Panzerbrigade 45 übt in Litauen erstmals das Gefecht und stellt sich dem Drohnenkampf
Pabrade, 11 Juni 2026
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Kurzfassung
Auf dem Truppenübungsplatz Pabrade unweit der belarussischen Grenze hat die Panzerbrigade 45 bei der NATO-Übung „Freedom Shield 2026“ ihre erste Gefechtsübung auf litauischem Boden absolviert. Rund 2.900 Soldaten und 800 Fahrzeuge aus acht NATO-Staaten trainieren den Einsatz gegen Drohnen, gestützt auf Erkenntnisse aus dem Ukraine-Krieg.
Pabrade, 11 Juni 2026
Die Bundeswehr hat mit der Panzerbrigade 45 auf dem litauischen Truppenübungsplatz Pabrade im Rahmen der NATO-Übung „Freedom Shield 2026“ erstmals ein Gefecht auf baltischem Boden geübt und dabei Drohnen sowie Drohnenabwehrsysteme in den Mittelpunkt gestellt.
Die Hauptphase der Übung begann am Mittwoch auf dem nur etwa 20 Kilometer von der belarussischen Grenze entfernt gelegenen Übungsgelände Pabrade. Nach Angaben der Bundeswehr wurden rund 2.900 Soldaten – darunter etwa 2.300 aus Deutschland – und rund 800 Fahrzeuge aus acht NATO-Staaten zusammengezogen, um gemeinsam zu trainieren. Damit gehört die Übung zu den größeren Manövern, die das Bündnis derzeit an seiner Ostflanke durchführt.
Größere Übung mit acht NATO-Staaten
Brigadegeneral Christoph Huber, Kommandeur der Panzerbrigade 45, sieht in dem Manöver einen wesentlichen Schritt zur sogenannten Kriegstüchtigkeit. „Dabei lernen wir natürlich von dem, was wir sehen in der Ukraine“, sagte er auf dem Übungsplatz zwischen Panzern und angreifenden Panzergrenadieren seines Verbandes. Zugleich betonte er, die Übung bereite die Truppe auf künftige Konfliktszenarien vor, „nicht auf den Krieg der Vergangenheit“, und fügte hinzu: „Wir müssen künftig anders kämpfen.“
Die Drohnenthematik prägt das gesamte Übungsszenario. Wie es aus der Truppe hieß, würden „Drohnen jeglicher Art und Drohnenabwehrsysteme“ bewusst in die Übung „Freedom Shield“ integriert. Die Bundeswehr setzt nach eigenen Angaben mehr als 300 Drohnen ein, um Aufklärung, Wirkung und Störversuche realistisch darzustellen. Schutznetze über Panzern, elektronische Störmaßnahmen und eine eng verflochtene Luft-Boden-Koordination gehören zum Übungsbild.
Drohnen und Abwehr im Mittelpunkt
Dass die klassische Panzerkomponente dadurch nicht überflüssig wird, betonte Huber ausdrücklich. Das Gefecht mit Panzertruppen, dem Kampfpanzer Leopard, dem Schützenpanzer Puma, Panzergrenadieren, Artillerie und Pionieren habe weiterhin zentrale Bedeutung. Zugleich verändere sich der „Fähigkeitsmix“, weil Drohnen neue Möglichkeiten für Aufklärung, gezielte Wirkung und den Schutz eigener Kräfte böten, zugleich aber auch eine ständige Bedrohung darstellten.
Den Rahmen für die veränderte Bedrohungslage skizzierte der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, bereits bei einer früheren Versuchsübung im April auf dem Truppenübungsplatz Munster in Niedersachsen. „Massierung, also das gezielte Zusammenziehen und Konzentrieren von Truppe und Waffenwirkung an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit, war über Jahrhunderte die Voraussetzung für eine solche Schwerpunktbildung, für Initiative, für Entscheidung“, sagte er. Heute werde genau diese Massierung „zum inhärenten Vernichtungsrisiko“, weil Drohnen und präzise Wirkmittel große Ansammlungen leichter aufspüren und bekämpfen könnten.
Aufwuchs der Brigade bis 2027
Die Panzerbrigade 45, die nach dem Willen der Bundeswehr ein Kernstück der verstärkten NATO-Präsenz im Baltikum darstellen soll, war im vergangenen Jahr formal in Dienst gestellt worden. Bis 2027 soll der Verband mit einer Gesamtstärke von 4.800 Soldaten und 200 zivilen Mitarbeitern voll einsatzfähig sein. Die Brigade reagiert damit unmittelbar auf die gewachsene Bedrohung durch Russland, dessen Verbündeter Belarus direkt an Litauen grenzt und dessen Ostsee-Exklave Kaliningrad das Land flankiert.
Technisch wird das Gefecht mit dem lasergestützten Übungs- und Simulatornetzwerk AGDUS erfasst, das Treffer an Fahrzeugen bis hin zum einzelnen Schützen registriert. So lässt sich die Wirkung simulierter Angriffe und die Wirksamkeit von Drohnenabwehr auch in der Auswertung nachvollziehen. Geschossen wird nach Angaben der Streitkräfte mit Übungsmunition.
Lehren aus dem Ukraine-Krieg
Die Bundeswehr betont, dass die in Pabrade erprobten Verfahren über reine Improvisationen aus dem Ukraine-Krieg hinausgehen sollen. Was die Truppe als „Kriegsszenarien in Zukunft“ bezeichne, solle eigene, strukturierte Fähigkeiten hervorbringen, die in das gesamte Bündnis eingebettet sind. Die Übung „Freedom Shield 2026“ ist dafür der bislang wichtigste Test.
Mit dem Manöver verfolgt die Bundeswehr zwei Ziele: Einerseits soll die Brigade unter realistischen Bedingungen beweisen, dass sie in der Lage ist, gemeinsam mit Bündnispartnern an der Ostflanke zu kämpfen. Andererseits sollen die gewonnenen Erkenntnisse in die weitere Ausbildung, Beschaffung und Strukturplanung der Streitkräfte einfließen. Beobachter werten die Übung als Signal, dass Deutschland den Aufwuchs seiner konventionellen Landstreitkräfte konsequent vorantreibt.
Fragen & Antworten
Wer ist Brigadegeneral Christoph Huber?
Brigadegeneral Christoph Huber ist Kommandeur der Panzerbrigade 45 und war auf dem Truppenübungsplatz Pabrade in Litauen bei der Übung „Freedom Shield 2026“ anwesend, wo er die Übung als wesentlichen Schritt zur Kriegstüchtigkeit bezeichnete.
Warum integriert die Bundeswehr Drohnen in die Übung?
Die Bundeswehr setzt nach eigenen Angaben mehr als 300 Drohnen ein und integriert Drohnen sowie Drohnenabwehrsysteme bewusst in die Übung, um auf künftige Konfliktszenarien vorbereitet zu sein und Lehren aus dem Ukraine-Krieg umzusetzen.
Was ist die Panzerbrigade 45 und welche Rolle spielt sie?
Die Panzerbrigade 45 wurde im vergangenen Jahr formal in Dienst gestellt und soll bis 2027 mit 4.800 Soldaten voll einsatzfähig sein; sie ist ein Kernstück der verstärkten NATO-Präsenz im Baltikum und soll die Abschreckung gegenüber Russland stärken.