Nach Trumps Intervention: FIFA hebt Baloguns Sperre auf, USA verlieren gegen Belgien 1:4
Seattle, 07. Juli 2026
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Kurzfassung
Nach einem Telefonat von US-Präsident Donald Trump mit FIFA-Präsident Gianni Infantino hob die FIFA die Gelb-Rot-Sperre von Folarin Balogun auf Bewährung auf. Der US-Stürmer stand im Achtelfinale gegen Belgien in Seattle in der Startelf, konnte die 1:4-Niederlage aber nicht verhindern. UEFA sprach von einer „unbegreiflichen und nicht zu rechtfertigenden Entscheidung".
Die USA sind mit einer 1:4-Niederlage gegen Belgien im Achtelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft in Seattle ausgeschieden, nachdem die FIFA zuvor auf Bitten von US-Präsident Donald Trump die Sperre von Folarin Balogun ausgesetzt hatte.
Aus im Achtelfinale: USA scheitern als letzter Co-Gastgeber
Die Mannschaft von Cheftrainer Mauricio Pochettino verlor am Montagabend (Ortszeit) im Lumen Field vor 66.925 Zuschauern mit 1:4 (1:2) gegen Belgien. Das US-Team war damit der letzte der drei nordamerikanischen Co-Gastgeber, der das Turnier in der Runde der besten 16 verlassen musste, nachdem zuvor bereits Kanada und Mexiko gescheitert waren.
Bereits vor dem Anpfiff war die Partie von einer kontroversen Entscheidung der FIFA überschattet. US-Präsident Donald Trump hatte nach eigenen Angaben bei FIFA-Präsident Gianni Infantino angerufen und um eine Überprüfung der Roten Karte gebeten, die Balogun im Spiel gegen Bosnien-Herzegowina nach einem Videobeweis erhalten hatte. „Ich habe viel Ahnung von Sport, sehr viel Ahnung. Und das war kein Foul", sagte Trump am Montag im Weißen Haus. Er habe lediglich um eine Überprüfung gebeten.
Trumps Anruf und die FIFA-Entscheidung
Die FIFA setzte daraufhin die ursprüngliche Ein-Spiel-Sperre Baloguns für ein Jahr zur Bewährung aus und berief sich dabei auf Artikel 27 ihrer Disziplinarregeln, der eine vollständige oder teilweise Aussetzung einer Disziplinarmaßnahme erlaubt. Eine Begründung für die konkrete Entscheidung wurde nicht öffentlich genannt. Infantino bestätigte später den Anruf und erklärte, die Disziplinarkommission der FIFA sei unabhängig und nicht von ihm beeinflusst worden.
Trotz der Freigabe konnte Balogun, der zu diesem Zeitpunkt mit drei Treffern der Top-Torjäger der USA im Turnier war, die Niederlage nicht verhindern. In den ersten 25 Minuten hatte der Angreifer von AS Monaco nur zwei Ballkontakte und lieferte insgesamt eine schwache Leistung ab. Wie er selbst einräumte: „Natürlich ist es dann kontrovers, wenn die Entscheidung geändert wird." Er habe aber sowohl die ursprüngliche Rote Karte als auch die Aufhebung der Sperre akzeptiert: „Wir haben die Entscheidung akzeptiert, als ich die Rote Karte gesehen habe, und wir haben die Entscheidung akzeptiert, als uns gesagt wurde, dass ich spielen kann."
Spielverlauf: Tillmans Ausgleich reicht nicht
Den einzigen Treffer der USA erzielte Malik Tillman in der 31. Minute mit einem Freistoß aus rund 16 Metern, der von Hans Vanaken in der belgischen Mauer unhaltbar für Torhüter Thibaut Courtois abgefälscht wurde. Den Freistoß hatte Balogun zuvor nach einem Foul von Maxim De Cuyper herausgeholt.
Belgien, das ohne die Stammspieler Kevin De Bruyne, Jeremy Doku und Romelu Lukaku in die Partie gegangen war, dominierte von Beginn an. Charles De Ketelaere brachte die Belgier nach Vorarbeit von Nicolas Raskin in der 9. Minute in Führung. Nach dem Ausgleich durch Tillman schlugen die Belgier zurück: Leandro Trossard flankte von rechts, De Ketelaere köpfte in der 33. Minute zur erneuten Führung ein.
Nach dem Seitenwechsel entschied ein Fehler von US-Torhüter Matt Freese die Partie. In der 57. Minute spielte Freese den Ball im Strafraum leichtfertig zu De Ketelaere, der auf den heraneilenden Vanaken ablegte, der aus etwa 30 Metern ins leere Tor traf. Es war Vanakens erstes Spiel als Einwechselspieler – er war in der 21. Minute für den verletzten Amadou Onana ins Spiel gekommen.
De Ketelaere und Lukaku treffen für Belgien
Den Schlusspunkt setzte der eingewechselte Romelu Lukaku in der Nachspielzeit (90.+3), der einen Ballverlust von Chris Richards in der Nähe des eigenen Strafraums ausnutzte. Es war Lukakis 93. Tor im 131. Länderspiel. Auf belgischer Seite ragte insbesondere De Ketelaere heraus, der mit seinen beiden Treffern (9. und 33.) den Grundstein für den Sieg legte. Der 23-Jährige steht bei Atalanta Bergamo unter Vertrag.
US-Trainer Mauricio Pochettino zeigte sich nach dem Spiel ernüchtert: „Wir haben keinen Bezug zum Spiel aufbauen können" und es sei „einfach nicht unser Tag gewesen". Sein Trainerkollege Rudi Garcia, der Belgien betreut, betonte: „Ich bin sehr stolz auf meine Spieler. Belgien ist ein großes Fußball-Land. Heute haben wir exzellent gespielt, haben das Spiel kontrolliert und als Gruppe gut agiert." Garcia zählte zu den schärfsten Kritikern der FIFA-Entscheidung: „Ich wusste nicht, dass der 5. Juli für die FIFA der 1. April ist. Soweit ich mich erinnere, ist dies meines Erachtens das erste Mal in der Geschichte der Weltmeisterschaft, dass eine Entscheidung dieser Art getroffen wurde."
Nach dem Schlusspfiff suchte Balogun das Gespräch mit Garcia. Der belgische Coach zeigte sich versöhnlich: „Er kam, um mit mir zu sprechen. Es ist nicht seine Schuld; er ist nicht derjenige, der die Schuld trägt – das habe ich ihm gesagt. Ich schätze wirklich die Absicht, mit der er zu mir gekommen ist." Balogun wollte Belgien und Garcia zum Weiterkommen gratulieren.
Kritik von UEFA, Klopp und weiteren Experten
Die Entscheidung der FIFA sorgte international für erhebliche Kritik. Die UEFA, der europäische Verband, sprach von einer „beispiellosen, unbegreiflichen und nicht zu rechtfertigenden Entscheidung". „Die automatische Spielsperre von einem Spiel nach einer Roten Karte gegen Folarin Balogun für ein Jahr auszusetzen, hat eine rote Linie überschritten", hieß es in einer Stellungnahme. Die UEFA warnte zudem vor einem Präzedenzfall: „Zudem schafft diese Entscheidung einen Präzedenzfall im laufenden Turnier, da ähnliche Situationen nun gleichbehandelt werden müssen - zum Nachteil des Wettbewerbs." Der Schweizer Fußballverband (SFV) nannte den Entscheid „unverständlich" und forderte „klare und konsequent angewandte Regeln".
Der frühere FIFA-Präsident Sepp Blatter meldete sich ebenfalls zu Wort: „Rote Karten werden nicht durch politische Interventionen aufgehoben – sondern nach klaren Regeln und durch unabhängige Instanzen. Wenn ein US-Präsident beim FIFA-Präsidenten interveniert und danach ein Spieler begnadigt wird, stellt sich eine einfache Frage: Quo vadis, FIFA? Der Fussball darf nie zum Spielball der Politik werden." Englands Nationaltrainer Thomas Tuchel zeigte sich skeptisch: „Für mich ist klar: Es war keine Rote Karte. Trotzdem waren VAR und Schiedsrichter involviert und kamen zu diesem Entscheid. Wer hebt ihn dann auf – wann und auf welcher Grundlage? Das wirkt seltsam. Wir wollen Konsistenz. Sonst könnte man bald jede Gelbe Karte anfechten."
Auch der designierte deutsche Bundestrainer Jürgen Klopp kritisierte die Vorgänge scharf: „Diese beiden Menschen, die beide keine Ahnung von Fußball haben, sollten gar nichts damit zu tun haben. Das ist unser Spiel, nicht theirs." Der ehemalige FIFA-Schiedsrichter Markus Merk sprach im SWR-Interview von einem „unfassbaren" und „ohne Worte"-Vorgang: „Jeder, der den Fußball liebt, kann nur erschüttert sein." Er warnte zudem: „Das wird uns ab August verfolgen - in der Bundesliga, in der zweiten Bundesliga, ja bis in die Kreisklasse."
Wayne Rooney, einstiger englischer Nationalspieler, legte nach: „Entweder sie streichen die Rote Karte, was wahrscheinlich die richtige Entscheidung wäre, und dann könnte er spielen. Aber die Strafe für ein Jahr auf Bewährung zu setzen – das ist eine Schande. Infantino sollte sich dafür schämen. Wenn ich jetzt der Gegner der USA wäre, wäre ich absolut stinksauer. Es ist falsch in jeder Hinsicht." Donald Trump verteidigte sein Engagement auf Truth Social mit den Worten: „Danke an die Fifa, dass sie ein großes Unrecht rückgängig gemacht hat!" Die britische Zeitung Daily Mail schrieb von „Der schamlose Donald Trump und seine unterwürfige Marionette Gianni Infantino haben diese Weltmeisterschaft in eine Jauchegrube gezogen".
US-Außenminister Marco Rubio verteidigte das Vorgehen und argumentierte: „Warum sollte Belgien ein Spiel gewinnen wollen und dann hinterher von allen hören: Das habt Ihr doch nur gewonnen, weil der beste gegnerische Stürmer nicht auf dem Platz war?" Trump selbst hatte zudem den brasilianischen Schiedsrichter Raphael Claus, der Balogun die Rote Karte gezeigt hatte, persönlich angegriffen und ihn als „ein bisschen suspekt" bzw. mit „sehr verdächtige" Vergangenheit bezeichnet. Die CBF, Brasiliens Fußballverband, wies die Vorwürfe umgehend zurück.
Belgischer Protest abgewiesen
Der belgische Fußballverband RBFA hatte bei FIFA Einspruch gegen die Aufhebung der Sperre eingelegt, war damit jedoch am Montagabend abgeblitzt. FIFA erklärte den Protest für unzulässig, da Belgien „nicht Verfahrenspartei ist und somit kein Recht auf Berufung" habe. Nach Angaben der RBFA habe der Verband von FIFA „nicht die geringste Erklärung" zur Begründung der Entscheidung erhalten. Zudem habe FIFA „selbst ein Berufungsverfahren konstruiert" und zugleich „dafür gesorgt, dass dieses als unzulässig eingestuft werden würde". Die Royal Belgian Football Association kündigte weitere rechtliche Schritte an; offen ist, ob sie an den Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne herantreten wird, der nach eigenen Angaben für dringende WM-Fälle in Bereitschaft steht.
Belgiens nächster Gegner im Viertelfinale ist Titelverteidiger und Europameister Spanien. Die Partie findet am Freitag um 21:00 Uhr in Inglewood bei Los Angeles statt. Spanien hatte sich zuvor im Achtelfinale gegen Portugal mit 1:0 durchgesetzt, wobei Mikel Merino in der Nachspielzeit traf. Für Portugal war es das Ende einer Ära: Nationaltrainer Roberto Martínez, der die Mannschaft seit Anfang 2023 betreut und mit ihr 2025 die Nations League gewonnen hatte, erklärte nach dem Turnier seinen Abschied. „Es ist das Ende eines Zyklus. Ich bin nach Portugal gekommen, um die Weltmeisterschaft zu gewinnen - und ohne den Titel macht es keinen Sinn, weiterzumachen." Unter den weiteren prominenten Turnier-Stories: Cristiano Ronaldo, 41 Jahre alt, hatte zuvor angekündigt, es sei seine letzte WM gewesen, schob diese Aussage später aber wieder etwas zurecht: „Höchstwahrscheinlich, ja."
Für die USA endet das Turnier enttäuschend. Trotz der Unterstützung durch den Präsidenten konnte das Team den Heimvorteil nicht nutzen. Christian Pulisic, als Kapitän und Schlüsselspieler eingeplant, musste nach dem dritten Gegentor verletzungsbedingt ausgewechselt werden. Vor dem Belgien-Spiel hatten die USA drei ihrer ersten vier Turnierspiele gewonnen. Die 1:4-Niederlage bedeutet das endgültige Aus aller drei Co-Gastgeber – Kanada (0:3 gegen Marokko), Mexiko (2:3 gegen England) und die USA – in der K.-o.-Runde.
Fragen & Antworten
Warum wurde Folarin Baloguns Sperre aufgehoben?
FIFA-Chef Gianni Infantino bestätigte einen Anruf von US-Präsident Donald Trump, in dem Trump um eine Überprüfung der Roten Karte bat. Die FIFA setzte daraufhin die automatische Ein-Spiel-Sperre für ein Jahr zur Bewährung aus und berief sich auf Artikel 27 ihrer Disziplinarregeln.
Wie fiel die Reaktion der UEFA auf die Entscheidung aus?
Die UEFA bezeichnete die Entscheidung als „beispiellos, unbegreiflich und nicht zu rechtfertigen" und sprach von einer überschrittenen „roten Linie". Der Verband warnte zudem vor einem Präzedenzfall, der den Wettbewerb beeinträchtigen könnte.
Wie geht es für Belgien im Turnier weiter?
Belgien trifft im Viertelfinale am Freitag um 21:00 Uhr (CEST) in Inglewood bei Los Angeles auf den amtierenden Europameister Spanien, der sich im Achtelfinale mit 1:0 gegen Portugal durchgesetzt hatte.
FIFA hebt Balogun-Sperre auf: USA verliert Achtelfinale 1:4 | nachrichten360