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Kurzfassung
Nato-Kampfjets haben über Lettland erstmals eine Drohne abgeschossen, die in den Luftraum des baltischen EU- und Nato-Landes eingedrungen war. Ministerpräsident Andris Kulbergs dankte den Verbündeten für den schnellen Einsatz, die Suche nach Trümmerteilen dauert an.
Nato-Kampfjets haben am Sonntag über Lettland eine Drohne abgeschossen, die in den Luftraum des baltischen EU- und Nato-Landes eingedrungen war, wie lettische Militärs und die Regierung mitteilten.
Lettlands Streitkräfte erklärten, der Abschuss sei am Vormittag um 10:05 Uhr Ortszeit über der Gemeinde Berzgale nahe der Stadt Rezekne im Osten des Landes erfolgt. Wie Brigadegeneral Kaspars Zdanovskis auf einer Pressekonferenz mit Verteidigungsminister Raivis Melnis mitteilte, soll es sich bei dem Flugobjekt um ein ausländisches Objekt gehandelt haben, das infolge "russischer elektromagnetischer Kriegsführung" in den lettischen Luftraum eingedrungen sei. Berichte über Verletzte oder Schäden gab es demnach zunächst nicht.
Ministerpräsident Andris Kulbergs bedankte sich auf der Plattform X bei der lettischen Armee und den Nato-Verbündeten. Dank "schneller Entscheidungen und professionellem Handelns" habe eine nach Lettland eingeflogene Drohne erstmals erfolgreich abgeschossen werden können, schrieb er. Der Alarm wurde nach dem Abschuss aufgehoben – ebenso wie eine kurze Zeit später erfolgte Benachrichtigung über eine weitere mögliche Bedrohung.
Hintergrund: Angriffe an der Nato-Ostflanke
Die lettischen Behörden hatten zuvor die Bewohner mehrerer Regionen im Osten des Landes über eine mögliche Bedrohung des Luftraums informiert. In zwei der betroffenen Regionen wurde die Bevölkerung aufgefordert, Schutz zu suchen. Die Suche nach Trümmerteilen laufe, teilten die Streitkräfte mit. Auch der genaue Absturzort sei noch unklar.
Verteidigungsminister Melnis bestätigte zunächst nicht die vielfach veröffentlichte Information, wonach die Drohne von einem französischen Kampfjet abgeschossen wurde. Zwar war in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder spekuliert worden, Frankreich könnte im Baltikum eine Führungsrolle bei der Luftraumüberwachung spielen, eine offizielle Bestätigung über den Abschuss durch eine französische Maschine gab es am Sonntag aber nicht.
Der Vorfall reiht sich in eine wachsende Zahl von Drohnenzwischenfällen an der Nato-Ostflanke ein. Im Zuge des Ukraine-Krieges hat es bereits mehrere Vorfälle mit Drohnen in Lettland gegeben. Wiederholt waren fehlgeleitete unbemannte Flugkörper, mit denen Kiew Ziele im Nordwesten Russlands angegriffen hatte, in den Luftraum des Baltenstaats eingedrungen und abgestürzt. Größere Schäden oder Verletzte hatte es dabei nicht gegeben, die Vorfälle hatten jedoch eine politische Krise in Lettland ausgelöst und zu einem Regierungswechsel geführt.
Estland, Lettland und Litauen: Schutz durch Nato-Luftraumüberwachung
Bereits am 19. Mai hatten Nato-Kampfjets über dem benachbarten Estland eine Drohne vom Himmel geholt. Estland, Lettland und Litauen besitzen keine eigenen Kampfjets. Die Nato sichert deshalb bereits seit 2004 den baltischen Luftraum. Stationiert sind die Einheiten auf Militärflughäfen in Ämari (Estland) und Siauliai (Litauen). Dazu verlegen die Verbündeten im regelmäßigen Wechsel Kampfflugzeuge samt Personal in die Ostseestaaten im Nordosten Europas.
Hintergrund der Häufung sind nach Angaben von Beobachtern die zunehmenden ukrainischen Angriffe auf russische Ostseehäfen. Solche Vorkommnisse häufen sich seit den zunehmenden ukrainischen Angriffen auf russische Ostseehäfen, hieß es. Zudem ist die geographische Lage Lettlands von besonderer Bedeutung: Das Land grenzt an Russland und Belarus.
London: Selenskyj trifft Merz, Macron und Starmer
Parallel zu dem Vorfall liefen am Sonntag in London politische Gespräche des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mit Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und dem britischen Premierminister Keir Starmer. Bei einem Gespräch am Sonntag hätten die beiden Politiker zudem ihre Positionen vor den anstehenden Gipfeln der G7 und der Nato sowie vor Treffen der sogenannten Koalition der Willigen abgestimmt, teilte Selenskyj auf der Plattform X mit.
Nach dem Treffen fordern Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und die Ukraine den russischen Präsidenten Wladimir Putin dazu auf, Verhandlungen über ein Ende des Krieges aufzunehmen. Die USA sowie Europa sollten "aktiv" an den Gesprächen beteiligt werden, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung, die Kanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der britische Premierminister Keir Starmer und ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nach ihrem Treffen in London veröffentlichten.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist am Sonntag zu politischen Gesprächen in London eingetroffen. Zudem hatte Selenskyj zufolge Russland eine Anlage der "kritischen Infrastruktur" gezielt angegriffen. Zudem seien 14 Personen verletzt worden, teilte der Gouverneur der Region, Iwan Fedorow, auf Telegram mit.
Kämpfe in der Ukraine dauern an
Auch am Boden gingen die Kämpfe weiter. Fünf Tote bei russischen Angriffen auf Saporischja waren am Samstag gemeldet worden. In der Ukraine selbst wiederum griffen ukrainische Drohnen nach russischen Angaben Ziele auf der Krim an. Russland meldet einen ukrainischen Drohnenangriff auf der Halbinsel Krim. Beim Angriff wurde eine Person getötet und eine Person verletzt. Ukrainischer Drohnenangriff auf Zug in der Krim fordert Opfer.
Der Abschuss über Lettland am Sonntag war nach Angaben der lettischen Regierung der erste erfolgreiche Abschuss einer Drohne über dem eigenen Staatsgebiet. Damit verschärft sich die sicherheitspolitische Debatte über den Schutz des baltischen Luftraums weiter. Die Nato-Partner dürften den Vorfall bei den anstehenden Gipfeltreffen in den kommenden Wochen auf die Tagesordnung setzen.
Sicherheitspolitische Debatte: Abschreckung gegenüber Moskau
Beobachter werten die Abwehraktion als Signal der Abschreckung an Moskau. Die Nato hatte nach dem russischen Angriff auf die Ukraine ihre Präsenz im Baltikum deutlich verstärkt. Auch die Luftraumüberwachung wurde seitdem intensiviert. Mit dem Abschuss einer Drohne über Lettland verschärft sich die sicherheitspolitische Debatte über den Schutz des baltischen Luftraums weiter.
Die Nato-Partner dürften den Vorfall bei den anstehenden Gipfeltreffen in den kommenden Wochen auf die Tagesordnung setzen. Lettland selbst hatte in den vergangenen Monaten den Druck auf Russland erhöht und sich klar hinter die Ukraine gestellt. Der Vorfall vom Sonntag dürfte diese Haltung weiter verfestigen.
Die genauen Umstände des Vorfalls sind noch nicht abschließend geklärt. Weder die Herkunft der Drohne noch der genaue Absturzort stehen bislang fest. Lettlands Streitkräfte und die Nato-Partner ermitteln weiter. Die Suche nach Trümmerteilen in der Region um Berzgale dauert an.
Mit Spannung wird erwartet, ob die Nato in den kommenden Tagen weitere Details zum Abschuss veröffentlicht. Sollte sich bestätigen, dass die Drohne tatsächlich von russischer Seite kam, könnte dies die Diskussion über die Stationierung zusätzlicher Luftverteidigungssysteme an der Ostflanke weiter befeuern.
Fragen & Antworten
Wer hat den Abschuss der Drohne über Lettland angekündigt?
Brigadegeneral Kaspars Zdanovskis gab die Details auf einer Pressekonferenz mit Verteidigungsminister Raivis Melnis bekannt, wie die lettischen Streitkräfte mitteilten.
Warum wurden in Lettland Teile der Bevölkerung aufgefordert, Schutz zu suchen?
Die lettischen Behörden hatten zuvor die Bewohner mehrerer Regionen im Osten des Landes über eine mögliche Bedrohung des Luftraums informiert, nachdem die Drohne in den lettischen Luftraum eingedrungen war.
Welche Folgen hatte der Abschuss für die Nato?
Nach dem Vorfall wird erwartet, dass die Nato-Partner den Abschuss bei den anstehenden Gipfeltreffen auf die Tagesordnung setzen. Die Diskussion über den Schutz des baltischen Luftraums dürfte sich weiter verschärfen.
Nato-Abschuss: Drohne über Lettland abgeschossen | nachrichten360