Michael Kuhn ist tot: Österreichs Sportjournalismus verliert eine prägende Stimme
Wien, 22. Juli 2026
Manfred Werner / Tsui / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0
Kurzfassung
Michael Kuhn, eine der prägendsten Stimmen des österreichischen Sportjournalismus, ist in der Nacht auf Mittwoch im Alter von 88 Jahren in Kärnten gestorben. Der gebürtige Wiener war über Jahrzehnte als Moderator und Live-Kommentator beim ORF sowie als Sport-Ressortleiter der "Kronen Zeitung" tätig.
Der österreichische Sportjournalist Michael Kuhn ist in der Nacht auf Mittwoch im Alter von 88 Jahren in Kärnten gestorben, wie seine Tochter, die TV-Produzentin Bettina Kuhn, der APA bestätigte.
Karrierebeginn und ORF-Tätigkeit
Michael Kuhn wurde am 28. Oktober 1937 in Wien geboren und galt als eine der prägendsten Persönlichkeiten des heimischen Sportjournalismus. Über mehrere Jahrzehnte hinweg prägte er die Berichterstattung über nationale und internationale Sportereignisse in österreichischen Medien. Seine Stimme war Zuschauerinnen und Zuschauern vor allem in den 70er, 80er und 90er Jahren sehr bekannt.
Seine journalistische Laufbahn begann Kuhn als freier Mitarbeiter bei "Wiener Illustrierte", "Wiener Montag" und der ÖVP-nahen "Neue Österreichische Tageszeitung". Von 1965 bis 1993 war er als Moderator und Live-Kommentator beim Österreichischen Rundfunk tätig, wo er vor allem durch seine Kommentare von Fußballspielen und Skirennen einem breiten Publikum bekannt wurde.
Ende der ORF-Kommentatorenrolle durch Gerd Bacher
Beim ORF endete seine Tätigkeit als Live-Kommentator allerdings nicht freiwillig. ORF-Generaldirektor Gerd Bacher beendete Kuhns Rolle als Kommentator, weil er dessen parallele Arbeit für die "Kronen Zeitung" ablehnte. Zu diesem Zeitpunkt hatte Kuhn bereits mehr als zehn Jahre keine Sportereignisse mehr für den ORF kommentiert.
Parallel zu seiner ORF-Tätigkeit arbeitete Kuhn seit 1959 bei der "Kronen Zeitung", also bereits im Jahr des Wiedererscheinens der Zeitung. Er schrieb dort bis 2006 im Sport-Teil und leitete das Sport-Ressort über mehr als vier Jahrzehnte. In dieser Funktion galt er als gefragter Experte für österreichischen und internationalen Sport. Wie er selbst einmal sagte, habe er sich ohnehin immer als "Zeitungsmensch" gefühlt.
Kronen Zeitung: vier Jahrzehnte im Sport-Ressort
Im Jahr 2003 wurde Kuhn vom damaligen Herausgeber Hans Dichand, der seinen Sohn Christoph Dichand beim deutschen Mitgesellschafter WAZ als neuen Chefredakteur durchsetzte, als Kompromissfigur neben diesen gestellt. Kuhn übernahm in dieser Phase interimistisch die Funktion des Chefredakteurs. Drei Jahre später, 2006, wurde er von Hans Dichand nach Auseinandersetzungen fristlos entlassen. Die Trennung 2006 erfolgte nicht ohne Nebengeräusche.
Nach seiner Entlassung wurde Kuhn freigestellt und konnte während langwieriger Gerichtsverfahren nicht arbeiten. Die Kontroverse um sein Ausscheiden bei der "Kronen Zeitung" markierte einen unrühmlichen Einschnitt in seiner Karriere. Dennoch galt er in der Branche stets als kollegial und beliebt.
Sports Media Austria und berufsständisches Engagement
Neben seiner Tätigkeit bei Print und Fernsehen engagierte sich Kuhn auch in der berufsständischen Vertretung. Ab 1997 war er Gründungsmitglied und Präsident von Sports Media Austria, dem Verband österreichischer Sportjournalisten. Diese Ehrenpräsidentschaft hatte er bis zu seinem Tod inne.
Im Jahr 1997, anlässlich seines 60. Geburtstags, wurde Kuhn mit dem Großen Ehrenzeichen für Verdienste um die Stadt Wien ausgezeichnet. Darüber hinaus erhielt er zahlreiche weitere Auszeichnungen sowie mehrere staatliche Ehrungen. Kuhn war Träger des Ehrentitels Professor.
Internationale Ehrung durch die AIPS in Lausanne
Internationale Anerkennung fand Kuhn im Jahr 2019, als er bei einer Zeremonie der internationalen Sportjournalistenvereinigung AIPS in Lausanne für sein Lebenswerk geehrt wurde. Er erhielt dabei vom Publikum in Lausanne minutenlange Standing Ovations. Im Jahr 2024 würdigte ihn zudem das Branchenmagazin "Österreichs Journalist:in" für sein Lebenswerk.
Neben seiner journalistischen Arbeit verfasste Kuhn mehrere Bücher und Fachpublikationen, darunter insbesondere "Kuhns Sport-Chronik". Er galt als Koryphäe der Sportjournalisten Österreichs und prägte Generationen von Sportjournalisten. Sein Schaffen erstreckte sich über zwei der größten Medienhäuser des Landes, wo er über Jahrzehnte hinweg tätig war.
Privat war Kuhn mit der Astrologin Helga Kuhn verheiratet, die ebenfalls viele Jahre bei der "Kronen Zeitung" beschäftigt war. Ihre Horoskope soll Michael Kuhn aber stets verschmäht haben. Aus der Ehe ging eine Tochter hervor: die TV-Produzentin Bettina Kuhn, die nun seinen Tod bestätigte.
Mit dem Tod von Michael Kuhn verliert der österreichische Sportjournalismus eine über Jahrzehnte prägende Stimme, die sowohl in den Redaktionen als auch vor dem Mikrofon Maßstäbe setzte. Branchenvertreterinnen und Branchenvertreter würdigten seine Verdienste um die professionelle Sportberichterstattung in Österreich. Sein Wirken beim ORF und bei der "Kronen Zeitung" sowie sein Engagement für die Interessen der heimischen Sportjournalistinnen und Sportjournalisten bleiben untrennbar mit der Mediengeschichte des Landes verbunden.
Vermächtnis eines Zeitungsmenschen
Kuhn gehörte zu jener Generation von Reporterinnen und Reportern, die den Übergang des Sportjournalismus von der reinen Printberichterstattung hin zu Radio- und Fernsehübertragungen aktiv mitgestalteten. Seine Kommentare galten als präzise, fair und fachlich fundiert, was ihm über die Lager hinweg Anerkennung einbrachte. Auch nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Berufsleben blieb er der Branche als Gesprächspartner und Ratgeber verbunden.
Die Trauer um Michael Kuhn spiegelt die hohe Wertschätzung wider, die er sich über fast sieben Jahrzehnte journalistischer Arbeit erworben hat. Sein Name bleibt untrennbar mit großen Sportereignissen und der medialen Aufarbeitung österreichischer Sportgeschichte verbunden.
Mit seiner Familie, seiner Gattin Helga Kuhn und seiner Tochter Bettina Kuhn, trauern zahlreiche Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter aus Medien, Sport und Verbandswesen um eine Reporterlegende, deren Vermächtnis weit über die Landesgrenzen hinaus wirkt.
Fragen & Antworten
Wer war Michael Kuhn?
Michael Kuhn war ein österreichischer Sportjournalist, der von 1965 bis 1993 beim ORF als Moderator und Live-Kommentator sowie ab 1959 jahrzehntelang bei der "Kronen Zeitung" tätig war. Er galt als Koryphäe der Sportjournalisten Österreichs und prägte Generationen von Sportjournalisten.
Warum endete Kuhns Tätigkeit als ORF-Kommentator?
ORF-Generaldirektor Gerd Bacher beendete Kuhns Kommentatorenrolle, weil er dessen parallele Arbeit für die "Kronen Zeitung" ablehnte. Zu diesem Zeitpunkt hatte Kuhn bereits mehr als zehn Jahre keine Sportereignisse mehr für den ORF kommentiert.
Welche Auszeichnungen erhielt Michael Kuhn?
Kuhn erhielt 1997 das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Stadt Wien, wurde 2019 von der internationalen Sportjournalistenvereinigung AIPS in Lausanne für sein Lebenswerk geehrt und 2024 vom Branchenmagazin "Österreichs Journalist:in" gewürdigt. Darüber hinaus bekam er mehrere staatliche Auszeichnungen und trug den Ehrentitel Professor.
Michael Kuhn tot: ORF- und Kronen-Zeitung-Legende 88-jährig | nachrichten360