Die Bundespolizei hat in ihrem am Donnerstag vorgestellten Jahresbericht für 2025 insgesamt rund 604.700 Straftaten in ihrem Zuständigkeitsbereich registriert und damit 5,8 Prozent weniger als im Vorjahr, während zugleich die Zahl der Gewaltdelikte und Angriffe auf eigene Beamte stieg.
Im Fokus des Berichts steht ein Rückgang der Gesamtkriminalität, der laut Bundespolizei vor allem auf weniger Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz zurückzuführen ist. Die Behörde nennt mehrere Faktoren für die gesunkene irreguläre Migration nach Deutschland im Jahr 2025, darunter die Signalwirkung der veränderten Zurückweisungspraxis sowie einen Rückgang der Migration aus Herkunftsländern wie Afghanistan, Syrien, die Türkei und die Ukraine.
Gleichzeitig stieg die Zahl der von der Bundespolizei erfassten Gewaltstraftaten um 4,2 Prozent auf rund 35.400 Fälle. Bei den Gewaltdelikten mit bekannten Tatverdächtigen lag der Anteil deutscher Staatsangehöriger den Eingangsstatistiken zufolge bei 53 Prozent. Zur Gewaltkriminalität zählen nach der Definition der Bundespolizei unter anderem Körperverletzungs- und Raubdelikte, Straftaten gegen das Leben, Widerstandshandlungen sowie Delikte gegen die persönliche Freiheit und gegen die öffentliche Ordnung; Sexualstraftaten werden gesondert erfasst.
Mehr Gewalt gegen Beamte
Besonders deutlich fiel der Anstieg bei Übergriffen auf Bundespolizisten aus. Die Zahl der angegriffenen Beamten erhöhte sich um 7,4 Prozent auf 3.185 Personen. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 818 Polizeibeamte verletzt, ein Plus von 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei den Attacken handelte es sich laut Bundespolizei unter anderem um Schläge, Tritte, Bisse und Spuckattacken. In 3,9 Prozent aller Gewaltstraftaten wurde ein Messer mitgeführt.
Laut Bundespolizei standen 53 Prozent der Angreifer unter dem Einfluss berauschender Mittel. Der Anteil zeigt nach Einschätzung der Behörde, wie belastend der Dienst für die Beschäftigten ist. Die Bundespolizei beschäftigte zum Stichtag 31. Dezember 2025 insgesamt 55.369 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, 0,7 Prozent mehr als im Vorjahr.
Grenzkontrollen und Migration
Ein weiteres Thema des Berichts sind die Grenzkontrollen. Kontrollen an den deutschen Binnengrenzen sind innerhalb des Schengen-Raums eigentlich nicht vorgesehen; führt ein Mitgliedstaat sie vorübergehend ein, muss er die EU-Kommission vorab informieren und rechtfertigen. An allen deutschen Landgrenzen gelten solche Kontrollen seit dem 16. September 2024, zuvor waren sie nur teilweise in Kraft. Verschärft wurden sie im Mai 2025, seitdem werden mit Ausnahmen etwa für Kranke und Schwangere auch Asylsuchende zurückgewiesen. Die Regelung läuft aktuell bis September 2026.
In den ersten Wochen nach Inkrafttreten der CEAS-Reform registrierte die Bundespolizei mehrere unerlaubte Einreisen von Personen, die an den Außengrenzen nicht erfasst worden waren; möglich sei allerdings, dass diese Personen schon vor dem 12. Juni in die EU eingereist seien. Bundespolizei-Präsident Dieter Romann erklärte: "Die flexiblen und smarten Grenzkontrollen haben auch 2025 ihre Wirkung gezeigt."
Im Vorwort zum Jahresbericht schrieb Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), die Grenzmaßnahmen trügen dazu bei, "dass wir das Migrationsgeschehen neu ordnen konnten". Durch die Maßnahmen seien seit Mai 2025 "über 32.000 illegale Einreisen unmittelbar verhindert, Schleuserkriminalität eingedämmt und das Asylsystem entlastet worden". Dobrindt signalisierte zugleich, deutsche Binnengrenzkontrollen lockern zu wollen, falls die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (CEAS) wie von den EU-Mitgliedstaaten erhofft greift.
Probleme zeigen sich bei der Rückführung von abgelehnten Asylbewerbern. Von 58.795 im vergangenen Jahr geplanten Abschiebungen scheiterten 34.848, mehr als 33.000 davon schon bevor die Länder die Betroffenen an die Bundespolizei übergaben. Bei der Übernahme scheiterten 464 Abschiebungen, etwa wegen fehlender oder ungültiger Reisedokumente oder aus medizinischen Gründen. In 1.353 Fällen wurden Abschiebungen nach Übernahme durch die Bundespolizei abgebrochen, unter anderem weil Transportfirmen die Mitnahme verweigerten, das Zielland Einwände erhob, die Betroffenen passiven Widerstand leisteten oder ein Verwaltungsgericht kurzfristig entschied.
Hohe Zahl gescheiterter Abschiebungen
Der Zuständigkeitsbereich der Bundespolizei umfasst vor allem Bahnanlagen, 13 Flughäfen und die Grenzen. Neu hinzu kam im Jahr 2025 die Drohnenabwehr. Die Zahl der operativen Stunden sank im selben Zeitraum um rund 6,4 Prozent, während die operativen Stunden für den Grenzschutz um 5,2 Prozent stiegen. Auch die Zahl der Personen, die in Deutschland erstmals einen Asylantrag stellten, ist seit 2023 deutlich zurückgegangen.
