Der russische Präsident Wladimir Putin hat am späten Abend des 25. Mai 2026 einen Erlass unterzeichnet, der neuen Rekruten und ihren Ehepartnern Schuldenerleichterungen von bis zu zehn Millionen Rubel gewährt.

Das Dekret sieht vor, dass Personen, die ab dem 1. Mai 2026 einen Vertrag mit dem Verteidigungsministerium geschlossen haben, gemeinsam mit ihren Ehepartnern von Schulden bis zu zehn Millionen Rubel (rund 120.800 Euro) befreit werden können. Voraussetzung ist ein mindestens einjähriger Fronteinsatz.

Zusätzlich verlängerte Putin die Pachtrechte für staatliches Land, das Kämpfern in der Ukraine zugewiesen wurde, auf unbestimmte Zeit. Die Maßnahme ergänzt bereits bestehende Vergünstigungen wie hohe Bonuszahlungen und bevorzugte Hochschulzulassung.

Finanzielle Anreize und Hintergründe

Die russische Regierung versucht damit, ihre Truppen in dem seit über vier Jahren andauernden Krieg wieder aufzufüllen. Nach Angaben des Immobilienportals Cian entspricht die Summe von zehn Millionen Rubel etwa dem Preis einer 35 Quadratmeter großen Einzimmerwohnung in Moskau.

Unterdessen startete Russland eine massive Angriffswelle auf die Ukraine. Nach ukrainischen Berichten setzte das russische Militär rund 600 Drohnen und 90 Raketen oder Marschflugkörper ein. Die Angriffe richteten sich eigenen Angaben zufolge gegen militärische Einrichtungen, Kommandoposten und sogenannte Entscheidungszentren.

Russland rief Ausländer und diplomatisches Personal dazu auf, Kiew zu verlassen, und stellte die Attacken als Vergeltung für ukrainische Schläge dar. In der Region Leningrad, die St. Petersburg umgibt und wichtige Hafen- und Energieinfrastruktur beherbergt, schoss die russische Luftabwehr nach Angaben von Gouverneur Alexander Drosdenko mehrere anfliegende Geschosse ab.

Internationale Reaktionen

Die EU wies russische Forderungen, ihre Diplomaten aus Kiew abzuziehen, entschieden zurück. Katarina Mathernova, Leiterin der EU-Vertretung in Kiew, erklärte, die Repräsentanz bleibe in der ukrainischen Hauptstadt. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha appellierte an die Verbündeten, nicht russischer Erpressung nachzugeben.

In der Ostukraine wurde bei den Luftangriffen mindestens ein Mensch getötet und 15 weitere verletzt, so ukrainische Behörden. Besonders schwer traf es die Stadt Kramatorsk im Gebiet Donezk, wo am Abend gelenkte Gleitbomben einschlugen. Zwölf Menschen wurden verletzt, darunter ein achtjähriger Junge.

Auch in der Hafenstadt Odessa wurde ein Infrastrukturobjekt durch Beschuss zerstört, wie Gouverneur Serhij Lyssak mitteilte. Viele Geschosse wurden zwar abgefangen, dennoch entstanden Schäden an zahlreichen Gebäuden, darunter Wohnhäuser, denkmalgeschützte Bauten, ein Kloster und Medienbüros.

Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung

Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von fast 90 Verletzten allein in der Hauptstadt und weiteren Todesopfern und Verletzten in Regionen wie Donezk und Charkiw. Auch die Ukraine führte nach eigenen Angaben Drohnen- und Raketenangriffe auf russische Ziele aus, unter anderem auf die Regionen Belgorod, Brjansk, Jaroslawl und Wladimir.

Russische Behörden meldeten durch diese ukrainischen Attacken Tote und Verletzte, etwa in Horliwka und Starobilsk. Die wechselseitigen Angriffe zeigen eine erneute Eskalation des Konflikts, der nun schon das fünfte Jahr andauert.

Das Schuldenerlass-Dekret wurde vom Kreml erst spät am Abend vor der Veröffentlichung bekannt gegeben. Es unterstreicht das anhaltende Bestreben Moskaus, neue Soldaten zu gewinnen, während die Verluste an der Front weiter steigen.