ausland gingen, waren homosexuell. In Spanien ist Leihmutterschaft seit 2006 gesetzlich verboten; im April 2025 untersagte die spanische Regierung die direkte zivilstandsamtliche Eintragung im Ausland geborener Kinder ohne Nachweis einer biologischen Verbindung.
Andere europäische Staaten gehen unterschiedliche Wege. In Dänemark trat zum 1. Januar 2025 ein Gesetz in Kraft, das die Elternschaft für Kinder aus Leihmutterschaft für dänische Wunscheltern ermöglicht. Zuvor muss ein altruistischer Leihmutterschaftsvertrag von einem Familiengericht genehmigt werden; die Leihmutter muss mindestens 25 Jahre alt sein, in Dänemark wohnen und bereits ein Kind geboren haben. Die dänische Gesundheitsministerin Sophie Løhde erklärte gemeinsam mit gesundheitspolitischen Sprechern anderer Regierungsparteien in Berlingske: „Aus unserer Sicht ist das derzeitige Verbot, das Dänen dazu zwingt, Tausende von Kilometern zu reisen, um Hilfe bei der Elternschaft zu erhalten, sowohl unlogisch als auch unangemessen.“
Ethische Debatte und Ausblick
In Irland wurde 2024 ein umfassenderer rechtlicher Rahmen geschaffen, der altruistische Leihmutterschaft mit Erstattung angemessener Kosten, aber ohne kommerzielle Bezahlung erlaubt. In Schweden ist das Austragen eines Kindes für eine andere Person nicht verboten, wird aber nicht staatlich unterstützt; die gebärende Frau gilt nach dem Elternrechtsgesetzbuch automatisch als gesetzliche Mutter. Schwedens konservative Moderaterna hatten vor der Parlamentswahl 2022 in einer Videokampagne mit dem Titel „Für das Recht aller auf Elternschaft“ für altruistische Leihmutterschaft geworben.
Da Leihmutterschaft nicht im EU-Recht geregelt ist, legen sämtliche Mitgliedstaaten der Europäischen Union ihre eigenen Regeln fest. Der UN-Sonderberichterstatter für Gewalt gegen Frauen hatte im Vorjahr zu einem weltweiten Verbot von Leihmutterschaft aufgerufen. Auch der Theologe und Medizinethiker Andreas Lob-Hüdepohl sprach sich auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur klar gegen eine Legalisierung in Deutschland aus: Leihmutterschaft „reduziere Kinder und Frauen zur Ware, nutze soziale Ungleichheiten aus und führe häufig zur Ausbeutung finanziell benachteiligter Frauen“. Er sehe keinen Grund, warum eine Legalisierung in Deutschland „schwerwiegende Menschenrechtsverstöße billiger und damit für noch mehr Menschen erschwinglicher machen sollte“.
Spahn ist nicht der erste Unionspolitiker, der über eine US-Leihmutter Vater wurde. Auch Hendrik Streeck, CDU-Bundestagsabgeordneter und Drogenbeauftragter der Bundesregierung, war einige Monate zuvor mit seinem Ehemann über eine Leihmutter in den USA Vater geworden. Während der COVID-19-Pandemie war Spahn für den überteuerten Kauf von Schutzmasken verantwortlich, der später zu Klagen in Milliardenhöhe mit Lieferanten führte.
Die Diskussion um Spahn und die Geburt seines Kindes durch eine Leihmutter in den USA zeigt, wie emotional und kontrovers das Thema ist. Im Zentrum steht die Frage, ob Leihmutterschaft Ausdruck weiblicher Selbstbestimmung ist oder Ausbeutung aufgrund finanzieller Not und sozialer Ungleichheit. Offen bleibt auch, ob ein durch eine Leihmutter geborenes Kind ein Recht darauf hat, die Identität dieser Frau zu erfahren, und welche Rechte für Leihmutter, Wunscheltern und Kind gelten sollten.
Spahn selbst hat sich bisher nicht öffentlich zu den Vorwürfen der Doppelmoral geäußert. Sein Umfeld betont, er leite aus seinem Privatleben keine politischen Forderungen ab. Die CSU-Fraktion gratulierte ihm zur Geburt seines Sohnes, hält aber am Verbot der Leihmutterschaft in Deutschland fest.
Fragen & Antworten
Wie hat Jens Spahn die Geburt seines Sohnes bekannt gegeben?
Spahn gab am Mittwoch über einen Instagram-Beitrag und eine Stellungnahme bekannt, dass er und sein Ehemann Daniel Funke Eltern eines Sohnes namens Georg geworden sind. Das Kind wurde durch eine Leihmutter in den USA geboren.
Warum wirft man Spahn Doppelmoral vor?
Kritiker aus den Reihen der Grünen, der Linken und Teilen der CDU verweisen darauf, dass Spahns Partei, die CDU, Leihmutterschaft in Deutschland strikt ablehnt, während Spahn selbst diesen Weg im Ausland genutzt hat. Spahn hatte sich zudem früher öffentlich kritisch zu Leihmutterschaft geäußert.
Welche rechtliche Lage gilt in Deutschland für Leihmutterschaft?
In Deutschland ist Leihmutterschaft nach dem Embryonenschutzgesetz verboten; Ärzte und Vermittler können sich strafbar machen. Es ist allerdings nicht illegal, ein im Ausland durch eine Leihmutter geborenes Kind in Deutschland aufzuziehen.
Jens Spahn: Vater durch US-Leihmutter – Kritik an | nachrichten360