Netflix übertrifft Gewinnerwartungen, enttäuscht aber mit schwachem Ausblick
Los Gatos, 17. Juli 2026
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Kurzfassung
Netflix hat im jüngsten Quartal sowohl den Nettogewinn als auch den Umsatz deutlich gesteigert, doch ein verhaltener Ausblick auf das zweite Halbjahr sorgte für einen Kurseinbruch von mehr als acht Prozent im nachbörslichen Handel. Co-CEO Greg Peters warnte zudem vor den Risiken eines werbefinanzierten Gratisangebots.
Der Streaming-Anbieter Netflix hat im jüngsten Quartal den Nettogewinn um 8,8 Prozent auf 3,4 Milliarden US-Dollar gesteigert, doch ein verhaltener Ausblick ließ die Aktie im nachbörslichen US-Handel um mehr als acht Prozent einbrechen.
Wie die am Donnerstagabend publizierten Quartalszahlen zeigen, kletterte der Umsatz des kalifornischen Unternehmens im Jahresvergleich um 13 Prozent auf 12,56 Milliarden US-Dollar. Zwar hat Netflix den Nettogewinn um 9 Prozent und den Umsatz gar um 13 Prozent steigern können gegenüber dem Vorjahr, dennoch reagierten die Anleger enttäuscht. Im nachbörslichen Handel sackte die Aktie zeitweise um 8 Prozent und mehr ab.
Zugleich hat das Unternehmen aber verhaltene Wachstumsprognosen für das zweite Halbjahr abgegeben. Für das laufende Quartal prognostiziert Netflix einen Umsatz von 12,86 Milliarden US-Dollar, was einem Wachstum von knapp 12 Prozent entspricht, sowie einen Gewinn von 0,82 US-Dollar je Aktie. Jochen Stanzl, Chefanalyst der Consorsbank, kommentierte die Stimmung an den Märkten mit den Worten: «Einfach nur die Erwartungen zu erfüllen, scheint zu wenig. Nur ein sehr positiver Soll-Ist-Abgleich zählt - aber auch nur, wenn die Anleger auch im Ausblick kein sprichwörtliches Haar in der Suppe finden.»
Nutzungsverhalten und Abo-Treue
Die 325 Millionen Abonnenten verbrachten im ersten Halbjahr rund 97 Milliarden Stunden auf der Plattform, allerdings sind es bloss 2 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2025. Jeder der rund 325 Millionen Abonnenten verbringt also mehr als 300 Stunden pro Halbjahr mit Netflix. Bisher weist Netflix mit Abstand die tiefste «Churn Rate» aller Streaminganbieter auf, das heisst, die Nutzer bleiben dem Anbieter länger treu als etwa Disney+ oder Apple TV+.
Die Winterolympiade und die Fussball-Weltmeisterschaft haben, wie Netflix auch erwähnt, sicher dazu beigetragen, die Fernsehzuschauer vom Streaming-Angebot fernzuhalten. Früher hat Netflix vierteljährlich darüber informiert, wie sich die Abonnentenzahlen entwickeln. Seit das Wachstum ins Stocken geraten ist, werden diese Daten nicht mehr routinemässig mit dem Quartalsbericht geteilt.
Live-Programme: hoher Aufwand, geringe Wirkung
Im abgelaufenen Halbjahr investierte Netflix 5 Prozent seiner Ausgaben für Inhalte in Live-Programme. Dazu gehörten im vergangenen Halbjahr etwa Boxkämpfe, im Januar hatte Netflix zudem live gezeigt, wie ein Extremkletterer in Taiwan ohne Sicherung auf eines der höchsten Hochhäuser der Welt kletterte. Diese Programme trugen dann aber nur etwa 1 Prozent der Stunden bei, welche die Nutzer mit Netflix verbracht haben.
war zum Beispiel die Thriller-Serie «I Will Find You» die erfolgreichste neue Eigenproduktion von Netflix, mit 87 Millionen Aufrufen. Statt halbjährlich werden diese Zahlen nur noch jährlich veröffentlicht. Netflix plant, die Zuschauerzahlen für Filme und Serien künftig nur noch einmal pro Jahr statt zweimal zu veröffentlichen.
Werbeerlöse und Gratisangebot als neue Säulen
Für Letzteres gibt es gemäss Greg Peters, dem Co-Chef von Netflix, aber noch keinen konkreten Plan. Im Gespräch mit Analysten warnte er, dass ein solches Modell das eigene Bezahlangebot kannibalisieren könne. Das Unternehmen könnte in gewissen Ländern vielleicht sogar ein werbefinanziertes Gratisangebot austesten und setzt verstärkt auf Werbeerlöse sowie Videospiele als zusätzliche Einnahmequellen neben den Abo-Gebühren.
Als Netflix am 27. Februar bekanntgab, dass man sich aus dem hitzigen Bieterkampf um das grosse Filmstudio Warner Bros. Discovery zurückziehe, schnellte die Aktie des Streaming-Riesen um 14 Prozent in die Höhe. Allerdings hatte der Titel in den Monaten zuvor bereits mehr als 40 Prozent an Wert verloren.
Marktumfeld: Tech-Ausverkauf und Ölpreise
Die Netflix-Quartalszahlen fielen in eine Phase breiterer Marktturbulenzen. Am Aktienmarkt lassen sich zunehmend Ermüdungserscheinungen feststellen und zumindest die positive Dynamik des ersten Halbjahres geht erst einmal raus, sagte Andreas Lipkow, Chefanalyst beim Broker CMC Markets. Ein globaler Ausverkauf bei Tech-Aktien belastete die Börsen weltweit.
Der japanische Nikkei-Index brach um 3,6 Prozent auf 64.443 Punkte ein, der breitere Topix verlor 2,0 Prozent auf 3.950 Punkte. Halbleiterwerte gerieten besonders unter Druck: Der Sektorindex fiel um 4,3 Prozent, Kioxia Holdings verlor 16,1 Prozent, Taiyo Yuden 15,5 Prozent und Screen Holdings 11,5 Prozent. Der Markt scheint von den hohen Gewinnerwartungen für halbleiterbezogene Unternehmen hin- und hergerissen zu sein, erklärten Analysten der Sony Financial Group.
Auch in den USA und Europa zeigten die Indizes Schwäche: Der Dow Jones schloss 0,2 Prozent tiefer bei 52.553 Punkten, der Nasdaq verlor 1,5 Prozent auf 25.882 Zähler und der S&P 500 gab 0,5 Prozent auf 7.534 Punkte nach. Der deutsche DAX schloss 0,3 Prozent niedriger bei 24.915 Punkten, im vorbörslichen Handel taxierte Broker IG den DAX bei minus 0,6 Prozent auf 24.770 Zähler.
Parallel dazu trieben eskalierende Spannungen im Nahen Osten und neue US-Angriffe auf iranische Ziele die Ölpreise auf den größten Wochengewinn seit drei Monaten. Nordsee-Brent stieg um 0,8 Prozent auf 84,86 US-Dollar pro Barrel, US-WTI legte 0,9 Prozent auf 79,65 US-Dollar zu. Beide Rohölsorten steuern auf einen Wochengewinn von mehr als elf Prozent zu.
Fragen & Antworten
Wie hat sich der Nettogewinn von Netflix im letzten Quartal entwickelt?
Der Nettogewinn stieg laut den am Donnerstagabend publizierten Quartalszahlen um 8,8 Prozent auf 3,4 Milliarden US-Dollar, während der Umsatz um 13 Prozent auf 12,56 Milliarden US-Dollar zulegte.
Warum fiel die Netflix-Aktie trotz steigender Gewinne?
Die Anleger reagierten enttäuscht auf den verhaltenen Ausblick für das zweite Halbjahr; im nachbörslichen Handel verlor die Aktie zeitweise mehr als acht Prozent.
Welche Pläne verfolgt Netflix mit Live-Inhalten und einem Gratisangebot?
Netflix investierte im abgelaufenen Halbjahr 5 Prozent seiner Inhaltsausgaben in Live-Programme, die aber nur rund 1 Prozent der Nutzungsstunden ausmachten; Co-CEO Greg Peters warnte zudem, ein werbefinanziertes Gratisangebot könnte das Bezahlangebot kannibalisieren.