Merkel-Porträt wird im Bode-Museum enthüllt – und kommt später ins Kanzleramt
Berlin, 30. Juni 2026
Armin Linnartz / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0 de
Kurzfassung
Am Abend des 30. Juni 2026 wird im Berliner Bode-Museum das offizielle Porträt der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel enthüllt. Gemalt hat es der deutsch-französische Künstler Jérémie Queyras; anschließend soll das Bild in die Kanzlergalerie im ersten Stock des Kanzleramts ziehen.
Das offizielle Porträt der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel ist am Abend des 30. Juni 2026 um 18.00 Uhr im Berliner Bode-Museum auf der Museumsinsel feierlich enthüllt worden.
Das Werk stammt von Jérémie Queyras, einem 28 Jahre alten deutsch-französischen Künstler aus einer Musikerfamilie in Freiburg, der bisher nur einem breiteren Publikum wenig bekannt war. Merkel hatte ihn im April 2025 zu einem Treffen eingeladen, nachdem er sich mit einem handschriftlichen Brief beworben hatte. Darin schrieb Queyras: „Obwohl meine Kunst hauptsächlich abstrakt ist, kehre ich des Öfteren zur klassischen Malerei zurück. Sie ahnen nun bestimmt schon, weshalb ich Ihnen schreibe.“
Der Künstler hinter dem Bild
Über die Entstehung des Bildes berichtet die „Zeit“, die den Prozess begleitet hat. Das Gemälde sei in einem Atelier unweit von Merkels Wohnung in der Nähe des Pergamon-Museums entstanden. Die Altkanzlerin habe Queyras sofort als „lebensoffenen Menschen“ wahrgenommen, berichtet das Blatt. Merkel selbst sagte der „Zeit“ mit einem leichten Schmunzeln über das bevorstehende Hängen in der Kanzlergalerie: „Da häng ich dann eben.“
Auf dem Bild trägt Merkel einen blauen Blazer – und, wie es in der Beschreibung heißt, ohne ihre berühmte Geste: „die Raute fehlt“. Die „Zeit“ charakterisiert das Werk als „Ein leuchtendes Porträt ist es geworden. (...) Ihr Blick ist hell, aber allzu begütigend will die Altkanzlerin nicht wirken.“ Zugleich solle die frühere Kanzlerin „ein wenig mitgenommen aussehen“ – also nicht glattgebügelt, sondern mit Spuren ihrer Amtsjahre.
Ort der Enthüllung: Bode-Museum
Die feierliche Enthüllung fand im Bode-Museum auf der Berliner Museumsinsel statt. Anschließend ist das Porträt dort noch bis Anfang Oktober öffentlich zu sehen, bevor es seinen endgültigen Platz in der Kanzlergalerie im ersten Stock der Regierungszentrale erhält – dort, wo auch die Regierungspressekonferenzen stattfinden.
Platz in der Kanzlergalerie
Die Kanzlergalerie ist seit rund 20 Jahren weitgehend unverändert und zeigt bisher Porträts der sieben Vorgänger Merkels. Bereits direkt neben Jörg Immendorffs Schröder-Porträts ist im ersten Stock ein freier Platz reserviert, an den das neue Werk voraussichtlich ziehen soll. Nach Angaben des Kanzleramts werden derzeit Vorschläge für eine mögliche Neuordnung der Galerie geprüft, da die zusätzlichen Porträts voraussichtlich eine Umgestaltung erforderlich machen.
Parallel zur Enthüllung läuft derzeit die Diskussion über die Nachfolgeporträts. Olaf Scholz, der das Amt zuletzt innehatte, hat laut seinem Büro noch keinen Künstler für sein eigenes Bild festgelegt. Bei einem Gespräch mit Schülerinnen im Kanzleramt im April 2024 hatte Scholz allerdings bereits erwähnt, dass er über einen Maler nachdenke. Mehrere Künstler hatten sich früh um den Merkel-Auftrag beworben, den Zuschlag erhielt am Ende Queyras.
Merkel selbst hat sich seit dem Abschied aus dem Amt knapp fünf Jahre Zeit gelassen, ehe sie das Porträtprojekt in Angriff nahm. Nach dem Ausscheiden aus dem Kanzleramt hatte sie eine Pause eingelegt und war mit einer Lesetour unterwegs; vor Kurzem veröffentlichte sie Memoiren mit mehr als 700 Seiten, die rasch zum Bestseller wurden. Gegenüber der „Zeit“ resümierte sie: „Es ist komisch, wenn man langsam Geschichte wird“.
Merkels Weg nach dem Amt
Die Enthüllung am Bode-Museum ist auch ein Stück Berliner Kunstgeschichte: Merkel wohnt nur wenige Minuten von der Museumsinsel entfernt, sodass die Wege zwischen Atelier, Wohnung und Museum kurz blieben. Queyras nutzte die räumliche Nähe, um die ehemalige Regierungschefin über Monate mehrfach zu porträtieren, wobei er eigenen Angaben zufolge zwischen abstrakter Malerei und gegenständlicher Darstellung wechselt.
Mit der Aufnahme in die Kanzlergalerie wird Merkel als achter Altkanzlerin in der Reihe der Porträts verewigt – in unmittelbarer Nachbarschaft zu Gerhard Schröders von Jörg Immendorff gemalten Bildern. Die endgültige Hängung in der Regierungszentrale wird allerdings erst nach der dreimonatigen Ausstellungszeit im Bode-Museum erfolgen, sodass Besucher das Werk zunächst in voller Größe auf der Museumsinsel sehen können.
Das Porträt reiht sich damit in eine deutsche Tradition ein, in der Staatsoberhäupter und Regierungschefs in offiziellen Bildern festgehalten werden. Dass mit Queyras ein junger, weitgehend unbekannter Künstler den Zuschlag erhielt, werten Beobachter als bewusste Entscheidung für einen unverbrauchten Blick – und als Bruch mit der Erwartung, dass Amtsporträts vor allem glanzvoll und ausgewählt wirken sollen.
Für die Kanzlergalerie bedeutet das neue Werk nicht nur eine Ergänzung, sondern vermutlich auch einen Umbau: Das Kanzleramt hat bestätigt, dass über alternative Anordnungen der Bilder beraten wird, weil die vorhandene Aufstellung die zusätzlichen Exponate nicht ohne Weiteres aufnehmen kann. Damit dürfte die Galerie in den kommenden Monaten sichtbar in Bewegung geraten.
Begleitend zur Ausstellung im Bode-Museum sind weitere Reaktionen aus Politik, Kunstszene und Öffentlichkeit zu erwarten – zumal das Gemälde Merkels „Rauten“-Pose bewusst ausblendet und stattdessen einen „mitgenommenen“, nachdenklichen Eindruck vermittelt.
Zum Abschluss des Abends im Bode-Museum äußerte sich die frühere Bundeskanzlerin gegenüber der „Zeit“ gelassen über ihr künftiges Bild an der Wand: Es sei „komisch, langsam Geschichte zu werden“, sagte sie – und zeigte sich damit einverstanden, Teil der Kanzlergalerie zu werden.
Fragen & Antworten
Wer hat das neue Merkel-Porträt gemalt?
Das Bild stammt von Jérémie Queyras, einem 28 Jahre alten deutsch-französischen Künstler aus Freiburg, der Merkel im April 2025 getroffen hatte und das Werk anschließend in einem Atelier nahe ihrer Wohnung schuf.
Wo und wann wird das Merkel-Porträt enthüllt?
Die feierliche Enthüllung fand am 30. Juni 2026 um 18.00 Uhr im Berliner Bode-Museum auf der Museumsinsel statt; danach ist es rund drei Monate dort zu sehen, bevor es in die Kanzlergalerie im Kanzleramt umzieht.
Warum fehlt auf dem Porträt Merkels berühmte „Raute“?
Nach den Beschreibungen der „Zeit“ zeigt das Bild Merkel ohne ihre typische Handgestik, mit einem blauen Blazer und einem „ein wenig mitgenommenen“, nachdenklichen Eindruck statt eines glatten, beschwichtigenden Blicks.
Merkel-Porträt von Jérémie Queyras wird in Berlin enthüllt | nachrichten360