Schusswechsel Montreal: Drei Tote, Polizistin verletzt
Montreal, 24. Juni 2026
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Kurzfassung
Bei einem Schusswechsel in einem Hotel im Montrealer Viertel Côte-des-Neiges sind am Montagmittag drei Menschen getötet worden, darunter ein Polizist und der mutmaßliche Angreifer. Medienberichten zufolge hinterließ der Schütze ein Manifest mit frauenfeindlicher Sprache, doch die Sicherheitsbehörden haben dies zunächst nicht bestätigt. Ein terroristisches Motiv schlossen die Ermittler aus.
Bei einem Schusswechsel in einem Hotel im Montrealer Viertel Côte-des-Neiges sind am Montagmittag ein Polizist, ein Zivilist und der mutmaßliche Angreifer getötet worden; eine Polizistin wurde verletzt, schwebt aber nicht mehr in Lebensgefahr.
Großaufgebot der Polizei im Einsatz
Die Schüsse fielen am Montag zur Mittagszeit (Ortszeit) an einem Hotel im Viertel Côte-des-Neiges in Montreal. Nach bisherigen Erkenntnissen alarmierte ein Zeuge die Polizei per Telefon. Als die ersten Einsatzkräfte am Ort eintrafen, wurden sie nach Angaben eines Polizeisprechers sofort unter Beschuss genommen.
Die Sicherheitskräfte reagierten mit einem Großaufgebot. Gepanzerte Fahrzeuge und schwer bewaffnete Einheiten wurden in den Stadtteil beordert. Die Polizei warnte vor einem «bewaffneten und gefährlichen Verdächtigen» und rief die Bevölkerung auf, die Gegend zu meiden.
Drei Tote und eine Verletzte
Bei dem Schusswechsel kamen drei Menschen ums Leben. Nach Angaben der Polizei handelt es sich um einen Polizisten, einen Zivilisten und den mutmaßlichen Angreifer selbst. Eine Polizistin wurde ebenfalls angeschossen, befindet sich nach Auskunft der Behörden aber nicht mehr in Lebensgefahr.
Montreals Polizeichef Fady Dagher sprach am Tatort von einem «Alptraum». Er erklärte: «Wir haben einen Verdächtigen, und er wurde erschossen.» Der Tod des Polizisten wiege besonders schwer, weil nach seinen Worten seit 24 Jahren kein Polizist mehr im Dienst in Montreal getötet worden sei.
Ermittler schließen Terrorismus aus
Die Hintergründe der Tat blieben zunächst unklar. Die Polizei erklärte, ein terroristisches Motiv werde ausgeschlossen. Die genauen Umstände des Vorfalls seien noch Gegenstand der Ermittlungen. Die Sicherheitsbehörden hätten zudem zunächst weder die Existenz noch den Inhalt des mutmaßlichen Manifests bestätigt, hieß es weiter.
Medienberichten zufolge soll der Täter eine Art Manifest verfasst haben. Das Dokument enthielt demnach hasserfüllte Sprache, die typisch für die sogenannte Incel-Bewegung ist. Die Incel-Bewegung wird als eine antifeministische Online-Community beschrieben, die archaische Rollenbilder und frauenfeindliche Narrative propagiert.
Hinweise auf Incel-Motiv nicht bestätigt
Die Sicherheitsbehörden bestätigten diese Darstellung zunächst nicht. Auch eine Verbindung des Angreifers zur Incel-Bewegung wurde von offizieller Seite nicht bestätigt. Die Polizei erklärte lediglich, weitere Verdächtige in dem Fall gebe es nicht.
Die Premierministerin der Provinz Québec, Christine Fréchette, äußerte sich zurückhaltend zu den Berichten. Es sei «unerlässlich, die Behörden ihre Arbeit machen zu lassen», warnte sie vor Spekulationen und forderte die Öffentlichkeit zur Besonnenheit auf.
Der Vorfall weckt Erinnerungen an eine frühere Gewalttat mit mutmaßlich ähnlichem Hintergrund. Im Jahr 2018 hatte ein Anhänger der Incel-Bewegung in Toronto elf Menschen getötet, die meisten davon Frauen. Auch im aktuellen Fall berichten Medien, der Täter habe sich der Incel-Ideologie zugeordnet; eine offizielle Bestätigung steht aus.
Erinnerungen an Toronto 2018
Die Ermittlungen zur genauen Tatsequenz, zu möglichen Komplizen und zum Motiv dauern an. Die Polizei sicherte den Tatort am Hotel in Côte-des-Neiges und nahm erste Zeugenaussagen auf. Weitere Erkenntnisse werden von den Behörden für die kommenden Tage erwartet.
Die Bewohner des Viertels Côte-des-Neiges, eines dicht besiedelten Stadtteils im Westen Montreals, reagierten bestürzt auf die Nachricht. Mehrere Straßen rund um den Tatort wurden zeitweise abgesperrt. Anwohner berichteten von Helikopterlärm und starkem Polizeiaufgebot über mehrere Stunden.
Die kanadische Bundesregierung wurde nach Angaben aus Regierungskreisen über den Vorfall unterrichtet. Eine Stellungnahme aus Ottawa lag zunächst nicht vor. Auch die Stadtverwaltung von Montreal kündigte für den weiteren Tagesverlauf eine Pressekonferenz an.
Reaktionen aus Québec und Ottawa
Die Polizei teilte mit, dass keine weiteren Verdächtigen mehr gesucht würden. Damit geht sie davon aus, dass der getötete Angreifer als Einzeltäter handelte. Diese Einschätzung könne sich aber im Lauf der weiteren Ermittlungen noch ändern, schränkten die Ermittler ein.
Der gewaltsame Tod des Polizisten markiert nach Polizeiangaben das erste Mal seit 24 Jahren, dass ein Polizist im Dienst in Montreal getötet wurde. Polizeichef Dagher sprach von einer «besonders schmerzlichen» Erfahrung für die gesamte Polizeibehörde der Stadt. Auch die verletzte Polizistin wurde zwischenzeitlich im Krankenhaus behandelt.
Die Behörden baten die Bevölkerung weiterhin, Hinweise aus der Umgebung des Tatorts an die Polizei zu richten. Gleichzeitig warnten sie davor, unbestätigte Informationen in sozialen Medien weiterzuverbreiten. Die Ermittler kündigten an, den Vorfall «mit allen verfügbaren Mitteln» aufzuklären.
Fragen & Antworten
Wer ist Fady Dagher?
Fady Dagher ist Polizeichef von Montreal und trat nach dem Schusswechsel am Montag vor die Presse, um über den Tod des Polizisten und den Stand der Ermittlungen zu informieren.
Wie viele Menschen kamen bei dem Schusswechsel in Montreal ums Leben?
Den Angaben der Polizei zufolge wurden drei Menschen getötet: ein Polizist, ein Zivilist und der mutmaßliche Angreifer; eine Polizistin wurde verletzt, schwebt aber nicht mehr in Lebensgefahr.
Hat die Polizei ein Incel-Motiv bestätigt?
Nein, die Sicherheitsbehörden haben eine Verbindung des Täters zur Incel-Bewegung zunächst nicht bestätigt; lediglich Medienberichte sprechen von einem Manifest mit frauenfeindlicher Sprache.
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