Porträt von Angela Merkel für die Kanzlergalerie in Berlin enthüllt
Berlin, 30. September 2025
AI-generated image (z-image via Kie.ai)
Kurzfassung
Fast fünf Jahre nach dem Ende ihrer Amtszeit ist das offizielle Porträt von Angela Merkel im Berliner Bode-Museum enthüllt worden. Der 28-jährige franco-deutsche Maler Jérémie Queyras zeigt die Ex-Kanzlerin stehend in einer blauen Jacke. Nach dem 4. Oktober wechselt das Bild in die Kanzlergalerie des Bundeskanzleramts.
Fast fünf Jahre nach dem Ende ihrer Amtszeit als Bundeskanzlerin ist am Dienstag im Berliner Bode-Museum das offizielle Porträt von Angela Merkel enthüllt worden, gemalt von dem 28-jährigen franco-deutschen Künstler Jérémie Queyras.
Das Gemälde war zunächst hinter einem Tuch verborgen und wurde im Beisein der 71-Jährigen, ihres Ehemanns Joachim Sauer sowie zahlreicher Gäste unter großem Applaus der Öffentlichkeit präsentiert. Merkel und Queyras enthüllten das Bild gemeinsam, wie Die Zeit berichtet. Die Ex-Kanzlerin zeigte sich bei der Enthüllung bewegt und sprach laut Bericht von einem „unvergessliches Erlebnis".
Das Porträt unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von den Bildern ihrer Vorgänger: Merkel ließ sich – anders als frühere Bundeskanzler – stehend porträtieren. Sie trägt eine blaue Blazerjacke, deren Farbton nach Angaben des Künstlers Stärke und Autorität ausdrücken soll. Ihr Blick wird als entschlossen und nachdenklich zugleich beschrieben.
Stehende Pose und blaue Blazer
Das Bild zeigt zudem eine auffällige Lichtführung: kräftiges Licht fällt auf das Gesicht und hebt so die sogenannten „Spuren der Macht“ hervor. Queyras erklärte laut Die Zeit, es sei sein Ziel gewesen, Merkel so zu malen, dass sie sofort erkennbar sei und gleichzeitig eine neue Seite von ihr sichtbar werde.
Die Entscheidung für den Künstler fiel vergleichsweise spät. Wie Die Zeit schreibt, habe sich Queyras bereits 2022 informell bei Merkel beworben, das Porträt malen zu dürfen. Erst im Juni 2025, nach einer ersten persönlichen Begegnung, habe sie sich für den Maler entschieden. Merkel selbst erklärte bei der Enthüllung, sie habe zunächst Abstand gebraucht: „Ich brauchte Abstand“.
Lange Suche nach dem richtigen Maler
Seit dem Sommer des vergangenen Jahres traf sich Queyras wiederholt mit der Altkanzlerin, um sie in einem eigens dafür eingerichteten Atelier in Berlin-Mitte zu porträtieren. Für den Auftrag zog der Künstler, der zuvor als eher unbekannt galt, eigens nach Berlin. Merkel habe über Monate Modell gesessen, berichtet Die Zeit.
Queyras ist in Freiburg aufgewachsen und hat Kunst in London und Paris studiert. Mit dem Merkel-Porträt tritt er erstmals einem breiten Publikum in Deutschland bekannt. Das Werk gilt als sein bislang wichtigster öffentlicher Auftrag. Bis zum 4. Oktober ist das Porträt im Bode-Museum für die Öffentlichkeit zugänglich.
Danach wechselt das Bild in die Kanzlergalerie des Bundeskanzleramts, wo es neben den Porträts aller bisherigen Bundeskanzler einen festen Platz erhalten soll. Merkel gehört damit offiziell in die Reihe ihrer Amtsvorgänger und -nachfolger – auch wenn sie den Abschied von der aktiven Politik nach eigener Aussage mit gemischten Gefühlen begleitet.
Merkels Reaktion: „Da häng' ich dann eben"
Im Vorfeld der Enthüllung hatte Die Zeit in der Vorwoche ein ausführliches Interview mit Merkel veröffentlicht. Darin blickte die CDU-Politikerin auf das eigene Älterwerden und das langsame Werden zur Geschichte zurück. „Es ist komisch, wenn man langsam Geschichte wird“, sagte die 71-Jährige. Sie versuche, die Ehrung mit Gelassenheit anzunehmen.
Auf die Frage nach dem künftigen Platz ihres Bildes an der Wand des Kanzleramts reagierte sie mit einem leisen Schmunzeln und einer für sie typischen Mischung aus Understatement und Pragmatismus: „Da häng' ich dann eben.“ Zugleich betonte sie, sie habe das Porträt nicht als lästige Pflichtübung empfunden: „sondern ich wollte Freude haben“.
Die Enthüllung am Dienstag reiht sich in eine Phase ein, in der Merkels Amtszeit zunehmend historisch eingeordnet wird. 2024 hatte sie ihren 70. Geburtstag gefeiert und an den Feierlichkeiten zu 75 Jahren Grundgesetz teilgenommen. Beobachter werten das Porträt als symbolischen Akt der Einordnung einer Ära, die Deutschland von 2005 bis 2021 geprägt hat.
Symbolischer Abschluss einer Ära
Merkel war 1990 als stellvertretende Regierungssprecherin in die bundesweite Politik eingestiegen und hatte das Amt der Bundeskanzlerin von 2005 bis 2021 inne. In diesen Jahren fielen unter anderem die Flüchtlingsbewegung von 2015 mit Merkels Ausspruch zur „Willkommenskultur“, internationale Gipfeltreffen wie der G7-Gipfel in Elmau 2015 oder in Kanada 2018 sowie gemeinsame Auftritte mit dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush 2006 in Stralsund.
Die Fertigung eines offiziellen Porträts für die Kanzlergalerie folgt einer langen bundesdeutschen Tradition. Auch Helmut Kohl, Gerhard Schröder und andere Vorgänger Merkels ließen sich nach dem Ausscheiden aus dem Amt malen. Mit der Wahl Queyras' und der Inszenierung des Bildes – stehend, in Blau, mit deutlichen Lichtakzenten – setzt Merkel jedoch bewusst eigene Akzente.
Ein junger Maler für die Kanzlergalerie
Bemerkenswert ist zudem der biografische Hintergrund des Malers. Jérémie Queyras, 28 Jahre alt, franco-deutscher Herkunft und in Freiburg aufgewachsen, steht am Beginn seiner künstlerischen Laufbahn. Die Beauftragung mit dem offiziellen Porträt einer ehemaligen Bundeskanzlerin gilt in der Kunstszene als außerordentliche Auszeichnung für einen Künstler seines Alters.
Die Präsentation im Bode-Museum, das zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz gehört und für seine europäische Skulpturensammlung bekannt ist, verlieh dem Ereignis einen musealen Rahmen. Bis zum 4. Oktober haben Besucherinnen und Besucher dort die Möglichkeit, das Werk aus der Nähe zu betrachten, bevor es seinen endgültigen Platz im Kanzleramt findet.
Fragen & Antworten
Wer hat das Porträt von Angela Merkel gemalt?
Das Porträt stammt von dem 28-jährigen franco-deutschen Künstler Jérémie Queyras, der in Freiburg aufgewachsen ist und in London und Paris Kunst studiert hat.
Wo ist das Merkel-Porträt künftig zu sehen?
Bis zum 4. Oktober ist das Gemälde im Berliner Bode-Museum öffentlich zugänglich; danach wechselt es in die Kanzlergalerie des Bundeskanzleramts.
Warum hat sich Merkel erst so spät für den Maler entschieden?
Queyras hatte sich bereits 2022 informell bei Merkel beworben, doch erst im Juni 2025 entschied sie sich nach einer ersten persönlichen Begegnung für ihn, weil sie zuvor Abstand gebraucht habe.
Merkel-Porträt enthüllt: Queyras malt Ex-Kanzlerin für | nachrichten360