Schröder trifft Putin im Kreml: Vier-Augen-Gespräch | nachrichten360
Schröder trifft Putin im Kreml zu privatem Gespräch – Bundesregierung hält sich zurück
Berlin, 06 Juni 2026
Пресс-служба Президента России / Wikimedia Commons / CC BY 4.0
Kurzfassung
Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder ist am Freitagabend im Kreml mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammengetroffen. Die Bundesregierung erklärte, sie sei in das Gespräch „nicht eingebunden" gewesen, und äußerte sich ansonsten nicht.
Berlin, 06 Juni 2026
Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder hat sich am Freitagabend in Moskau mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu einem privaten Vier-Augen-Gespräch getroffen, wie der Kreml und russische Nachrichtenagenturen berichteten.
Putin-Berater Juri Uschakow beschrieb die Begegnung am Samstag laut der Nachrichtenagentur Interfax als „freundschaftlich" und „ein gutes Gespräch". Weitere Angaben zum Inhalt machte er nicht. Auf die Frage, ob bei dem Treffen mögliche Verhandlungen zwischen Russland und der Europäischen Union erörtert worden seien, antwortete Uschakow: „Das weiß ich nicht – es war ein Gespräch unter vier Augen."
Kreml spricht von freundschaftlichem Treffen
Nach Angaben von Interfax und AFP handelt es sich um eine rein private Unterredung ohne offizielle deutsche oder russische Delegation. Die russische Seite wertete den Empfang des früheren SPD-Vorsitzenden im Kreml demnach als persönlichen Besuch, nicht als politische Mission. Schröders Büro reagierte laut Tagesspiegel am Samstag zunächst nicht auf eine Anfrage.
Die Bundesregierung zeigte sich auffallend zurückhaltend. Das Auswärtige Amt erklärte, es sei in das Gespräch „nicht eingebunden" gewesen. Eine Stellungnahme zu Inhalt oder Bewertung des Treffens wollte die Regierung dem Bericht zufolge nicht abgeben. Zudem ist unklar, ob die deutsche Botschaft in Moskau vorab informiert wurde.
Bundesregierung hält sich strikt heraus
Nach Informationen des Tagesspiegel reiste Schröder offenbar nicht im Auftrag der Bundesregierung nach Moskau. Die Regierung habe keinen Auftrag erteilt und sehe das Treffen als private Initiative des Altkanzlers, hieß es in dem Bericht weiter. Damit stellt sich die Frage nach einer offiziellen Rolle des Vermittlers nicht – auch wenn die Reise politische Wirkung entfalten könnte.
Der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner begrüßte das Gespräch, warnte jedoch vor überzogenen Erwartungen. „Egal, was man von Gerhard Schröder hält, muss doch jeder anerkennen: Es ist eher eine Chance als ein Risiko, wenn der frühere Bundeskanzler Schröder mit Präsident Putin redet", sagte Stegner. Zugleich fragte er: „Was bitte soll ein solches Vier-Augen-Gespräch schaden? Ob es am Ende nützen wird, lässt sich heute kaum abschätzen."
Stegner: Vermittler, kein Verhandlungsführer
Stegner, früherer SPD-Vizechef, verwies auf die besondere Stellung Schröders im Kreis der europäischen Politiker. „Wer in Deutschland hat denn noch Zugänge zu Putin? Wir können froh sein, dass der Draht zwischen Schröder und Putin noch funktioniert", sagte er. Allerdings stellte er klar: „Ein Verhandlungsführer für den Westen kann Schröder nicht sein. Aber natürlich kann er ein Vermittler zu Putin sein."
Gleichzeitig verteidigte Stegner seinen Parteifreund gegen Kritik: „Ich bin sicher: Schröder war nicht im Kreml, um Putin zu diesem schrecklichen Krieg zu gratulieren oder ihn zu umschmeicheln." Schröder sei kein aktiver Politiker mehr, er entscheide damit auch nichts. „Die Empörung der üblichen Verdächtigen über Schröder bringe keinen Schritt weiter, und helfe auch der Ukraine nicht", sagte Stegner.
Zum Inhalt der Unterredung zwischen Schröder und Putin verlautete aus dem Kreml offiziell nichts. Uschakow erklärte lediglich, das Treffen sei „freundschaftlich" verlaufen. Beobachter werten das Gespräch als Signal in einer Phase, in der Moskau und Brüssel kaum direkte Kontakte pflegen.
Skepsis in Brüssel und Berlin
Hintergrund der Aufmerksamkeit ist Putins Aussage vom Mai, er „bevorzuge persönlich" den früheren Bundeskanzler als Kandidaten für eine Wiederbelebung des Dialogs mit Europa. „Persönlich bevorzuge ich den früheren Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, Herrn Schröder", sagte Putin damals. Der Vorschlag stieß in Brüssel und Berlin jedoch auf Skepsis.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas etwa erklärte, es sei „klar", warum Putin Schröder als Vermittler bevorzuge – und verwies auf Schröders frühere Tätigkeit als Lobbyist für russische Staatskonzerne. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wies die Einmischung in die Frage zurück, wer für Europa spreche. „Wir Europäer entscheiden selbst, wer für uns spricht. Niemand anders", sagte Merz Mitte Mai. Zugleich äußerte er Zweifel an der tatsächlichen Verhandlungsbereitschaft Russlands.
Hintergrund: Schröders besondere Beziehung zu Putin
Schröder, der nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine weiter Verbindungen zur russischen Energiebranche unterhielt, gilt seit langem als persönlicher Vertrauter Putins. Ob das Vier-Augen-Gespräch konkrete Auswirkungen auf die festgefahrenen Beziehungen zwischen Russland und der EU haben wird, blieb am Samstag offen. Weder aus dem Kreml noch aus Berlin wurden weitere Details bekannt.
Fragen & Antworten
Wer hat sich im Kreml getroffen?
Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder ist am Freitagabend im Kreml in Moskau mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu einem privaten Vier-Augen-Gespräch zusammengekommen.
Wie hat die Bundesregierung reagiert?
Die Bundesregierung erklärte, sie sei in das Gespräch „nicht eingebunden" gewesen, und äußerte sich nicht zum Inhalt. Zudem ist unklar, ob die deutsche Botschaft in Moskau vorab informiert wurde.
Warum stößt Schröders Rolle als möglicher Vermittler auf Kritik?
EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas verwies auf Schröders frühere Tätigkeit für russische Staatskonzerne, und Kanzler Friedrich Merz betonte, die Europäer entschieden selbst, wer für sie spreche. Putin hatte im Mai erklärt, er bevorzuge Schröder als Vermittler.