Nach Einspruch von Alpine: Gasly bekommt Monaco-Podestplatz zurück
Monte Carlo, 12. Juni 2026
Marc Alvarado / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.0
Kurzfassung
Fünf Tage nach dem Großen Preis von Monaco hat die FIA zwei Zeitstrafen gegen Pierre Gasly aufgehoben. Der Franzose rückt damit wieder auf den dritten Platz vor und fährt sein sechstes Formel-1-Podium ein. Red Bull-Pilot Isack Hadjar verliert die Podestposition, McLaren behält sich einen Einspruch vor.
Der französische Formel-1-Pilot Pierre Gasly hat fünf Tage nach dem Großen Preis von Monaco seinen dritten Platz am Grünen Tisch zurückerhalten, nachdem die FIA zwei Zeitstrafen gegen ihn wegen angeblicher Tempolimit-Überschreitungen in der Boxengasse aufgehoben hat.
Ausgangslage: Zwei Strafen nach dem Rennen
Die Rennkommissare der Formel 1 entschieden am Freitag, die beiden Fünf-Sekunden-Strafen gegen den Alpine-Piloten wegen Geschwindigkeitsübertretung in der Boxengasse aufzuheben. „Wir danken der FIA und der Formel 1 für die Transparenz und die Kooperation während des Verfahrens“, erklärte das Team. Damit durfte sich der 30-Jährige doch über das sechste Podium seiner Karriere freuen.
Vorausgegangen war ein erfolgreicher Einspruch von Alpine. Das Team konnte vor dem Grand Prix von Barcelona-Katalonien nachweisen, dass Gasly das Tempolimit nicht überschritten hat. Der Motorsport-Weltverband FIA hatte wegen veränderter Streckenbegrenzungen die offizielle Messzone in der Boxengasse um 77 Zentimeter zu lang berechnet.
Legt man diese Distanz Gaslys beiden strittigen Fällen zugrunde, lag er mit 58,7 km/h und 58,8 km/h stets im regelkonformen Bereich. Die Stewards hatten ihm am vergangenen Sonntag zwei Verstöße gegen das in Monaco geltende Tempolimit von 60 km/h vorgeworfen – 0,1 km/h im ersten und 0,4 km/h im zweiten Fall.
Hintergrund: 77 Zentimeter Messfehler
Die beiden im Fürstentum gegen Gasly ausgesprochenen Fünf-Sekunden-Strafen wegen angeblich zu schnellen Fahrens in der Boxengasse wurden nach einer Anhörung zurückgenommen. Im Gegensatz zu seinen Konkurrenten hatte der Franzose seine Strafe nicht während des Rennens abgesessen, sondern erst im Nachgang erhalten. „Der Franzose saß im Gegensatz zu seinen Konkurrenten seine Strafe aber nicht ab, weshalb nach dem unverzüglichen Protest von Alpine gegen seine Versetzung auf den siebenten Rang sein Fall nach einem Einspruch auch neu untersucht werden konnte.“
Die Konsequenz: Gasly fiel nach den beiden Fünfsekundenstrafen, die im Anschluss an das Rennen am vergangenen Sonntag verhängt worden waren, zunächst auf den siebenten Platz zurück, kletterte nun aber wieder auf Rang drei. Damit steht er hinter Rennsieger Kimi Antonelli (Mercedes) und Lewis Hamilton (Ferrari), der aktuell für die Scuderia fährt.
Die Rückkehr aufs Podest hat unmittelbare Auswirkungen auf den Grand Prix von Monaco. Red-Bull-Fahrer Isack Hadjar rutschte damit wieder vom Podest und ist nun Vierter. McLaren-Pilot Oscar Piastri rückt auf den fünften Platz, die Racing-Bulls-Fahrer Liam Lawson und Arvid Lindblad werden als Sechster und Siebter geführt. „Der am vergangenen Sonntag nachträglich als Dritter gewertete Isack Hadjar von Red Bull verliert seinen Podestplatz.“
Auswirkungen auf die Wertungen
Für Hadjar, dessen Landsmann und erster Formel-1-Podestplatz im Zandvoort-Rennen 2025 lag, bedeutet die Entscheidung eine erneute Wartezeit auf einen Podestplatz mit Red Bull. Nach dem überarbeiteten Monaco-Ergebnis liegt er in der Fahrerwertung auf Rang neun.
Im Gesamtklassement der Fahrer verbessert sich Gasly durch das zurückgewonnene Podium deutlich: In der Fahrerwertung rückt er von Platz zehn auf acht vor und liegt acht Punkte hinter Max Verstappen, dem vierfachen Weltmeister, der für Red Bull fährt. „Es werden zweifellos Fragen bleiben, ob diese Verstöße tatsächlich vorlagen“, hieß es in der FIA-Mitteilung.
Bei den Konstrukteuren baut Alpine den Vorsprung vor Racing Bulls im Kampf um den fünften Platz aus, der von Fans oft als „best of the rest“ bezeichnet wird. Damit festigt das Team von Teamchef Flavio Briatore seine Position im Mittelfelt der Formel 1.
Reaktionen und erste Stellungnahmen
Der Monaco-Podestplatz markiert das erste Podium für Alpine und für Gasly seit November 2024. Insgesamt ist es das sechste seiner Karriere in der Königsklasse des Motorsports. Wie der Pilot selbst sagte: „Wir alle arbeiten so hart für diese Momente, und dann wird dir das so weggenommen. Ich bin seit zehn Jahren in der Formel 1, ich habe fünf Podien und es schmerzt, wenn du auf einem Podestplatz ins Ziel fährst und so etwas passiert.“
Dass ausgerechnet Alpine von der Korrektur profitieren konnte, lag an einem formalen Detail. Andere betroffene Piloten hatten ihre Zeitstrafen bereits während des Rennens abgesessen, sodass ihren Teams keine vergleichbare Möglichkeit zum Einspruch offenstand. Insgesamt fünf Fahrern wurde in Monaco eine Tempoüberschreitung in der Boxengasse vorgeworfen, in fast allen Fällen lag die Überschreitung bei 0,1 km/h.
Die FIA räumte den Messfehler in ihrer Entscheidung ausdrücklich an. Sie stellte zugleich klar, dass es „keine Regel, die den Sportkommissaren die Befugnis gibt, eine bereits verbüßte Strafe rückgängig zu machen“. Da Gasly die Strafe nicht während des Rennens verbüßt hatte, war der Weg für eine Korrektur frei.
Die Rennkommissare hatten den Fall am Donnerstag wieder geöffnet und am Freitag, am Rande des Wochenendes von Barcelona-Katalonien, ihre Entscheidung bestätigt. Das überarbeitete Ergebnis steht allerdings unter dem Vorbehalt weiterer rechtlicher Schritte. „Die Teams haben 96 Stunden Zeit, um die Entscheidung zu prüfen und gegebenenfalls Einspruch einzulegen.“
Was noch offen ist
Laut Medienberichten behalten McLaren und Red Bull sich das Recht vor, gegen die Entscheidung von Alpine vorzugehen. Ein anderer Rennstall stellte keinen vergleichbaren Antrag auf Aufhebung. Das Finale des aktuellen Formel-1-Wochenendes steht mit dem Großen Preis von Barcelona-Katalonien unmittelbar bevor.
Die FIA erklärte ferner, dass die ursprünglichen Entscheidungen bei einigen Fahrern leider Auswirkungen auf die Rennstrategie und damit das Rennergebnis gehabt hätten. Damit ist die formale Aufarbeitung des Vorfalls zwar abgeschlossen, die sportlichen Folgen könnten dennoch Thema der kommenden Tage bleiben.
Für Pierre Gasly persönlich ist die Rückkehr auf das Podest nach einer zähen Phase ein emotionaler Moment. Der 30-Jährige hatte unmittelbar nach dem Rennen in Monaco über die seiner Meinung nach ungerechtfertigten Strafen geklagt – und bekam nun, fünf Tage später, am Grünen Tisch recht.
„Pierre Gasly hat seinen dritten Platz vom Grand Prix von Monaco zurückbekommen“, fasste die FIA am Freitag zusammen. Die Sportkommissare hatten die Sanktionen gegen den Alpine-Piloten wegen einer Geschwindigkeitsübertretung in der Boxengasse aufgehoben, weil ihnen ein 77 Zentimeter langer Messfehler unterlaufen war.
Fragen & Antworten
Warum wurden die Zeitstrafen gegen Pierre Gasly aufgehoben?
Die FIA stellte fest, dass die offizielle Messzone in der Boxengasse wegen veränderter Streckenbegrenzungen um 77 Zentimeter zu lang berechnet worden war. Mit der korrigierten Distanz lagen Gaslys Geschwindigkeiten bei 58,7 km/h und 58,8 km/h und damit unter dem erlaubten Limit von 60 km/h.
Was bedeutet die Entscheidung für Isack Hadjar?
Der Red-Bull-Fahrer war nach dem Rennen nachträglich als Dritter gewertet worden und rutschte durch die Rückkehr von Gasly auf Rang drei in Monaco wieder auf Platz vier. In der Fahrerwertung liegt er nun auf Rang neun und wartet weiterhin auf sein erstes Podium mit Red Bull.
Können McLaren oder Red Bull noch Einspruch einlegen?
Ja, die Teams haben nach Angaben in den Berichten 96 Stunden Zeit, um die Entscheidung zu prüfen und gegebenenfalls rechtliche Schritte einzulegen. Laut Medienberichten behalten sowohl McLaren als auch Red Bull sich dieses Recht vor.
Gasly Monaco-Podest zurück: FIA hebt Strafen auf | nachrichten360