In der nordchinesischen Provinz Shanxi hat sich am Freitagabend das folgenschwerste Bergbauunglück Chinas seit fast zwei Jahrzehnten ereignet – eine Gasexplosion in der Liushenyu-Kohlemine forderte nach neuesten offiziellen Angaben mindestens 82 Menschenleben.
Update vom 23. Mai 2026: Die Zahl der bestätigten Todesopfer ist nach einer Medienkonferenz der örtlichen Behörden auf 82 gestiegen. Zuvor hatte der Staatssender CCTV von 90 Toten berichtet. Zusätzlich wurden 123 Verletzte in Krankenhäuser eingeliefert, vier davon in lebensbedrohlichem Zustand. Zwei Personen, darunter der Minenbetreiber, wurden in Gewahrsam genommen.
Die Explosion ereignete sich am späten Freitagabend in der Kohlemine im Kreis Qinyuan, als sich nach Erkenntnissen der Behörden 247 Arbeiter unter Tage befanden. Die Mine arbeitete im Dreischichtsystem, das Unglück geschah während eines Schichtwechsels.
Was ist neu seit dem 23. Mai
Bereits am Samstagmorgen hatten die Behörden mitgeteilt, dass 201 Personen aus der Grube geborgen wurden – darunter acht Tote. 90 weitere Bergleute waren zu diesem Zeitpunkt eingeschlossen, während gefährlich hohe Kohlenmonoxid-Werte gemessen wurden.
Laut chinesischen Staatsmedien wurden rund 750 Einsatzkräfte mobilisiert. Die meisten Patienten in den umliegenden Krankenhäusern erlitten Verletzungen durch giftige Gase, wie die Behörden auf der Pressekonferenz am Samstagabend erklärten.
Die Ursache der Explosion ist noch nicht abschließend geklärt. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete, dass eine Untersuchung eingeleitet wurde. Das Bergwerk war von den lokalen Behörden aufgrund seiner hohen Methanbelastung als Grube mit hohem Gasrisiko eingestuft worden.
Chinas Staatschef Xi Jinping forderte die Behörden auf, bei der Rettung und der Behandlung der Verletzten "keine Mühen zu scheuen". Zudem ordnete er eine "gründliche Untersuchung" der Unglücksursache und die strikte Ahndung von Verantwortlichen an.
Rettungseinsatz und politische Reaktion
Ministerpräsident Li Qiang kündigte eine landesweite Verstärkung der Arbeitssicherheitskontrollen und Sicherheitsinspektionen an. Alle Beteiligten müssten "Lehren aus diesem Unfall ziehen" und in Bezug auf Arbeitssicherheit "stets wachsam bleiben", wurde Xi Jinping von Xinhua zitiert.
Die Staatsmedien berichteten ferner, dass eine "verantwortliche Person" des zuständigen Bergbauunternehmens "gemäß den gesetzlichen Bestimmungen in Gewahrsam genommen worden" sei. Später bestätigten die Behörden die Festnahme von zwei Personen einschließlich des Minenbetreibers.
Das Liushenyu-Kohlebergwerk besteht aus sechs Schächten und verfügt über eine jährliche Produktionskapazität von 1,2 Millionen Tonnen. Die Provinz Shanxi ist eines der Zentren der chinesischen Kohleindustrie; Kohle deckt noch immer etwas mehr als die Hälfte des gesamten Energieverbrauchs des Landes.
Hintergrund: Die Mine und ihre Risiken
Die Klassifizierung als Grube mit hohem Gasrisiko weist auf einen hohen Gehalt an leicht entzündlichem Methan hin, das sich in Kohlebergwerken ansammeln kann. Die Kohleindustrie in Shanxi ist wegen unzureichender Sicherheitsstandards berüchtigt.
Das letzte größere Minenunglück in China hatte sich Anfang 2023 ereignet. Beim Einsturz einer Mine in der Inneren Mongolei waren damals 53 Menschen ums Leben gekommen. Daraufhin erließ die Zentralregierung in Peking strengere Sicherheitsvorschriften für den Kohlebergbau.
Mit mindestens 82 bestätigten Toten ist das jetzige Unglück das schwerste Bergbauunglück in China seit 17 Jahren. Im Jahr 2009 waren bei einer Explosion in einem Bergwerk in der nordöstlichen Provinz Heilongjiang 108 Menschen gestorben.
Schwerster Bergbauunfall seit 2009
Überlebende Arbeiter berichteten von dramatischen Szenen. "Ich lag etwa eine Stunde dort und bin von selbst wieder aufgewacht", schilderte ein Bergmann namens Wang gegenüber Medien.
Die Rettungsarbeiten dauerten auch mehr als 20 Stunden nach der Explosion unter Hochdruck an. Das Gebiet wurde weiträumig abgesperrt, während Einsatzkräfte nach Verschütteten suchten und weiterhin hohe Sicherheitsrisiken bestanden.

