Österreichs Basketballer kassieren deutliche 77:123-Pleite gegen Polen
Wien, 04. Juli 2026
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Kurzfassung
Österreichs Männer-Nationalteam hat in der WM-Qualifikation eine deutliche 77:123-Niederlage gegen Polen kassiert. Für Teamchef Aramis Naglic war es die zweithöchste Niederlage einer ÖBV-Auswahl seit 2017; bereits am Montag wartet das letzte Qualispiel in Riga gegen Lettland.
Österreichs Basketball-Nationalteam der Männer hat in der WM-Qualifikation für 2027 eine deutliche 77:123-Niederlage (28:53 zur Halbzeit) gegen Tabellenführer Polen erlitten und wartet weiter auf den zweiten Sieg in der laufenden Qualifikationsrunde.
Klare Dominanz der Polen
Die Partie am Freitagabend in der Sport Arena Wien war für die ÖBV-Auswahl von Beginn an eine klare Angelegenheit für den Gastgeber – wobei es diesmal nicht die Heimmannschaft war, die den Ton angab. Polen, das als Gruppe-F-Tabellenführer in die Begegnung ging, dominierte das Geschehen in allen Belangen und lag zur Pause bereits mit 53:28 in Führung. Auch in der zweiten Hälfte ließen die Gäste nicht nach und bauten ihren Vorsprung kontinuierlich aus. Am Ende stand eine 77:123-Niederlage auf der Anzeigetafel, die in dieser Deutlichkeit nicht erwartet worden war.
Naglic zieht Bilanz
Teamchef Aramis Naglic, der die Mannschaft betreut, sprach nach dem Spiel Klartext. „Wir haben gegen ein größeres, schnelleres und besseres Team gespielt, das über 40 Minuten Vollgas gegeben hat – das ist deren Mentalität. Das müssen wir so akzeptieren.“ Seine junge, unerfahrene Mannschaft habe physisch auf diesem Level nicht dagegenhalten können. Immerhin „ein paar gute Momente“ habe sein Team gehabt, so Naglic weiter.
Mit Blick auf die Statistik unterstreicht das Resultat den Höhenunterschied der beiden Mannschaften: Polen siegte mit 46 Punkten Differenz, was das Spiel zu einem der deutlichsten Misserfolge der ÖBV-Auswahl der letzten Jahre macht. Zum Vergleich: Im August 2022 hatte es gegen denselben Gegner ein 55:91 gegeben. Der letzte vergleichbar deutliche Vergleich mit einer anderen Spitzenmannschaft war das 49:90 gegen Deutschland im November 2017.
Sieben Debütanten im Einsatz
Besonders bemerkenswert: Mit der Partie gegen Polen setzte Österreich gleich sieben Debütanten ein – ein Hinweis auf den Umbruch im Kader und auf die fehlende internationale Erfahrung vieler Akteure. Die Mischung aus fehlender Spielpraxis und körperlicher Unterlegenheit wurde gegen einen arrivierten Gegner wie Polen schonungslos offengelegt.
Polizeieinsatz im Gästesektor
Doch nicht nur sportlich sorgte der Abend in der Wiener Sport Arena für Gesprächsstoff. In der Halbzeitpause musste der Gästesektor polizeilich geräumt werden. Hintergrund war Fehlverhalten von Anhängern im polnischen Fanblock. Basketball-Austria-Generalsekretär Aldin Saracevic erklärte dazu: „Wir haben zwei Viertel lang diverse deeskalierende Maßnahmen unternommen und an die Vernunft appelliert. Wir wollen aber unseren Fans ein sicheres Spielerlebnis bieten und deswegen war der Schritt, die Halle zu räumen aus Sicherheitsbedenken schlussendlich unausweichlich.“
Die Sicherheitsmaßnahmen erfolgten, nachdem polnische Anhänger über längere Zeit durch wiederholte Verstöße aufgefallen waren und Gespräche mit den Ordnern keine Wirkung zeigten. Die Räumung verlief laut Veranstalterangaben ohne größere Zwischenfälle. Beobachter werteten das Eingreifen als notwendigen Schritt, um den Ablauf des restlichen Abends nicht weiter zu belasten.
Bilanz der Qualifikation
Neben den Vorfällen rund um das Spiel bleibt der Blick auf das sportliche Abschneiden in der Qualifikation. Von fünf absolvierten Partien konnte die ÖBV-Auswahl bisher lediglich jene Anfang März gegen die Niederlande gewinnen. Die Bilanz von vier Niederlagen bei einem Sieg bedeutet, dass Österreich in der Gruppe F weiter auf der Stelle tritt und um den Sprung in die Top drei kämpfen muss.
Ausblick auf Riga
Dabei sind die Ausgangsbedingungen für den letzten Qualifikationsschritt nicht unbedingt schlechter geworden. Die Top drei der Gruppe steigen in die nächste Quali-Phase auf. Mit einem Sieg am Montag (18.30 Uhr, live in ORF Sport +) in Riga gegen Lettland könnte der Vorstoß auf Rang drei gelingen – sofern die Resultate auf den anderen Plätzen mitspielen.
Der Blick auf den verbleibenden Gegner lässt dabei Hoffnung zu, aber keine Gewissheit. Lettland gilt als heimstarker Kontrahent, zumal die Partie in dessen Hauptstadt Riga ausgetragen wird. Die ÖBV-Auswahl wird in dieser Begegnung erneut auf eine kompakte Defensivleistung angewiesen sein, um die Partie offenzuhalten. Ob die Mannschaft die Enttäuschung der Polen-Pleite in positive Energie umwandeln kann, wird entscheidend sein.
Für Teamchef Naglic steht mit dem Länderspiel in Lettland zunächst die sportliche Aufarbeitung der jüngsten Niederlage im Vordergrund. Eine Mannschaft, die mit sieben Debütanten antrat, wird nicht von heute auf morgen zu den Spitzenteams aufschließen. Der 46-Punkte-Rückstand gegen Polen ist eine bittere, aber auch klare Standortbestimmung – gerade für ein Team, das sich in einer Lernphase befindet.
Positiv vermerken lässt sich aus österreichischer Sicht immerhin, dass die Mannschaft über die vollen 40 Minuten nie aufgab und auch in der zweiten Hälfte um jeden Ball kämpfte. Naglic hatte nach dem Spiel betont, dass es „ein paar gute Momente“ gegeben habe – eine Formulierung, die in die Richtung eines Aufbau-Prozesses weist und weniger in Richtung eines katastrophalen Abends.
Gleichzeitig zeigt die Höhe der Niederlage die enorme Aufgabe, die vor dem Team liegt. Mit den verbleibenden Qualifikationsspielen bietet sich die Chance, den eigenen Entwicklungsprozess auf internationalem Niveau fortzusetzen. Das Spiel in Riga am Montag wird zeigen, ob die Mannschaft die nötigen Schlüsse aus der Partie gegen Polen ziehen kann.
Fan-Sicherheit als Aufgabe
Aus Sicht des Verbandes bleibt zudem das Thema der Fan-Sicherheit auf der Tagesordnung. Die Räumung des polnischen Sektors in Wien wirft Fragen auf, wie künftige Länderspiele – insbesondere mit Zuschauergruppen aus Nachbarländern – organisatorisch und sicherheitstechnisch begleitet werden müssen. Basketball Austria hatte den Schritt als unausweichlich bezeichnet, um den eigenen Fans ein sicheres Spielerlebnis zu bieten.
Die kommenden Tage werden zeigen, ob die kurzfristigen Maßnahmen ausreichen oder ob längerfristige Konzepte nötig sind. Zunächst aber richtet sich der Blick auf das Sportliche: Mit dem Auftritt in Riga endet die erste Qualifikationsrunde, danach beginnt die Vorbereitung auf die nächste Phase – sofern der Sprung unter die Top drei gelingt.
Alles in allem war der Freitagabend in Wien ein Abend, den die österreichischen Basketballfans so schnell nicht vergessen werden – allerdings weniger wegen des sportlichen Resultats als vielmehr wegen der Gesamtheit der Ereignisse: einer deutlichen Heimniederlage, einer Fan-Räumung und der Erkenntnis, dass die Mannschaft noch einen weiten Weg vor sich hat. Das letzte Wort in dieser Qualifikationsrunde hat die ÖBV-Auswahl am Montagabend in Lettland.
Fragen & Antworten
Wie deutlich war die Niederlage Österreichs gegen Polen?
Österreich verlor in Wien mit 77:123 (Halbzeit 28:53), das entspricht einer Differenz von 46 Punkten gegen den Gruppe-F-Tabellenführer Polen.
Wer ist Aramis Naglic und was sagte er zur Partie?
Aramis Naglic ist Teamchef der österreichischen Herren-Basketball-Nationalmannschaft. Er sagte, Polen sei „ein größeres, schnelleres und besseres Team“ gewesen und seine junge Mannschaft habe „auf diesem physischen Level nicht dagegenhalten“ können.
Was passiert mit dem polnischen Fanblock und wie geht es für Österreich weiter?
Der polnische Gästesektor wurde in der Halbzeitpause wegen Fehlverhaltens der Anhänger polizeilich geräumt; Österreichs letztes Qualifikationsspiel findet am Montag um 18.30 Uhr in Riga gegen Lettland statt.
Basketball-WM-Quali: Österreich verliert 77:123 gegen Polen | nachrichten360