Debatte über Leihmutterschaft: Rücktrittsforderungen an CDU-Fraktionschef Spahn
Berlin, 17 Juli 2026
Superbass / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Nach der Geburt seines Sohnes durch eine Leihmutter in den USA steht CDU-Fraktionschef Jens Spahn unter Druck. Politiker mehrerer Parteien fordern seinen Rücktritt und werfen ihm vor, das deutsche Verbot der Leihmutterschaft umgangen zu haben.
Berlin, 17 Juli 2026
CDU-Fraktionschef Jens Spahn ist durch eine Leihmutterschaft in den USA Vater geworden und sieht sich daraufhin mit Rücktrittsforderungen sowie dem Vorwurf der Umgehung des deutschen Leihmutterschaftsverbots konfrontiert.
Der CDU-Fraktionsvorsitzende Jens Spahn und sein Ehemann Daniel Funke hatten am Mittwoch öffentlich gemacht, dass sie Eltern eines Sohnes geworden sind. Wie aus dem Umfeld des Politikers verlautete, wurde das Kind mithilfe einer Leihmutter in den USA geboren. Spahn selbst hat sich bisher noch nicht zu der Kritik geäußert. Ein Sprecher erklärte lediglich, Jens Spahn leite grundsätzlich aus seinem Privatleben keine politischen Forderungen ab.
Rechtliche Lage in Deutschland
In Deutschland ist Leihmutterschaft verboten. Die Regelung ist im Embryonenschutzgesetz verankert, das seinerzeit in den Geschäftsbereich des Bundesgesundheitsministeriums fiel – das Ministerium, das Spahn von 2018 bis 2021 leitete. Die CDU hatte sich im Februar auf ihrem Bundesparteitag erneut zu dem Verbot bekannt. Die Ampelregierung hatte 2020 auf eine FDP-Anfrage hin mitgeteilt, dass in der damaligen Legislaturperiode keine Änderung des Verbots geplant sei. Als Begründung nannte das Ministerium, der Zweck der Regelung liege primär in der Wahrung des Kindeswohls.
Kritik aus Union, Grünen, FDP und Linksfraktion
Kritik kam aus den Reihen mehrerer Parteien. Hubert Hüppe, Vorsitzender der Senioren-Union, sagte: „Die Leihmutterschaft ist zu Recht in Deutschland verboten. Es ist nicht gut, wenn sich Politiker mit Macht und Geld darüber hinwegsetzen.“ Gegenüber dem Spiegel erklärte er, er sei „persönlich geschockt“. Der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Janosch Dahmen, kritisierte am Freitag Doppelstandards: „Wer Regeln politisch propagiert, sollte nachvollziehbar erklären, warum sie für ihn selbst offenbar nicht gelten sollen.“ FDP-Vize Henning Höne sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Was ich nicht respektieren kann, sind Politiker, die in Deutschland für Gesetze sorgen, die sie dann mit Geld und Kontakten international umgehen.“
Kathrin Gebel, frauenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, verwies auf die Risiken für die Frauen: „Schwangerschaft und Geburt dürfen nicht zu Dienstleistungen werden, die sich vor allem Wohlhabende kaufen können“, sagte sie. Auch eine so genannte altruistische Leihmutterschaft ohne Bezahlung sehe sie wegen der „erheblichen körperlichen, gesundheitlichen und sozialen Risiken für die betroffenen Frauen“ kritisch. Eine Politikerin, die namentlich nicht genannt werden wollte, sagte der Funke-Mediengruppe, Leihmutterschaft sei „in Deutschland aus guten ethischen Gründen“ verboten. Der frühere Vorsitzende des Ethikrats, Dabrock, sprach davon, dass es „ein Gefühl der Traurigkeit“ bleibe, wenn sich jemand „Freiräume nimmt, weil er das Geld, die Position und die Möglichkeit dazu hat“.
Glückwünsche und abwehrende Reaktionen
Positive Reaktionen auf die Vaterschaft kamen unter anderem von Bundeskanzler Merz, Vizekanzler Klingbeil und Bundesjustizministerin Hubig. Klingbeil gratulierte Spahn und seinem E Mann zur Vaterschaft. Aus der CSU zeigte sich der Landesgruppenchef Alexander Hoffmann zugleich glückwünschend und gesetzgeberisch klar: Er wünsche Spahn und seiner Familie „alles Gute und Gottes Segen“, sehe aber keinen Änderungsbedarf an der Leihmutterschaftsregelung, die er als „wohlbegründet“ bezeichnete.
Spahns Umfeld wies Vorwürfe zurück, die Leihmutter sei ausgebeutet worden. In den USA könne nur eine Frau Leihmutter werden, die finanziell unabhängig sei, bereits eigene Kinder und ein geordnetes Familienleben habe. Zudem habe auch die rechtliche und wirtschaftliche Situation der Leihmutter dort eine Rolle bei der Entscheidung gespielt. Leihmutterschaften in den USA kosten in der Regel zwischen 100.000 und 250.000 US-Dollar.
Spahns frühere Äußerungen
Die Vorgeschichte verstärkt die Debatte zusätzlich. Schon 2015 hatte Spahn, damals gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion, im GQ-Magazin persönliche Vorbehalte gegen Leihmutterschaft geäußert: „Als schwuler Mann und Christ kann ich mich persönlich nur sehr schwer mit der Idee eines gemieteten Mutterbauchs anfreunden. Zu akzeptieren, dass ich nicht auf natürlichem Weg Vater werde, verlangt ein großes Maß an Demut. Ob ich das aufbringen kann, weiß ich nicht.“ Auf Nachfrage erklärte das Umfeld Spahns, er habe sich seitdem mit dem Thema auseinandergesetzt und seine Haltung weiterentwickelt.
Die Funke-Mediengruppe zitierte eine namentlich nicht genannte Politikerin mit der Forderung, die Umgehung des deutschen Verbots über das Ausland unterlaufe „den Geist des deutschen Gesetzes“. Sollte ein führender Politiker an Glaubwürdigkeit verlieren, sei der Rücktritt „eine Frage der Konsequenz“. Diese Nachricht wurde am 17.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet und über den dpa-Newskanal verbreitet.
Die CDU erklärte am Donnerstag, sie halte an dem Verbot der Leihmutterschaft fest. Die Diskussion um die persönliche Entscheidung Spahns hält indessen an: Die Umstände der Vaterschaft sorgen weiter für Diskussionen – über Familienmodelle, Geld, politische Glaubwürdigkeit und die Reichweite des deutschen Verbots.
Fragen & Antworten
Warum steht Jens Spahn in der Kritik?
Kritiker werfen dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Jens Spahn vor, mit der Geburt seines Sohnes durch eine Leihmutter in den USA das in Deutschland geltende Verbot der Leihmutterschaft umgangen zu haben, obwohl die CDU erst im Februar 2026 das Verbot bekräftigt hatte.
Wer fordert Spahns Rücktritt?
Rücktritt oder Konsequenz forderten unter anderem Hubert Hüppe (Senioren-Union), die Grünen mit Janosch Dahmen, der FDP-Vize Henning Höne sowie die Frauenpolitikerin Kathrin Gebel (Linksfraktion).
Was hat Spahn früher selbst zu Leihmutterschaft gesagt?
Im GQ-Magazin erklärte Spahn 2015: „Als schwuler Mann und Christ kann ich mich persönlich nur sehr schwer mit der Idee eines gemieteten Mutterbauchs anfreunden“ – diese Aussage wird nun gegen seine aktuelle Lebensentscheidung angeführt.
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