Neue Studie zeigt Zusammenhang zwischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Alzheimer-Risiko
Wien, 01 Juli 2026
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Kurzfassung
Eine neue US-amerikanische Studie zeigt, dass verschiedene Herz-Kreislauf-Erkrankungen das Risiko für eine spätere Alzheimer-Diagnose deutlich erhöhen können. Besonders niedriger Blutdruck wies in den Datensätzen den stärksten statistischen Zusammenhang mit der neurodegenerativen Erkrankung auf. Experten betonen zugleich die Bedeutung einer bewussten Ernährung und ausreichender Bewegung.
Wien, 01 Juli 2026
Eine im Journal of the American Heart Association veröffentlichte Studie hat den Zusammenhang zwischen verschiedenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einer späteren Alzheimer-Diagnose untersucht und dabei besonders niedrigen Blutdruck als Risikofaktor hervorgehoben.
Für die Analyse wurden zwei große Datensätze herangezogen: die US-Datenbank „All of Us" mit 287.011 Teilnehmenden sowie die britische UK Biobank mit 502.133 Teilnehmenden. Beide Datensätze enthalten medizinische Diagnosen aus dem Gesundheitswesen, anhand derer die Forschenden den Zusammenhang zwischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und späteren Alzheimer-Diagnosen prüften.
Nach Angaben der American Heart Association gilt: „Das Gehirn braucht Blut", um jene Stoffe zu erhalten, die es für seine Funktion benötigt. Das Gehirn ist auf eine kontinuierliche Durchblutung angewiesen, um Sauerstoff und Nährstoffe aufzunehmen. Wird dieser Blutfluss beeinträchtigt, kann dies weitreichende Folgen haben.
Hoher Blutdruck, auch Hypertonie genannt, ist demnach ein bekannter Risikofaktor für Herzinfarkt, Schlaganfall und Gefäßschäden. Die Studie zeigt, dass hoher Blutdruck die kleinen Blutgefäße im Gehirn schädigen, die Blut-Hirn-Schranke beeinträchtigen und das Risiko für Schlaganfälle sowie Schäden an kleinen Gefäßen erhöhen kann. Solche Gefäßveränderungen können Erinnerungsvermögen, Aufmerksamkeit und allgemeine kognitive Leistungsfähigkeit einschränken.
Neben dem hohen Blutdruck untersuchten die Forschenden auch Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz, Schlaganfall und Herzinfarkt. Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz zeigten ebenfalls einen Zusammenhang mit späteren Alzheimer-Diagnosen. Der akute Herzinfarkt (Myokardinfarkt) wies dagegen in der Studie keinen signifikanten Zusammenhang mit Alzheimer auf.
Studiendesign und untersuchte Erkrankungen
Überraschend deutlich fiel der Befund für niedrigen Blutdruck, medizinisch Hypotonie, aus. Dieser Zusammenhang zwischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Alzheimer ist bislang deutlich weniger erforscht als jener beim hohen Blutdruck. In der Studie zeigte die Hypotonie über beide Datensätze hinweg den stärksten statistischen Zusammenhang mit Alzheimer: Im US-Datensatz „All of Us" war Hypotonie mit einer um den Faktor 1,97 höheren Wahrscheinlichkeit einer Alzheimer-Diagnose verbunden, im UK Biobank-Datensatz sogar mit einer um den Faktor 2,74 höheren Wahrscheinlichkeit.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler betonen, dass die Studie lediglich einen statistischen Zusammenhang herstellt, jedoch keine Kausalität belegt. Die Diagnosen stammen zudem aus Krankenakten und nicht aus individuellen Blutdruckmessungen. Medikamente, die den Blutdruck übermäßig senken können, umfassen Blutdrucksenker, Diuretika und bestimmte Herzmedikamente.
Eine Sonderform der Hypotonie ist die orthostatische Hypotonie: Dabei fällt der Blutdruck beim Aufstehen deutlich ab, was sich typischerweise durch Schwindel, Benommenheit, Verdunkelung des Sehfelds und Stürze äußern kann. Weitere Symptome eines problematisch niedrigen Blutdrucks können Schwäche, Verwirrtheit, Ohnmachtsneigung, Stürze und schwere Erschöpfung sein.
Neben den Risikofaktoren zeigt die Studie zugleich Potenzial für Prävention. Erste Autorin Aili Toyli erklärte, die Ergebnisse unterstrichen, wie wichtig eine gute Herz-Kreislauf-Gesundheit für die mögliche Vorbeugung von Alzheimer sein könnte. In einem deutschsprachigen Statement erläuterte Toyli, dass die getrennte Analyse verschiedener Herzerkrankungen ermöglicht habe zu erkennen, welche Erwachsenen mit Herzerkrankungen möglicherweise das höchste Risiko für kognitiven Abbau haben.
Befunde zu Bluthochdruck und Blutdruckabfall
Toyli betonte zugleich, dass weitere Forschung nötig sei, um die biologischen Mechanismen hinter dem Zusammenhang zwischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Alzheimer zu untersuchen. Cholesterin spielt dabei eine zentrale Rolle: Der Körper bildet es größtenteils selbst in der Leber. Cholesterin ist unverzichtbar für den Aufbau von Zellmembranen, die Produktion von Hormonen und Vitamin D sowie für die Bildung von Gallensäuren, die bei der Fettverdauung helfen.
LDL transportiert Cholesterin von der Leber in die Körperzellen. Erhöhte LDL-Werte können sich an den Wänden der Blutgefäße ablagern, diese verengen und das Risiko für Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen. HDL hingegen transportiert überschüssiges Cholesterin zurück zur Leber, wo es abgebaut wird. „Ein hoher HDL-Wert gilt deshalb als schützend."
Erhöhte Cholesterinwerte gehören zu den häufigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. „Vor allem die Ernährung beeinflusst den LDL-Cholesterinspiegel maßgeblich." Oft steckt eine genetische Veranlagung dahinter, wie die Forschenden hervorheben. „Besonders bei familiär bedingten Fettstoffwechselstörungen reichen Ernährung und Bewegung häufig nicht aus."
Cholesterin, Ernährung und Bewegung
Der Hamburger Kardiologe Jens von Beckerath empfiehlt Menschen mit erhöhten Cholesterinwerten vor allem eine ballaststoffreiche Ernährung. Auch die Europäische Gesellschaft für Kardiologie weist darauf hin, dass Ballaststoffe Gallensäuren im Darm binden. Gesättigte Fettsäuren und Transfette erhöhen den LDL-Wert und können gleichzeitig das schützende HDL-Cholesterin senken. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren können hingegen helfen, den LDL-Wert zu senken und gleichzeitig den HDL-Spiegel zu unterstützen.
Avocados zeigen in wissenschaftlichen Untersuchungen ebenfalls positive Effekte auf LDL-Cholesterin und Triglyzeride. Mit der richtigen Auswahl an Lebensmitteln lassen sich die Blutfettwerte in vielen Fällen positiv verändern und das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall senken. Ergänzend gilt: „Schon 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche gelten als sinnvoll. Dazu zählen beispielsweise zügiges Gehen, Radfahren, Schwimmen oder leichtes Joggen." Das Bundesamt für Risikobewertung weist jedoch darauf hin, dass hoch dosierte Präparate bei Menschen mit bestehenden Herzerkrankungen das Risiko für Vorhofflimmern erhöhen können.
Fragen & Antworten
Wer hat die Studie geleitet und wo wurde sie veröffentlicht?
Die Studie wurde unter der Erstautorenschaft von Aili Toyli im Journal of the American Heart Association veröffentlicht und wertete Daten der US-Datenbank „All of Us" sowie der britischen UK Biobank aus.
Welche Herz-Kreislauf-Erkrankung zeigte den stärksten Zusammenhang mit Alzheimer?
In der Studie wies die Hypotonie über beide Datensätze hinweg den stärksten statistischen Zusammenhang mit späteren Alzheimer-Diagnosen auf, mit einer 1,97-fach höheren Wahrscheinlichkeit im US-Datensatz und einer 2,74-fach höheren Wahrscheinlichkeit im UK-Biobank-Datensatz.
Welche Rolle spielt Cholesterin für Herz-Kreislauf-Erkrankungen?
Erhöhte LDL-Werte können sich an Gefäßwänden ablagern und das Risiko für Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen, während HDL überschüssiges Cholesterin zur Leber zurücktransportiert und ein hoher HDL-Wert als schützend gilt.
Studie: Herz-Kreislauf-Risiko und Alzheimer im Zusammenhang | nachrichten360