Schwere Unwetter in China: Zahl der Toten nach Erdrutsch in Gansu steigt auf 21
Peking, 08. Juli 2026
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Kurzfassung
Nach schweren Unwettern im Süden und Nordwesten Chinas ist die Zahl der Toten nach einem Erdrutsch in der Provinz Gansu auf 21 gestiegen. Betroffen sind vor allem Wanderarbeiter in der Landwirtschaft. Zugleich kämpft die Millionenstadt Hengzhou in Guangxi mit Überschwemmungen.
Nach einem Erdrutsch in der nordchinesischen Provinz Gansu und heftigen Unwettern im Süden Chinas ist die Zahl der Toten auf mindestens 27 gestiegen, während Rettungskräfte am Mittwoch weiter nach Vermissten suchen und sich Ostasien auf den herannahenden Supertaifun Bavi vorbereitet.
Schwere Unwetter haben seit dem Wochenende weite Teile Chinas heimgesucht. Während die Aufräumarbeiten in einigen Regionen am Mittwoch andauerten, wuchs die Sorge vor neuen Niederschlägen und einer weiteren Verschärfung der Lage. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Mittwoch unter Berufung auf die Behörden berichtete, forderten die Naturkatastrophen in mehreren Provinzen Menschenleben und verursachten erhebliche Schäden.
Die dramatischste Entwicklung ereignete sich in der nördlichen Provinz Gansu, wo sich die Katastrophe in einem Tal ereignete, in dem es immer wieder zu Überschwemmungen und Erdrutschen nach Starkregen kommt. In der Nähe der Stadt Longnan wurden demnach mehrere Dörfer von einem Erdrutsch verschüttet. Bei den meisten Opfern handelt es sich Wanderarbeiter der Landwirtschaft. Xinhua bezifferte die Opferzahl am Mittwoch auf 21 Tote; demnach überlebten zwölf Menschen das Unglück, von denen sieben verletzt wurden.
Erdrutsch in Gansu
Im Süden Chinas hatte unterdessen ein Tropensturm der Region Guangxi Starkregen gebracht, in dessen Folge in Hengzhou nahe der Millionenmetropole Nanning der Damm eines Stausees brach und die Stadt mit rund 900.000 Einwohnern unter Wasser gesetzt wurde. In der Provinz kamen mindestens sechs Menschen ums Leben. Die Behörden ordneten nach Behördenangaben Evakuierungen an. Rund 130.000 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen und in sichere Gebiete gebracht werden.
In den besonders betroffenen Stadtteilen von Hengzhou standen ganze Straßenzüge unter Wasser. Rettungskräfte und Soldaten waren im Einsatz, um Bewohner aus überfluteten Häusern zu befreien und die Versorgung mit Trinkwasser und Lebensmitteln sicherzustellen. Nach Angaben des chinesischen Staatsfernsehens gingen die Aufräumarbeiten am Mittwoch weiter.
Hochwasser und Dammbruch in Hengzhou
Eine ungewöhnliche Begleiterscheinung der Flut in Hengzhou war das Entkommen hunderter Schlangen aus einer Schlangenfarm. Bis zu 900 Schlangen entkommen nach den Überschwemmungen im Süden Chinas aus einer Farm. Darunter sind auch giftige Kobras. Freiwillige suchen die Tiere im Hochwasser. In chinesischen sozialen Medien kursierten vielfach Videos von Schlangen, die durch die braunen Schlamm- und Wassermassen schwammen.
Ein Dorfbewohner wird gebissen. Bewohner anderer Dörfer hätten sich zusammengeschlossen, um die Tiere wieder einzufangen, zitierte das Onlinemedium Komiteeleiter Wu Zhi. Die Warnungen der Behörden vor den teils giftigen Tieren hielten am Mittwoch an. In Dengxu, wo die Farm liegt, waren nach Angaben des Komitees Mitarbeiter zusätzlich im Einsatz, um eingefangene Schlangen unterzubringen.
Geflüchtete Schlangen und freiwillige Helfer
Eine weitere Spur der Verwüstung zog ein Tornado durch mehrere Ortschaften in der zentralchinesischen Provinz Hubei, wo am Montag laut Xinhua ein Tornado über mehrere Ortschaften gezogen war und etwa in Huanggang ein Bild der Verwüstung hinterließ. Schwere Schäden meldeten die Behörden auch aus der zentralchinesischen Provinz Hubei. Dächer wurden abgedeckt, Bäume entwurzelt und Strommasten umgeknickt; Augenzeugen berichteten von entwurzelten Fahrzeugen und eingestürzten Mauern.
Die meteorologische Lage blieb auch am Mittwoch angespannt. Die chinesische Wetterbehörde warnte am Mittwoch vor weiteren heftigen Regenfällen. Warnungen vor starken Regenfällen galten außerdem in Guangxi sowie einigen Provinzen Ost- und Nordostchinas. Meteorologen erwarteten, dass das Sturmfeld am Samstagabend (Ortszeit) den Südosten Chinas erreichen werde. Aufgrund der anhaltenden Niederschläge bestand akute Hochwassergefahr in Süd- und Zentralchina, weil angeschwollene Flüsse die Uferdämme zusätzlich belasteten.
Tornado verwüstet Ortschaften in Hubei
Gleichzeitig richtete sich die Aufmerksamkeit auf den Supertaifun Bavi, der derzeit über dem westlichen Pazifik zieht und sich Taiwan und China nähert. Die taiwanische Wetterbehörde rechnet damit, dass der Tropensturm am Samstag nördlich der Insel vorüberziehen dürfte. Bis dahin dürfte sich "Bavi" aber abgeschwächt haben und nicht mehr in die Kategorie eines Supertaifuns fallen, prognostizierte die chinesische Wetterbehörde am Mittwoch.
Teile Ostasiens bereiten sich dennoch auf den herannahenden Sturm vor. In chinesischen Hafenstädten wurden Schiffe in sichere Buchten beordert, an Küstenregionen wurden Notfallpläne aktiviert. Hilfsorganisationen stockten ihre Vorräte an Trinkwasser, Decken und Medikamenten auf, um im Ernstfall schnell reagieren zu können.
Wetterlage und Prognosen
Die Dimension der Katastrophe verdeutlichte sich auch an den Hilfsmaßnahmen: Neben Feuerwehr und Militär waren zivile Rettungsmannschaften, kommunale Einsatzkräfte und zahlreiche Freiwillige im Einsatz. In den sozialen Medien Chinas verbreiteten sich Aufrufe, Spenden für die betroffenen Regionen zu leisten; lokale Behörden richteten Spendenkonten ein.
Wirtschaftliche Folgen sind nach ersten Einschätzungen erheblich: In Guangxi wurden Felder und Plantagen verwüstet, in Gansu unterbrach der Erdrutsch mehrere regionale Straßenverbindungen, in Hubei legte der Tornado Teile der Stromversorgung lahm. Die Wiederherstellung der Infrastruktur dürfte nach Angaben der Behörden Wochen in Anspruch nehmen.
Ausblick auf Supertaifun Bavi
Die Zentralregierung in Peking kündigte Hilfeleistungen an. Ministerien und das Katastrophenmanagement seien angewiesen worden, die betroffenen Provinzen bei der Bewältigung der Schäden zu unterstützen. Auch der finanzielle Wiederaufbau soll mit Sondermitteln gefördert werden, wie staatliche Medien unter Berufung auf das Kabinett berichteten.
Während sich die Menschen in den Überschwemmungsgebieten mit zähem Aufräumen mühen, bleiben viele Fragen zur langfristigen Vorsorge offen. Die Behörden betonten, dass Frühwarnsysteme weiter ausgebaut und Schutzmaßnahmen an Hanglagen verbessert werden müssten. Diese Nachricht wurde am 08.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
Hilfseinsätze und Spendenaufrufe
Der Erdrutsch von Longnan reiht sich in eine Serie ähnlicher Katastrophen der vergangenen Jahre ein. In der bergigen Region kommt es immer wieder zu Überschwemmungen und Erdrutschen nach Starkregen. Klimaforscher sehen in derartigen Extremereignissen eine Folge des Klimawandels; die chinesische Regierung hatte zuletzt Maßnahmen zur Anpassung an häufigere Wetterextreme angekündigt.
Hintergrund: Risiken in den Bergregionen
Parallel zur laufenden Katastrophe hielten die Meteorologen ihre Prognosen für die kommenden Tage unter Verschluss. Sollte der Taifun Bavi trotz der prognostizierten Abschwächung mit voller Wucht auf Land treffen, wären weitere Evakuierungen und Schäden zu erwarten. Die Behörden in den Küstenprovinzen blieben nach eigenen Angaben in erhöhter Alarmbereitschaft.
Fragen & Antworten
Wie viele Menschen sind bei den Unwettern in China ums Leben gekommen?
Allein bei dem Erdrutsch in der Provinz Gansu starben nach Angaben von Xinhua 21 Menschen, weitere sechs kamen in der südchinesischen Provinz Guangxi durch Stürme und Überschwemmungen ums Leben.
Was ist im Zusammenhang mit dem Hochwasser in Hengzhou mit den Schlangen passiert?
Bis zu 900 Schlangen, darunter giftige Kobras, entkamen aus einer Schlangenfarm in Dengxu, nachdem ein Stauseedamm nahe der Millionenstadt Hengzhou gebrochen war; Freiwillige und Anwohner suchen die Tiere im Hochwasser.
Welche Bedrohung geht vom Supertaifun Bavi aus?
Nach Prognosen der chinesischen Wetterbehörde dürfte sich der Sturm bis zum Erreichen des Festlands abschwächen und nicht mehr als Supertaifun gelten; gleichzeitig bereiten sich Teile Ostasiens und insbesondere Taiwan auf heftigen Regen und Wind vor.
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