Neuer Höchststand: 85.837 politisch motivierte Straftaten in Deutschland im Jahr 2025
Berlin, 09 Juni 2026
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Kurzfassung
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und BKA-Präsident Holger Münch haben in Berlin die Statistik zu politisch motivierten Straftaten für das Jahr 2025 vorgestellt. Demnach registrierte die Polizei bundesweit 85.837 Delikte – ein neuer Höchststand und rund zwei Prozent mehr als im Vorjahr.
Berlin, 09 Juni 2026
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und BKA-Präsident Holger Münch haben am Dienstag in Berlin die Statistik zu politisch motivierten Straftaten für das Jahr 2025 vorgestellt, wonach die Polizei bundesweit 85.837 Delikte registriert hat – ein neuer Höchststand.
Die Zahl politisch motivierter Straftaten in Deutschland ist im vergangenen Jahr erneut leicht gestiegen. „Die Polizei hat im vergangenen Jahr bundesweit 85.837 Straftaten mit politischem Hintergrund gezählt – knapp zwei Prozent mehr als 2024“, sagte Dobrindt bei der Vorstellung des Jahresberichts. Damit wurde der bisherige Rekordwert von mehr als 84.000 Fällen aus dem Vorjahr übertroffen. „Das sind mehr als doppelt so viele Fälle wie vor zehn Jahren“, betonte der Minister.
„Seit Jahren nehmen politisch motivierte Straftaten in Deutschland zu“, heißt es in dem Bericht. Auch die Zahl der politisch motivierten Gewalttaten stieg insgesamt leicht an: Die Behörden registrierten 4.156 solcher Delikte, ein Plus von 1,2 Prozent und der höchste Stand seit 2016. „Einen leichten Anstieg gab es insgesamt auch bei der Zahl der politisch motivierten Gewalttaten, von denen der größte Teil auf das Konto von Tätern ging, die dem rechten Spektrum zugerechnet werden“, so Dobrindt.
Höchststand bei Gesamtzahl der Delikte
Rund die Hälfte aller Fälle wurde dem rechten Spektrum zugeordnet. „Etwa die Hälfte aller politisch motivierten Straftaten im vergangenen Jahr sind dem rechten Spektrum zuzuordnen – insgesamt 42.544 Fälle“, heißt es in der Statistik. Die Zahl rechter Gewalttaten stieg dabei um knapp 7,4 Prozent auf 1.598 Fälle. „Das entspricht einem Anstieg von rund 7,4 Prozent“, so die Behörden. Bei den rechten Taten handelt es sich zum Großteil um sogenannte Propagandadelikte, also beispielsweise das Verwenden verfassungsfeindlicher Symbole.
Besonders steil fiel der Anstieg im linksextremen Spektrum aus. Dobrindt wies darauf hin, „dass die Zunahme bei Delikten aus dem linken Spektrum mit 35 Prozent besonders stark ausgefallen sei“. „Das BKA sieht außerdem einen starken Anstieg links motivierter politischer Straftaten – einen Anstieg um 35,29 Prozent im Vergleich zu 2024 auf insgesamt 13.490 Fälle.“ Die Zahl links motivierter Gewalttaten stieg sogar um knapp 43 Prozent auf 1.087 Gewaltdelikte. „So waren es im vergangenen Jahr 1.087 Gewaltdelikte wie Körperverletzungen, die dem linksextremen Spektrum zuzuordnen sind“, erklärte Münch. Mehr als die Hälfte der links motivierten Straftaten waren Sachbeschädigungen.
Rechtes Spektrum bleibt größter Bereich
Dobrindt sieht im Linksextremismus „eine deutlich wachsende Bedrohung“. Der Anstieg im linken Spektrum sei laut dem BKA vor allem auf Widerstand gegen Polizeibeamte und Brandstiftungen zurückzuführen. „Den Anstieg der Gewalt bei Straftaten aus dem linken Spektrum führte Funke vor allem auf Fälle von Widerstand gegen die Polizei bei Demonstrationen zurück“, sagte der Extremismusforscher und Politologe Hajo Funke im Deutschlandfunk. Linksextreme Gewalt richte sich zudem häufig gezielt gegen politische Gegner.
Beim Rechtsextremismus betonte Dobrindt: „The majority of crimes were committed by right-wing and far-right perpetrators, which once again demonstrates that the greatest danger currently stems from far-right extremism.“ Dobrindt zufolge gibt es „mit Abstand die meisten Gewaltdelikte von rechtsextremen Tätern“. Knapp 1.600 gingen auf das Konto rechter und rechtsextremer Straftäter. Die rechte Gewalt besteht demnach überwiegend aus Körperverletzungen mit rassistischem Hintergrund.
Linksextreme Gewalt mit stärkstem Anstieg
Bei den Hassdelikten verzeichneten die Sicherheitsbehörden ebenfalls einen Anstieg. „Die Zahl der als Hasskriminalität gewerteten Straftaten stieg der Statistik zufolge 2025 um 1,8 Prozent auf mehr als 22.000.“ Der größte Bereich war mit mehr als 22.000 Fällen die Hasskriminalität. Fremdenfeindlichkeit ist mit 19.484 Fällen der unverändert häufigste Wert bei politisch motivierter Hasskriminalität.
Antisemitische Straftaten nahmen ebenfalls zu: Sie stiegen um fünf Prozent auf 6.548 Fälle. BKA-Präsident Münch erklärte, dass fast die Hälfte der antisemitischen Hasskriminalität im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt stehe. Im Durchschnitt wurde pro Woche mehr als eine Straftat gegen eine Synagoge registriert. „Ein Drittel davon fand im Internet statt“, sagte Münch mit Blick auf die Verbreitung von Hass und Propaganda.
Hasskriminalität und Antisemitismus auf hohem Niveau
Religiös motivierte Straftaten verzeichneten die Sicherheitsbehörden ebenfalls mit einer Zunahme: „Bei religiös motivierten Straftaten verzeichneten die Sicherheitsbehörden eine Zunahme um 5,7 Prozent auf 1.983 Fälle.“ Gewaltdelikte stiegen hier zwar um fast 13 Prozent an, spielten mit 98 Fällen aber eine vergleichsweise geringe Rolle. „Mit einem Plus von knapp 13 Prozent war der Anstieg bei religiös motivierten Gewalttaten zwar spürbar. Mit 98 entsprechenden Straftaten blieb ihr Anteil an den politisch motivierten Gewalttaten insgesamt jedoch relativ klein.“
Einen besonders deutlichen Anstieg gab es bei frauenfeindlichen Straftaten: „Im Vergleich zu 2024 ist die Zahl der Fälle, die als frauenfeindlich eingeordnet wurden, deutlich angestiegen – von 558 Straftaten auf 819.“ Das entspricht einem Plus von knapp 47 Prozent. Münch bezeichnete dies als ernstes Warnsignal und führte das unter anderem auf ein zunehmend gewaltvolleres Männerbild in den sozialen Medien zurück. „Ein Drittel davon fand im Internet statt“, erklärte Münch mit Blick auf die frauenfeindlichen Straftaten.
Bei nicht eindeutig zuordenbaren Gewalttaten war hingegen ein Rückgang zu verzeichnen: „Sie sanken um rund 16 Prozent auf 669 Fälle.“ Die Zahl der mutmaßlich ausländisch ideologisch motivierten Gewaltdelikte ging ebenfalls zurück: „Dagegen ging die Zahl der mutmaßlich ausländisch ideologisch motivierten Gewaltdelikte um etwa 28 Prozent auf 704 zurück.“ Auch die Zahl der politisch motivierten Straftaten gegen Politiker sank im Vergleich zum Vorjahr – von 122 Gewaltdelikten auf 85. Gewalt gegen Einsatzkräfte blieb hingegen ein Schwerpunkt: Die Zahl der Straftaten gegen Polizeibeamte stieg um knapp fünf Prozent auf 5.144 Fälle; mehr als ein Fünftel davon waren Gewaltdelikte.
Als Ursachen für den Anstieg nannte Münch eine zunehmende Polarisierung, den Einfluss extremistischer Propaganda in sozialen Netzwerken und die emotionalisierende Wirkung internationaler Konflikte. „Wesentliche Treiber seien Soziale Medien, über die Hass, Hetze und Propaganda verbreitet würden“, sagte er. „Internationale Konfliktlagen emotionalisieren auch in Deutschland“, erklärte Münch weiter. Er wies zudem auf den „weiterhin bestehenden großen Einfluss extremistischer Propaganda, zum Teil aus dem Ausland“ hin. Funke verwies im Deutschlandfunk zudem auf die härtere deutsche Migrationspolitik als einen Grund für den Anstieg.
Soziale Medien und Polarisierung als Treiber
Münch sprach von einem Angriff auf die demokratische Grundordnung. „Das kann zu einer Radikalisierung führen, die sich durch Gewalttaten gegenüber Andersdenkenden oder dem politischen System äußert“, betonte der BKA-Präsident. „Der Präsident des Bundeskriminalamts, Münch, erklärte, das ‚Fundament der Demokratie' werde angegriffen“, hieß es weiter. „Dies führe im schlimmsten Fall auch zu schweren Straftaten im analogen Bereich“, warnte Münch.
Dobrindt kündigte Maßnahmen an, um gegen die steigende Gewalt vorzugehen. „Um die hohen Zahlen bei rechts- und linksextremer Gewalt anzugehen, wolle man Polizei und Verfassungsschutz besser aufstellen, so Dobrindt.“ Der Minister arbeitet nach eigenen Angaben zudem mit Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) an einem Gesetzentwurf für schärfere Strafen bei Angriffen auf Einsatzkräfte. „Außerdem soll Gewalt gegen Einsatzkräfte schärfer bestraft werden“, sagte Dobrindt. „Ich glaube an die abschreckende Wirkung des Strafrechts.“
Politische Reaktionen und Forderungen
Besonders besorgt zeigte sich der Minister über die wachsende Gewaltbereitschaft unter jungen Menschen. „Erschreckend sei, dass die Gewaltbereitschaft gerade bei jugendlichen Tätern steige“, sagte der CSU-Politiker. Bereits bei der Vorstellung der Statistik für 2024, als das Innenministerium noch von Nancy Faeser (SPD) geleitet wurde, hatte der damalige Bundesinnenminister eine gemeinsame „Sicherheitsoffensive von Bund und Ländern“ versprochen.
Einen Schwerpunkt legte Dobrindt auf den Schutz von Kommunalpolitikern. „Hass und Hetze seien ein Grund dafür, dass sich Menschen zu einem solchen Dienst nicht mehr bereit erklärten“, sagte er. „Wir reden von Tausenden Kommunalpolitikerinnen, die wir schützen wollen, die dringend gebraucht werden“, so Dobrindt. Er verteidigte in diesem Zusammenhang den Paragrafen 188, der Politiker und Politikerinnen in besonderer Weise vor Beleidigung und übler Nachrede schützt. Für Änderungen des Paragrafen, die Spitzenpolitiker betreffen würden, zeigte sich der Innenminister zwar offen – „Aber der ursprüngliche Gedanke sei der Schutz von Kommunalpolitikern gewesen – und die solle man weiter im Blick haben.“
Fragen & Antworten
Wie viele politisch motivierte Straftaten wurden 2025 in Deutschland registriert?
Die Polizei registrierte im Jahr 2025 bundesweit 85.837 politisch motivierte Straftaten – ein neuer Höchststand und rund zwei Prozent mehr als im Vorjahr.
Welche politischen Lager sind laut Statistik für die meisten Delikte verantwortlich?
Rund die Hälfte der Fälle wurde dem rechten Spektrum zugeordnet (42.544 Fälle), wobei der stärkste Anstieg mit 35 Prozent im linken Spektrum verzeichnet wurde.
Welche Maßnahmen kündigte Bundesinnenminister Dobrindt an?
Dobrindt kündigte an, Polizei und Verfassungsschutz besser aufstellen und gemeinsam mit Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) einen Gesetzentwurf für schärfere Strafen bei Angriffen auf Einsatzkräfte vorlegen zu wollen.
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