Nachnominierung von Ljubicic: Rangnick reagiert auf Baumgartners schwere Verletzung
Santa Barbara, 10. Juni 2026
AI-generated image (flux-2/pro-text-to-image via Kie.ai)
Kurzfassung
Der österreichische Fußball-Nationaltrainer Ralf Rangnick hat Dejan Ljubicic von Schalke 04 nachnominiert, um den schwer verletzten Christoph Baumgartner im WM-Kader zu ersetzen. Der 28-Jährige reiste am Donnerstag von Wien nach Los Angeles und wird am Freitag erstmals mit der Mannschaft in Santa Barbara trainieren.
Österreichs Nationaltrainer Ralf Rangnick hat Schalke-Profi Dejan Ljubicic als Ersatz für den schwer verletzten Christoph Baumgartner in den Kader des österreichischen Fußball-Nationalteams für die Weltmeisterschaft in den USA nachnominiert.
Wie der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) am Mittwoch bestätigte, wird Dejan Ljubicic für den verletzten Christoph Baumgartner in den WM-Kader nachrücken. Der 28-jährige defensive Mittelfeldspieler vom deutschen Zweitliga-Aufsteiger Schalke 04 flog am Donnerstag von Wien nach Los Angeles und wird am Mittwochabend (Ortszeit) im Teamquartier der österreichischen Nationalmannschaft in Kalifornien erwartet. Am Freitag soll er zum ersten Mal mit der Mannschaft in Santa Barbara trainieren.
Vielseitiger Ersatz mit Bundesliga-Erfahrung
Ljubicic war KURIER-Informationen zufolge im Urlaub in Kroatien, als er den Anruf des Teamchefs erhielt. Es ist seine erste Nominierung für das ÖFB-Team seit Oktober 2023. Seinen bislang letzten Einsatz für den ÖFB hatte er im September 2023 beim 1:1 gegen Moldawien. Insgesamt kommt der 28-jährige Wiener auf neun Länderspiele und ein Tor für Österreich.
Der Wechsel Ljubicics erfolgt nach einer überraschenden Wendung: Rangnick hatte ursprünglich auf eine Nachnominierung verzichtet, kehrte jedoch wenige Tage später zu seiner Entscheidung zurück, ohne dies bislang offiziell zu begründen. „Warum er sich für Ljubicic entschieden hat, hat Ralf Rangnick bisher noch nicht offiziell begründet“, hieß es dazu. ORF-Experte Andreas Herzog zeigte sich über die späte Nachnominierung „überrascht“.
Kommunikation des Teamchefs sorgt für Diskussionen
Im Trainingsbetrieb stehen damit vorerst nur 25 statt der erlaubten 26 Spieler. Zeit für eine weitere Nachmeldung hat Rangnick noch bis 24 Stunden vor dem ersten WM-Gruppenspiel am 16. Juni (17. Juni, 6.00 Uhr MESZ) in Santa Clara gegen Jordanien. Nach Ljubicics Nominierung hat Rangnick wieder 14 Spieler im Kader, die in Deutschland unter Vertrag stehen. Mit Ljubicic stellt Schalke neben den Bosniern Edin Dzeko und Nikola Katic den dritten WM-Fahrer.
Ljubicic gilt als äußerst vielseitig. Er kann Innenverteidiger, Außenverteidiger oder im Mittelfeld die Positionen des Sechsers, Achters, Zehners oder wie zuletzt bei Schalke sogar rechts außen spielen. Dazu gilt der ehemalige Rapidler als äußerst fit. Im Herbst war er noch Stammspieler bei Dinamo Zagreb mit zwei Toren in der Europa League, ehe er im Januar für 750.000 Euro nach Gelsenkirchen wechselte.
Schwere Verletzung und Operation in Finnland
Beim Bundesliga-Aufsteiger Schalke, der von dem Österreicher Miron Muslic trainiert wird, hatte der Mittelfeldspieler im Frühjahr mit vier Toren und drei Assists in 15 Spielen großen Anteil am Aufstieg in die Bundesliga. Seit seinem Wechsel absolvierte er alle 15 Zweitliga-Partien für den Aufsteiger und erzielte vier Treffer. In der jüngsten Ausgabe einer Bundesliga-Marktwert-Aktualisierung wurde zudem Baumgartner als wertvollster Österreicher der Welt geführt.
Der Anlass für die Nachnominierung ist die schwere Verletzung von Christoph Baumgartner. Der 26-jährige Leipziger hatte sich am 1. Juni beim Aufwärmen für Österreichs WM-Generalprobe gegen Tunesien (1:0) schwer am Oberschenkel verletzt und verpasst damit das Turnier. Es handelt sich um eine gravierende Verletzung, die zumindest mehrere Monate Pause erfordert. Baumgartner war zwei Tage nach seiner Verletzung in Turku in Finnland am rechten Oberschenkel operiert worden.
Reha im WM-Camp: Wunsch des Spielers erfüllt
Laut seinem Operateur, dem international anerkannten Muskelspezialisten Lasse Lempainen, hatte sich der Niederösterreicher eine Verletzung der Sehne des geraden Oberschenkelmuskels an der Vorderseite (Musculus rectus femoris) im oberen Bereich zugezogen. Baumgartner absolviert seine Reha in den kommenden Wochen im WM-Camp des österreichischen Fußball-Nationalteams in Kalifornien. Der verletzte Offensivspieler reiste am Mittwoch nach Santa Barbara, um dort weiter an seinem Comeback zu arbeiten, gaben der ÖFB und sein Klub RB Leipzig bekannt.
Laut Leipzig-Angaben entsprachen der Klub und der Verband mit der Reha in Nordamerika dem ausdrücklichen Wunsch des 26-Jährigen, seine Kollegen während des Turniers vor Ort zu unterstützen. Eine ähnliche Rolle hatte bei der EM 2024 in Deutschland der damals verletzte ÖFB-Kapitän David Alaba eingenommen. Der Verband und sein Klub entsprechen damit dem Wunsch des Spielers, die Reha im Umfeld des österreichischen Teams zu absolvieren und seine Kollegen vor Ort während der Weltmeisterschaft zu unterstützen.
Baumgartner hatte sich nach der besten Saison seiner Karriere in Topform befunden, ehe er sich verletzte. Mit 13 Toren und neun Assists war der Waldviertler in der deutschen Bundesliga Leipzigs Topscorer. Dazu traf er noch viermal im DFB-Pokal für den Ligadritten. Im jüngsten Marktwert-Update der Bundesliga kletterte der offensivstarke Profi von 30 Millionen auf 40 Millionen Euro und ist damit der wertvollste Österreicher der Welt.
Besonders schwer wiegt aber Österreichs erste WM-Endrunde seit 1998, an der Baumgartner nicht aktiv mitwirken kann. Baumgartner verpasst damit nicht nur den Saisonstart mit Leipzig, sondern auch die ersten ÖFB-Länderspiele nach der WM Ende September in der Nations League. In Santa Barbara wird Ljubicic auch auf den verletzten Baumgartner treffen.
Vorbereitung mit internem Test und freiem Tag
Die Mannschaft bereitete sich unterdessen mit einem internen Test auf das Turnier vor. „Die Herangehensweise war schon so, dass wir richtig was liegen lassen, über den gewissen Punkt drübergehen, aber nicht grätschen, damit es keine Verletzungen gibt. Das hat jeder gut gemacht, es war ein richtig guter interner Test“, sagte der österreichische Linksverteidiger Alexander Prass. Sein Teamkollege Patrick Wimmer, der kürzlich zu TSG Hoffenheim wechselte und den Transfer als „Das ist ein guter, nächster Step, auch um international zu spielen“ bezeichnete, beschrieb das interne Testformat genauer: „Es waren dreimal 15 Minuten, wir haben viel durchgewechselt.“
Donnerstag ist der erste trainingsfreie Tag seit der Ankunft der ÖFB-Auswahl in Kalifornien vor rund einer Woche. Die Spieler haben am Donnerstag nach einem gemeinsamen Frühstück frei. Wimmer rechnet damit, dass die meisten nach Los Angeles fahren werden: „Ich glaube, dass alle in Richtung Los Angeles (über zwei Autostunden von Santa Barbara entfernt, Anm.) schauen werden. Die meisten werden sich dort etwas anschauen.“
Ausblick auf das Turnier und die Gruppengegner
Herzog verwies zudem auf die fehlende Testspiel-Praxis vor dem Auftakt. „Das kann uns schon abgehen. Spieler wie Paul Wanner oder Carney Chukwuemeka sind noch relativ neu. Über eine Woche vor der WM kein Spiel zu haben ist nicht optimal“, sagte er mit Blick auf die fehlende externe Partie. Wimmer zitierte zudem Rangnick mit den Worten: „Die Karten sind nach dem Tunesien-Spiel neu gemischt worden.“ Herzog kommentierte die Kommunikation des Trainers mit dem Satz: „Wenn man nie spricht, wird spekuliert.“
Österreich trifft in der Gruppenphase auf Titelverteidiger Argentinien, Algerien und Jordanien. Das erste Gruppenspiel am 16. Juni (17. Juni, 6.00 Uhr MESZ) in Santa Clara gegen Jordanien ist zugleich das erste WM-Spiel Österreichs seit 1998. (APA, 10.6.2026)
Ljubicic war im internen Wettbewerb um die Nachnominierung unter anderem LASK-Kapitän Sascha Horvath vorgezogen worden. Der 28-Jährige ist in Schalke in der rechten Außenposition gesetzt und gilt als ausgesprochen trainingsfleißig. In Santa Barbara wird er gemeinsam mit dem verletzten Baumgartner die ersten Tage im Lager verbringen, ehe er ins Mannschaftstraining einsteigt.
Fragen & Antworten
Wer ist Dejan Ljubicic?
Dejan Ljubicic ist ein 28-jähriger defensiver Mittelfeldspieler aus Wien, der seit Januar 2026 für Schalke 04 spielt und in der Vergangenheit für Rapid Wien sowie Dinamo Zagreb aktiv war. Er kommt auf neun Länderspiele und ein Tor für Österreich, sein letzter Einsatz datiert aus dem September 2023.
Warum wurde Christoph Baumgartner ersetzt?
Christoph Baumgartner hatte sich am 1. Juni beim Aufwärmen für Österreichs WM-Generalprobe gegen Tunesien eine schwere Sehnenverletzung am rechten Oberschenkel zugezogen, wurde in Turku operiert und fällt mehrere Monate aus.
Wann spielt Österreich sein erstes WM-Spiel?
Österreichs erstes WM-Gruppenspiel findet am 16. Juni (17. Juni, 6.00 Uhr MESZ) in Santa Clara gegen Jordanien statt und ist das erste WM-Spiel Österreichs seit 1998.