Russischer Raketenangriff auf Rüstungsveranstaltung bei Kiew tötet mindestens zehn Menschen
Kiew, 25. Juli 2026
AI-generated image (z-image via Kie.ai)
Kurzfassung
Bei einem russischen Raketenangriff auf eine Rüstungsveranstaltung im Westen Kiews sind nach offiziellen Angaben mindestens zehn Menschen getötet und rund hundert verletzt worden. Auch die ostukrainische Stadt Slowjansk wurde Ziel schwerer Luftangriffe, bei denen fünf weitere Menschen ums Leben kamen.
Ein russischer Raketenangriff auf eine Veranstaltung der ukrainischen Rüstungsindustrie im Großraum Kiew hat nach Angaben der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft mindestens zehn Menschen getötet und rund hundert verletzt.
Angriff auf Rüstungsveranstaltung
Nach Angaben der staatlichen ukrainischen Nachrichtenagentur UNIAN feuerte Russland mindestens zehn ballistische Raketen sowie Lenkwaffen vom Typ Zirkon auf die Hauptstadt ab. Kurz vor dem Mittag sei in Kiew Luftalarm ausgelöst worden, mehrere Explosionen seien über der Stadt zu hören gewesen. Nach Darstellung der ukrainischen Luftwaffe konnte nur eine von drei Raketen abgefangen werden.
Der ukrainische Generalstaatsanwalt Ruslan Kravchenko erklärte, der Angriff habe einem privaten Übungsgelände gegolten, auf dem Veranstaltungen der Rüstungsbranche stattfanden. Dem kommissarischen Gouverneur der Region Kiew, Ruslan Olijnyk, zufolge traf die Rakete laut ersten Erkenntnissen ein privates Übungsgelände, auf dem Veranstaltungen stattfanden. Valerij Borovyk, Gründer des ukrainischen Drohnenherstellers First Contact, sagte Medien, auf dem Gelände sei eine Messe der Rüstungsindustrie abgehalten worden.
Medienberichte unter Berufung auf Borovyk wiesen darauf hin, dass zum Zeitpunkt des Einschlags Waffen auf dem Gelände präsentiert wurden. Der ukrainische Branchenverband Rat der Rüstungsindustrie teilte mit, dass Vertreter der Branche vor Ort gewesen seien. Der Verband stellte zugleich klar, er sei nicht Veranstalter der Veranstaltung gewesen und habe den genauen Standort der Teilnehmer im Voraus nicht veröffentlicht.
Opferzahlen und Rettungsarbeiten
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von laufenden Rettungs- und Bergungsarbeiten und veröffentlichte Bilder, die schwere Zerstörungen zeigen, insbesondere an privaten Wohngebäuden. Laut Selenskyj liefen Untersuchungen zur Klärung des Vorfalls, ohne dass die Führung das genaue Ziel des Angriffs präzisierte. Bürgermeister Vitali Klitschko meldete, Rettungswagen seien in den betroffenen Stadtteil entsandt worden.
Im Umland westlich von Kiew wurden bei einem russischen Raketenangriff auf eine Waffenausstellung mindestens zehn Menschen getötet. Nach Behördenangaben wurden dabei mindestens zehn Menschen getötet und fast 100 verletzt. Im Umland der Hauptstadt Kiew wurden laut der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft durch einen Raketenangriff auf eine Veranstaltung der Rüstungsbranche mindestens zehn Menschen getötet und mehr als 100 verletzt. Generalstaatsanwalt Kravchenko bezeichnete die Attacke als Kriegsverbrechen und kündigte Ermittlungen auch wegen möglicher Sicherheitsverstöße bei der Organisation der Veranstaltung an.
Schwere Angriffe auf Slowjansk
Parallel schlugen in der ostukrainischen Frontstadt Slowjansk Gleitbomben ein. Gouverneur Vadym Fialaschyn teilte über Telegram mit, dass in der Stadt im Gebiet Donezk fünf Menschen getötet und neun weitere verletzt worden seien. Immer wieder werden dabei auch Zivilisten getötet oder verletzt. Fialaschyn rief die Bevölkerung wegen der anhaltenden Gefahr zur Flucht auf und erklärte: Die Evakuierung ist kostenlos. Wir helfen mit dem Transport, der Unterbringung und allem Notwendigen.
In Slowjansk wurden nach Angaben Fialaschyns zehn Wohngebäude, eine Fabrik sowie das Gebäude des lettischen Honorarkonsuls in der Stadt beschädigt. Nach Angaben des lettischen Außenministeriums wurden zwei Mitarbeiter des Konsulats verletzt; Honorarkonsul Oleksandr Pavenko blieb demnach unverletzt. Lettland bestellte daraufhin den russischen Geschäftsträger ein und überreichte der russischen Botschaft eine Protestnote.
Auch in anderen Landesteilen griff Russland nach ukrainischen Angaben die Energieinfrastruktur an. Der Betreiber Ukrenergo meldete Schäden an Energieanlagen in den Oblasten Tschernihiw, Charkiw, Donezk, Dnipropetrowsk und Saporischschja. Im nördlichen Tschernihiw waren nach ukrainischen Angaben rund 150.000 Menschen ohne Strom.
Energieinfrastruktur und diplomatische Reaktionen
Im Gebiet Sumy verletzte ein russischer Drohnenangriff nach ukrainischen Angaben mindestens sechs Menschen, darunter vier Kinder. In der Stadt brach demnach an einem Wohnhaus und einem Einkaufszentrum ein Brand aus. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas kündigte an, die EU werde wegen des Angriffs auf Slowjansk den russischen Botschafter erneut vorladen und neue Sanktionen gegen den russischen Rüstungs-Industriekomplex vorschlagen. Das 21. EU-Sanktionspaket gegen Russland umfasst unter anderem ein Einreiseverbot für russische Soldaten.
Russland bestätigte den Angriff auf den Standort im Großraum Kiew. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, auf dem Gelände seien zu dem Zeitpunkt Drohnen präsentiert worden. Diese würden für Angriffe auf zivile Ziele in Russland eingesetzt. Russland habe ein Ziel außerhalb Kiews getroffen, wo ukrainische und ausländische Drohnen ausgestellt worden seien, die bei Angriffen auf zivile Ziele in Russland eingesetzt wurden. Sie sollen demnach an der Planung von Angriffen auf Russland beteiligt gewesen sein. Das Verteidigungsministerium erklärte zudem, mit dem Schlag seien hochrangige Militär- und Geheimdienstvertreter getroffen worden. Eine unabhängige Überprüfung dieser Angaben war zunächst nicht möglich.
Russische Darstellung und Lawrows Kurs
Der ukrainische Drohnenverband First Contact äußerte sich zu den russischen Darstellungen nicht abschließend. Moskau bekräftigte derweils seine Kriegsziele. In Bischkek am Rande eines Gipfels in Kirgisistan erklärte Außenminister Sergej Lawrow, Russland werde seine Kriegsziele notfalls auch gegen den Willen der US-Regierung weiterverfolgen. Er reagierte damit auf Äußerungen von US-Außenminister Marco Rubio, der das Anchorage-Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem Kremlchef Wladimir Putin im Jahr 2025 als gescheitert bezeichnet und neue Wege zu einer diplomatischen Lösung gefordert hatte. Rubio sagte danach, für Fortschritte auf dem Weg zu einem Frieden seien "neue Vorschläge und neue Ideen" nötig.
Die Ukraine meldete unterdessen eigene Angriffe auf Ziele in Russland und auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim. In der zentralrussischen Region Kirow wurden bei ukrainischen Angriffen auf einen Rüstungsbetrieb laut dortigen Behörden sechs Menschen getötet und mindestens 26 verletzt. Selenskyj bezeichnete den Kirower Betrieb als eines der wichtigsten Rüstungsunternehmen Russlands, das Komponenten für Flugzeuge und Raketensysteme liefere, die bei Angriffen auf ukrainische Städte zum Einsatz kämen. Gouverneur Alexander Sokolow bestätigte die Opferzahlen.
Darüber hinaus griff die Ukraine nach eigenen Angaben Logistikzentren des russischen Onlinehändlers Wildberries nahe St. Petersburg und in Simferopol auf der Krim an, wo dichter Rauch über der Stadt aufstieg. Wie der Gouverneur des Gebiets Leningrad, Alexander Drosdenko, über Telegram mitteilte, wurden in der Nacht im Raum St. Petersburg 59 Drohnen abgefangen. In dem Dorf Nowosaratowka sei auf dem Gelände von Wildberries nach Drohnenangriffen ein Feuer ausgebrochen, drei Menschen seien verletzt worden, schrieb Gouverneur Drosdenko. Der Gouverneur des Gebiets Leningrad teilte mit, dass der Flughafen Pulkovo währenddessen den Betrieb vorübergehend einstellte. In einem Lager einer Geflügelfabrik in der Siedlung Siniawino sei nach den Angriffen ein schwerer Schaden entstanden, teilte der Gouverneur mit. Die Gründerin von Wildberries, Tatiana Kim, erklärte über Telegram, es habe keine Verletzten gegeben, ein Teil der Räumlichkeiten und Waren sei jedoch gerettet worden.
Ukrainische Gegenangriffe in Russland
Russlands Verteidigungsministerium erklärte zudem, ukrainische Drohnenangriffe seien in der Nacht auf drei ukrainische Häfen – Odessa, Mykolajiw und Ismajil – mit luftgestützten Raketen und Kampfdrohnen abgewehrt worden. Nach Angaben aus Kiew wurde in Ismajil, dem größten ukrainischen Donauhafen, ein Schwimmdock getroffen. In Odessa seien Treibstoff- und Schmiermitteltanks der ukrainischen Armee, in Ismajil Lösch- und Lagereinrichtungen für Militärgüter einschließlich Seedrohnen und in Mykolajiw ein Frachtschiff beim Entladen militärischer Güter beschädigt worden.
Vor dem Hintergrund der jüngsten Eskalation kündigte Washington ein neues Spitzengespräch an. US-Präsident Donald Trump werde Selenskyj am 28. Juli im Weißen Haus empfangen, teilte das US-Präsidialamt mit. Das teilte ein Mitarbeiter Trumps mit. Selenskyj bestätigte eine anstehende Reise in die USA. Russland hat in den vergangenen Wochen die Raketenangriffe auf die ukrainische Hauptstadt massiv verstärkt. Selenskyj sagte in seiner abendlichen Videoansprache, Russland könne schon am Freitag oder in den kommenden 48 Stunden neue Raketenangriffe auf die Ukraine fliegen.
Geplantes Treffen Trump–Selenskyj
Nach Erkenntnissen Selenskyjs plane Russland zudem, die Truppenstärke in den kommenden Monaten aufzustocken. Bericht: Russland erobert Dörfer in der Region Charkiw. Der Bericht weiter, dass Russland in der Oblast Charkiw erneut Dörfer erobert habe. Hintergrund: Washington bemüht sich seit Längerem um eine Beendigung des Krieges, zuletzt waren die Bemühungen Washingtons um ein Ende des Kriegs in der Ukraine infolge des Konfliktes mit Iran in den Hintergrund geraten. Mit Blick auf die Lage in der Ukraine erklärte der ukrainische Präsident, die Rüstungsproduktion solle ausgebaut werden.
In einer unabhängigen Reaktion kündigte die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas neue Sanktionen gegen die russische Rüstungsindustrie an. Studie: Häfen in Georgien umgehen EU-Sanktionen gegen Russland. Russlands Zentralbank senkt Leitzins trotz steigender Inflation. China verhängt Exportkontrollen gegen 14 EU-Unternehmen. In Kiew und in der Region liefen die Bergungsarbeiten am Folgetag weiter.
Auch innenpolitisch sorgte der Angriff für Spannungen. Vor dem Hintergrund neu angekündigter Proteste besteht der entlassene ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow auf seiner Rückkehr ins Amt. Generalstaatsanwalt Kravchenko hatte zugleich ein Verfahren wegen des Verdachts auf Amtspflichtverletzungen bei der Organisation und Durchführung der Veranstaltung eingeleitet. In Kiew wurde die Strom- und Wasserversorgung in mehreren Stadtteilen nach den Einschlägen vorübergehend unterbrochen, die Behörden warnten vor weiteren Angriffen.
Fragen & Antworten
Was genau wurde bei Kiew getroffen?
Nach Angaben der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft und lokaler Beamter schlug eine russische ballistische Rakete auf einem privaten Übungsgelände im Großraum Kiew ein, auf dem eine Veranstaltung der ukrainischen Rüstungsbranche stattfand.
Wie viele Menschen kamen bei dem Angriff ums Leben?
Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft meldete mindestens zehn Tote und rund hundert Verletzte; Generalstaatsanwalt Ruslan Kravchenko sprach zudem von einem Verfahren wegen möglicher Amtspflichtverletzungen bei der Organisation der Veranstaltung.
Wie reagierten Russland und die EU auf den Angriff?
Das russische Verteidigungsministerium bestätigte den Angriff und erklärte, auf dem Gelände seien Drohnen präsentiert worden; die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas kündigte an, den russischen Botschafter vorzuladen und neue Sanktionen gegen die russische Rüstungsindustrie vorzuschlagen.
Kiew-Angriff: 10 Tote bei Raketenschlag auf Rüstungsmesse | nachrichten360