Nachwahl in Makerfield: Letzter Wahlkampftag im Schatten eines möglichen Machtwechsels in Westminster
Makerfield, 17. Juni 2026
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Kurzfassung
Im nordenglischen Wahlkreis Makerfield endet an diesem Donnerstag die heiße Phase des Wahlkampfs. Labour-Politiker Andy Burnham tritt als Favorit gegen den Rechtspopulisten Robert Kenyon von Reform UK an. Sollte Burnham gewinnen, gilt er als wahrscheinlicher Herausforderer von Keir Starmer.
Im nordenglischen Wahlkreis Makerfield haben die Kandidaten am Donnerstag im Endspurt des Wahlkampfs um die Nachwahl des britischen Unterhauses geworben, bei der Labour-Politiker Andy Burnham als Favorit gegen Robert Kenyon von der rechtspopulistischen Partei Reform UK antritt.
Rund 75.000 Menschen sind nach Angaben der Wahlkommission in Makerfield stimmberechtigt, einem Wahlkreis, der mehrere Kleinstädte und Dörfer am Rand des Großraums Greater Manchester umfasst, etwa 320 Kilometer nordwestlich von London. Die Wahllokale öffneten am Morgen um 7.00 Uhr Ortszeit (8.00 Uhr MESZ) und sollten um 22.00 Uhr Ortszeit (23.00 Uhr MESZ) schließen.
Im Zentrum des Rennens steht Andy Burnham, Bürgermeister des Großraums Manchester, der mit dem Slogan antritt, die Wählerinnen und Wähler könnten mit ihrer Stimme den politischen Kurs Großbritanniens verändern. Er versprach: "if people put their trust in me, I will change politics" – ein weit reichendes Versprechen für einen Politiker, der nach einem Sieg nur eine Stimme unter 650 Abgeordneten im Unterhaus hätte.
Der Favorit und sein Programm
Während des Wahlkampfs warb Burnham mit seiner Bilanz als Bürgermeister einer Metropolregion mit 2,8 Millionen Einwohnern. Er verwies auf den Ausbau des Nahverkehrs, den Wohnungsbau und die Verbesserung der Gesundheitsversorgung. Der 56-Jährige, der sich selbst als Vertreter eines "wirtschaftsfreundlichen Sozialismus" beschreibt, gilt als Liebling des moderat-linken Parteiflügels der Labour-Partei.
Sein größter Rivale ist Robert Kenyon von Reform UK, ein ortsansässiger Klempner, der bereits bei der Unterhauswahl 2024 den zweiten Platz in dem Wahlkreis belegt hatte. Umfragen sehen Burnham bei etwa 45 Prozent der Stimmen, Kenyon bei rund 40 Prozent. Beobachter werten das Rennen dennoch als offen, da die rechtskonservative Splitterpartei Restore Britain den rechtspopulistischen Stimmenanteil weiter zersplittert und Reform UK damit zusätzlich Stimmen kosten könnte.
Reform UK und die Zersplitterung des rechten Lagers
Die Nachwahl gilt als Lackmustest für die politische Stimmung im Land. Zwar liegt Reform UK in nationalen Umfragen vorn, doch im Wahlkreis Makerfield, einer langjährigen Labour-Hochburg, könnte das Duell zwischen Labour und Reform UK zugunsten der Regierungspartei ausgehen – sofern der Labour-Kandidat die Mobilisierung schafft und die rechte Konkurrenz sich gegenseitig schwächt.
Für Keir Starmer ist die Abstimmung zu einer Vertrauensfrage geworden, obwohl er selbst nicht auf dem Stimmzettel steht. Bei der Unterhauswahl 2024 war Labour in dem Wahlkreis nur knapp vor dem Kandidaten von Reform UK gelandet. Der Premierminister hatte in den vergangenen Wochen stets auf seinen Wahlsieg im Sommer 2024 verwiesen und den Auftrag betont, das Land aus der Krise zu führen.
Zugleich sah sich Starmer in den vergangenen Monaten einer Reihe von Belastungen ausgesetzt. Mehrere Affären sowie eine empfindliche Niederlage seiner Labour-Partei bei den Kommunal- und Regionalwahlen im Mai hatten seine Position erschüttert. Schlagzeilen wie "Starmer am Abgrund" oder "Das Chaos kehrt nach Westminster zurück" häuften sich in den vergangenen Wochen in verschiedenen Abwandlungen.
Druck auf Premierminister Starmer
Auch aus den eigenen Reihen kamen kritische Stimmen. So hatte Wes Streeting am Dienstag gesagt, Starmer solle "über das Wochenende Raum" erhalten, um über seine Zukunft nachzudenken. Dies wurde als indirekte Aufforderung an den Premierminister interpretiert, über einen Rücktritt oder eine geordnete Übergabe nachzudenken.
Sollte Burnham das Mandat gewinnen, könnte er Beobachtern zufolge ohne Probleme auf die Unterstützung von 81 Labour-Abgeordneten kommen, die für eine parteiinterne Führungswahl nötig wären. Um Starmer herauszufordern, benötigen Bewerberinnen und Bewerber jeweils die Unterstützung von 20 Prozent der Labour-Abgeordneten – was bei der aktuellen Fraktionsstärke 81 Stimmen entspricht.
Hürden für eine Führungswahl
Burnham war bereits zwischen 2001 und 2017 selbst Mitglied des Unterhauses, bevor er im Mai 2017 zum ersten Mal zum Bürgermeister des Großraums Manchester gewählt worden war. In Umfragen unter Labour-Mitgliedern war er in einer Survation-Erhebung zu Jahresbeginn als bevorzugter nächster Parteichef hervorgegangen.
Der Politikwissenschaftler John Curtice sagte der Nachrichtenagentur AFP: "Mit ziemlicher Sicherheit liegt es in den Händen der Wähler von Makerfield, ob Burnham Premierminister wird oder nicht". Wenn Burnham gewinne, "scheint sein Weg in die Downing Street 10 relativ sicher zu sein". Falls er verliere, könne Starmer "zumindest vorerst überleben".
Bei einer Wahlkampfveranstaltung sagte Burnham vor Anhängern: "Ich bin bereit, es zu versuchen, denn das ist jetzt die letzte Hoffnung für Großbritannien". In den sozialen Medien kursierte das Motto "Hoffentlich Andy" – ein Slogan, der auch von Starmer selbst übernommen werden musste, der seinen Parteikollegen offiziell unterstützte, obwohl ein Sieg Burnhams seine eigene Stellung unmittelbar gefährden würde.
Stimmen aus dem Wahlkreis
Angespornt durch die schlechten Stimmungsumfragen für die Regierung versuchten die Konservativen, mit eigenen Kandidaten zu punkten, blieben in den Umfragen jedoch deutlich abgeschlagen. Die nächste reguläre Unterhauswahl in Großbritannien ist erst für 2029 vorgesehen. Eine Nachwahl ist damit für die Regierungspartei ungewöhnlich wichtig, da sie die einzige direkte Stimmungsbekundung der Wähler zwischen den Wahlterminen darstellt.
Auch an der Wahlbasis war die Anspannung vor der Abstimmung spürbar. Die 61-jährige Hazel Ellis sagte der Nachrichtenagentur AFP, sie habe vor, für Kenyon zu stimmen. Der 23-jährige Finn Knowles sagte dagegen, Burnham sei "eine bessere Wahl" als Starmer. Solche Stimmen veranschaulichen, dass die Nachwahl nicht nur über einen Sitz im Unterhaus entscheidet, sondern auch als Signal an die nationale Parteispitze gelesen wird.
Internationale Beobachter sehen in der Nachwahl einen Vorgeschmack auf den möglichen Machtkampf innerhalb der Labour-Partei. Sollte Burnham das Mandat erringen und in der Folge tatsächlich als MP (Member of Parliament) ins Unterhaus einziehen, könnte er den Premierminister in eine parteiinterne Führungswahl zwingen – und mit dem Rückhalt der Regierungspartei Labour ablösen.
Blick auf das Ergebnis
In einem letzten Appell vor der Schließung der Wahllokale warben beide Spitzenkandidaten um jede noch unentschiedene Stimme. Während Burnham den Wechsel und eine neue politische Ausrichtung beschwor, setzte Kenyon auf Themen wie Migration und den Unmut über die Amtsführung der Regierung. Beobachter werteten die Schlussphase als ungewöhnlich intensiv für eine britische Nachwahl.
Das endgültige Ergebnis wird in der Nacht zum Freitag erwartet. Sollte Burnham wie prognostiziert deutlich vor Kenyon landen – Schätzungen gingen zuletzt von knapp 10.000 Stimmen Vorsprung aus –, wäre der Weg zu einer parteiinternen Herausforderung Starmers aus Sicht vieler Kommentatoren vorgezeichnet. Die nächsten 48 Stunden dürften daher sowohl für den Premierminister als auch für seinen möglichen Herausforderer zur politischen Schicksalsstunde werden.
Fragen & Antworten
Wer ist Andy Burnham und warum gilt er als möglicher nächster Premierminister?
Andy Burnham ist Bürgermeister des Großraums Manchester und tritt für die Labour-Partei bei der Nachwahl in Makerfield an. Bei einem Sieg könnte er laut Beobachtern die nötige Zahl von 81 Labour-Abgeordneten mobilisieren, um Parteichef Keir Starmer in einer Führungswahl herauszufordern.
Warum steht die Nachwahl in Makerfield im Fokus der britischen Politik?
Der Wahlkreis mit rund 75.000 Wahlberechtigten gilt als langjährige Labour-Hochburg, in der Labour 2024 nur knapp vor Reform UK lag. Das Ergebnis wird als Vertrauenssignal für oder gegen die politische Linie von Premierminister Starmer gelesen.
Was sagt der Politikwissenschaftler John Curtice zur Bedeutung der Wahl?
John Curtice erklärte gegenüber AFP, es liege "mit ziemlicher Sicherheit in den Händen der Wähler von Makerfield", ob Burnham Premierminister werde. Bei einem Sieg Burnhams sei sein Weg in die Downing Street 10 "relativ sicher"; bei einer Niederlage könne Starmer "zumindest vorerst überleben".
Nachwahl Makerfield: Burnham gegen Starmer – letzte | nachrichten360