ÖFB-Legenden ziehen durchwachsenes WM-Fazit: Lob für Rangnick, Kritik an Fitness
Wien, 04. Juli 2026
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Kurzfassung
Nach dem 0:3 im Achtelfinale gegen Spanien ziehen Österreichs Fußball-Legenden ein durchwachsenes Fazit der WM. Während Toni Polster, Hans Krankl, Herbert Prohaska und Andreas Herzog Defizite bei Fitness und Form kritisieren, befürworten sie die Vertragsverlängerung mit Teamchef Ralf Rangnick und fordern eine Verjüngung des Kaders.
Die österreichischen Fußball-Legenden Toni Polster, Herbert Prohaska, Hans Krankl und Andreas Herzog haben nach dem 0:3 im WM-Achtelfinale gegen Spanien ein durchwachsenes Fazit der Leistungen der ÖFB-Auswahl gezogen und dabei sowohl Kritik an der Fitness als auch Lob für Teamchef Ralf Rangnick geäußert.
Die österreichische Nationalmannschaft ist bei der Weltmeisterschaft im Achtelfinale am Titel-Mitfavoriten Spanien mit 0:3 gescheitert. Im Anschluss an das Turnier haben die ÖFB-Legenden Toni Polster, Herbert Prohaska, Hans Krankl und Andreas Herzog das Abschneiden der Mannschaft in einem APA-Bericht vom 4. Juli 2026 bewertet. Das Fazit fällt gemischt aus: Während das Erreichen der K.o.-Runde als Mindestziel gewürdigt wird, sehen die Altstars bei Fitness, Pressing und individueller Form deutlichen Nachholbedarf.
Kritik an Fitness und Pressing
Andreas Herzog, der die WM als ORF-Experte begleitete, äußerte sich kritisch zum physischen Zustand der Mannschaft. „Bei der laufenden Endrunde habe man oft bereits zur Pause Spieler austauschen müssen. ‚Das ist kein Zeichen, wo ich sage, da kann man von einem absoluten Topniveau beim Fitnesslevel sprechen.'“ Zudem sagte Herzog: „Argentinien war klar besser als wir, Spanien war klar besser als wir.“ Er warnte vor einer „österreichischen Genügsamkeit“ und betonte, dass für Überraschungen bei einer WM „das Team am obersten Limit spielen“ müsse.
Hans Krankl, der von 2002 bis 2005 Teamchef Österreichs war und inzwischen 73 Jahre alt ist, kritisierte ebenfalls die Fitness. „Und natürlich waren wir körperlich nicht im besten Zustand. Das ist für alle augenscheinlich.“ Die Niederlage gegen Spanien bezeichnete Krankl als „Lehrspiel“, der Gegner sei „in allen Belangen eine Klasse besser als wir“ gewesen. Außerdem stellte er fest: „Im Spiel mit dem Ball und in Sachen Spritzigkeit seien nicht nur die Weltklasseteams, sondern etwa auch Algerien der österreichischen Mannschaft überlegen gewesen.“
Herzog sieht Defizite im K.O.-Spiel
Herbert Prohaska verwies zur Erklärung der Leistungsschwankungen auch auf die äußeren Bedingungen: „Unsere Stärken wie hohes Pressing und Bälle erkämpfen konnten wir nicht so ausspielen.“ Er machte „die erschwerten Turnierbedingungen wie extreme Hitze, Distanzen und Zeitzonen“ dafür verantwortlich, dass die Mannschaft „spielerisch unter ihrem Potenzial blieb“. Prohaska wertete das Erreichen der K.o.-Phase als Mindestziel: „Das Minimalziel mit dem Erreichen der K.o.-Phase haben wir erreicht.“ Die Mannschaft könne besser spielen, als sie gezeigt habe.
Toni Polster, Österreichs langjähriger Rekordtorschütze, zeigte sich enttäuscht. „Es waren einfach zu viele Spieler nicht in ihrer Hochform, die es gebraucht hätte, um besser aufzutreten und vielleicht noch weiter zu kommen.“ Er fügte hinzu: „Bis auf Alexander Schlager und Marcel Sabitzer hat es kein Spieler geschafft, bei der Weltmeisterschaft in Topform zu spielen.“ Die öffentliche Erwartung an eine „ superstarke Mannschaft“ habe sich nicht erfüllt.
Im Hinblick auf den kommenden Umbruch verwies Hans Krankl auf das bevorstehende Ausscheiden mehrerer Leistungsträger: „Der Arnautovic und wohl auch der Alaba hören auf, das ist alles normal. Es braucht keine neue Mannschaft, aber eine veränderte, verjüngte. Irgendwann muss man damit anfangen.“ Auch der Autor des APA-Berichts stellte fest: „Wir verlieren im Nationalteam nun eine Lichtgestalt“ – gemeint ist Marko Arnautovic. Krankl steht der Vertragsverlängerung mit Rangnick neutral gegenüber und drängt auf eine baldige Verjüngung des Kaders.
Verjüngung und Abgang von Arnautovic
Der APA-Bericht hält zudem fest, dass viele Schlüsselspieler „mit teils längeren Verletzungen oder mangelnder Spielpraxis und daher fehlendem Rhythmus zu kämpfen“ hatten. Christoph Baumgartner sei verletzungsbedingt nicht zur Verfügung gestanden: „natürlich hat die Mannschaft auch der Ausfall von Christoph Baumgartner sehr getroffen. Er ist aktuell, speziell in der Offensive, nicht zu ersetzen“. Toni Polster sagte dazu: „Spielertypen wie ihn haben wir nicht so viele, er ist schwer zu ersetzen. Aber auch bei anderen Nationen sind Spieler ausgefallen, das will ich nicht als Ausrede gelten lassen.“ Außerdem fehle es dem österreichischen Kader derzeit an „Zanglern“ oder „Straßenkickern“, also an dribbelstarken Eins-gegen-eins-Spielern.
Teamchef Ralf Rangnick wies die Kritik an der Fitness zurück. Dennoch sprachen sich die befragten Legenden einhellig für die vorzeitig verlängerte Zusammenarbeit mit dem deutschen Trainer aus. Herbert Prohaska nannte den Verbleib Rangnicks „den einzig logischen und richtigen Schritt“. Toni Polster lobte den Mannschaftszusammenhalt: „Wir sind ein Team, der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft scheint sehr gut zu sein. Dafür ist immer der Trainer verantwortlich.“ Rangnicks Vertragsverlängerung sei ausdrücklich zu befürworten, „da der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft sehr gut sei“.
Einigkeit über Rangnick
Andreas Herzog, der 103 Länderspiele für Österreich bestritten hat, blickte zudem auf die Heim-Europameisterschaft zurück: „Bei der EM sind wir über den Platz geflogen, da waren wir fit, da sind wir marschiert und waren die fitteste Mannschaft im Turnier.“ Beim aktuellen Turnier sei dies nicht gelungen. Auch Herzog hegt Zweifel, dass die Mannschaft ihr Top-Niveau erreicht hat, und warnt vor Selbstzufriedenheit.
Der Autor des APA-Berichts erinnerte zudem an historische Vergleiche: „Die 78er-WM-Mannschaft ist als einer der acht Besten der Welt ausgeschieden.“ Das aktuelle Team sei „unter den 32 besten Teams der Welt“ gestanden, bei einem Turnier mit so vielen Teilnehmern wie nie zuvor. Emotional hob der Verfasser den Ausgleich von Sasa Kalajdzic per Kopf „in allerletzter Sekunde gegen Algerien“ hervor: „Diese Achterbahn der Gefühle werde ich nie vergessen.“ Kalajdzic sei „der Stürmer, der uns die nächsten Jahre noch viel Freude bereiten wird“.
Ausblick auf die EM 2028
Insgesamt attestierten die Legenden dem ÖFB-Team zwar das Erreichen des Sechzehntelfinalziels – „Unser Ziel wurde mit dem Sechzehntelfinale grundsätzlich erreicht“ –, forderten aber klare Veränderungen. Die körperliche Verfassung sei „vom körperlichen Niveau der EURO 2024 meilenweit entfernt“ gewesen. Polster resümiert, dass das Team besser auftreten hätte können, während Prohaska die Rahmenbedingungen als entscheidenden Faktor nennt. Das Ziel bleibt nun die EM 2028 unter dem weiter amtierenden Teamchef Ralf Rangnick, bei dem die Verjüngung des Kaders und die Rückkehr zu Top-Fitness als zentrale Aufgaben angesehen werden.
Fragen & Antworten
Wer hat das WM-Abschneiden Österreichs bewertet?
Die ÖFB-Legenden Toni Polster, Herbert Prohaska, Hans Krankl und Andreas Herzog haben in einem APA-Bericht vom 4. Juli 2026 Bilanz gezogen, darunter auch ORF-Experte Andreas Herzog.
Was kritisieren die Legenden an Österreichs WM-Auftritt?
Sie bemängeln vor allem die physische Verfassung, fehlende Spritzigkeit und das oft frühe Auswechseln von Spielern zur Halbzeit. Außerdem sehen sie Defizite beim Pressing und im Offensivspiel nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Christoph Baumgartner.
Wie geht es mit Ralf Rangnick weiter?
Der deutsche Teamchef Ralf Rangnick bleibt nach der vorzeitig verlängerten Vertragslaufzeit im Amt und soll Österreich zur EM 2028 führen. Die Legenden befürworten die Verlängerung trotz ihrer Kritik an der Fitness der Mannschaft.
ÖFB-Legenden WM-Fazit: Rangnick bleibt, Kritik an Fitness | nachrichten360