Putin weist Selenskyjs Gesprächsangebot vor Weltwirtschaftsforum zurück
Moskau, 06 Juni 2026
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Kurzfassung
Russlands Präsident Wladimir Putin hat ein direktes Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj erneut abgelehnt. Selenskyj hatte Putin in einem offenen Brief direkte Gespräche vorgeschlagen; Putin nannte den Brief beim Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg respektlos.
Moskau, 06 Juni 2026
Der russische Präsident Wladimir Putin hat am Freitagabend beim Internationalen Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg ein von Wolodymyr Selenskyj vorgeschlagenes persönliches Treffen mit dem Verweis auf fehlende Voraussetzungen und "Elemente der Unhöflichkeit" im Schreiben des ukrainischen Präsidenten abgelehnt.
Selenskyj hatte Putin in einem offenen Brief direkte Gespräche über ein Ende des seit mehr als vier Jahren andauernden Ukraine-Kriegs vorgeschlagen. Putin erklärte dazu vor Wirtschaftsvertretern in Sankt Petersburg, er sehe derzeit keinen Grund für ein solches Treffen. "Enthält Elemente der Unhöflichkeit", sagte der Kremlchef mit Blick auf das Schreiben.
Auf die Frage, ob der Brief die Voraussetzungen für persönliche Treffen und Verhandlungen schaffe oder solche Treffen unmöglich mache, antwortete Putin: "Ist das ein Weg, die Voraussetzungen für persönliche Treffen und Verhandlungen zu schaffen, oder ist es ein Weg, ein Umfeld zu schaffen, in dem persönliche Treffen tatsächlich unmöglich sind? Ich denke, Letzteres trifft zu". Ein Treffen mit Selenskyj könne erst stattfinden, wenn eine endgültige Einigung über eine Friedenslösung erzielt worden sei.
Londoner Gipfel der E3-Staaten
Der ukrainische Präsident reagierte aus Kiew und warf Putin vor, den Krieg "einfach nicht beenden" zu wollen. In London wollten am Sonntagabend Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Keir Starmer mit Selenskyj zusammentreffen, um über weitere Unterstützung der Ukraine und mögliche Verhandlungen mit Russland zu sprechen. Der Élysée-Palast kündigte an, dass dabei auch eine Bilanz der Arbeit der sogenannten Koalition der Willigen auf der Tagesordnung stehen solle.
Die Koalition der Willigen, der nach Angaben aus der Hauptstadtunterhaltung auch Deutschland angehört, umfasst rund 35 überwiegend europäische Staaten. Die US-vermittelten Bemühungen um ein Ende des Konflikts sind nach Angaben aus Diplomatiekreisen seit Monaten ins Stocken geraten. Die sogenannten E3 – Deutschland, Frankreich und Großbritannien – spielen bei den europäischen Bemühungen um ein Ende des russischen Angriffskriegs eine Schlüsselrolle.
Drohnenangriffe überschatten Wirtschaftsforum
Das Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg, das seit 1997 stattfindet und als Putins Prestigeprojekt gilt, wurde unterdessen von Drohnenangriffen auf Ziele in der Region überschattet. Am Eröffnungstag hatte ein Drohnenangriff auf eine Ölraffinerie schwarze Rauchwolken über der Altstadt erzeugt. Der Flughafen der Stadt wurde zeitweise geschlossen. In der Nacht zum Samstag, dem letzten Forumstag, wurden nach russischen Angaben Hunderte ukrainische Drohnen über Russland abgefangen. Gouverneur Alexander Drosdenko erklärte: "Die Kampfhandlungen dauern an".
Putin räumte in seiner Rede ein, die Drohnenangriffe hätten der Wirtschaft "gewissen Schaden" zugefügt, und betonte die Notwendigkeit, die Luftabwehr zu stärken. In seiner an die russischen Streitkräfte gerichteten Ansprache sagte er als Oberbefehlshaber: "An die Arbeit, Brüder!". Nach Angaben des Kremls hatte Moskau und Kiew in den vergangenen Monaten ihre gegenseitigen Angriffe intensiviert.
Gleichzeitig versuchte Putin, Russlands wirtschaftliche Lage als robust darzustellen. Die Staatsverschuldung liege bei 16 Prozent, niedriger als in der Eurozone, so der Präsident. Die Inflation verlangsame sich und werde bis Jahresende voraussichtlich 5,2 Prozent erreichen. Die Industrieproduktion steige, der Onlinehandel wachse, die Arbeitslosigkeit bleibe mit 2,2 Prozent niedrig.
Wirtschaftsdaten und Kriegsfolgen
Allerdings hatte die russische Regierung ihren Konjunkturausblick für das laufende Jahr erst kürzlich drastisch von 1,3 auf 0,4 Prozent gesenkt. Die Prognose für 2027 wurde von 2,8 auf 1,4 Prozent halbiert. Das Zentrum für makroökonomische Analyse und Kurzfristprognosen warnte, ein Kriegsende würde zu "ein Rückgang der staatlichen Rüstungsbeschaffung (…) und der Beschäftigung in der Industrie sowie reduzierte Gehälter für Arbeitnehmer" führen. Russland profitiere indes von den hohen Ölpreisen im Zuge des Iran-Kriegs, die dem Staatshaushalt Mittel zuführten.
Putin verwies zudem darauf, dass die BRICS-Staaten fast 50 Prozent des globalen Handelsumsatzes ausmachten. China bleibe Russlands wichtigster Handelspartner, die russischen Ölexporte seien gestiegen. Kremlsprecher Dmitri Peskov bekräftigte, Russland begrüße weiterhin die "guten Dienste" der USA als Vermittler. Zugleich betonte er: "Wir haben die Dinge nie durch eine rosarote Brille gesehen und Washingtons Fähigkeit, komplexe Probleme ein für alle Mal zu lösen, nie übertrieben bewertet." Die EU wolle derzeit keine neutrale Vermittlerrolle übernehmen, und Russland würde eine solche Rolle ebenfalls nicht akzeptieren.
Schröder zu Gespräch im Kreml
Am Rande des Forums traf der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder zu einem Vier-Augen-Gespräch im Kreml mit Putin zusammen. Putzs Berater Juri Uschakow erklärte dazu: "Ich weiß es nicht, es war ein Vieraugengespräch" und fügte hinzu: "Ehrlich gesagt kenne ich die Details nicht." Im Jahr 2026 hatte es erstmals wieder ein offizielles deutsch-russisches Wirtschaftsgespräch gegeben, bei dem Unternehmer beider Länder über die Zusammenarbeit im aktuellen Umfeld diskutierten.
Berichtet wurde aus Moskau. Die Verhandlungen in London stehen im Zeichen einer wachsenden Kluft zwischen den diplomatischen Initiativen der Europäer und der demonstrativen Verweigerungshaltung des Kreml. Beobachter werten Putins Auftritt beim Petersburger Forum als Signal, dass Moskau vorerst keine direkten Kontakt zur ukrainischen Führung anstrebt.
Fragen & Antworten
Warum hat Putin ein Treffen mit Selenskyj abgelehnt?
Putin erklärte beim Internationalen Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg, er sehe derzeit keinen Grund für ein persönliches Treffen. Ein solches könne erst nach einer endgültigen Einigung über eine Friedenslösung stattfinden.
Was werfen Putin und Selenskyj sich gegenseitig vor?
Putin nannte den offenen Brief Selenskyjs respektlos. Selenskyj warf seinerseits Putin vor, den Krieg "einfach nicht beenden" zu wollen.
Was ist das Ziel des Treffens in London?
Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Keir Starmer wollten mit Selenskyj über weitere Unterstützung der Ukraine und mögliche Verhandlungen mit Russland sprechen, wie der Élysée-Palast ankündigte.
Putin lehnt Selenskyj-Treffen ab: London-Gipfel der E3 | nachrichten360