Perus Wahlbehörde erklärt Keiko Fujimori zur Siegerin der Stichwahl
Lima, 29 Juni 2026
Keiko_Fujimori.jpg: Congreso de la República del Perú
derivative work: Athenchen (talk) / Wikimedia Commons / CC BY 2.0
Kurzfassung
Perus Wahlbehörde erklärte die rechtsgerichtete Kandidatin Keiko Fujimori mit knappem Vorsprung zur Siegerin der Präsidentschaftsstichwahl gegen Roberto Sánchez. Der Sieg gilt nach wochenlanger Auszählung als äußerst knapp, was politische Spannungen befürchten lässt.
Lima, 29 Juni 2026
Perus Wahlbehörde erklärte die rechtsgerichtete Kandidatin Keiko Fujimori mit knapp 50,1 Prozent der Stimmen zur Siegerin der Präsidentschaftsstichwahl vom 7. Juni gegen den Linkspolitiker Roberto Sánchez, der laut Behörde auf knapp 49,9 Prozent kam.
Die peruanische Wahlbehörde (Jurado Nacional de Elecciones, JNE) gab das amtliche Endergebnis am Montag nach wochenlanger Auszählung und teilweisen Nachprüfungen bekannt. Demnach erhielt Fujimori rund 50,1 Prozent der Stimmen, ihr Rivale Sánchez 49,86 Prozent. Damit trennten die beiden Kandidaten gerade einmal 49.641 Stimmen – bei insgesamt 27 Millionen Wahlberechtigten in einem Land mit rund 35 Millionen Einwohnern ein äußerst knappes Ergebnis.
Sánchez hatte zuvor angekündigt, die Wahlergebnisse nicht anzuerkennen. „Sánchez hatte zuvor angekündigt, die Wahlergebnisse nicht anzuerkennen“, hieß es in Berichten über den Wahlkampf. Der 57-jährige Abgeordnete begründete sein Vorgehen mit Vorwürfen der Unregelmäßigkeiten. Beobachter sahen darin eine Gefahr für die Stabilität des ohnehin politisch angespannten Landes.
Hintergrund: Wer ist Keiko Fujimori?
Keiko Fujimori ist die Politikerin der konservativen Partei Fuerza Popular. Die 51-Jährige warb im Wahlkampf mit einem harten Kurs gegen organisierte Kriminalität und irreguläre Migration. „Fujimori hat angekündigt, hart gegen das Organisierte Verbrechen und irreguläre Migration vorgehen wollen“, berichtete die Nachrichtenagentur APA. Außerdem plant sie, die Wirtschaft zu deregulieren.
Die Stichwahl hatte am 7. Juni stattgefunden, mehr als drei Wochen vor der Bekanntgabe des Endergebnisses. Der Auszählungsprozess verlief ausgesprochen langwierig: „Anschließend war wochenlang ausgezählt und teils noch einmal nachgeprüft worden“, schrieb die Agentur. Fujimori hatte schon während der Auszählung knapp in Führung gelegen, konnte den Sieg aber erst mit der offiziellen Bekanntgabe für sich beanspruchen.
Für Fujimori ist es bereits der vierte Versuch, die peruanische Präsidentschaft zu gewinnen. In den vergangenen drei Wahlgängen war sie jeweils in der Stichwahl gescheitert. Dieses Mal konnte sie sich nach Angaben der Wahlbehörde knapp durchsetzen, in einem Land, dessen politische Stabilität in den vergangenen Jahren massiv gelitten hat.
Politische Instabilität in Peru
Peru hat in den vergangenen acht Jahren acht Präsidenten erlebt – keiner von ihnen hat eine volle Amtszeit beendet. Drei Präsidenten wurden des Amtes enthoben, einer war bereits nach sechs Tagen zurückgetreten, und vier ehemalige Staatsoberhäupter sitzen derzeit im Gefängnis. Eine Besonderheit des politischen Systems: Der Kongress kann Präsidenten wegen „moralischer Unfähigkeit“ des Amtes entheben. Diese Regelung trägt wesentlich zur chronischen Instabilität des Landes bei.
Die Polarisierung im Wahlkampf war enorm. Der Wahlkampf war nach Beobachtungen von Gewalt und Wut auf die politische Klasse geprägt, der viele Wählerinnen und Wähler die jahrelange Instabilität anlasten. Beobachter sahen in dieser Stimmung einen Nährboden für radikale Positionen sowohl von links als auch von rechts.
Keiko Fujimori ist die Tochter des bereits verstorbenen Ex-Präsidenten Alberto Fujimori. Alberto Fujimori regierte Peru zwischen 1990 und 2000 mit harter Hand. „Keiko Fujimori ist die Tochter des vor knapp zwei Jahren gestorbenen, ehemaligen Staatschefs Alberto Fujimori“, heißt es in der Berichterstattung. Der Vater warb im Wahlkampf zeitweise für seine Tochter und rief seine Anhänger zur Stimmabgabe für sie auf.
Das Erbe des Vaters
Der ältere Fujimori galt bei seinen Anhängern als Mann, der die linksgerichtete Guerillaorganisation Leuchtender Pfad (Sendero Luminoso) besiegte und die peruanische Wirtschaft stabilisierte. Diese Leistungen werden ihm bis heute von vielen Peruanern zugeschrieben. Gleichzeitig wurde Alberto Fujimori später wegen Menschenrechtsverletzungen und Korruption verurteilt und saß 16 Jahre im Gefängnis. „Er starb 2024. Später wurde er jedoch wegen Menschenrechtsverletzungen und Korruption verurteilt, und saß 16 Jahre im Gefängnis“, heißt es in einem Nachruf auf den früheren Staatschef.
Im Wahlkampf hatte Keiko Fujimori, die sich zuvor von der Politik ihres Vaters distanziert hatte, dessen Erbe explizit beschworen. In Reden und Wahlkampfspots verwies sie auf die wirtschaftliche Stabilisierung und die Sicherheitspolitik ihres Vaters. Diese Bezugnahme auf das Fujimori-Erbe polarisierte die Wählerschaft zusätzlich, da viele Peruaner mit dem Namen Fujimori sowohl positive als auch negative Erinnerungen verbinden.
Ihr Herausforderer Roberto Sánchez war früher Minister in der Regierung des wegen eines versuchten Staatsstreichs inhaftierten Präsidenten Castillo. Der 57-jährige Abgeordnete trat erstmals als Präsidentschaftskandidat an. Er setzte sich im Wahlkampf für die Rechte der armen ländlichen Bevölkerung ein und forderte eine Reform der Polizei und der Justiz. Diese Positionen brachten ihm die Unterstützung der Anhänger des inhaftierten Ex-Präsidenten Pedro Castillo ein.
Herausforderer Roberto Sánchez
Sánchez profilierte sich als Stimme derjenigen, die sich von der politischen Elite abgehängt fühlen. Seine Kampagne richtete sich gezielt an Wählerinnen und Wähler in ländlichen Regionen und in den Armenvierteln der Städte. Er versprach eine Stärkung der öffentlichen Sicherheit durch Polizeireformen und eine bessere Justiz, die vor allem für die Ärmeren zugänglicher sein sollte.
Die Reaktion auf den knappen Wahlausgang fiel in Peru gespalten aus. Fujimori-Anhänger feierten den Sieg, während Unterstützer von Sánchez bereits vor der Bekanntgabe des Endergebnisses Betrugsvorwürfe erhoben hatten. Die politische Stimmung im Land bleibt angespannt, und es ist offen, ob Sánchez seine Drohung, das Ergebnis nicht anzuerkennen, in die Tat umsetzen wird.
Die Vorgänge in Peru stehen im Kontext eines ungewöhnlichen Wahljahres in Lateinamerika. Nur einen Tag vor Fujimoris Wahlsieg, am Sonntag, war in Kolumbien mit Abelardo de la Espriella ein politischer Außenseiter zum Präsidenten gewählt worden. Auch dort hatte die Wahl unter den Vorzeichen einer tiefen politischen Krise stattgefunden. Beide Wahlen zusammen werfen ein Schlaglicht auf die Fragilität demokratischer Institutionen in der Region.
Ausblick nach der Wahl
Beobachter sehen in der Wahl in Peru einen Test für die demokratische Resilienz des Landes. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die institutionellen Mechanismen – allen voran die Wahlbehörde und der Kongress – den knappen Ausgang der Wahl politisch abfedern können. Für Fujimori, die nach vier Anläufen nun endlich den Sieg davongetragen hat, beginnt mit dem Amtseintritt zugleich die schwierige Aufgabe, ein zutiefst gespaltenes Land zu führen.
Die Berichterstattung über den Wahlausgang wurde unter anderem von der österreichischen Nachrichtenagentur APA am 29. Juni 2026 sowie im Deutschlandfunk am 30. Juni 2026 veröffentlicht. Unabhängige Wahlbeobachter hatten den Wahlkampf begleitet, wollten sich aber erst nach der vollständigen Auszählung der Stimmen detailliert äußern.
Fragen & Antworten
Wer ist Keiko Fujimori?
Keiko Fujimori ist die 51-jährige Politikerin der konservativen Partei Fuerza Popular und die Tochter des 2024 verstorbenen Ex-Präsidenten Alberto Fujimori. Sie gewann die Präsidentschaftsstichwahl vom 7. Juni 2026 knapp gegen Roberto Sánchez.
Warum war die Wahl so knapp?
Nach Angaben der Wahlbehörde erhielt Fujimori rund 50,1 Prozent der Stimmen, Sánchez 49,86 Prozent – ein Unterschied von lediglich 49.641 Stimmen bei 27 Millionen Wahlberechtigten. Sánchez hatte angekündigt, das Ergebnis nicht anzuerkennen.
Welche Politik kündigte Fujimori nach ihrem Sieg an?
Fujimori kündigte an, hart gegen organisierte Kriminalität und irreguläre Migration vorgehen zu wollen. Außerdem plant sie eine Deregulierung der Wirtschaft und verwies im Wahlkampf auf das politische Erbe ihres Vaters.