Philosoph Peter Kampits im Alter von 83 Jahren gestorben
Wien, 16. Juni 2026
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Kurzfassung
Der Philosoph Peter Kampits ist in der Nacht auf Dienstag im Alter von 83 Jahren nach langer Krankheit in Wien gestorben. Er war Gründungsdekan der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaften der Universität Wien und Mitinitiator der Donau-Universität Krems.
Der Philosoph Peter Kampits ist in der Nacht auf Dienstag im Alter von 83 Jahren nach langer Krankheit in Wien gestorben, wie die APA aus informierten Kreisen erfuhr.
Peter Kampits wurde am 28. Juni 1942 in Wien geboren und maturierte am Gymnasium in der Geblergasse in Wien-Hernals. Anschließend studierte er an der Universität Wien Philosophie, Psychologie und Geschichte. Im Jahr 1965 promovierte er dort mit der Dissertation 'Das Bild des Menschen bei Albert Camus: ein Mythos vom Menschen'. Nach seiner Promotion absolvierte er ein postgraduales Studium an der Sorbonne in Paris.
Studium und Promotion
In Paris begegnete Kampits dem berühmten Philosophen Jean-Paul Sartre persönlich, der sein späteres Hauptforschungsgebiet werden sollte. Internationale Bekanntheit erlangte er insbesondere als Experte für den französischen Existenzialismus und die Werke von Jean-Paul Sartre. 1974 habilitierte er sich an der Universität Wien mit einer Arbeit über die Schriften von Jean-Paul Sartre und Gabriel Marcel.
Im Jahr 1977 wurde Kampits zum Professor ernannt. Er arbeitete über Jahrzehnte an der Universität Wien, wo er von 1987 bis 1991 sowie von 2001 bis 2004 das damalige Institut für Philosophie leitete. Darüber hinaus war er an der Entstehung der Donau-Universität Krems beteiligt. Von 1988 bis 1990 stand er zudem der Österreichischen Gesellschaft für Philosophie als Präsident vor.
Wirkungsstätten und Ämter
Nach der Neuorganisation der Universität Wien wurde Kampits im Jahr 2004 der erste Dekan der neu geschaffenen Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaften, die er bis 2008 leitete. In dieser Funktion prägte er den Aufbau der Fakultät in einer Phase tiefgreifender Reformen durch den Bologna-Prozess. Gegen die damit verbundenen Entwicklungen an den Universitäten bezog er wiederholt kritische Positionen.
Seit 2007 gehörte er zudem der Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt an. In dieser Funktion setzte er sich intensiv mit Themen wie Sterbehilfe, Medizinethik und Ethikunterricht auseinander. Auch zur Debatte um die gesetzliche Regelung der Sterbehilfe und zur Impfpflicht nahm er öffentlich Stellung.
Engagement in der Bioethik
Als engagierter öffentlicher Intellektueller äußerte sich Kampits vielfach zu gesellschaftlichen Entwicklungen. So kritisierte er etwa, dass ethische Fragen im Religionsunterricht diskutiert würden, da dabei 'immer eine gewisse Dogmatik im Hintergrund' stehe. Zugleich setzte er sich für einen verpflichtenden Ethikunterricht an Schulen und Universitäten ein.
Positionen in der Öffentlichkeit
Auch in der politischen Debatte meldete sich Kampits wiederholt zu Wort. So bezeichnete er sich selbst als 'großer Skeptiker der Impfpflicht, vor allem aber des diesbezüglichen Gesetzes'. In Debatten um wissenschaftliche Standards griff er ebenfalls ein: Die Vorwürfe wissenschaftlichen Fehlverhaltens gegen die Dissertation seines bekanntesten Doktoranden Johannes Hahn aus dem Jahr 1987 wertete er als 'Beckmesserei' ab.
Hahn, der später als Wissenschaftsminister und EU-Kommissar für die ÖVP tätig war, gehörte zu den bekanntesten Absolventen von Kampits. An der Dissertation Hahns war zuvor Kritik wegen mutmaßlichen wissenschaftlichen Fehlverhaltens laut geworden. Kampits verteidigte seinen Schüler in der Öffentlichkeit und hielt die Vorwürfe für unberechtigt.
Internationale Tätigkeit und Auszeichnungen
Neben seiner Lehrtätigkeit in Wien war Kampits als Gastprofessor in mehreren Ländern tätig, darunter in der Türkei, den USA, der Slowakei, Kroatien, Frankreich und Rumänien. Für seine wissenschaftlichen Verdienste erhielt er Ehrendoktorate, unter anderem von der Universität Kiew. Er engagierte sich zudem in der Übersetzung und Vermittlung der Werke des französischen Philosophen Gabriel Marcel, mit dem er zusammenarbeitete.
Für seine Leistungen wurde Kampits mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt. Er erhielt das Goldene Ehrenzeichen des Landes Niederösterreich, das Goldene Ehrenzeichen der Stadt Wien sowie das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Eine Sammlung gesellschaftskritischer Texte wurde zu seinem 80. Geburtstag im Jahr 2022 in Buchform veröffentlicht.
Wiens Wissenschaftsstadträtin Veronica Kaup-Hasler zeigte sich am Dienstag bestürzt über den Tod des Philosophen. 'Mit Peter Kampits verliert Wien einen bedeutenden Philosophen, Hochschullehrer und öffentlichen Intellektuellen, der die Wissenschaftslandschaft über Jahrzehnte hinweg geprägt hat', erklärte sie. Sein Wirken habe die Wiener Universitätsgeschichte ebenso wie die gesellschaftspolitische Debatte nachhaltig mitgeprägt.
Würdigung durch die Stadt Wien
Kampits gilt als einer der wichtigsten Vermittler des französischen Existenzialismus im deutschsprachigen Raum. Sein Tod bedeutet das Ende einer Ära der Wiener Philosophie, die über Jahrzehnte eng mit seinem Namen verbunden war. Kollegen und Weggefährten würdigten ihn als akademischen Lehrer, der zahlreiche Studierende und Promovenden prägte.
Mit Kampits verliert die österreichische Wissenschaftslandschaft einen ihrer profiliertesten Brückenbauer zwischen Universität und Öffentlichkeit. Sein Engagement in der Bioethikkommission und seine kritischen Beiträge zu hochschulpolitischen Fragen machten ihn weit über die Fachwelt hinaus bekannt. Die Universität Wien kündigte an, das Andenken an ihren Gründungsdekan in geeigneter Form zu würdigen.
Der Philosoph hinterlässt ein umfangreiches Werk, das von der Camus-Forschung über die Sartre-Studien bis hin zu ethischen Grundsatzfragen reicht. Seine besondere Fähigkeit, philosophische Themen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wurde wiederholt hervorgehoben. Kampits habe gezeigt, dass Philosophie keine elitäre Disziplin sein müsse, sondern einen direkten Beitrag zur gesellschaftlichen Selbstverständigung leisten könne.
Fragen & Antworten
Wer war Peter Kampits?
Peter Kampits war ein österreichischer Philosoph, geboren am 28. Juni 1942 in Wien, der vor allem als Experte für Jean-Paul Sartre und den französischen Existenzialismus bekannt wurde.
Welche Funktionen hatte Kampits an der Universität Wien?
Kampits leitete das Institut für Philosophie von 1987 bis 1991 und von 2001 bis 2004 und wurde 2004 erster Dekan der neu geschaffenen Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaften.
Wie wurde Kampits' Tod bestätigt?
Sein Tod wurde der APA am Dienstagnachmittag aus informierten Kreisen bestätigt; die Stadt Wien würdigte ihn wenig später mit einem öffentlichen Statement.
Philosoph Peter Kampits 83-jährig in Wien gestorben | nachrichten360