Regionalliga-Reform vorerst gescheitert: Fünf Verbände finden keine gemeinsame Linie
Berlin, 29 Juni 2026
Muns / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0
Kurzfassung
Die deutschen Klubs haben sich bei der gleichzeitigen Abstimmung in den fünf Regionalliga-Verbänden nicht auf ein einheitliches Reformmodell für den Aufstieg in die 3. Liga einigen können. Die Ergebnisse sollen nun mit dem DFB besprochen werden, die Reform könnte frühestens zur Saison 2028/2029 greifen.
Berlin, 29 Juni 2026
Die Klubs der fünf deutschen Regionalliga-Träger haben bei einer zeitgleichen Abstimmung am Montag keine einheitliche Mehrheit für eines der vorliegenden Reformmodelle zum Aufstieg in die 3. Liga gefunden.
Fünf Regionen, fünf verschiedene Ergebnisse
Wie die fünf beteiligten Regionalverbände – der Westdeutsche Fußball-Verband, der Bayerische Fußball-Verband, der Norddeutsche Fußball-Verband, der Südwestdeutsche Fußball-Verband und der Nordostdeutsche Fußball-Verband – am Dienstag gemeinsam mitteilten, fiel das Votum in den fünf Regionen höchst unterschiedlich aus. Eine bundesweit tragfähige Lösung kam nicht zustande. Die Reform kann nach den Statuten nur dann in Kraft treten, wenn alle fünf Verbände dem gleichen Modell zustimmen.
Im Nordosten votierten 76,3 Prozent der stimmberechtigten Klubs für das sogenannte Kompassmodell. Im Westen entschieden sich 60,9 Prozent ebenfalls für diesen Entwurf. Damit hatte das Kompassmodell in zwei der fünf Regionen eine klare Mehrheit. Im Südwesten hingegen sprach sich eine überwältigende Mehrheit von 93,1 Prozent der Klubs für das sogenannte Regionenmodell aus.
In Bayern wählten 52,4 Prozent der abstimmenden Klubs die Option, neue Modelle ausarbeiten zu lassen. Diese vierte Möglichkeit sah vor, die Verbände mit der Erarbeitung weiterer Reformvorschläge zu beauftragen. Auch in den anderen Regionen standen den Klubs neben dem Kompass- und dem Regionenmodell die Optionen "Status quo beibehalten" und "neuen Arbeitsauftrag ausarbeiten" zur Verfügung.
Inhalt des Kompassmodells
Hermann Winkler, Präsident des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes, wertete das Votum im Nordosten als deutliches Signal: "Das kann nicht das Ende der Reformbemühungen sein (…) Die Vereine haben sich mit einer deutlichen Mehrheit für das Kompassmodell ausgesprochen – allerdings nur unter der Voraussetzung einer 20er-Staffel. Dieses klare Votum nehmen wir mit in die weiteren Gespräche."
Das Kompassmodell sieht vor, die Klubs vor jeder Saison mit Hilfe eines KI-gestützten Systems auf Basis geografischer Kriterien den vier Regionalligen zuzuordnen, um Reisekosten zu senken und die Zahl der Derbys zu maximieren. Ursprünglich hatte der Entwurf 20 Vereine pro Staffel vorgesehen. Vier Tage vor der Abstimmung wurde das Modell jedoch in den Abstimmungsunterlagen auf 18 Teams pro Staffel reduziert.
Kritik an der kurzfristigen Änderung
Aus Sicht des Norddeutschen Fußball-Verbandes bedeutet die geringere Staffelgröße, dass in einer Qualifikationssaison acht zusätzliche Klubs direkt absteigen müssten. Florian Egbers, Geschäftsführer des Drittliga-Aufsteigers SV Meppen, kritisierte dies scharf: "Die Reduzierung auf 18 Vereine pro Staffel führt dazu, dass vier direkte Absteiger mehr als 20 Prozent der Liga ausmachen. Das ist aus meiner Sicht zu viel und verändert die Wahrnehmung des Modells erheblich."
Auch Tommy Haeder, Geschäftsführer von Chemnitzer FC und Sprecher der Initiative Aufstiegsreform, übte deutliche Kritik an dem kurzfristigen Eingriff: "Da ist alles lange erarbeitet und dann jetzt im letzten Moment ad absurdum geführt worden. Für einen offenen und ehrlichen Beteiligungsprozess ist ein solches Vorgehen nicht akzeptabel." Haeder beschrieb zudem, wie die Verbände die Änderung in die Unterlagen eingearbeitet und diese wenige Tage vor der entscheidenden Abstimmung digital an die Klubs verschickt hätten.
Haeder ergänzte: "Die 20er-Staffeln waren ein zentraler Bestandteil der bisherigen Gespräche und stellen für viele Vereine einen wichtigen sportlichen wie wirtschaftlichen Faktor dar." In einem öffentlichen Appell hatte er zuvor an alle Klubs gerichtet: "Ich appelliere an alle Vereine, am Montag ihre Stimme zu erheben und sich klar für die ursprünglich diskutierten Inhalte des Kompassmodells einzusetzen."
Boykott und Protest
Der Drittligist F.C. Hansa Rostock hatte bereits im Vorfeld angekündigt, die Abstimmung boykottieren zu wollen. Der Klub zählte damit zu den ersten Vereinen bundesweit, die sich gegen eine Teilnahme aussprachen. Die Rostocker begründeten ihren Schritt mit der kurzfristigen Änderung der Rahmenbedingungen: "Wenn diese Grundlagen kurz vor der Abstimmung verändert werden, wird aus Reformpolitik ein Machtspiel - und genau das machen wir nicht mit."
Auch das "Bündnis der Fanszenen Deutschland" hatte im Vorfeld zum Boykott der Abstimmung aufgerufen. Mehrere Klubs schlossen sich dem Aufruf an, um ihren Unmut über die kurzfristige Änderung der Modellgrundlagen zum Ausdruck zu bringen. SV Todesfelde, kürzlich aus der Oberliga aufgestiegen, kündigte an, für den Status quo zu stimmen, da es aus Sicht des Vereins kein schlüssiges Konzept für die betroffenen Oberligen gebe.
Uwe Döring, Vizepräsident und Versammlungsleiter des Norddeutschen Fußball-Verbandes, ordnete das Ergebnis trotz des fehlenden bundesweiten Konsenses als Ansporn für weitere Verhandlungen ein: "Auch wenn es keine bundesweite Lösung gegeben hat, werden wir uns in den kommenden Wochen erneut dafür starkmachen, dass ein gerechtes Modell gefunden wird, welches Aufstiegsspiele zur 3. Liga überflüssig macht."
Sebastian Schachten, Geschäftsführer von VfB Oldenburg, zeigte sich grundsätzlich offen für den eingeschlagenen Weg: "Wir erhoffen uns eine Professionalisierung der ganzen Liga, hoffen natürlich, dass es da am Ende eine tragfähige Lösung gibt. Montag ist jetzt die Abstimmung, dann werden wir sehen, wie es da weitergeht."
Das Regionenmodell im Überblick
Das Regionenmodell, das im Südwesten die klare Mehrheit erhielt, sieht vor, die West- und Südweststaffel unverändert zu lassen, während die übrigen drei Staffeln zu einer Regionalliga Nord/Nordost und einer Regionalliga Südost zusammengefasst würden. Die Zahl der Klubs in der vierthöchsten Spielklasse würde dadurch von 90 auf 72 sinken.
Wie geht es weiter?
Nach dem gescheiterten Votum gilt die vom DFB eingesetzte Arbeitsgruppe, die das Kompassmodell über Monate hinweg in einer 13-köpfigen Expertenrunde vorbereitet hatte, als beendet. Die Ergebnisse der Abstimmung sollen nun zeitnah mit dem Deutschen Fußball-Bund erörtert werden, um das weitere Vorgehen festzulegen.
Sollte in den kommenden Gesprächen doch noch eine einheitliche Lösung gefunden werden, müsste diese zusätzlich vom DFB-Bundestag oder dem DFB-Vorstand genehmigt werden. Erst dann könnte die Reform frühestens zur Saison 2028/2029 in Kraft treten – mit dem Effekt, dass dann möglicherweise alle Meister der fünf Regionalligen direkt in die 3. Liga aufsteigen könnten. Ob dies tatsächlich gelingt, ist derzeit noch offen.
Fragen & Antworten
Was ist das Kompassmodell und was das Regionenmodell?
Das Kompassmodell sieht vor, die Klubs vor jeder Saison per KI-System geografisch auf vier Staffeln zu verteilen, das Regionenmodell will die West- und Südweststaffel unverändert lassen und die übrigen drei Staffeln in eine Nord/Nordost- und eine Südost-Liga überführen.
Warum haben die Klubs gegen die Reform gestimmt?
Vier Tage vor der Abstimmung wurde das Kompassmodell von 20 auf 18 Teams pro Staffel verkleinert, was laut Kritikern vier zusätzliche Direktabsteiger und über 20 Prozent Absteigerquote bedeuten würde.
Was passiert nun nach dem gescheiterten Votum?
Die fünf Regionalverbände wollen die Ergebnisse kurzfristig mit dem DFB besprechen, eine mögliche Einigung müsste anschließend vom DFB-Bundestag oder DFB-Vorstand genehmigt werden, frühestens zur Saison 2028/2029.