Selenskyj: Trump sagt Patriot-Lizenzen für Ukraine zu | nachrichten360
Selenskyj: Trump hat Lizenzen für Patriot-Produktion in Aussicht gestellt
Washington, 29. Juli 2026
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Kurzfassung
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat mit US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus über Lizenzen für die Produktion von Patriot-Abfangraketen sowie über die Wiederbelebung diplomatischer Bemühungen zur Beendigung des russischen Angriffskrieges gesprochen. Trump habe die Lizenzen zugesagt, erklärte Selenskyj in einem Interview mit Fox News.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am 28. Juli 2026 bei einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus nach eigenen Angaben die Zusage für Lizenzen zur Produktion von Patriot-Abfangraketen erhalten.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat bei einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus nach eigenen Angaben die Zusage für Lizenzen zur Produktion von Patriot-Abfangraketen erhalten. Das Gespräch habe sich auch um die Wiederbelebung diplomatischer Bemühungen zur Beendigung des russischen Angriffskrieges gedreht, teilte Selenskyj über die Plattform X mit. „Der Präsident und ich haben über Lizenzen zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen gesprochen und andere Dinge, die helfen können“, schrieb Selenskyj. Zudem sei es um eine Stärkung der ukrainischen Flugabwehr gegen russische Raketenangriffe gegangen.
Die Ankündigung machte Selenskyj in einem Interview mit dem Fox-News-Moderator Sean Hannity. „Er hat zugesagt, uns die Lizenzen zu erteilen“, sagte der ukrainische Präsident. Er hoffe, dass die Lizenzen es der Ukraine ermöglichten, die dringend benötigten Abfangraketen schneller selbst zu produzieren. Auch äußerte Selenskyj Dankbarkeit: „Ich bin den Vereinigten Staaten dankbar für ihre feste Unterstützung“.
Hintergrund: Ukrainische Luftabwehr und Patriot-Munition
Das Treffen zwischen Trump und Selenskyj fand hinter verschlossenen Türen statt und dauerte nach Angaben US-amerikanischer Medien etwas mehr als eine Stunde. Das Weiße Haus äußerte sich zunächst nicht auf eine Bitte um Stellungnahme zu Selenskyjs Angaben. Auch zum Inhalt der Gespräche veröffentlichte die US-Regierung zunächst keine offiziellen Details. Lediglich Trump selbst schrieb auf seiner Plattform Truth Social, das Treffen sei „very well“ verlaufen. Selenskyj hatte unmittelbar nach dem Gespräch noch Zurückhaltung geübt und es Stunden vor dem Hannity-Interview lediglich als ein gutes Treffen bezeichnet.
Patriot-Systeme gelten ukrainischen und westlichen Angaben zufolge als zentrales Mittel zur Abwehr russischer ballistischer Raketen. Bereits im Frühjahr hatte Selenskyj beklagt, dass seinem Land die Munition für die Patriot-Systeme nahezu ausgegangen sei. Die weltweiten Bestände der Abwehrraketen sind nach Darstellung von Experten auch deshalb knapp, weil der US-Krieg gegen den Iran, der Ende Februar gemeinsam mit Israel begonnen wurde, die Vorräte weiter verknappt hat. „Der US-Krieg gegen den Iran verknappte die weltweiten Bestände der Abwehrraketen weiter“, heißt es in dem Bericht.
Trump und Netanyahu: Erstmals seit Iran-Krieg
Angesichts der Bedeutung der Patriot-Abwehr für die Ukraine wäre eine Lizenz zur Eigenproduktion ein erheblicher Schritt. Allerdings stand bis zum Abend (Ortszeit Washington) eine förmliche Bestätigung aus dem Weißen Haus aus. Selenskyj nutzte seinen Aufenthalt in Washington, um im Kongress für neue Sanktionen gegen Russland zu werben. Eine Woche nach dem Ukraine-Besuch des kürzlich verstorbenen Senators Lindsey Graham, der ihm die Unterstützung des Weißen Hauses für ein Sanktionsgesetz übermittelt hatte, sprach Selenskyj vor beiden Kammern.
Nicht nur Selenskyj war am Dienstag zu Gast im Weißen Haus. Unmittelbar nach dem Gespräch mit dem ukrainischen Präsidenten empfing Trump den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu. Es war das erste persönliche Treffen seit dem Beginn des Iran-Krieges Ende Februar. Das letzte bilaterale Gespräch im Weißen Haus hatte nur wenige Tage vor Kriegsbeginn stattgefunden. Inhaltlich kreiste das anderthalbstündige Gespräch Medienberichten zufolge um den Libanon, den Krieg gegen den Iran und ein mögliches Nuklearabkommen mit Saudi-Arabien.
Trump und Netanyahu, der Anfang Oktober in Israel eine richtungsweisende Wahl zu bestehen hat, verband nach eigenen Angaben das Ziel, den Iran am Bau einer Atomwaffe zu hindern. „er habe mit Trump über das gemeinsame Ziel gesprochen, den Iran am Bau einer Atomwaffe zu hindern“, sagte Netanyahu. Der israelische Ministerpräsident wollte nach Angaben israelischer Medien US-Geheimdiensterkenntnisse zu einem mutmaßlichen iranischen Nuklearstandort namens „Pickaxe Mountain“ vorlegen. Trump wies den Bericht im Fox-News-Interview zurück: „Nun, ich brauche Bibi nicht, um mir das zu sagen. Bibi erzählt mir das, weil er möchte, dass ich weiterhin involviert bleibe.“
Trauerfeier für Senator Lindsey Graham
Zwischen Trump und Netanyahu gibt es inhaltlich Differenzen: Während Israel den Krieg gegen den Iran nach Darstellung von US-Medien fortsetzen will, drängt Trump auf eine diplomatische Lösung. Trump hatte bereits in einem Interview mit Fox News erklärt, er bevorzuge eine Einigung mit dem Iran gegenüber schwereren Angriffen. Auch der kürzlich verstorbene Senator Lindsey Graham hatte in den Wochen vor seinem Tod eine Vereinbarung mit dem Iran als besseren Weg angesehen. Indessen hatte US-Präsident Trump den Krieg gegen den Iran mit massiven Militäreinsätzen begonnen, die Washington nach eigenen Angaben viel Geld und Menschenleben kosten. Jüngsten Umfragen zufolge lehnen mehr als zwei Drittel der Amerikaner den Krieg gegen Iran ab. Eine Waffenruhe im Iran-Krieg war zudem durch neue Angriffe in der Nacht wieder beendet worden.
Die Reise Selenskyjs und Netanyahus in die USA war durch eine Trauerfeier für den verstorbenen US-Senator Lindsey Graham veranlasst. Graham war Mitte des Monats im Alter von 71 Jahren an den Folgen einer Herzerkrankung gestorben. Am Dienstag fanden in Washington Gedenkfeiern statt, zunächst morgens eine Trauerfeier im US-Kapitol und nachmittags ein Trauergottesdienst in der National Cathedral. Zu den Rednern gehörten neben Trump und dem TV-Moderator Sean Hannity auch Vizepräsident J. D. Vance und der Mehrheitsführer im Senat, John Thune. Minderheitsführer Chuck Schumer nahm ebenfalls an beiden Veranstaltungen teil. Auch der finnische Präsident Alexander Stubb sowie Reza Pahlavi, Sohn des letzten Schahs von Iran, waren unter den Trauergästen. Kabinettsmitglieder wie Außenminister Marco Rubio, Finanzminister Scott Bessent und Verteidigungsminister Pete Hegseth begleiteten die Feierlichkeiten. „Es gab wirklich niemanden wie Lindsey Graham“, sagte Trump, der den Republikaner auch als „einen geliebten Freund, einen treuen Bruder, einen hoch angesehenen Staatsmann, eine prägende Figur des US-Senats und ein wahres amerikanisches Original“ würdigte. Graham war ein bedeutender Unterstützer der Ukraine und Israels im Kongress und galt als erfahrener außenpolitischer Experte. Trump sagte bei der Trauerfeier: „Nirgendwo auf der Welt“ sei etwas ohne Grahams Meinung geschehen und kein Gesetz sei ohne sein Mitwirken verabschiedet worden. Auch Vance, der mit Graham innerhalb der Republikaner politische Differenzen gehabt hatte, würdigte den Verstorbenen. Mehrheitsführer Thune kämpfte bei der Erinnerung an Grahams Humor mit den Tränen.
Sanktionspaket gegen Russland im Senat
Senator Graham hatte erst kurz vor seinem Tod seine zehnte Reise in die Ukraine seit Beginn der russischen Vollinvasion im Februar 2022 absolviert. Er hatte sich dort gegenüber Selenskyj für die Unterstützung des Weißen Hauses für ein neues Sanktionsgesetz ausgesprochen. Im US-Senat einigten sich Republikaner und Demokraten daher schnell auf einen Entwurf für verschärfte Sanktionen gegen Russland. Am Dienstagabend (Ortszeit) votierte der Senat mit 86 zu 12 Stimmen, das Sanktionsgesetz weiter zu beraten. Das Gesetz sieht Strafmaßnahmen gegen die größten Käufer russischen Erdöls und Erdgases sowie gegen Staaten vor, die Moskau bei der Umgehung von Energiesanktionen unterstützen. Zudem soll der Präsident ermächtigt werden, neue Strafzölle von bis zu 100 Prozent auf die fünf größten Abnehmer von russischem Rohöl und Erdgas zu verhängen. Da das Repräsentantenhaus bereits in der Sommerpause ist, dürfte das Sanktionsgesetz frühestens im September in Kraft treten. Aus dem US-Senat hieß es, dass über das Sanktionsgesetz noch in derselben Woche abgestimmt werden könnte. „Wiederbelebung der diplomatischen Bemühungen um ein Ende des russischen Angriffskrieges“, hieß es dazu aus dem Umfeld des Treffens.
Am Rande der Trauerfeier kam es nach Bildern auch zu einem kurzen Wortwechsel zwischen Selenskyj und Netanyahu. Beide Politiker hatten im Amte getrennte Gespräche mit Trump geführt. Das Weiße Haus beschrieb die Gespräche insgesamt als „positiv und produktiv“: „Beide Treffen verliefen positiv und produktiv!“, schrieb White-House-Sprecherin Karoline Leavitt kurz nach Ende beider Treffen auf X. Trump empfing Selenskyj unmittelbar vor Netanyahu; der Inhalt der Gespräche wurde zunächst nicht öffentlich gemacht. Allerdings hatte sich Trump in den vergangenen Wochen mit Selenskyj bereits mehrfach am Rande verschiedener Gipfel persönlich ausgetauscht, darunter Anfang des Monats beim NATO-Gipfel in Ankara sowie Mitte Juni beim G7-Gipfel in Évian, Frankreich. Auf beiden Gipfeln hätten die USA gemeinsame Positionen zum Ukraine-Krieg bezogen, hieß es. In Ankara habe Trump zudem betont, eine gute Beziehung zu seinem ukrainischen Amtskollegen zu haben.
Unterdessen meldete Russland groß angelegte Drohnenangriffe auf die Region Moskau. Nach russischen Angaben schlug demnach eine Drohne in ein Wohnhaus in der Region Moskau ein. In der Region Belgorod an der Grenze zur Ukraine wurde laut örtlichen Behörden ein Linienbus von einer Drohne getroffen, 19 Menschen wurden verletzt, sechs davon schwer. Im russisch besetzten Teil der Region Donezk wurden in Horliwka bei einem Drohnenangriff auf einen Bus fünf Menschen verletzt. Ukrainische und russische Quellen widersprachen sich zudem zur Lage. Russland erklärte, die Ukraine habe mit Drohnen einen Recyclingbetrieb getroffen und einen Großbrand ausgelöst. Die Ukraine bestätigte unterdessen einen Angriff auf ein iranisches Frachtschiff im Kaspischen Meer, bei dem ein iranischer Bürger getötet wurde. Russland warf der Ukraine vor, durch den Angriff die Sicherheit in der Kaspischen Region zu gefährden. Der iranische Außenminister Abbas Araghchi telefonierte nach ukrainischen Angaben mit seinem Amtskollegen Andriy Sybiha, der die Ziele der Angriffe erläuterte und versicherte, dass sie ausschließlich der Abwehr russischer Aggression dienten.
Kriegsverlauf: Drohnenangriffe auf beide Seiten
Trotz des russischen Luftkriegs gegen die Ukraine und der anhaltenden Kämpfe wertet Selenskyj das Treffen im Weißen Haus als wichtigen politischen Erfolg. Sollte die Zusage der Patriot-Produktionslizenzen Bestand haben, könnte die Ukraine ihre Flugabwehr künftig selbst verstärken. Allerdings bleibt offen, wie schnell solche Lizenzen in der Praxis zu einer Pat-Lieferkette in der Ukraine führen würden. Auch der weitere Verlauf der russischen Invasion sowie die Frage, ob parallel zu militärischer Hilfe diplomatische Bemühungen zur Beendigung des Krieges wieder aufgenommen werden, werden die künftige Agenda in Washington und darüber hinaus bestimmen. Schon jetzt steht fest, dass Selenskyj noch am Dienstagabend (Ortszeit Washington) Senatoren beider Parteien treffen wollte, um für die Sanktionsgesetzgebung zu werben. Dazu waren nach Angaben von The Hill alle 100 Senatoren eingeladen worden.
Die Nachrichtensendung wurde am 28.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet. Der Bericht stammt aus einem internationalen Nachrichtenüberblick, datiert auf Mittwoch, den 29. Juli 2026.
Gut zwei Wochen nach dem Tod des US-Senators Lindsey Graham fanden in Washington die Gedenkfeiern statt. Graham war ein Republikaner, der seit 2003 den US-Bundesstaat South Carolina im Senat vertrat und einer der bekanntesten außenpolitischen Stimmen seiner Partei war. Er hatte sich für einen Regimewechsel im Iran starkgemacht und galt als treuer Unterstützer einer interventionistischen US-Außenpolitik. Trump, der ihn bei der Trauerfeier würdigte, erinnerte auch an die Episode aus dem Vorwahlkampf 2016, in der Graham ihn als politischen Außenseiter scharf kritisiert hatte. Trump hatte daraufhin Grahams Telefonnummer veröffentlicht. „Sein Telefon explodierte“, sagte Trump. Später wurden die beiden enge politische Verbündete. „Ich freue mich bereits darauf, wenn du uns wieder zum Lachen bringen wirst“, sagte Thune unter Tränen bei der Trauerfeier.
Graham war ein wichtiger Unterstützer der Ukraine und Israels im Kongress. In einer Messe für Graham würdigte Trump den republikanischen Politiker als hochangesehenen Staatsmann, der die Politik der USA geprägt habe. „In einer Messe für Graham würdigte Trump den republikanischen Politiker als hochangesehenen Staatsmann, der die Politik der USA geprägt habe.“ Graham war am 9. Juli am Rande des NATO-Gipfels in der Türkei 71 Jahre alt geworden. Wenige Tage vor seinem Tod konnte er bei seinem letzten Kiew-Besuch Selenskyj die Botschaft übermitteln, dass das Weiße Haus ein Sanktionsgesetz gegen Russland unterstütze. Die Nachricht wurde am 28.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet. „Lizenzen zur Herstellung von Patriot-Raketen“ waren ein zentrales Thema der Gespräche. Das Treffen Trumps mit Netanjahu erfolgte im Anschluss. Die zentralen politischen Entwicklungen dieser Tage sind eng mit dem Erbe Grahams verknüpft, dessen Tod die USA in Trauer versetzt hat und dessen politisches Wirken nun von seinen Amtskollegen fortgeführt werden soll.
Fragen & Antworten
Was hat Trump Selenskyj nach dessen Angaben zugesagt?
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte nach einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus am 28. Juli 2026, Trump habe Lizenzen für die Produktion von Patriot-Abfangraketen zugesagt. Das Weiße Haus hat dies bisher nicht offiziell bestätigt.
Warum sind Patriot-Lizenzen für die Ukraine wichtig?
Patriot-Systeme gelten ukrainischen Angaben zufolge als einziges wirksames Mittel zur Abwehr russischer ballistischer Raketen. Da die weltweiten Bestände der Abfangraketen wegen des US-Krieges gegen den Iran knapp sind, will die Ukraine die Munition künftig selbst herstellen.
Was bedeutet das neue Sanktionsgesetz gegen Russland?
Der US-Senat stimmte am Dienstagabend mit 86 zu 12 Stimmen für die Beratung eines Sanktionspakets, das Strafmaßnahmen und Zölle von bis zu 100 Prozent gegen die größten Käufer russischen Erdöls und Erdgases vorsieht. Da das Repräsentantenhaus in der Sommerpause ist, dürfte das Gesetz frühestens im September in Kraft treten.