Schwarz Digits: KI-Campus für 3500 Mitarbeiter eröffnet | nachrichten360
Schwarz Digits eröffnet großen KI-Campus in Bad Friedrichshall
Heilbronn, 21. Juli 2026
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Kurzfassung
Die Schwarz-Gruppe hat am 21. Juli 2026 bei Heilbronn einen neuen Technologie-Campus für ihre IT-Sparte Schwarz Digits eröffnet. Auf dem 15,5 Hektar großen Gelände finden zunächst rund 3500 Beschäftigte Platz, perspektivisch bis zu 5500.
Die Schwarz-Gruppe hat am 21. Juli 2026 in Bad Friedrichshall bei Heilbronn einen neuen Technologie-Campus für ihre IT-Sparte Schwarz Digits eröffnet, der Platz für zunächst rund 3500 Beschäftigte bietet.
Ein Campus nach Silicon-Valley-Vorbild
Der Campus besteht aus fünf kleeblattförmig angeordneten Glasbauten auf einem rund 15,5 Hektar großen Gelände, von dem knapp die Hälfte begrünt ist. Mehr als 3000 Bäume und Sträucher wurden gepflanzt. Neben Arbeitsplätzen, Konferenz- und Besprechungsräumen verfügt der Standort über eine Kindertagesstätte mit 280 Plätzen, ein Fitnessstudio und ein mitarbeiterexklusives Restaurant mit dem Namen "Bits & Bytes", das unter anderem einen Kochroboter einsetzt. In späteren Ausbaustufen sollen auf dem Gelände bis zu 5500 Menschen arbeiten können.
Der Mutterkonzern Schwarz, zu dem auch Lidl und Kaufland gehören, hatte das Projekt als Milliardeninvestition maßgeblich über die unternehmenseigene Dieter Schwarz Stiftung finanziert. Auch das Land Baden-Württemberg beteiligt sich mit 50 Millionen Euro an der Startfinanzierung. Eigentümer und Gründer der Gruppe ist der in Heilbronn geborene Unternehmer Dieter Schwarz, den das US-Magazin "Forbes" mit einem geschätzten Vermögen von rund 53 Milliarden Euro als aktuell reichsten Deutschen führt.
Von der Konzern-IT zum Hyperscaler
Mit der Eröffnung will Schwarz Digits nach eigener Darstellung den Grundstein für eines der größten europäischen Ökosysteme für Künstliche Intelligenz legen. Der Konzern peilt an, zu einem sogenannten Hyperscaler zu werden, also zu einem großen Cloud-Anbieter, der mit den internationalen Tech-Konzernen konkurrieren kann. Im zuletzt Ende Februar abgelaufenen Geschäftsjahr erzielte Schwarz Digits nach Konzernangaben einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro, ein Wachstum von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Schwarz Digits war einst als interner IT-Dienstleister für Lidl und Kaufland gestartet. Mit mehr als 14.000 Filialen in Europa sei ein Netz entstanden, das automatisiert funktionieren müsse, erklärte der Chef von Schwarz Digits, Christian Müller. Der neue Campus solle bewusst nicht wie die IT-Abteilung eines Lebensmittelhändlers wirken, sondern wie ein Technologieunternehmen aus dem Silicon Valley, hieß es.
Wirtschaftspolitiker und Wirtschaft sehen Potenzial und Nachholbedarf
Bei der Eröffnung gab sich Müller zuversichtlich für die kommenden Jahre, ohne konkrete Zahlen zu nennen: "Wir werden sehr gute Umsatzzuwächse haben". Zum Auftakt sagte er zudem: "Wir sind gekommen, um zu bleiben". Auf dem Gelände soll auch Forschung, Entwicklung und Unternehmensansiedlung zusammenkommen, um Talente und Fachkräfte in der Region zu binden.
Die Wirtschaftsexpertin Irene Bertschek vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung sieht in dem Vorhaben ein Signal für die Region. Neben großen Zentren wie im Raum Heilbronn, die "Schlagkraft erzeugen" und große Entwicklungen vorantreiben, brauche es Anwendungen in der Breite. Entscheidend sei, gute Bedingungen für Talente und Fachkräfte in Forschung und Wirtschaft zu schaffen.
Der Start-up-Gründer Viacheslav Gromov von der Aitad GmbH forderte mehr Tempo und eine Veränderung des Mindsets. "Um digital souverän zu werden, braucht man eine starke Wirtschaft, Kooperation mit kleinen, schnellen, agilen Start-ups, die auch schnell groß werden können", sagte er. Gromov verwies zugleich darauf, dass Investitionen in dieser Größenordnung im Raum Heilbronn einzigartig seien. "Aber Investitionen in diesem großen Ausmaß, die sind schon einzigartig hier in diesem Raum Heilbronn."
Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) sieht in dem Projekt viel Bewegung, betont aber auch den Rückstand: "Wir haben 15 Jahre Wegstrecke aufzuholen". Die Landesregierung in Stuttgart erhofft sich von der Ansiedlung neue Impulse für den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg, der unter der Krise der Automobilindustrie und anhaltendem Transformationsdruck leidet.
Verkehrsanbindung verzögert sich
Die Anbindung des Standorts an den öffentlichen Nahverkehr verzögert sich unterdessen: Der zunächst für 2026 vorgesehene Stadtbahn-Haltepunkt "Bad Friedrichshall Süd", der vor allem für den Campus gedacht ist, wird nach jetzigem Stand erst 2027 in Betrieb gehen. Damit bleibt der neue Standort vorerst stärker auf Auto- und Busverbindungen angewiesen.
Schwarz Digits ist eine von fünf Sparten der Unternehmensgruppe, deren Gesamtumsatz zuletzt bei 185,6 Milliarden Euro lag. Mit dem neuen Campus positioniert sich der Konzern als deutsches Gegengewicht zu internationalen Tech-Giganten und verknüpft diese Ambition mit dem Schlagwort der "digitalen Souveränität" Europas. Christian Müller sprach in diesem Zusammenhang davon, das Unternehmen wolle "der digitale, souveräne Hyperscaler Europas werden".
Der Standort ist Teil des größeren Vorhabens "Innovation Park Artificial Intelligence", das Forschungseinrichtungen, Start-ups und etablierte Unternehmen zusammenführen soll. Damit soll mittelfristig ein KI-Ökosystem entstehen, das laut Bertschek europaweit Strahlkraft entfalten kann. Der neue Campus gilt mit einer Fläche, die rund 42 Fußballfeldern entspricht, als eines der größten Vorhaben seiner Art in Europa.
Mit der Eröffnung fällt zugleich der Startschuss für den Alltagsbetrieb: Beschäftigte aus den bisherigen Standorten ziehen schrittweise in die neuen Gebäude ein. Bis Ende des Jahres soll der Vollbetrieb erreicht werden. Die Eröffnung am 21. Juli 2026 markiert damit den Auftakt zu einer mehrjährigen Aufbauphase, in der das Gelände weiter wachsen und sich mit Forschungspartnern und Start-ups aus der Region vernetzen soll.
Fragen & Antworten
Wer ist Christian Müller?
Christian Müller ist laut den vorliegenden Angaben der Chef von Schwarz Digits, der IT-Sparte der Schwarz-Gruppe, und trat bei der Campus-Eröffnung am 21. Juli 2026 öffentlich auf.
Wie viele Beschäftigte finden auf dem neuen Campus Platz?
Der neue Campus bietet zunächst Platz für rund 3500 Mitarbeitende; in späteren Ausbaustufen sollen es bis zu 5500 Beschäftigte sein.
Warum verzögert sich die Stadtbahn-Anbindung?
Der vor allem für den Campus geplante Stadtbahn-Haltepunkt "Bad Friedrichshall Süd" wird nach derzeitigem Stand erst 2027 in Betrieb gehen, sodass der Standort vorerst stärker auf andere Verkehrsmittel angewiesen bleibt.