Beim Mobilfunk-Betreiber O2 Telefónica sollen nach Informationen aus informierten Kreisen mehr als 1.000 Arbeitsplätze wegfallen. Damit wäre etwa jede sechste bis siebte Stelle betroffen, während das Unternehmen sein Ergebnis 2025 deutlich einbrechen sah.
Der Mobilfunk-Betreiber O2 Telefónica plant informierten Kreisen zufolge den Abbau von mehr als 1.000 Stellen in Deutschland und reagiert damit auf einen deutlichen Rückgang des operativen Ergebnisses sowie auf veränderte Marktbedingungen.
Ausmaß des Stellenabbaus
Die Pläne sehen vor, dass etwa jede sechste bis siebte Stelle bei der Telefónica Deutschland gestrichen wird. Das entspricht einem erheblichen Anteil der Belegschaft und wäre einer der größten Einschnitte in der Unternehmensgeschichte der deutschen Tochter des spanischen Telefónica-Konzerns. Informierten Kreisen zufolge sollen mehr als 1.000 Stellen wegfallen.
Im Januar dieses Jahres verzeichnete das Unternehmen eigenen Angaben zufolge 6.820 Stellen. Sollte der jetzt angekündigte Stellenabbau in vollem Umfang umgesetzt werden, würde die Beschäftigtenzahl deutlich unter 5.800 sinken. Telefónica Deutschland plant nach Informationen der Gewerkschaft Verdi, rund 100 Millionen Euro weniger auszugeben.
Bereits in den vergangenen Jahren hatte das Unternehmen Stellen abgebaut oder Mitarbeitende über Abfindungen zum freiwilligen Ausscheiden bewegt. In ersten Geschäftsbereichen seien bereits Vereinbarungen getroffen worden, die es Beschäftigten ermöglichen, das Unternehmen freiwillig gegen eine Abfindung zu verlassen. Parallel dazu wird der Vorstand von sieben auf sechs Posten verkleinert.
Wirtschaftliche Lage und Transformation
Hintergrund des Stellenabbaus ist eine deutliche Verschlechterung der Geschäftszahlen. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) sackte sogar um 8,8 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro ab. Das Unternehmen begründet den Schritt mit einer umfassenden Transformation, die die langfristige Wettbewerbsfähigkeit sichern solle.
Ein Sprecher von O2 Telefónica erklärte, man befinde sich in einem umfassenden Transformationsprozess. „Im Rahmen dieses Prozesses prüfen und beraten wir gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretungen verschiedene Maßnahmen“, hieß es aus dem Unternehmen. „Fest steht bislang lediglich, dass die Veränderungen mit hoher Geschwindigkeit vorangetrieben werden und wesentliche Maßnahmen bereits im Laufe dieses Jahres umgesetzt werden sollen.“
Zugleich zeichne sich ab, dass der Transformationsprozess weit über das Jahr 2026 hinausreichen wird. Das Management hält den Personalschnitt eigenen Angaben zufolge für unumgänglich. „Das sei unumgänglich“, betont das Management. Telefónica Deutschland hatte die Belegschaft im Rahmen des Projekts „Future Operating Model“ (FOM) über die weitreichenden Einschnitte informiert.
Als wirtschaftliche Belastung kommt hinzu, dass nach Informationen der Gewerkschaft Verdi Beschäftigte der Telefónica Deutschland lange Zeit jährlich Dividenden von mindestens 500 Millionen Euro erwirtschaftet hätten. Die Beschäftigten selbst hätten im Durchschnitt seit 2018 einen Reallohnverlust durch niedrige Gehaltssteigerungen von circa 4,5 Prozent hingenommen, wie Verdi kritisierte.
Marktumfeld und Wettbewerb
Im Dezember erreichte O2 nach Angaben der Bundesnetzagentur 88,6 Prozent der Fläche Deutschlands mit dem 4G-Netz und 76,2 Prozent mit 5G. Damit lag O2 bei 4G hinter der Telekom (92,5 Prozent), aber leicht vor Vodafone (91,7 Prozent). Bei 5G erreichte O2 eine leicht höhere Flächenabdeckung als Vodafone (75,7 Prozent), während die Telekom auf 87,9 Prozent kam.
Der Wettbewerbsdruck auf O2 Telefónica hat sich in den vergangenen Jahren spürbar verschärft. Bis Ende 2025 wechselten rund 12 Millionen Mobilfunkkunden vom O2-Netz zum Vodafone-Netz. Im Jahr 2024 war zudem der Großhandelskunde 1&1 überraschend zum Wettbewerber Vodafone gewechselt, was O2 zusätzliche Erlöse entzog.
Personalie an der Spitze
O2 hat rund 18 Millionen Mobilfunk-Vertragskunden, hinzu kommen noch Prepaid-Karten und Partnergeschäfte. Anders als die Telekom oder Vodafone betreibt O2 kein eigenes Festnetz-Kabelnetz und muss für Festnetzanschlüsse bei Wettbewerbern Miete zahlen. Damit ist das Unternehmen in diesem Segment auf Kooperationen angewiesen.
An der Spitze des Unternehmens kam es erst kürzlich zu einem Wechsel. Sein Nachfolger, der Deutsch-Spanier Santiago Argelich Hesse, übernahm den Vorstandsvorsitz von Markus Haas. Der neue Chef steht nun vor der Aufgabe, den Umbau in einer Phase sinkender Erträge und wachsender Konkurrenz umzusetzen.
Reaktion der Gewerkschaft Verdi
Die Gewerkschaft Verdi reagierte scharf auf die angekündigten Pläne. Verdi bezeichnete die geplanten Einschnitte in einer Mitteilung an ihre Mitglieder als „Kahlschlag“. „Laut Bundesnetzagentur“ erreichten die Netzbetreiber unterschiedliche Abdeckungsgrade, was die Standortbedingungen der Anbieter verdeutlicht. Christoph Heil, Verdi-Sekretär und Aufsichtsratsmitglied von Telefónica, kündigte die bevorstehenden Stellenstreichungen an und sprach von einem massiven Jobverlust.
Bleibende Beschäftigte müssen nach Einschätzung der Gewerkschaft mit einer steigenden Arbeitsbelastung rechnen. Die Arbeit verteile sich auf weniger Schultern, gleichzeitig bleibe die Ungewissheit, wie die Zukunft der Telefónica aussehe. Verdi fordert daher verbindliche Regelungen zum Schutz der verbleibenden Mitarbeitenden.
Branchenvergleich und Ausblick
Die Konzernführung verweist auf vergleichbare Schritte bei Wettbewerbern. Was Vodafone hinter sich hat, hat Konkurrent O2 Telefónica nun vor sich. Vodafone hatte innerhalb von drei Jahren rund 3.000 Stellen gestrichen und beschäftigt aktuell noch knapp über 13.000 Mitarbeitende in Deutschland. Der deutsche Mobilfunkmarkt gilt als gesättigt, ein nennenswertes Wachstum ist nicht in Sicht.
Zugleich werben die Anbieter mit großzügigeren Datenvolumen für ihre Kunden, ohne die Preise anzuheben. Auch das setzt die Margen der Netzbetreiber weiter unter Druck. O2 hatte zuletzt mit einer Kampagne für sein Netz geworben: „Das miese O2 Netz ist auch nicht mehr das, was es mal war“, lautete der Slogan, mit dem das Unternehmen um Vertrauen warb.
Erste Informationen zu den geplanten Einschnitten hatte zuvor „teltarif.de“ veröffentlicht. Aus Kreisen der Verdi-Mitglieder hieß es, der Verlust an Arbeitsplätzen werde massiv ausfallen. Telefónica Deutschland gehört zu den größten Mobilfunkanbietern in Deutschland und ist die deutsche Tochter des spanischen Telefónica-Konzerns.
Fragen & Antworten
Wie viele Stellen will O2 Telefónica in Deutschland streichen?
Nach Informationen aus informierten Kreisen sollen mehr als 1.000 Stellen wegfallen, was etwa jede sechste bis siebte Stelle bei Telefónica Deutschland betreffen würde.
Warum kommt es zu dem Stellenabbau bei O2 Telefónica?
Das Unternehmen begründet den Schritt mit einer umfassenden Transformation zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit; das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) sackte sogar um 8,8 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro ab.
Wer steht an der Spitze von O2 Telefónica?
Der Deutsch-Spanier Santiago Argelich Hesse übernahm den Vorstandsvorsitz von Markus Haas und führt das Unternehmen durch den laufenden Umbau.
O2 Telefónica Stellenabbau: 1.000 Jobs betroffen | nachrichten360