Die ÖVP schließt ihren langjährigen Wiener Wirtschaftskammer-Präsidenten Walter Ruck mit sofortiger Wirkung aus der Partei aus.

Empfehlung des Ethikrats

Die ÖVP hat am Freitagabend den Ausschluss von Walter Ruck aus der Partei beschlossen. Das teilte die Bundes-ÖVP nach einer Sitzung des Bundesparteivorstands in Wien mit. Bundeskanzler und Parteichef Christian Stocker war nach eigenen Angaben bereits im Vorfeld mit einer klaren Position in die Sitzung gegangen. Der 62-jährige Ruck steht seit 2014 an der Spitze der Wiener Wirtschaftskammer und ist Obmann des Wiener ÖVP-Wirtschaftsbundes.

Dem Ausschluss vorausgegangen war eine Empfehlung des ÖVP-Ethikrats vom Freitagnachmittag. Das Gremium sprach sich für Sanktionen "bis hin zum Ausschluss aus der Partei" aus. In der Begründung heißt es, mangels einer "eindeutig klarstellenden Feststellung" seitens Rucks müsse der Ethikrat davon ausgehen, dass dessen medial kolportierte Aussagen korrekt wiedergegeben wurden. Ruck habe das Ansehen der ÖVP in der Öffentlichkeit beschädigt und trotz Aufforderung durch Parteichef Stocker keine Bereitschaft gezeigt, an einer "Aufarbeitung oder Klärung der Vorwürfe" mitzuwirken.

Was Ruck vorgeworfen wird

Auslöser der Affäre waren Protokolle, die das Nachrichtenmagazin "profil" und die "Krone" vor rund einer Woche veröffentlicht hatten. Demnach hatte Ruck in einem kleinen Kreis unter anderem über Wiens Finanzstadträtin Barbara Novak (SPÖ) gesagt: "Heast, ich will nicht mit einer Frau." Außerdem soll er von "degenerierten Oberösterreichern" gesprochen und Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer als "Typ Sachbearbeiter" bezeichnet haben. Auch über angeblichen Einfluss auf ÖVP-Listenerstellungen soll er sich in dem Gespräch verbreitet haben.

Ruck wies die Vorwürfe in einem Schreiben an die Partei zurück und sprach von einer "Kampagne" gegen seine Person und gegen die Selbstverwaltung. "Mit großem Interesse habe ich Medienberichten entnommen, dass der heutige Bundesparteivorstand plant, mich aus der ÖVP auszuschließen", heißt es in dem der APA vorliegenden Schreiben. Ruck habe "den Kampagnenmachern bisher nicht den Gefallen getan, ihre durchschaubaren Manöver durch Äußerungen meinerseits aufzuwerten".

Rucks Verteidigung

Zugleich kritisierte Ruck die Umstände der Veröffentlichung. Es handle sich um "Zitate aus einer potenziell illegalen Tonaufnahme", deren Echtheit von ihm "nicht überprüft werden" könne. Es gebe "keinen einzigen, rechtlich relevanten Vorwurf". Stattdessen gebe es Aufregung über ihm "in den Mund gelegte, flapsige, private Aussagen, die allesamt von mir nicht bestätigt wurden". Für die Öffentlichkeit sei dies "verwundert" gewesen, weil zuvor ein Gespräch mit der früheren Landeshauptfrau Waltraud Klasnic vereinbart worden sei, das abgesagt worden sei, "sollte er bis heute 12.00 Uhr eine Erklärung vorlegen".

Klasnic, die im Auftrag des Ethikrats mit Ruck sprechen sollte, bestätigte die Darstellung teilweise. Ruck sei für ein "ihm angebotenes zeitnahes persönliches Gespräch" nicht zur Verfügung gestanden, auch nicht per Telefon. Auch die für den Ethikrat zuständige frühere Ministerin argumentierte: "Das ist trotz Aufforderung nicht erfolgt." Der Ethikrat hielt zugleich fest, dass seine Position "unabhängig von der rechtlichen Fragwürdigkeit eines nicht vorher avisierten Mitschnitts eines Gesprächs und davon, dass die einzelnen Zitate möglicherweise aus dem Zusammenhang gerissen sind", Geltung habe.