Ein Moskauer Gericht hat den deutschen Karnevalsbildhauer Jacques Tilly wegen Beleidigung religiöser Gefühle und Verbreitung von Falschinformationen über das russische Militär zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt.
Urteil und Strafe
Das Gericht in der russischen Hauptstadt sprach Tilly schuldig und verhängte neben der Gefängnisstrafe eine Geldbuße von rund 2.000 Euro sowie ein vierjähriges Berufsverbot. Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich neun Jahre Haft, einen ähnlichen Arbeitsverbotszeitraum und eine deutlich höhere Geldstrafe gefordert.
Tillys Verteidiger plädierten auf Freispruch mit der Begründung, es gebe keine ausreichenden Beweise für die Vorwürfe. Das Gericht folgte dieser Argumentation jedoch nicht. Die Entscheidung basiert auf mehreren Karnevalswagen, die der Künstler entworfen hatte und die Russlands Präsident Wladimir Putin sowie den Krieg in der Ukraine kritisch darstellten.
Kontroverse Karnevalsmotive
Einer der umstrittenen Wagen zeigte Putin in Uniform zusammen mit Patriarch Kyrill, dem Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, in einer homosexuellen Szene. Diese Darstellung wurde von russischen Behörden als schwere Beleidigung religiöser Gefühle gewertet.
Die Motive waren Teil von Tillys Arbeiten für den deutschen Karneval, wo politische Satire seit langem eine zentrale Rolle spielt. In Russland gelten solche Darstellungen jedoch als Straftatbestand, insbesondere seit der Verschärfung der Gesetze zur "Verteidigung religiöser Gefühle" und zur "Verbreitung von Falschinformationen über die Streitkräfte".

