Schellhorn legt ersten Entbürokratisierungsbericht vor: 43 von 113 Maßnahmen umgesetzt
Wien, 10. Juli 2026
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Kurzfassung
NEOS-Staatssekretär Josef Schellhorn hat am Donnerstag seinen ersten Entbürokratisierungsbericht präsentiert. Demnach sind 43 von 113 geplanten Maßnahmen des im Dezember beschlossenen ersten Deregulierungspakets umgesetzt, ein zweites Großpaket plant er vorerst nicht.
Der für Entbürokratisierung zuständige NEOS-Staatssekretär Josef Schellhorn hat am Donnerstag seinen ersten Entbürokratisierungsbericht vorgelegt und im ORF-Interview ZiB2 mit Moderator Martin Thür über den schleppenden Fortschritt der Deregulierung diskutiert.
Stand der Umsetzung: 43 von 113 Maßnahmen
Von den 113 Vorhaben zur Entschlackung des Staatsapparates seien immerhin 43 umgesetzt, sagte Schellhorn am Donnerstagabend in der ZiB2. Das erste Paket sei dazu gewesen, "die Dampflokomotive faktisch auf Volldampf zu bringen". Der Bericht selbst war bereits am Vormittag präsentiert worden, erstellt vom Wirtschaftsforschungsinstitut EcoAustria um 15.467,67 Euro. "38 Prozent sind erledigt", fasste Schellhorn den Stand zusammen.
Den Vorwurf, dass 70 von 113 Maßnahmen noch auf ihre Umsetzung warten, konterte Schellhorn mit einer Mischung aus Selbstverteidigung und Koalitionshinweis. Er verstehe die Ungeduld, sagte er wörtlich: "Das ist eine berechtigte Kritik, ich verstehe Ihre Ungeduld." Die Verzögerungen seien der Koalitionslogik geschuldet: "Es hat einfach seine Vorläufe, drei Parteien müssen sich halt einigen, das ist eben die Koalitionsarbeit."
Konkret nannte er das Abfallwirtschaftsgesetz und eine Vereinfachung bei Volksbegehren als Beispiele für Deregulierungsmaßnahmen. Schellhorn sagte im Interview zudem: "Ich dereguliere mich auf keinen Fall." Auf die Frage, warum nach seinem "Reformpaket Sepp 1" kein "Sepp 2" folgte, antwortete der Staatssekretär: "Man wird im Leben auch gescheiter."
Kritik an Zuständigkeiten und Bericht
Moderator Martin Thür hielt Schellhorn vor, dass der Bericht selbst nicht ganz sauber sei. "Vom Wirtschaftsministerium fordere er 24 Reformen ein, das Ressort sehe sich nur für 23 zuständig. Die Wärmepumpen- und Kälteanlagenverordnung sei falsch zugeordnet", erläuterte Thür die Unstimmigkeiten. Zudem verwies er darauf, dass von den 113 Maßnahmen des ersten Deregulierungspakets, beschlossen im Dezember, erst 43 umgesetzt sind. "Einen Kuddelmuddel vermutet Thür bei Zuständigkeiten."
Über 5.000 Einmeldungen von Bürgerinnen und Bürgern seien in den Bericht eingeflossen, betonte Schellhorn. Nur vier Prozent der 113 Vorschläge seien bisher gar nicht behandelt worden. Das Wirtschaftsforschungsinstitut EcoAustria beziffert die durch Bürokratie verursachten Kosten für den Staat auf bis zu 20 Milliarden Euro pro Jahr. Schellhorn verwies auf ein Einsparungspotential von 20 Milliarden Euro, "20 Milliarden Euro Wachstum pro Jahr wären möglich, würde Österreich seine Bürokratielast auf niederländisches Niveau senken".
Kein großes Paket, sondern viele kleine Schritte
Ein zweites großes Deregulierungspaket plant Schellhorn vorerst nicht. Ein großes Paket "würde den zeitlichen Rahmen und die Ungeduld sprengen", begründete er. Stattdessen setzt er auf "viele kleine Maßnahmen" in den Ministerien. "Wir arbeiten alles ab", versicherte er. Die großen Vorhaben, die Neuordnung der Bau- und Genehmigungsverfahren etwa oder Förderungen aus einer Hand, brauchten ohnehin Länder und Gemeinden.
Schellhorn verwies auf den starken Föderalismus. "Wir rudern alle, auch ich rudere und ich lade immer wieder die Landeshauptleute ein, auch hier mit uns zu rudern", sagte er mit Blick auf die Bundesländer. "Der Föderalismus ist sehr stark", insbesondere bei den Bauordnungen, von denen es in Österreich neun verschiedene gibt und die harmonisiert werden sollen.
Streit mit den Ländern und Föderalismus
Am Tag vor der Berichtspräsentation hatte Schellhorn eine hitzige Instagram-Debatte mit Markus Wallner, dem Chef der Landeshauptleute. Die beiden warfen sich gegenseitig Untätigkeit bei dringenden Reformen vor. Schellhorn lud in dem Streit alle ein, "mit mir zu rudern". "Wir sitzen gemeinsam in einem Boot, es geht nicht um Partikularinteressen", sagte er.
Faxgeräte und Dienstauto-Causa
Im ersten Jahr seiner Amtszeit sei mehr über sein Dienstauto gesprochen worden als über seine Arbeit, spielte Schellhorn die sogenannte Dienstauto-Causa herunter. Auf die Frage nach den bereits erwähnten Faxgeräten, die bei bestimmten Amtsantritten immer noch notwendig sind, sagte er: "An mir liegt's nicht." "Es liegt an den einzelnen Ministerien." Schellhorn verwies darauf, dass die seit Dezember politisch vereinbarte Streichung der Telefax-Nummer im Umweltmanagementgesetz noch nicht erfolgt sei: "Die politische Einigung gibt es seit Dezember, passiert ist nichts."
Positive Beispiele sieht Schellhorn in der Steiermark und in der Zusammenarbeit mit den Staatssekretären Pröll und Leichtfried. "Ich will liefern", bekräftigte er seinen Anspruch. Er sehe sich selbst als "ein harter Buckler", der darum kämpfe, dass Entbürokratisierung stattfinde. "Das kann ich nicht tun" – alleine umsetzen, stellte er gleichzeitig klar und beschrieb seine Rolle als Moderator der Reformen.
Die Regierung ist 500 Tage im Amt. Schellhorn kündigte an, die Landeshauptleute regelmäßig zur Mitarbeit einzuladen. Ob aus dem schrittweisen Vorgehen ein erkennbarer Befreiungsschlag für die Wirtschaft wird, hängt nun davon ab, ob die Ministerien und Länder den Worten Taten folgen lassen.
Im Umweltmanagementgesetz soll das Erfordernis einer Telefax-Nummer gestrichen werden. Die politische Einigung gibt es seit Dezember, passiert ist nichts.
Schellhorn räumte ein, dass die Kritik an der schleppenden Umsetzung berechtigt sei. Er verwies zugleich auf die Komplexität von Abstimmungsprozessen in einer Dreierkoalition und auf die Zuständigkeit der einzelnen Ressorts.
Der Bericht selbst liefert eine Mischung aus Fortschrittsbilanz und Programm: abgehakt, in Arbeit, blockiert. Welche der 70 noch offenen Maßnahmen als Nächstes umgesetzt werden, ließ Schellhorn offen.
Fragen & Antworten
Wer ist Josef Schellhorn und welche Aufgabe hat er?
Josef Schellhorn ist NEOS-Staatssekretär und in der österreichischen Bundesregierung für Entbürokratisierung zuständig. Am Donnerstag, dem 10. Juli 2026, präsentierte er seinen ersten Entbürokratisierungsbericht und war am Abend Gast in der ZiB2.
Wie viele der geplanten Deregulierungsmaßnahmen sind bereits umgesetzt?
Laut dem von EcoAustria erstellten Bericht sind 43 von insgesamt 113 Maßnahmen des im Dezember beschlossenen ersten Deregulierungspakets umgesetzt. Das entspricht etwa 38 Prozent, 70 Vorhaben harren noch der Umsetzung.
Warum plant Schellhorn kein zweites großes Deregulierungspaket?
Schellhorn begründete den Verzicht auf ein weiteres Großpaket mit der Zeit und der Ungeduld: Ein großes Paket "würde den zeitlichen Rahmen und die Ungeduld sprengen". Stattdessen setzt er auf viele kleine Maßnahmen in den Ministerien und auf Abstimmung mit den Ländern und Gemeinden.
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