Ermittler prüfen mögliches Schreiben und Hinweis auf geplanten Livestream nach Amoktat in Schongau
Schongau, 10 Juli 2026
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Kurzfassung
Nach der mutmaßlichen Amoktat an einem Gymnasium in Schongau prüfen die Ermittler ein im Internet aufgetauchtes Schreiben sowie Hinweise auf einen möglicherweise geplanten Livestream der Tat. Ein 16-jähriger Ex-Schüler sitzt wegen zweifachen versuchten Mordes in Untersuchungshaft, nachdem er zwei 13-jährige Mädchen mit einem Messer schwer verletzt haben soll.
Schongau, 10 Juli 2026
Nach der mutmaßlichen Amoktat an einem Gymnasium im bayerischen Schongau prüfen die Ermittler ein im Internet aufgetauchtes Schreiben sowie Hinweise auf einen möglicherweise geplanten Livestream der Tat; ein 16-jähriger Ex-Schüler sitzt wegen zweifachen versuchten Mordes in Untersuchungshaft.
Ermittler bestätigen Vorliegen des Dokuments
Die Staatsanwaltschaft München II bestätigte am Donnerstag, dass den Ermittlern ein Dokument vorliegt, das im Internet kursiert und dem mutmaßlichen Täter zugeschrieben wird. „Das Dokument liegt uns vor", sagte der Sprecher der Anklagebehörde. Ob das Schreiben tatsächlich vom Beschuldigten stamme, sei „Gegenstand der Ermittlungen".
Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München II sagte auf Anfrage: „Es gibt erste Hinweise darauf, dass diese Tat gestreamt werden sollte". Der Nachrichtenmagazin „Spiegel" hatte zuvor über den möglichen Livestream und das Dokument berichtet. „Aber mehr können wir noch nicht sagen", hieß es vonseiten der Behörde weiter.
Hinweise auf möglichen Livestream
Nach Angaben der Ermittler hatte der 16-Jährige am Mittwoch zwei 13-jährige Mädchen mit einem Messer auf dem Schulgelände schwer verletzt. Er wurde von Lehrkräften und Polizeibeamten überwältigt. Die Schusswaffe wurde nach dpa-Informationen bei einem Rucksack gefunden, den der 16-Jährige nach der Tat auf dem Schulhof im Umfeld des Tatorts deponiert haben soll.
Den Informationen zufolge gab der 16-Jährige an, sich die Waffe im Darknet besorgt zu haben. Der Jugendliche ist laut Polizei und Staatsanwaltschaft kroatischer Staatsangehöriger. Er sitzt als Ex-Schüler der betroffenen Schule nun wegen zweifachen versuchten Mordes in Untersuchungshaft.
Bisherige Ermittlungen gegen den Beschuldigten
Bereits vor der Tat war der Beschuldigte nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft wegen zweier Vorfälle aus dem Jahr 2025 ins Visier der Ermittler geraten. Er soll unter anderem Mitschüler bedroht und in sozialen Netzwerken Amokläufe verherrlicht haben.
Dem „Spiegel" zufolge bekennt sich der Autor des Schreibens außerdem zur sogenannten Incel-Bewegung. Demnach lasse sich aus einem im Internet veröffentlichten „Manifest" schließen, dass der mutmaßliche Amokläufer der sogenannten „Attentäter-Fanszene" angehörte. Der Autor bezeichne sich selbst als „hoffnungslosen 16-Jährigen mit viel zu viel Hass im Herzen".
Bezug zur Incel- und Attentäter-Szene
Das Bundesamt für Verfassungsschutz bezeichnet die Szene als „gewaltorientierte, rechtsextremistische Online-Subkultur", die Attentäter nach der „Anzahl ihrer Todesopfer bewertet oder bildlich als Heilige darstellt". Die Generalstaatsanwaltschaft München äußerte sich zunächst nicht zu den neuen Medienberichten.
Die Generalstaatsanwaltschaft München führt das Verfahren wegen der besonderen Bedeutung des Falls. Die Ermittlungen konzentrieren sich nun auf die Frage, ob das aufgefundene Schreiben authentisch ist und ob ein Livestream tatsächlich geplant war. „Aber wir haben bisher noch keine Erkenntnisse in die eine oder andere Richtung, also ob es vom Täter stammt oder nicht", sagte der Sprecher.
Die betroffene Schule in Schongau blieb am Donnerstag geschlossen. Spezialisten der Kriminalpolizei sicherten Spuren auf dem Schulgelände. Die beiden verletzten 13-jährigen Mädchen wurden in Krankenhäusern behandelt; zu ihrem Gesundheitszustand machten die Behörden mit Hinweis auf den Schutz der Minderjährigen zunächst keine näheren Angaben.
Schongau liegt im oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau. Die Stadt mit rund 12.000 Einwohnern wurde durch die Tat bundesweit bekannt. Bayerns Innenministerium kündigte an, die Sicherheitskonzepte an Schulen im Freistaat auf den Prüfstand zu stellen.
Sicherung von Spuren und Zeugenaufrufe
Die zuständigen Behörden stellten zudem klar, dass die Auswertung der digitalen Spuren – darunter Chatverläufe, Social-Media-Profile und mögliche Plattform-Inhalte – einige Zeit in Anspruch nehmen werde. Man werde „mit Hochdruck" ermitteln, hieß es.
Die Generalstaatsanwaltschaft München betonte, dass die Ermittlungen noch ganz am Anfang stünden. Es werde geprüft, ob weitere Zeugen vernommen werden müssten und ob das Schreiben forensisch ausgewertet werden könne. Auch die Rolle möglicher Mittäter oder Unterstützer werde untersucht.
Die Tat wirft erneut Fragen nach der Radikalisierung von Jugendlichen im Internet auf. Experten für Extremismusforschung verweisen seit Jahren auf die wachsende Bedeutung sogenannter Online-Subkulturen, die Gewalt verherrlichen und Attentäter heroisierten. Die Generalstaatsanwaltschaft kündigte an, auch diese Hintergründe in den Blick zu nehmen.
Die Staatsanwaltschaft München II wies darauf hin, dass die Veröffentlichung des mutmaßlichen „Manifests" strafrechtlich relevant sein könne. Die Verbreitung solcher Schriften könne unter bestimmten Voraussetzungen als Belohnung und Billigung von Straftaten gewertet werden, erklärte ein Sprecher.
Politische und gesellschaftliche Reaktionen
Die Ermittler bitten zugleich um Hinweise aus der Bevölkerung. Personen, die im Umfeld der Schule oder in sozialen Netzwerken Auffälligkeiten beobachtet haben, werden gebeten, sich bei der Polizei zu melden. Eine spezielle Ermittlungsgruppe wurde eingerichtet.
Die psychologische Betreuung von Schülern, Lehrkräften und Angehörigen der Verletzten wurde unmittelbar nach der Tat eingeleitet. Notfallseelsorger und speziell geschulte Kräfte sind im Einsatz. Das Kultusministerium in München kündigte Unterstützung für die Schulgemeinschaft an.
Die Generalstaatsanwaltschaft München will in den kommenden Tagen über den Fortgang der Ermittlungen informieren. Bis dahin gelten die bisherigen Angaben unter Vorbehalt, da die Auswertung der digitalen Beweismittel andauert.
Die Tat in Schongau reiht sich in eine Serie von Gewalttaten an Schulen in Deutschland ein, die in den vergangenen Jahren die Debatte über Prävention, Waffenzugang und die Rolle sozialer Medien neu entfacht haben. Politikerinnen und Politiker verschiedener Parteien forderten erneut schärfere Regelungen für den Umgang mit Messern und den Zugang zu Online-Plattformen.
Fragen & Antworten
Was ist über den mutmaßlichen Täter von Schongau bekannt?
Bei dem Beschuldigten handelt es sich um einen 16-jährigen kroatischen Ex-Schüler, der nach Angaben der Ermittler zwei 13-jährige Mädchen mit einem Messer schwer verletzt haben soll. Er sitzt wegen zweifachen versuchten Mordes in Untersuchungshaft und wurde von Lehrkräften und Polizeibeamten überwältigt.
Welche Hinweise auf einen Livestream gibt es?
Die Staatsanwaltschaft München II erklärte, es gebe „erste Hinweise darauf, dass diese Tat gestreamt werden sollte". Der „Spiegel" hatte zuvor über den möglichen Livestream berichtet; ob dieser tatsächlich stattfand, ist noch unklar.
Welche Rolle spielt das im Internet aufgetauchte Schreiben?
Den Ermittlern liegt ein Dokument vor, das dem Beschuldigten zugeschrieben wird und in dem sich der Autor laut „Spiegel" zur Incel-Bewegung bekennt. Ob das Schreiben tatsächlich vom Täter stammt, ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft „Gegenstand der Ermittlungen".
Amoktat Schongau: Ermittler prüfen Schreiben und | nachrichten360