Russische Angriffe auf Kiew: Höhlenkloster in Brand, mindestens 23 Verletzte
Kiew, 15. Juni 2026
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Kurzfassung
Bei einem massiven russischen Luftangriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew ist die Hauptkirche des zum Unesco-Weltkulturerbe zählenden Höhlenklosters in Brand geraten. Tymur Tkatschenko sprach von mehr als 40 Einschlägen in der Hauptstadt und mindestens 23 Verletzten.
Ein russischer Raketenangriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew hat am Wochenende die Hauptkirche des zum Unesco-Weltkulturerbe gehörenden Höhlenklosters in Brand gesetzt und nach Behördenangaben mindestens 23 Menschen verletzt.
Bei dem Angriff auf Kiew schlugen nach Angaben von Vitali Klitschko in drei Stadtteilen der Millionenstadt Geschosse ein. Tymur Tkatschenko sprach von mehr als 40 Einschlägen in der Hauptstadt. Etwa 30 Fahrzeuge seien in Flammen aufgegangen, zudem seien vorübergehend rund 140.000 Einwohner Kiews ohne Strom gewesen. Medienberichten zufolge setzten die russischen Angreifer ersten Erkenntnissen zufolge mehr als 50 Raketen und rund 500 Drohnen ein.
Schäden am Unesco-Weltkulturerbe
Betroffen war auch das Höhlenkloster auf den Hügeln am Fluss Dnipro. Die Klosteranlage steht seit 1990 unter dem Schutz der Unesco und zählt zum Weltkulturerbe. "Nach operativen Informationen gibt es ernsthafte Schäden auf dem Gelände des Höhlenklosters", schrieb Tkatschenko bei Telegram. Tymur Tkatschenko sprach von "ernsthaften Schäden" auf dem Gelände. Bilder und Videos in sozialen Netzwerken zeigten eine große Rauchsäule über dem Gelände der weltberühmten Pilgerstätte.
Herzstück der Anlage ist eine im Zweiten Weltkrieg 1941 zerstörte und erst Ende der 1990er Jahre wieder aufgebaute Kathedrale. Infolge eines russischen Raketenangriffs auf die ukrainische Hauptstadt Kiew ist die Hauptkirche des zum Weltkulturerbe zählenden Höhlenklosters in Brand geraten. Der sogenannte untere Teil der Anlage wird trotz staatlichem Druck weiterhin von der ukrainisch-orthodoxen Kirche genutzt, die sich bis zum russischen Einmarsch von 2022 als Teil des Moskauer Patriarchats sah, sich inzwischen jedoch von Moskau lossagte.
Charkiw ebenfalls betroffen
Auch die zweitgrößte ukrainische Stadt Charkiw war Ziel der Angriffe. Allein in Charkiw seien fünf Rettungskräfte infolge der Luftangriffe getötet und vier weitere Menschen verletzt worden, berichtete das Nachrichtenportal "The Kyiv Independent" unter Berufung auf Oleh Synjehubow. Massive Angriffe auf die Ukraine: Mindestens neun Tote. Die Vereinten Nationen haben in der Ukraine im Mai einen Höchststand an verletzten und getöteten Zivilisten innerhalb eines Monats seit April 2022 registriert.
Die Angriffe treffen die Ukraine in einer ohnehin angespannten Lage. Nach einem mehrere Tage dauernden Stromausfall wird das russisch besetzte AKW Saporischja wieder von aussen mit Strom versorgt. Die ununterbrochene Stromversorgung der Anlage gilt als zentral, um die Kühlung der Reaktoren auch bei abgeschalteten Reaktorblöcken sicherzustellen.
Reaktionen und Hintergründe
Internationale Beobachter sehen in der Zerstörung von Kulturdenkmälern eine bewusste Eskalation. Die Ursprünge des Klosters reichen bis ins 11. Jahrhundert zurück. In der Anlage sind unterirdische Gänge, Katakomben und Felshöhlen von hoher religiöser und historischer Bedeutung zu finden.
Die Rettungskräfte in Kiew und Charkiw waren nach den Angriffen im Dauereinsatz. In mehreren Stadtteilen Kiews kam es nach Einschlägen zu Bränden, die erst in den Morgenstunden unter Kontrolle gebracht werden konnten. Die ukrainische Luftwaffe hatte zuvor vor Raketen und Drohnen aus mehreren Richtungen gewarnt.
Die ukrainische Führung verurteilte die Angriffe scharf und forderte die internationale Gemeinschaft erneut zu einer entschiedenen Reaktion auf. Russland äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen. Moskau bestreitet in der Regel gezielte Angriffe auf zivile Ziele und spricht von Angriffen auf militärische Infrastruktur.
Ausweitung der Angriffe
Russland hatte in den vergangenen Wochen seine Luftangriffe auf ukrainische Städte deutlich intensiviert. Nach UN-Angaben wurden im Mai so viele Zivilisten getötet oder verletzt wie seit April 2022 nicht mehr. Die ukrainische Regierung spricht von einem bewussten Versuch, die Bevölkerung zu zermürben und die Energieinfrastruktur des Landes weiter zu beschädigen.
Auch in der russischen Grenzregion kam es in der Nacht zu Angriffen. In der Stadt Tula, rund 200 Kilometer südlich von Moskau, wurden nach Angaben des russischen Regionalgouverneurs Dmitri Miljaew drei Menschen bei einem ukrainischen Drohnenangriff getötet. Die ukrainische Seite äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorfall.
Die ukrainische Orthodoxe Kirche hatte sich nach dem russischen Einmarsch 2022 in einem Schisma von der russisch-orthodoxen Kirche unter dem Moskauer Patriarchat losgesagt. Dennoch steht der untere Teil der Klosteranlage politisch unter Druck, da er weiterhin von Anhängern der dem Moskauer Patriarchat verbundenen Kirche genutzt wird.
Das Höhlenkloster, auch als Kyiver Höhlenkloster bekannt, gehört zu den wichtigsten Pilgerstätten der orthodoxen Christenheit. In Sowjetzeiten war die Anlage als Museum genutzt worden, nach der Unabhängigkeit der Ukraine 1991 wurde sie wieder ihrer religiösen Bestimmung übergeben.
Die Rauchentwicklung war am Tag nach dem Angriff noch immer sichtbar. Rettungskräfte durchsuchten die Trümmer nach möglichen weiteren Opfern. Die genaue Zahl der Verletzten könnte nach Angaben der Behörden noch steigen.
Kulturgüter im Visier
Augenzeugen berichteten von einer Explosion, die das gesamte Stadtviertel habe erzittern lassen. Glasscheiben zerbrachen, Fassaden wurden beschädigt. In sozialen Netzwerken verbreiteten sich Bilder von splitternden Fenstern in umliegenden Wohnhäusern.
Die ukrainische Regierung kündigte an, den Wiederaufbau des beschädigten Kulturdenkmals mit internationaler Unterstützung voranzutreiben. Kulturgüter in Kriegsgebieten sind nach der Haager Konvention von 1954 besonders geschützt. Verstöße gegen dieses Abkommen können als Kriegsverbrechen verfolgt werden.
Weitere Berichte zur Lage in der Ukraine gibt es auf der Übersichtsseite zum Ukraine-Krieg. Die Entwicklungen in Kiew und Charkiw deuten auf eine neue Eskalationsstufe im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine hin, bei der gezielt auch historische Stätten in Mitleidenschaft gezogen werden.
Fragen & Antworten
Was ist über die Schäden am Höhlenkloster in Kiew bekannt?
Tymur Tkatschenko sprach von "ernsthaften Schäden" auf dem Klostergelände. Die Hauptkirche des zum Unesco-Weltkulturerbe gehörenden Höhlenklosters geriet nach russischen Raketenangriffen in Brand.
Wie viele Menschen wurden in Kiew und Charkiw verletzt oder getötet?
In Kiew wurden nach Angaben von Vitali Klitschko mindestens 23 Menschen verletzt. In Charkiw kamen laut Oleh Synjehubow fünf Rettungskräfte ums Leben, vier weitere Menschen wurden verletzt.
Welche Waffen setzte Russland bei dem Angriff ein?
Medienberichten zufolge setzten die russischen Angreifer ersten Erkenntnissen zufolge mehr als 50 Raketen und rund 500 Drohnen ein. Militärgouverneur Tkatschenko sprach von mehr als 40 Einschlägen in der Hauptstadt.
Kiew: Höhlenkloster brennt nach russischem Angriff | nachrichten360