Messerattacke Schongau: Hinweise auf extremistisches Motiv
München, 14. Juli 2026
Roland Zumbuehl / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Nach der Messerattacke an einem Gymnasium im oberbayerischen Schongau sehen die deutschen Ermittler Hinweise auf ein extremistisches Motiv. Die Generalstaatsanwaltschaft München übernahm die Ermittlungen gegen einen 16-jährigen Ex-Schüler, dem versuchter Mord in zwei Fällen vorgeworfen wird.
Nach der Messerattacke an einem Gymnasium im oberbayerischen Schongau haben die Ermittler Hinweise auf ein extremistisches Motiv festgestellt; die Generalstaatsanwaltschaft München hat die Ermittlungen gegen einen 16-jährigen Ex-Schüler übernommen, dem versuchter Mord in zwei Fällen vorgeworfen wird.
Tathergang in Schongau
Die Tat ereignete sich am Mittwoch auf dem Schulgelände des Gymnasiums in Schongau. „Er soll am Mittwoch zwei 13-jährige Mädchen mit einem Messer auf dem Schulgelände schwer verletzt haben", teilten die Behörden mit. Beide Mädchen blieben zunächst im Krankenhaus. Mitschüler leisteten Erste Hilfe und retteten nach Einschätzung der Ermittler vermutlich einem der Mädchen das Leben.
Festgenommen wurde ein 16-jähriger Ex-Schüler der Schule. „Ein 16 Jahre alter Ex-Schüler sitzt unter Tatverdacht in Untersuchungshaft. Ihm wird versuchter Mord in zwei Fällen vorgeworfen." Der Jugendliche wurde noch am Tatort von Lehrkräften und Polizeibeamten überwältigt. „Der 16-Jährige war von Lehrkräften und Polizeibeamten überwältigt worden", hieß es von Seiten der Ermittler.
Waffen und Spuren am Tatort
Nach der Tat wurden das Messer, eine Pistole und Munition sichergestellt. Nach dpa-Informationen befand sich die Waffe in einem Rucksack, den der 16-Jährige nach der Attacke in Tatortnähe auf dem Schulgelände abgestellt hatte. Der Verdächtige habe Polizeibeamte nach seiner Festnahme selbst darauf hingewiesen, hieß es weiter.
Die Pistole soll nach Angaben der Ermittler im Darknet beschafft worden sein. Bei der Waffe handelte es sich den Angaben zufolge nicht um ein Haushaltsmesser – gemeint war allerdings das Messer. Laut den Ermittlern „versagte nach dem ersten Schuss bei seiner Tat" die Pistole, woraufhin der Angreifer mit dem Messer wahllos auf Kinder einstach. „Er soll einen Schuss mit der Pistole abgegeben haben, die dann versagte."
Ermittlungen unter Federführung der ZET
Wegen der Schwere des Falls und möglicher extremistischer Hintergründe übernahm die bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET) bei der Generalstaatsanwaltschaft München die Ermittlungen. „Die Ermittlungen gegen den 16 Jahre alten Verdächtigen unter anderem wegen versuchten Mordes habe deshalb die bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET) übernommen", erklärte die Generalstaatsanwaltschaft München am Dienstag. Zuvor war die Staatsanwaltschaft München II mit der ZET im Austausch.
Die Ermittler prüfen zudem ein Schriftstück, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und möglicherweise von dem mutmaßlichen Täter stammt. „Das Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, ist von Beschimpfungen mehrerer Religionsgemeinschaften und Bevölkerungsgruppen durchsetzt, beleidigt werden aber auch Menschen aus dem Umfeld des Verfassers, darunter Mitschüler und Lehrkräfte." Für die Autorenschaft des mutmaßlichen Täters sprächen biografische Angaben, etwa das Alter des Verfassers und Details zu Ärger in der Schule.
Hinweise auf extremistisches Motiv
Zugleich untersuchten die Ermittler, ob die Tat per Livestream übertragen werden sollte. Hinweise auf einen klassischen Amoklauf eines Schülers sehen die Behörden laut eigenen Angaben nicht: „Laut Behörden handelt es sich wohl nicht um einen Amoklauf eines Schülers." Vielmehr gebe es Anhaltspunkte für ein extremistisches Motiv, hieß es.
Bereits vor der Tat war der 16-jährige Kroate nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft wegen zweier Vorfälle aus dem Jahr 2025 in Erscheinung getreten. „Polizei und Staatsanwaltschaft hatten mitgeteilt, dass gegen den 16-jährigen Kroaten wegen zweier Vorfälle aus dem Jahr 2025 ermittelt wurde, weil er unter anderem Mitschüler bedroht und in sozialen Netzwerken Amokläufe verherrlicht haben soll." Der Verdächtige wird nun wegen des Verdachts des zweifachen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung untersucht.
Vorgeschichte des Verdächtigen
Die Generalstaatsanwaltschaft München teilte mit, sie werde angesichts der laufenden Ermittlungen vorerst keine weiteren Auskünfte erteilen. „Mit Blick auf die laufenden Ermittlungen werde die Behörde vorerst keine weiteren Auskünfte erteilen." Damit bleiben zentrale Fragen zur genauen Motivlage und zum Ablauf der Tat zunächst unbeantwortet.
Die Tat hat in Schongau und im gesamten Landkreis tief betroffen gemacht. Die beiden 13-jährigen Mädchen schwebten nach der Attacke nicht in Lebensgefahr, blieben aber zur weiteren Behandlung im Krankenhaus. Die Rolle der Mitschüler, die sofort Erste Hilfe leisteten, wurde von Polizei und Schule ausdrücklich hervorgehoben.
Die Übernahme durch die Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus bedeutet, dass die Ermittler nun einen möglichen ideologischen Hintergrund der Tat systematisch untersuchen. Dabei werden auch Verbindungen zu extremistischen Netzwerken im In- und Ausland, mögliche Kontakte über das Darknet sowie eine eventuelle Beeinflussung durch online verbreitete Gewaltverherrlichung geprüft.
Die Generalstaatsanwaltschaft München hatte zuvor bereits bestätigt, dass die Staatsanwaltschaft München II in dem Fall mit der ZET im Austausch stand. „In diesem Zusammenhang war die Staatsanwaltschaft München II auch mit der ZET bei der Generalstaatsanwaltschaft München im Austausch." Der Wechsel der Zuständigkeit unterstreicht die besondere Bedeutung des Falls.
Offene Fragen und weiteres Vorgehen
Unklar bleibt bislang, wie der Jugendliche an die Schusswaffe gelangen konnte und welche Rolle mögliche Komplizen oder Mittäter spielten. Auch die Frage, inwieweit Warnzeichen aus den früheren Ermittlungen 2025 erkannt und weiterverfolgt wurden, dürfte in der weiteren Aufarbeitung der Tat eine zentrale Rolle spielen.
Die Ermittler kündigten an, den Schriftverkehr, die digitalen Spuren und die bisherigen Ermittlungsergebnisse aus den Verfahren von 2025 zusammenzuführen. Ziel sei es, ein Gesamtbild der Tatmotivation, der Vorbereitung und möglicher weiterer gefährdeter Personen zu erhalten, hieß es aus Ermittlerkreisen.
Mit Blick auf laufende Ermittlungen wollen die Behörden den konkreten Tathergang sowie die exakten Abläufe am Gymnasium in Schongau vorerst nicht im Detail öffentlich machen. Klar ist bislang nur, dass der 16-Jährige direkt nach der Tat überwältigt werden konnte und die Polizei kurz darauf den Rucksack mit der Waffe fand.
Der Fall wird voraussichtlich auch über Bayern hinaus politische Debatten über Gewaltprävention an Schulen, die Rolle sozialer Netzwerke und den Zugang Jugendlicher zu Schusswaffen über das Darknet auslösen. Schulbehörden und Sicherheitsbehörden stehen unter erhöhtem Druck, ihre Präventions- und Frühwarnsysteme zu überprüfen.
Die Generalstaatsanwaltschaft München betonte, sie werde den Fall mit hoher Priorität und unter Beteiligung spezialisierter Ermittler weiterbearbeiten. Weitere Informationen sollten nach Abschluss wesentlicher Ermittlungsschritte öffentlich gemacht werden, hieß es.
Fragen & Antworten
Was ist über den mutmaßlichen Täter von Schongau bekannt?
Bei dem Verdächtigen handelt es sich um einen 16-jährigen Ex-Schüler und kroatischen Staatsbürger. Er sitzt wegen des Verdachts des zweifachen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung in Untersuchungshaft; gegen ihn wurde bereits 2025 unter anderem wegen Bedrohungen und Verherrlichung von Amokläufen in sozialen Netzwerken ermittelt.
Welche Hinweise auf ein extremistisches Motiv sehen die Ermittler?
Die Ermittler verweisen auf ein Schriftstück, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und möglicherweise vom Tatverdächtigen stammt. Es enthält laut Behörden Beschimpfungen mehrerer Religionsgemeinschaften und Bevölkerungsgruppen sowie Beleidigungen von Personen aus dem Umfeld des Verfassers, darunter Mitschüler und Lehrkräfte.
Warum übernahm die Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus den Fall?
Die bayerische ZET bei der Generalstaatsanwaltschaft München übernahm die Ermittlungen wegen des möglichen extremistischen Hintergrunds und des Verdachts des versuchten Mordes in zwei Fällen. Zuvor war bereits die Staatsanwaltschaft München II mit der ZET im Austausch, bevor die Zuständigkeit vollständig an die ZET überging.
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