Porsche Stellenabbau 2035: 5.000 Jobs weg, 2,1 Mrd. Euro Investition
Stuttgart, 27. Juli 2026
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Kurzfassung
Der Sportwagenbauer Porsche streicht bis 2035 weitere 5.000 Stellen in der Region Stuttgart und investiert im Gegenzug 2,1 Milliarden Euro in Zuffenhausen und Weissach. Zusammen mit früher beschlossenen Abbaumaßnahmen verlassen damit rund 8.900 Beschäftigte das Unternehmen.
Der Sport- und Geländewagenbauer Porsche baut bis 2035 weitere 5.000 Stellen in der Region Stuttgart ab und investiert im Gegenzug 2,1 Milliarden Euro in das Stammwerk Zuffenhausen und das Entwicklungszentrum Weissach.
Einigung mit dem Betriebsrat nach zähen Verhandlungen
Unternehmen und Gesamtbetriebsrat verständigten sich nach einer Betriebsversammlung im Stammwerk Stuttgart auf das sogenannte Zukunftspaket, das zugleich die Beschäftigungssicherung um fünf Jahre bis Ende 2035 verlängert. Wie Porsche am Montag mitteilte, sollen die 5.000 Stellen über Fluktuation, Altersteilzeit und freiwillige Aufhebungsverträge sozialverträglich abgebaut werden.
Zusätzlich zu dem nun angekündigten Abbau waren bereits im vergangenen Jahr 3.900 Stellen und im Februar 2025 rund 1.900 weitere Stellen bis 2029 in der Region Stuttgart beschlossen worden. Hinzu kommen 500 Jobs bei drei Tochterunternehmen, die geschlossen werden oder wurden. Insgesamt verlassen damit rund 8.900 Beschäftigte das Unternehmen, das Ende 2025 weltweit noch knapp 41.800 Menschen beschäftigte.
Der seit Jahresbeginn amtierende Vorstandschef Michael Leiters bezeichnete das Paket als "gut für Porsche". Das Paket sei "hart erkämpft", sagte Leiters weiter. Mit Blick auf die künftige Produktstrategie ergänzte er: "Die deutliche Verbesserung unserer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit wird vor allem mit unseren künftigen Produkten kommen".
Einstige Cash-Cow rutscht tief in die Krise
Der Gesamtbetriebsratschef Ibrahim Aslan sieht in der Einigung eine Signalwirkung. Man habe den Arbeitgeber überzeugen können, dass eine Investition an den zwei Standorten eine Chance sei. "Jetzt müssen wir es gemeinsam mit dem Vorstand umsetzen", teilte Aslan mit. Das Zukunftspaket solle die Personalkosten deutlich senken und die Arbeit an den Standorten flexibler und produktiver machen.
Hintergrund des drastischen Sparprogramms ist ein tiefer Einbruch der Erträge: 2025 brach das operative Ergebnis auf 413 Millionen Euro von 5,6 Milliarden Euro im Vorjahr ein, der Konzernüberschuss sackte um 91 Prozent auf 310 Millionen Euro ab. Im ersten Halbjahr 2026 verdiente der im MDAX notierte Konzern 1,35 Milliarden Euro bei einer Marge von nur noch 7,8 Prozent, nach einst rund 15 Prozent in den Boomjahren.
Die Absatzkrise ist dabei vor allem eine Krise des Chinageschäfts: Zwischen 2021 und 2025 haben sich die Verkaufszahlen in der Volksrepublik mehr als halbiert. Der weltweite Absatz sackte 2025 um ein Zehntel ab und lag mit 279.400 Fahrzeugen auf dem niedrigsten Stand seit dem Covid-Jahr 2020. Bis zum Rekordhoch vor drei Jahren hatte Porsche noch rund 320.000 Fahrzeuge verkauft, das produzierende Netz war einst für 350.000 bis 400.000 Fahrzeuge pro Jahr ausgelegt worden.
China bleibt die Achillesferse
Auch 2026 erwartet das Unternehmen Belastungen im hohen dreistelligen Millionenbereich. Die Jahresprognose wurde auf Erlöse von 58 bis 63 Milliarden Euro gesenkt, das sind fünf Milliarden Euro weniger als noch im April avisiert. Analysten hatten im Schnitt mit Erlösen von knapp 117 Milliarden Dollar gerechnet.
Mit dem Zukunftspaket will Porsche den Hebel auf der Kostenseite ansetzen. Konkret bedeutet das: Von aktuellen und künftigen Tariferhöhungen sollen 3,5 Prozent einbehalten werden. Das Weihnachtsgeld sinkt von bis zu 100 Prozent auf 60 Prozent eines Monatsentgelts, der freiwillige betriebliche Anteil fällt bis 2035 von 45 auf fünf Prozent. Der Mitarbeiterbonus orientiert sich künftig stärker am Unternehmenserfolg.
Mitglieder der Gewerkschaft IG Metall erhalten im Gegenzug einen Bonus von jährlich 200 Euro sowie 411 Euro Zuschlag zu einer einmaligen Transformationsprämie von 1.500 Euro. Dazu kommt ein zusätzlicher freier Tag pro Mitglied und Jahr sowie ein Wertgutschein in Höhe von 200 Euro pro Jahr. Die Garantie für die Beschäftigung fällt bei Porsche bis Ende 2035 großzügiger aus als bei Volkswagen und Audi.
Beschäftigte müssen auf Weihnachtsgeld und Tariferhöhungen verzichten
Auch das Management trägt zum Programm bei: Im oberen Management und im Topmanagement wird in den Jahren 2027 und 2028 die Erhöhung der Grundvergütung reduziert. Porsche gehört damit zu den wenigen deutschen Autobauern, die ihren Führungskräften unmittelbare Gehaltsverzichte abverlangen.
Im Leipziger Werk hat Porsche ebenfalls Jobs abgebaut; ein Werk mit rund 350 Mitarbeitern im bayrischen Nördlingen soll noch im Herbst geschlossen werden. Auch drei Tochterfirmen mit zusammen rund 500 Beschäftigten wurden oder werden geschlossen.
Die Strategie trägt den Namen "Sportwagenschmiede 35" und soll umfassend im Oktober vorgestellt werden. Geplant ist unter anderem ein neuer, zweitüriger Sportwagen, intern S1 genannt, der auf dem 911er basieren, mit einem Achtzylinder-Boxermotor ausgestattet werden und rund 500.000 Euro kosten soll. Die Elektroversion des Panamera (G4) hat Leiters hingegen bis ins nächste Jahrzehnt verlegt.
Neue Sportwagen statt E-Offensive
Eine Rückkehr zu den Traumrenditen nahe 20 Prozent erwartet der Vorstandschef nicht: Mittelfristig sollen vom Umsatz 10 bis 15 Prozent als Gewinn übrigbleiben. Diese Spanne entspricht in etwa dem Niveau, das Ende der 1980er bis Anfang der 1990er Jahre bei Porsche üblich war.
Bei den Menschen in Weissach, einer 7.000-Einwohner-Gemeinde im Kreis Böblingen, sorgt die Nachricht für erhebliche Unruhe. Rund 600 Weissacher arbeiten derzeit im Entwicklungszentrum, das mit etwa 7.000 Beschäftigten einer der wichtigsten Arbeitgeber der Gemeinde ist. Im Rekordjahr 2009 zahlte Porsche 222 Millionen Euro Gewerbesteuer an die Gemeinde. Anwohner sprechen von einer "Not" und "großer Sorge" um die Zukunft der Automobilbranche in der Region.
Sorge in Weissach und der Region Stuttgart
Die Belegschaft war seit 2015 um 75 Prozent auf zuletzt gut 42.000 Jobs gestiegen, ehe nun der harte Sparkurs greift. Ende 2024 hatte Porsche in der Region Stuttgart noch rund 22.200 Beschäftigte, ein Jahr später waren es nur noch ungefähr 20.600.
Im Mutterkonzern Volkswagen geht das Ringen um den Abbau von bis zu weiteren 50.000 Stellen und mögliche Werksschließungen weiter. Vier deutsche Standorte von VW und Audi sowie bis zu 50.000 Stellen weltweit stehen auf der Kippe, zusätzlich zu den 50.000 Jobs, die bis 2030 konzernweit ohnehin bereits abgebaut werden sollen. VW-Vorstandsvorsitzender Oliver Blume, der bis Ende 2025 in Personalunion auch Porsche-Chef war, sagte zu möglichen Werkschließungen: "Es gibt intelligentere Lösungen, als Werke zu schließen. Das ist immer die letzte Option."
Auch VW und Audi unter Druck
Die im MDAX notierte Vorzugsaktie von Porsche bewegte sich nach der Bekanntgabe wenig und lag zuletzt 0,1 Prozent im Minus. Der Konzern setzt mit dem Zukunftspaket darauf, die Kostenstruktur an das niedrigere Absatzvolumen anzupassen und sich für den verschärften Wettbewerb mit chinesischen Herstellern zu wappnen.
Gleichzeitig macht sich Porsche Hoffnung, dass das Standortpaket die Weichen für eine langfristige Zukunft stellt. Leiters sagte, das Unternehmen könne sich jetzt mit der Strategie "Sportwagenschmiede 35" neu ausrichten und in seine Wettbewerbsfähigkeit investieren. "Wir schauen nun wieder nach vorne - für die Stammbelegschaft und die Marke Porsche", so der Vorstandschef.
Fragen & Antworten
Wie viele Stellen baut Porsche insgesamt ab?
Bis 2035 sollen 5.000 weitere Stellen in der Region Stuttgart wegfallen. Zusammen mit dem im vergangenen Jahr beschlossenen Abbau und weiteren Maßnahmen verlassen rund 8.900 Beschäftigte das Unternehmen.
Was beinhaltet das Zukunftspaket im Gegenzug?
Porsche investiert bis 2035 insgesamt 2,1 Milliarden Euro in das Stammwerk Zuffenhausen und das Entwicklungszentrum Weissach. Die Beschäftigungssicherung wird bis Ende 2035 verlängert, sodass betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen bleiben.
Warum gerät Porsche derzeit unter so starken Druck?
Vor allem der Einbruch in China, wo sich die Verkaufszahlen zwischen 2021 und 2025 mehr als halbiert haben, drückt auf Absatz und Marge. Das operative Ergebnis brach 2025 auf 413 Millionen Euro von zuvor 5,6 Milliarden Euro ein, der Konzernüberschuss sackte um 91 Prozent auf 310 Millionen Euro.
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