EU-Innovationsranking 2026: Österreich bleibt auf Platz 8 | nachrichten360
Österreich bleibt im EU-Innovationsranking auf Platz acht – Abstand zur Spitze wächst
Wien, 09 Juli 2026
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Kurzfassung
Österreich behauptet sich im European Innovation Scoreboard 2026 mit 113 Prozent des EU-Durchschnitts erneut auf Rang acht und zählt weiter zu den "Strong Innovators". Wirtschaftsvertreter warnen jedoch vor wachsendem Abstand zur europäischen Spitze und fordern mehr Dynamik bei der Umsetzung von Forschung in marktfähige Produkte.
Wien, 09 Juli 2026
Österreich belegt im aktuellen European Innovation Scoreboard 2026 der Europäischen Kommission mit einer Innovationsleistung von 113 Prozent des EU-Durchschnitts erneut den achten Rang und verbleibt damit in der Klasse der "Strong Innovators".
Ergebnisse im Überblick
Die am Donnerstag veröffentlichte Erhebung weist für Österreich eine Innovationsleistung von 113 Prozent des europäischen Durchschnitts aus. Damit sichert sich das Land wie schon im Vorjahr den achten Platz unter den EU-Mitgliedstaaten. Langfristig stieg die Performance seit dem Basisjahr 2019 zwar um 8,9 Prozentpunkte, im Vergleich zu 2025 ergab sich jedoch ein leichtes Minus von 2,3 Prozentpunkten. Innerhalb der Gruppe der "Strong Innovators" ist Österreich damit knapp unter den Durchschnitt gerutscht.
Während die EU-weite Spitze unverändert von Schweden (139 Prozent), Dänemark und den Niederlanden angeführt wird, liegt die Schweiz mit 141,3 Prozent des EU-Schnitts gesamteuropäisch auf dem ersten Platz. Österreich positioniert sich damit klar über dem EU-Schnitt, aber ebenso klar hinter den sogenannten "Innovation Leaders". Im Vergleich zum größten Handelspartner Deutschland (Rang 9) hat das Land knapp die Nase vorn.
Die Stärken Österreichs liegen in der internationalen Vernetzung, der Attraktivität des Forschungssystems, dem intellektuellen Potenzial sowie der Finanzierung und Unterstützung durch die öffentliche Hand. Beim Input – also den Investitionen – erreicht das Land mit Platz 3 sogar einen Spitzenwert. Beim tatsächlichen Output reicht es hingegen nur für Rang 8, wie aus dem Bericht hervorgeht.
Stärken und Schwächen im Detail
Ein genauerer Blick zeigt jedoch strukturelle Schwächen: Besonders deutlich wird dies bei den Verkäufen von Marktneuheiten und firmeninternen Innovationen, bei denen Österreich seit 2025 einen spürbaren Rückgang verzeichnet. Der Anteil kleiner und mittlerer Unternehmen, die Produkt- oder Geschäftsprozessinnovationen einführen, ging mittelfristig um 24,4 Prozentpunkte bei Produkt- bzw. 21,2 Prozentpunkten bei Prozessinnovationen zurück.
Auch der Bereich Venture Capital erweist sich als chronischer Schwachpunkt: Mit Wagniskapital-Investitionen von nur 47,9 Prozent des EU-Durchschnitts belegt Österreich hier lediglich Rang 15. Im komplementären European Startup and Scaleup Scoreboard (ESSS) wird das Land zwar mit 113,8 Prozent des EU-Durchschnitts auf Rang 10 als "High-performing" eingestuft, die Erhebung attestiert dem Standort jedoch eine deutliche Diskrepanz zwischen hoher Startup-Dichte und einer unterdurchschnittlichen Zahl schnell wachsender Unternehmen.
Bei den Human Ressources insgesamt reicht es wegen einer im EU-Vergleich geringeren Akademikerquote nur für Rang 14. Die Verfügbarkeit von High-Speed-Internet hinkt mit Rang 23 im EU-Vergleich hinterher, hat sich seit 2019 jedoch um 174,7 Prozentpunkte verbessert. Im Bereich Digitalisierung performt Österreich ebenfalls etwas unterdurchschnittlich.
Bei der direkten und indirekten steuerlichen Forschungsförderung für Betriebe belegt Österreich den vierten Platz und verweist damit Deutschland (Rang 23) klar auf die hinteren Ränge. Der Anteil ausländischer Doktoratsstudierender (Rang 5) sowie die öffentlich-privaten Co-Publikationen (Rang 3) zählen ebenfalls zu den positiven Kennzahlen.
Positiv hervorzuheben ist auch der Öko-Innovations-Index, der mit 177,1 Prozent weit über dem EU-Schnitt von 127,5 Prozent liegt. Allerdings ist der konsumbedingte Treibhausgas-Fußabdruck fast 20 Prozent zu hoch. Bei den Designanmeldungen verzeichnet Österreich seit 2019 einen Rückgang um 49,7 Prozentpunkte, während Patentanmeldungen (-16,8 Prozentpunkte) und Markenanmeldungen (-11,1 Prozentpunkte) ebenfalls schrumpften.
Bewertung aus Politik und Wirtschaft
Die politische Bewertung fällt zwiegespalten aus: Innovationsminister Peter Hanke betont die Stabilität: "Platz 8 im European Innovation Scoreboard ist ein starkes Zeugnis für den Innovationsstandort Österreich. Dieses Ergebnis kommt nicht von ungefähr: Es ist der Verdienst unserer Unternehmen, Forschungseinrichtungen und der vielen klugen Köpfe in diesem Land." Er verweist auf das staatliche Investment von 5,5 Milliarden Euro durch den FTI-Pakt bis 2029.
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer unterstreicht: "Das European Innovation Scoreboard zeigt klar: Österreich investiert überdurchschnittlich in Forschung und Innovation." Die drei mit den Forschungsagenden betrauten Ministerien sehen es als "erfreulich", dass die Vorjahresposition gehalten werden konnte, "während viele Wirtschaftsindikatoren für Österreich ein schwieriges Umfeld anzeigen".
Aus der Wirtschaft kommen kritischere Töne: WKÖ-Generalsekretär Jochen Danninger sieht in dem Ranking zwar einen "Beleg für die Innovationskraft unserer Unternehmen und Forschungseinrichtungen", warnt jedoch: "Österreich behauptet sich im European Innovation Scoreboard 2026 erneut auf Rang 8 [...] gleichzeitig zeigt das aktuelle Ergebnis aber auch, dass wir auf diesem Erfolg nicht ausruhen dürfen."
Europäischer Kontext
Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), zieht einen sportlichen Vergleich heran: "Wer an die Spitze will, darf nicht nur auf Ergebnisverwaltung spielen. Champions entstehen durch Geschwindigkeit und Angriff, nicht in der Defensive." Der Abstand zur europäischen Spitze dürfe nicht "zum Dauerzustand" werden, so Neumayer. Auch Stefan Harasek, Präsident des Patentamts, hält fest, dass Österreich "zu den Innovationsmotoren Europas" zähle, "muss sich auch im internationalen Vergleich nicht verstecken".
Finnland, das in den Vorjahren fest zur Spitzengruppe zählte, verlor an Schwung und stürzte in die Leistungsklasse Österreichs ab. Die Gruppe der "Emerging Innovators" bilden heuer Kroatien, Polen, die Slowakei, Lettland, Bulgarien und Rumänien.
Fragen & Antworten
Welchen Platz belegt Österreich im European Innovation Scoreboard 2026?
Österreich erreicht wie im Vorjahr den achten Rang mit einer Innovationsleistung von 113 Prozent des EU-Durchschnitts und bleibt damit in der Gruppe der "Strong Innovators".
Welche Stärken und Schwächen weist das Ranking für Österreich aus?
Zu den Stärken zählen die internationale Vernetzung, die Forschungsförderung (Rang 4) und die Investitionen (Rang 3 beim Input). Schwächen zeigen sich bei Venture Capital (Rang 15), bei den Human Ressources (Rang 14) sowie bei der Digitalisierung (Rang 14) und der Innovationsumsetzung.
Wie bewerten Wirtschaftsvertreter das Ergebnis?
Christoph Neumayer (IV) und Jochen Danninger (WKÖ) warnen übereinstimmend, dass der Abstand zur europäischen Spitze wachse und fordern mehr Geschwindigkeit bei der Umsetzung von Forschung in marktfähige Produkte.