Jens Spahn wird Vater durch Leihmutter in den USA – die Rechtslage in Deutschland
Berlin, 16 Juli 2026
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Kurzfassung
Jens Spahn, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, und sein Ehemann Daniel Funke sind nach eigenen Angaben Vater eines Sohnes geworden. Das Kind wurde laut «Bild»-Zeitung in den USA von einer Leihmutter zur Welt gebracht. Während die CDU an ihrem Parteitagsbeschluss festhält und Leihmutterschaft in Deutschland verboten bleiben soll, verweist die Bundesregierung auf die bestehende Rechtslage.
Berlin, 16 Juli 2026
Jens Spahn, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, und sein Ehemann Daniel Funke sind Eltern eines Sohnes geworden, der laut «Bild»-Zeitung von einer Leihmutter in den USA zur Welt gebracht wurde.
Bestätigung und erste Reaktionen
Spahn und Funke bestätigten die Leihmutterschaft der «Bild»-Zeitung. «Mein Mann ist Papa geworden, und ich mit ihm. Georg ist unser ganzes Glück. Dieses Gefühl lässt sich kaum in Worte fassen», zitiert das Blatt den CDU-Politiker. Zuvor hatte Funke auf Instagram mit dem Beitrag «We Are Family» und einem Foto mit Kinderwagen öffentlich gemacht, dass das Paar ein Kind bekommen hat. Spahn erklärte gegenüber «Bild», nur seine Familie und den Bundeskanzler vorab über die Geburt informiert zu haben.
Rechtslage in Deutschland
Nach deutschem Recht ist Leihmutterschaft verboten. Das Embryonenschutzgesetz untersagt es Ärzten, eine Leihmutter künstlich zu befruchten oder ihr einen fremden Embryo zu übertragen. Vermittlung von Leihmutterschaft ist ebenfalls strafbar – bestraft werden nach Paragraf 3 des Gesetzes jedoch nur die vermittelnden oder medizinisch beteiligten Personen, nicht die Wunscheltern und nicht die Leihmutter selbst. «Mutter eines Kindes ist nach deutschem Recht die Frau, die es geboren hat, also die Leihmutter», stellt die Rechtslage klar.
Da kommerzielle Leihmutterschaft «in Deutschland und der Schweiz aber de facto verboten ist», weichen Paare mit Kinderwunsch ins Ausland aus. Erlaubt ist sie unter anderem in den USA und in Dänemark. Häufig genutzte Ziele sind nach Berichten auch die Ukraine und Georgien sowie Griechenland. Grossbritannien und Portugal erlauben nur altruistische Leihmutterschaft und schliessen ausländische Paare aus. In den USA ist die Regulierung Sache der einzelnen Bundesstaaten; in Kalifornien etwa ist bezahlte Leihmutterschaft zugelassen. In der Ukraine dürfen laut Berichten nur heterosexuelle Ehepaare den Weg gehen.
Wege ins Ausland: USA, Dänemark und Co.
Die Kosten einer Leihmutterschaft in den USA belaufen sich nach Schätzungen auf etwa 150.000 Euro – eine Summe, die sich viele Paare in Deutschland nicht leisten können. Üblicherweise wird ein Embryo durch In-vitro-Fertilisation erzeugt und der Leihmutter übertragen. Für die rechtliche Elternschaft und die Anerkennung deutscher Staatsbürgerschaft ist nach den Regeln vieler Länder Voraussetzung, dass mindestens ein Wunschelternteil genetisch mit dem Kind verwandt ist. Im Fall von Spahn und Funke gilt Funke als genetischer Vater, was die Anerkennung der Vaterschaft in Deutschland erleichtert.
Die CDU hatte auf ihrem Parteitag im Februar bekräftigt, dass Leihmutterschaft unabhängig von der Motivation verboten bleiben solle. Eine Parteisprecherin sagte der Deutschen Presse-Agentur, man halte «weiterhin am Parteitagsbeschluss aus dem Februar fest». Die CDU bekräftige «ihre Forderung, Leihmutterschaft - auch in altruistischen Modellen - in Deutschland weiterhin zu verbieten, um Missbrauch, Ausbeutung und gesundheitliche Risiken zu verhindern.» Auch die Frauen Union in der CDU äusserte sich ähnlich.
Positionen von CDU und Bundesregierung
Das SPD-geführte Bundesfamilienministerium verwies auf die geltende Rechtslage. Ein Sprecher sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe am Donnerstag: «Der Koalitionsvertrag sieht keine Änderung der aktuellen Rechtslage vor.» Der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD sehe zudem keine Änderungen daran vor. Damit bleibt die Gesetzeslage nach jetzigem Stand unverändert.
In den sozialen Medien fiel die Reaktion auf Spahns Nachricht teils scharf aus. Kommentare lauteten etwa: «Leihmutterschaft ist Menschenhandel und zu Recht strafbar. Nur gilt das offenbar nicht für Spahn.» Andere schrieben knapp: «Ab in den Knast.» Aus den Reihen der Union kam nach Informationen von Medien zudem die Forderung nach einem Rücktritt Spahns. Eine offizielle Stellungnahme der Fraktionsführung dazu liegt nicht vor.
Spahns frühere Aussagen
Spahn selbst hatte sich 2015 in einem GQ-Beitrag noch zurückhaltend geäussert: «Als schwuler Mann und Christ kann ich mich persönlich nur sehr schwer mit der Idee eines gemieteten Mutterbauchs anfreunden.» Damals war er Parlamentarischer Staatssekretär in der Regierung von Angela Merkel. Er fügte damals hinzu: «Zu akzeptieren, dass ich nicht auf natürlichem Weg Vater werde, verlangt ein großes Maß an Demut. Ob ich das aufbringen kann, weiß ich nicht.»
2020, in seiner Zeit als Bundesgesundheitsminister, wies Spahn eine FDP-Forderung nach Legalisierung der Leihmutterschaft zurück. Er verwies auf «zu erwartende Schwierigkeiten bei der Selbstfindung des Kindes» und «negative Auswirkungen» auf dessen Entwicklung. Eine Anfrage aus dem Parlament beantwortete sein Ministerium damals mit dem Hinweis, eine Lockerung sei nicht geplant; eine Gefährdung des Kindeswohls sei zu befürchten.
Bericht der Expertenkommission
Die damalige Ampelregierung hatte eine Expertenkommission eingesetzt, die unter anderem die Möglichkeit einer Legalisierung von Leihmutterschaft prüfen sollte. Im Abschlussbericht 2024 kam die Kommission zu dem Schluss, Leihmütter seien «nicht notwendigerweise in menschenwürdeverletzender Weise instrumentalisiert», identifizierte aber «erhebliche Risikopotentiale». Geprüft wurden ausschliesslich altruistische Modelle; diese seien denkbare Ausnahmen, etwa wenn eine enge Freundschaft oder Verwandtschaft zwischen Leihmutter und Wunscheltern bestehe, hiess es.
Die Vereinten Nationen streben nach Angaben aus dem Bericht eine weltweite Ächtung kommerzieller Leihmutterschaft an. Eine UN-Expertin forderte, «Leihmutterschaft als System von Gewalt, Ausbeutung und Missbrauch gegen Frauen anzuerkennen und die Praxis weltweit abzuschaffen». Auch Kritiker werfen der Ukraine eine kommerzielle «Babiefabrik»-Praxis in einem millionenschweren Geschäft vor.
Weitere betroffene Politiker
Spahn ist nicht der erste prominente Politiker in Deutschland, der mitteilte, über eine Leihmutter Eltern geworden zu sein. Im Frühjahr hatte Hendrik Streeck, CDU-Bundestagsabgeordneter und Drogenbeauftragter der Bundesregierung, ebenfalls in der «Bild»-Zeitung Familienzuwachs verkündet; er und sein Partner, der Gesundheitsfunktionär Paul Zubeil, hatten nach eigenen Angaben eine Amerikanerin als Leihmutter in Anspruch genommen. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Arlt und sein Ehemann hatten nach Angaben bereits 2023 ein Leihmutterkind aus Dänemark erhalten.
Die Kommentatorin Ariane Bemmer sieht in Spahns Weg einen Verstoss gegen geltendes deutsches Recht und schreibt, das sei keine Privatsache. Welche Organisation, an welchem Ort und zu welchem Preis Spahns Familie den Weg nach Amerika organisierte, ist nicht öffentlich bekannt. Bekannt ist, dass die Übergänge zwischen rechtlicher und tatsächlicher Elternschaft über Anerkennung der Vaterschaft unter bestimmten Bedingungen möglich sind.
Hintergrund und Einordnung
Spahn ist seit 2017 mit Daniel Funke verheiratet; Funke wird als Manager beschrieben. Der Beitrag ist Auszug aus dem Newsletter «Der andere Blick am Abend» der NZZ-Deutschland-Autorin Susanne Gaschke. Auch Prominente wie Paris Hilton, Alec Baldwin, Nicole Kidman und Sarah Jessica Parker werden in Berichten mit Leihmutterschaft in Verbindung gebracht. Friedrich Merz ist Vorsitzender der CDU.
Die Berichte über Spahns Vaterschaft wurden am 16.07.2026 im Programm des Deutschlandfunks gesendet, ein Beitrag bei WDR.de lief am 16.07.2026 um 13:58 Uhr. Die inhaltliche Botschaft der Berichte wird auch als Signal an den CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz gelesen, der sich bislang nicht öffentlich zu dem Fall geäussert hat.
Fragen & Antworten
Wer ist Jens Spahn und wie ist er Vater geworden?
Jens Spahn ist Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Wie er und sein Ehemann Daniel Funke der «Bild»-Zeitung bestätigten, wurde ihr gemeinsamer Sohn von einer Leihmutter in den USA zur Welt gebracht.
Warum ist Leihmutterschaft in Deutschland verboten?
Das Embryonenschutzgesetz verbietet die künstliche Befruchtung einer Leihmutter und die Vermittlung solcher Arrangements. Die CDU begründet ihren Kurs mit dem Schutz vor Missbrauch, Ausbeutung und gesundheitlichen Risiken.
Welche Folgen hat die Nachricht für die politische Debatte?
Die CDU hält an ihrem Parteitagsbeschluss fest, das Verbot beizubehalten; das Bundesfamilienministerium verweist auf den Koalitionsvertrag, der keine Änderung vorsieht. Gleichzeitig wurde aus der Union die Forderung nach einem Rücktritt Spahns laut.
Spahn Leihmutterschaft: Rechtlage in Deutschland 2026 | nachrichten360