Mercedes-Benz verbucht Absatzrückgang, sieht sich bei Elektroautos aber im Aufwind
Stuttgart, 08 Juli 2026
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Kurzfassung
Der Stuttgarter Autobauer Mercedes-Benz hat im zweiten Quartal 2025 deutlich weniger Pkw verkauft als im Vorjahr. Beim Absatz vollelektrischer Fahrzeuge legte der Konzern jedoch kräftig zu und sieht seine Modelloffensive bestätigt. Wegen der Schwäche in China verschärft das Unternehmen seinen Sparkurs, Beschäftigte protestieren.
Stuttgart, 08 Juli 2026
Mercedes-Benz hat im zweiten Quartal 2025 weltweit 511.900 Pkw und Transporter verkauft, sechs Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, während der Konzern beim Absatz vollelektrischer Fahrzeuge ein Plus von 51 Prozent erzielte.
Der Stuttgarter Autobauer Mercedes-Benz hat im zweiten Quartal des laufenden Jahres 511.900 Pkw und Transporter abgesetzt. Das entspricht einem Rückgang von sechs Prozent gegenüber dem zweiten Quartal des Vorjahres. Allein bei den Pkw belief sich das Minus auf acht Prozent, wie aus den am Mittwoch vorgelegten Halbjahreszahlen hervorgeht.
Insgesamt verkaufte der Konzern nach eigenen Angaben im ersten Halbjahr 1,01 Millionen Autos, "das sind sechs Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum". Die Schwäche konzentrierte sich nach Angaben des Unternehmens auf Verbrennungsmodelle. "Mercedes verwies darauf, dass es im zweiten Quartal vor allem bei den Modellen mit Verbrennungsmotor abwärts ging".
Schwacher Gesamtabsatz
Ein wichtiger Grund für den Rückgang ist das schwache China-Geschäft. In der Volksrepublik wurden im ersten Halbjahr nur noch 210.000 Autos verkauft. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 bedeutet das ein Minus von 28 Prozent. Auch bei den Pkw-Verkäufen insgesamt brach China um rund 30 Prozent ein.
Vertriebschef Mathias Geisen sprach trotz der schwachen Zahlen von einer Modelloffensive, die an Dynamik gewinne: "Unsere größte Modelloffensive gewinnt weiter an Dynamik." Die Nachfrage nach dem neuen elektrischen GLC, dem elektrischen CLA und dem elektrischen GLB sei außerordentlich stark, sagte Geisen weiter. "Vertriebschef Mathias Geisen sagte, die Nachfrage nach dem neuen elektrischen GLC, dem elektrischen CLA und dem elektrischen GLB sei außerordentlich stark".
E-Autos legen kräftig zu
Dass die neuen Modelle ankommen, schlägt sich auch in den Verkaufszahlen der Elektroautos nieder. Mercedes-Benz verkaufte im zweiten Quartal weltweit 52.900 vollelektrische Pkw, ein Plus von 51 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Damit war rund jedes achte im Quartal verkaufte Pkw ein Batterieelektrofahrzeug. In Europa schnellten die E-Auto-Verkäufe im zweiten Quartal sogar um 87 Prozent nach oben.
In Europa legten die Stückzahlen insgesamt leicht zu. Von Januar bis Juni stiegen die Pkw-Verkäufe in der Region im Jahresvergleich um fünf Prozent auf 325.000 Fahrzeuge. Im zweiten Quartal wuchs Europa um vier Prozent. "Hier spielten zum einen neue Produkte, zum anderen eine stärkere Nachfrage nach Elektroautos eine Rolle", erklärte der Konzern.
Europa und Nordamerika im Plus
Auch in Nordamerika verlief das Geschäft freundlich. Von Januar bis Juni verkaufte Mercedes-Benz dort 180.900 Fahrzeuge. "In Nordamerika waren es mit 180.900 Fahrzeugen sogar 15 Prozent mehr verkaufte Autos als im Vorjahreszeitraum". Im zweiten Quartal stiegen die Verkäufe in der Region um 13 Prozent.
Während Europa und Nordamerika zulegen, schrumpfen die Gesamtzahlen, weil China fehlt. Die Konzernführung erklärte, der chinesische Markt bleibe zentral: "China bleibt ein zentraler Markt für Mercedes-Benz und spielt eine Schlüsselrolle in der Lokalisierungs- und Innovationsstrategie des Unternehmens". Dennoch hat der Konzern das ursprünglich für 2027 angepeilte Absatzziel von zwei Millionen Pkw pro Jahr vorerst aufgeschoben.
Das mittelfristige Ziel, rund zwei Millionen Pkw pro Jahr zu verkaufen, soll nun vor Ende des Jahrzehnts erreicht werden, wie das Unternehmen bestätigte. Bis dahin will Mercedes-Benz den Sparkurs weiter verschärfen. Ende Juni hatte der Autobauer ein vor gut einem Jahr aufgelegtes Kostensenkungsprogramm nochmals nachgeschärft und unter anderem eine tarifliche Sonderzahlung auf das Folgejahr verschoben.
Verschärfter Sparkurs und Proteste
Die Konzernleitung forderte die Beschäftigten in Deutschland zudem zu höherer Arbeitsleistung auf: "Der direkteste und in unseren Augen fairste Weg: Wir sollten in allen Bereichen für das gleiche Geld mehr arbeiten". Damit sollten die Arbeitskosten sinken, hieß es aus dem Unternehmen.
Die Reaktion der Belegschaft folgte prompt: Am folgenden Freitag gingen Zehntausende Beschäftigte bundesweit auf die Straße und protestierten gegen die Sparpolitik des Konzerns. Damit wächst der Konflikt zwischen Management und Arbeitnehmerseite in einer Phase, in der das Unternehmen ohnehin mit sinkenden Absatzzahlen kämpft.
Bei den Transvern verlief das zweite Quartal leicht positiv. Mercedes-Benz verkaufte von April bis Juni 94.100 Vans, ein Plus von einem Prozent gegenüber dem Vorjahr. Elektrische Transporter machten zwar nur etwas mehr als ein Zehntel der Van-Verkäufe aus, legten aber prozentual zweistellig zu.
Die Geschäftsentwicklung insgesamt ist dadurch nicht einfacher geworden. Der Konzern nannte als Belastungen für das Gesamtjahr 2025 Zölle, negative Währungseffekte und den scharfen Wettbewerb in China. Auch das Ergebnis ist bereits unter Druck: Der Nettogewinn der Gruppe fiel im ersten Quartal 2025 um 17,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert.
Ausblick und Börsenreaktion
An der Börse reagierten Anleger kurzfristig auf die Halbjahreszahlen. Die Mercedes-Benz-Aktie gab im XETRA-Handel zwischenzeitlich um 3,50 Prozent auf 44,36 Euro nach. Marktbeobachter werteten die schwachen Pkw-Verkäufe und die China-Schwäche als Belastungsfaktoren, auch wenn der E-Auto-Bereich Lichtblicke liefert.
Für das Gesamtjahr 2024 hatte das Unternehmen bereits einen Rückgang der Pkw-Verkäufe um drei Prozent verzeichnet. Im Gesamtjahr 2025 lag der Pkw-Absatz mit etwas mehr als 1,8 Millionen Fahrzeugen um neun Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Der Konzerngewinn sank im selben Zeitraum nach Konzernangaben von 10,4 Milliarden auf 5,3 Milliarden Euro und damit etwa um die Hälfte.
Die vollständigen Geschäftszahlen zum zweiten Quartal will Mercedes-Benz Ende Juli veröffentlichen. Im Fokus stehen dann vor allem der Umsatz und das operative Ergebnis. Beobachter rechnen damit, dass die endgültigen Zahlen zeigen werden, wie weit der Sparkurs die Margen angesichts der schwachen Verbrennerverkäufe stabilisieren kann.
Gelingt es dem Konzern, mit der Modelloffensive rund um elektrische GLC, CLA und GLB sowie mit neuen Verbrennern wie der S-Klasse und dem GLE in der zweiten Jahreshälfte zu punkten, könnte das mittelfristige Ziel von zwei Millionen Pkw pro Jahr vor Ende des Jahrzehnts noch realistisch werden. Bis dahin bleibt China der entscheidende Faktor für die Bilanz.
Die aktuellen Halbjahreszahlen verdeutlichen zugleich, wie tiefgreifend der Wandel im europäischen und nordamerikanischen Markt in Richtung Elektromobilität verläuft. Ohne die kräftigen Zuwächse bei vollelektrischen Pkw hätte das Halbjahr noch deutlich schlechter abgeschnitten, räumte das Unternehmen indirekt ein.
Für die Beschäftigten in den deutschen Werken bleibt die Lage unterdessen angespannt. Mit der Verschiebung der Sonderzahlung und der Forderung nach mehr Arbeit für gleiches Geld stehen weitere Tarifauseinandersetzungen bevor. Die Proteste vor wenigen Tagen zeigen, dass die Belegschaft den Sparkurs nicht widerspruchslos hinnehmen will.
Fragen & Antworten
Wie hat sich der Pkw-Absatz von Mercedes-Benz im zweiten Quartal 2025 entwickelt?
Mercedes-Benz verkaufte im zweiten Quartal 417.800 Pkw, acht Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Insgesamt einschließlich Transporter lag der Absatz bei 511.900 Fahrzeugen und damit sechs Prozent im Minus.
Welche Faktoren belasten das Mercedes-Benz-Geschäft in China?
Mercedes-Benz nennt Zölle, negative Währungseffekte und intensiven Wettbewerb in China als Belastungen. In der ersten Jahreshälfte brach der Absatz dort um 28 Prozent auf 210.000 Autos ein.
Wie entwickeln sich die Elektroautos von Mercedes-Benz in Europa?
Der Verkauf vollelektrischer Pkw stieg im zweiten Quartal europaweit um 87 Prozent. Insgesamt verkaufte der Konzern weltweit 52.900 vollelektrische Pkw, ein Plus von 51 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.