Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien, steht nach einem geleakten Gesprächsprotokoll über angebliche Einflussnahmen auf Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) im Zentrum einer Rücktrittsdebatte, in der die ÖVP-Führung, die WKO und Teile der eigenen Wiener Partei Abstand suchen, während die SPÖ-Führung schweigt.

Die Affäre um Walter Ruck hat am Dienstag die Wiener Landespolitik erschüttert. Auslöser war ein geleaktes Gesprächsprotokoll, das zuerst die Kronen Zeitung und das Magazin Profil veröffentlichten. Darin soll Ruck unter anderem gesagt haben, die Wirtschaftskammer Wien habe kein Interesse an einem Bürgermeister aus den Reihen der ÖVP. Sollte die ÖVP „ein bisschen zu keck" werden, „kommt der Wirtschaftskammerpräsident, macht zweimal Wumm, und es ist Ruhe." Ruck selbst hat sich bisher nicht öffentlich zu den konkreten Zitaten geäußert.

Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP), die Wiener ÖVP und WKO-Präsidentin Martha Schultz haben sich klar von Rucks Aussagen distanziert und ihn teils zum Rücktritt aufgefordert. In der Ö1-Sendung „Mittagsjournal" analysierte die Politikwissenschafterin Kathrin Stainer-Hämmerle: „Wenn jetzt Christian Stocker sich sogar an die Öffentlichkeit wendet – es also nicht schafft, mit einem persönlichen Telefonat die gewünschten Konsequenzen zu bekommen von Walter Ruck, dann zeigt das schon, dass er hiermit eigentlich riskiert, in der Öffentlichkeit als machtlos und einflusslos in der eigenen Partei dazustehen."