Nach tödlichem Bungee-Unfall in Limeira: Bürgermeister kritisiert Aufsichtsbehörden, drei Männer angeklagt
●Aktualisiert · 18 neue Entwicklungen seit 14.06.2026
Limeira, 17 Juni 2026
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Kurzfassung
Nach dem tödlichen Sturz einer 21-Jährigen bei einem Bungee-Sprung nahe Limeira im Bundesstaat São Paulo hat die brasilianische Polizei drei Mitarbeiter des Extremsport-Anbieters wegen des Verdachts auf Totschlag angeklagt. Bürgermeister Murilo Félix warf den Bundesbehörden Untätigkeit vor und kündigte eine Prüfung der Brücke Ponte do Esqueleto an.
Limeira, 17 Juni 2026
Rund eine Woche nach dem tödlichen Sturz einer 21 Jahre alten Studentin bei einem Bungee-Sprung von der Brücke Ponte do Esqueleto nahe der Stadt Limeira im brasilianischen Bundesstaat São Paulo haben die Behörden drei Männer im Alter von 27, 32 und 42 Jahren wegen des Verdachts auf Totschlag angeklagt, während Bürgermeister Murilo Félix den Bundesbehörden Versagen vorwirft.
Was ist neu seit dem 14. Juni 2026
Update vom 17. Juni 2026: Die Ermittlungen zum Tod der 21-jährigen Maria Eduarda R. konzentrieren sich inzwischen auf drei namentlich noch nicht öffentlich genannte Mitarbeiter des Extremsport-Anbieters, die laut Militärpolizei für die Absprungvorbereitungen verantwortlich waren. Gegen sie wird wegen des Verdachts auf Totschlag ermittelt, wie brasilianische Medien unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft im Raum Limeira berichten.
Bürgermeister Murilo Félix äußerte sich am Wochenende in einer ersten Stellungnahme scharf und machte die Aufsichtsbehörden mitverantwortlich für den Unfall. "Leider hat die Untätigkeit der Bundesbehörden nun zu einer weiteren Tragödie in Limeira geführt", sagte Félix laut dem Nachrichtenportal G1. Er kündigte an, die städtische Verwaltung werde die Vorgaben für kommerzielle Extremsport-Anbieter an der sogenannten Skelettbrücke überprüfen.
Hintergrund: Was an der Skelettbrücke geschah
Wie die Stadtverwaltung unter Berufung auf die Militärpolizei mitteilte, vergaßen die Mitarbeiter des Anbieters, die junge Frau mit dem Sicherungsseil zu verbinden. Die 21-Jährige sei ohne ordnungsgemäße Sicherheitsausrüstung gesprungen, erklärte die Polizei am Sonntag. Anschließend stürzte sie von der Brücke aus etwa 40 Metern Höhe ungebremst in die Tiefe.
Die Brücke Ponte do Esqueleto ist als Absprungstelle für Bungee- und Rope-Jumping-Sprünge bekannt und wird in sozialen Medien regelmäßig beworben. Dass dort Sicherheitsbedenken bestehen, zeigen Hinweise aus dem Instagram-Post der Studentin selbst. Kurz vor dem Unglück veröffentlichte sie dort ein Foto der Brücke mit der Unterschrift "Wer war der Verrückte, der mich von einer Brücke springen ließ???".
In dem Posting soll zudem ein Schild mit der Aufschrift "Gefahr – Todesrisiko" und einem Totenkopf daneben zu sehen gewesen sein, wie brasilianische Medien unter Berufung auf den Instagram-Beitrag berichten. Eine weitere Variante der Textzeile, die dem Post zugeschrieben wird, lautet: "Wer war der Verrückte, der mich herkommen ließ, um von einer Brücke zu springen?"
Online verbreitete Videos des Vorfalls zeigen, wie zwei Männer die junge Frau in die Höhe stemmen und von der Brücke stoßen, während entsetzte Zuschauer rufen: "Leute, das Seil!" Unmittelbar nach dem Sturz war demnach ein entsetzter Ruf zu hören: "Das Seil, das Seil!" Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie die Frau über das Geländer gehoben wird und in die Tiefe fällt, ohne dass ein Seil sichtbar gestrafft oder befestigt wäre.
Reaktionen der Helfer und Augenzeugen
Eine Krankenschwester, die sich unter den Zuschauern befand, berichtete später im brasilianischen Fernsehen, sie habe unmittelbar nach dem Sturz Erste Hilfe geleistet. "Ich habe sogar noch mit ihr gesprochen", sagte sie dem Sender. Unmittelbar nach dem Unfall sei sie gemeinsam mit anderen Helfern zu der schwer verletzten Studentin geeilt, hieß es in dem Bericht weiter. Maria Eduarda habe den Sturz demnach kurz überlebt, bevor sie ihren Verletzungen erlag.
Eine Augenzeugin filmte die Vorbereitungen der 21-Jährigen mit ihrem Handy und wurde so unfreiwillig Zeugin des folgenschweren Fehlers. Die Sequenzen werden inzwischen von der Polizei als Beweismittel gesichert. Nach Angaben der Ermittler waren auf dem Video die Absprachen der Mitarbeiter zu hören, nicht aber ein Sicherheitscheck des Geschirrs.
Die Unglücksstelle liegt nahe der Stadt Limeira im Bundesstaat São Paulo. Die Brücke gilt bei Extremsportlern als beliebter, aber umstrittener Treffpunkt. In der Region hatte es bereits in der Vergangenheit schwere Unfälle beim Seilspringen gegeben. So starb laut einem Bericht des brasilianischen Onlineportals UOL bereits 1998 ein 35-Jähriger bei einem Rope-Jumping-Sprung an einer anderen Stelle in São Paulo – ein Umstand, den die Behörden nun in ihre Risikoanalyse einbeziehen wollen.
Stand der Ermittlungen und mögliche Strafbarkeit
Die Staatsanwaltschaft im Kreis Limeira prüft nach eigenen Angaben mehrere Tatvorwürfe, darunter den Verdacht auf Totschlag sowie mögliche Verstöße gegen Sicherheits- und Verbraucherschutzvorschriften. Sollte sich der Vorwurf bestätigen, dass die Mitarbeiter das Anbringen des Sicherungsseils schlicht vergaßen, könnte dies als fahrlässige Tötung gewertet werden; möglich sind nach brasilianischem Recht aber auch Qualifikationen als Totschlag oder gar Mord, falls ein bewusstes Ignorieren von Warnungen nachgewiesen wird.
Die Hintergründe des Anbieters sind bislang unklar. Weder die Stadtverwaltung noch die Militärpolizei haben den Namen des Unternehmens veröffentlicht, bei dem Maria Eduarda den Sprung gebucht hatte. Auch eine offizielle Genehmigung für kommerzielle Bungee-Sprünge an der Brücke Ponte do Esqueleto ist nach Angaben des Bürgermeisters nicht dokumentiert. Félix kündigte an, die Konzessionen für Extremsportangebote in der Region auf den Prüfstand zu stellen.
Maria Eduarda R. war Studentin und stammte aus der Region Limeira. In brasilianischen Medien wird sie als lebenslustig und sportbegeistert beschrieben. Freunde und Kommilitonen veröffentlichten in den Tagen nach dem Unfall zahlreiche Beileidsbekundungen in sozialen Netzwerken, viele unter dem Hashtag "JustiçaPorMaria" – Gerechtigkeit für Maria.
Sicherheitsstandards im brasilianischen Extremsport
Die Ermittler gehen nach derzeitigem Stand davon aus, dass die 21-Jährige unmittelbar nach dem Sturz noch kurze Zeit bei Bewusstsein war. Die Krankenschwester berichtete, sie habe mit ihr sprechen können, bevor Rettungskräfte eintrafen. Der herbeigerufene Rettungsdienst versorgte die Schwerverletzte noch an der Unglücksstelle, doch die Verletzungen durch den rund 40 Meter tiefen Sturz erwiesen sich als tödlich.
Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Sicherheitsstandards im kommerziellen Extremsport in Brasilien. Bungee- und Rope-Jumping-Anbieter benötigen in der Regel eine Genehmigung der jeweiligen Kommune sowie technische Abnahmen der eingesetzten Ausrüstung. Ob diese Voraussetzungen an der Ponte do Esqueleto erfüllt waren, ist Gegenstand der laufenden Untersuchung. Industrieverbände wiesen unterdessen darauf hin, dass eine lückenlose Kontrolle in vielen Landesteilen fehle.
Politische Reaktionen aus Limeira
Die Bürgermeistererklärung fällt in eine politisch aufgeladene Debatte über die Rolle der Bundesaufsicht. Félix kritisierte, dass die zuständigen Bundesbehörden trotz mehrfacher Hinweise auf riskante Anbieter in der Region nicht eingeschritten seien. Die Stadt werde deshalb in Eigeninitiative ein Sofortprogramm zur Überprüfung von Extremsportstätten starten, kündigte er an.
Für die Angehörigen bleibt der Trost vorerst aus. Die Familie der Verstorbenen hat sich bisher nicht öffentlich geäußert. Über die Bestattung und eine mögliche zivilrechtliche Klage gegen den Anbieter wurde zunächst nichts bekannt. Die Staatsanwaltschaft kündigte an, die Ermittlungen zügig abschließen zu wollen, damit über das weitere Schicksal der drei angeklagten Männer entschieden werden kann.
Fragen & Antworten
Wer ist die verstorbene Studentin aus Limeira?
Bei der Verstorbenen handelt es sich um die 21-jährige Maria Eduarda R., die nach Angaben brasilianischer Medien als Studentin in der Region Limeira im Bundesstaat São Paulo lebte und den Bungee-Sprung an der Ponte do Esqueleto gebucht hatte.
Was werfen die Ermittler den drei angeklagten Männern vor?
Die brasilianischen Behörden haben drei Männer im Alter von 27, 32 und 42 Jahren wegen des Verdachts auf Totschlag angeklagt, weil die Mitarbeiter des Anbieters das Sicherungsseil nicht mit der 21-Jährigen verbunden haben sollen.
Warum kritisiert Bürgermeister Murilo Félix die Bundesbehörden?
Bürgermeister Murilo Félix sagte wörtlich, die Untätigkeit der Bundesbehörden habe zu einer weiteren Tragödie in Limeira geführt, und kündigte an, die Aufsicht über kommerzielle Extremsport-Anbieter an der Skelettbrücke zu verschärfen.
Bungee-Drama Limeira: Anklage gegen drei Männer nach Tod | nachrichten360