Rekordwert bei Start-up-Finanzierungen in Österreich: 97 Runden mit 472 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2026
Wien/Linz, 23. Juli 2026
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Kurzfassung
Im ersten Halbjahr 2026 haben 97 österreichische Start-ups frisches Kapital erhalten – so viele wie nie zuvor. Das Gesamtvolumen stieg im Jahresvergleich um 329 Prozent auf 472 Millionen Euro, wobei internationale Investoren den Großteil des Geldes stellten.
Wien/Linz, 23. Juli 2026
Im ersten Halbjahr 2026 haben 97 österreichische Start-ups neue Finanzierungen erhalten und damit einen historischen Höchststand erzielt, wie aus dem gemeinsam von EY Österreich und invest.austria veröffentlichten „Start-up Investment Barometer“ hervorgeht.
Das Gesamtfinanzierungsvolumen stieg im Vergleich zur Vorjahresperiode um 329 Prozent auf 472 Millionen Euro an. Laut dem Bericht fanden in den vergangenen Monaten 97 Finanzierungsrunden mit einem Gesamtvolumen von 472 Millionen Euro statt – „ein Höchstwert“, wie es in der Analyse heißt. Florian Haas, Head of Start-up bei EY Österreich, sprach von einer Erholung: „Das erste Halbjahr 2026 brachte die Erholung, die ich schon länger erwarte.“
Wie Haas betonte, sind internationale Investor:innen zurück – und zwar nicht nur symbolisch, sondern mit substanziellen Tickets. „Internationale Investor:innen sind zurück – und zwar nicht nur symbolisch, sondern mit substanziellen Tickets“, sagte Haas. Konkret flossen im ersten Halbjahr 2026 mindestens 300 Millionen Euro beziehungsweise 64 Prozent der Gesamtsumme von rein internationalen Investor:innengruppen nach Österreich. Im Vorjahreszeitraum waren es lediglich mindestens 21 Millionen Euro beziehungsweise 27 Prozent gewesen.
Internationales Kapital dominiert
Florian Haas beschrieb den Wandel als „massive Verschiebung“: „Der Vergleich zum Vorjahr zeigt eine massive Verschiebung: 2025 wurde der Markt noch stark von heimischen und gemischten Investor:innengruppen getragen, 2026 kommt der Großteil des Kapitals wieder aus rein internationalen Runden.“ Der Anteil rein österreichischer Investorengruppen am Investitionsvolumen sank im selben Zeitraum von 17 auf nur noch fünf Prozent.
Auch Daniela Haunstein, Managing Director von invest.austria, sieht darin ein zweischneidiges Signal: „Die Zahlen zeigen sehr deutlich, dass internationales Kapital wieder bereit ist, größere Wachstumsfinanzierungen in Österreich zu begleiten. Gleichzeitig macht die Analyse aber auch sichtbar, dass Österreich bei großen Finanzierungsrunden weiterhin stark von ausländischem Kapital abhängig ist.“ Haas ergänzte: „Gleichzeitig zeigt diese Entwicklung aber auch, dass Österreich bei großen Wachstumstickets weiterhin stark auf ausländisches Kapital angewiesen ist.“
Bei den Investorenstandorten dominieren österreichische Geldgeber:innen mit Abstand: Von den mindestens 230 namentlich bekannten Investor:innen haben 116 (50 Prozent) ihren Hauptsitz in Österreich, gefolgt von Deutschland mit 49 (21 Prozent) und der Schweiz mit elf Geldgeber:innen. Nur sieben Investoren haben ihren Sitz in den USA. Bei kleineren Deals bis zu einer Million Euro stellen heimische Kapitalgeber:innen noch 74 Prozent aller Beteiligten, bei mittelgroßen Runden (1,1 bis 10 Millionen Euro) sinkt der Wert auf 36 Prozent und bei Großfinanzierungen über zehn Millionen Euro liegt der heimische Anteil bei lediglich rund 13 Prozent.
KI und Nachhaltigkeit als Schwerpunkte
Im ersten Halbjahr 2025 lag dieser Anteil bei Deals über zehn Millionen Euro noch bei rund 80 Prozent. In der aktuellen Berichtsperiode kamen sieben der zehn größten Finanzierungsrunden ohne jegliche Beteiligung österreichischer Investor:innen zustande. Insgesamt entfielen 30 der 97 Finanzierungsrunden (31 Prozent) auf Unternehmen mit KI-Bezug – ein Schwerpunkt, der sich auch in den Investitionsmotiven widerspiegelt.
Haas erläuterte den Strategiewechsel bei KI-Investments: „Investor:innen investieren heute nicht mehr nur in die Technologie selbst, sondern vor allem in konkrete Anwendungsfälle mit skalierbaren Geschäftsmodellen.“ Er verwies zudem auf die internationale Aufmerksamkeit, die einzelne österreichische KI-Unternehmen erregt haben: „Die erfolgreiche Übernahme von Emmi AI durch Mistral hat international für viel Aufmerksamkeit gesorgt.“ Daneben hob Haas „erfolgreiche Exits wie jener des oberösterreichischen Haustier-Tracking-Spezialisten Tractive oder die Übernahme des Linzer AI-Startups Emmi AI hervor“.
Auch das Thema Nachhaltigkeit spielt eine wachsende Rolle. Mit insgesamt 170 Millionen Euro floss im ersten Halbjahr 2026 mehr als jeder dritte investierte Euro (36 Prozent) in Startups mit Nachhaltigkeitsbezug. „Dies stellt laut der Studie den mit Abstand höchsten Betrag seit Beginn der Untersuchungen im Jahr 2022 dar“, heißt es im Bericht. Allerdings machen diese 170 Millionen Euro nur 14 der 97 Finanzierungsrunden (14 Prozent) aus – ein Hinweis darauf, dass Nachhaltigkeit zwar hohe Volumina anzieht, aber nur einen kleinen Teil der Deals.
Geografische Verteilung der Finanzierungen
Geografisch bleibt Wien das Zentrum der heimischen Start-up-Szene: 51 Start-ups aus der Bundeshauptstadt erhielten frisches Kapital. Oberösterreich folgt mit 13 Start-ups, die sich neue Finanzierung sicherten, Niederösterreich mit sechs, Salzburg mit einem Start-up sowie Tirol und Kärnten mit jeweils zwei Start-ups. Als Beispiele für geförderte Jungunternehmen nennt der Bericht Afreshed, Straion und Securite.
Bei den Großdeals zeigt sich die Abhängigkeit vom Ausland besonders deutlich: Im laufenden Jahr gab es bereits neun Finanzierungsdeals mit einem Volumen von mehr als zehn Millionen Euro – nach nur zwei solcher Abschlüsse im ersten Halbjahr 2025. Auch die Verteilung der Investor:innen innerhalb der Runden verändert sich: Heimische Geldgeber waren an mindestens 61 der 97 registrierten Finanzierungsrunden (63 Prozent) beteiligt; 39 Abschlüsse (40 Prozent) wurden ausschließlich von österreichischen Kapitalgeber:innen finanziert. In fast jedem vierten Deal (24 Prozent) waren ausländische Investoren beteiligt.
Politische Forderungen und Ausblick
Im FinTech/InsurTech-Segment zeigt sich die gleiche Tendenz: Von drei Finanzierungsrunden mit insgesamt neun Investoren hatte nur einer seinen Hauptsitz im Inland. Die Schwerpunkte der heimischen Investor:innen lagen vor allem im Energy-Sektor, gefolgt von Media & Entertainment. Wasserbasierte Lösungen und internationale Skalierung ziehen demgegenüber verstärkt ausländisches Kapital an, wie die Analyse hervorhebt. Im Bericht werden zudem die Großdeals Waterdrop und Gropyus mit jeweils 100 Millionen Euro hervorgehoben.
Haunstein fordert daher Konsequenzen von der Politik: „sei die rasche und ambitionierte Umsetzung des angekündigten Dachfonds ein wichtiger Schritt, um privates Kapital stärker für Innovation und Unternehmertum zu mobilisieren“. EY und invest.austria veröffentlichten gemeinsam das „Start-up Investment Barometer“ für das erste Halbjahr, das detaillierte Investorenangaben zu allen Finanzierungsrunden liefert und als Grundlage für die laufende Debatte über die Finanzierung heimischer Innovation dienen soll.
Fragen & Antworten
Warum ist Österreich bei großen Finanzierungsrunden auf ausländisches Kapital angewiesen?
Bei Runden über zehn Millionen Euro liegt der heimische Anteil nur bei rund 13 Prozent; sieben der zehn größten Runden kamen ohne österreichische Beteiligung zustande, wie EY und invest.austria feststellen.
Start-up-Finanzierung Österreich: 97 Runden, 472 Mio. Euro | nachrichten360